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Anästhesiologie

Von Jana Detscher6 Min. Lesezeit
Studierende beobachten Anästhesie im OP – Anästhesiologie im Medizinstudium

Was ist Anästhesiologie im Medizinstudium?

Die Anästhesiologie ist ein zentrales, wenn auch noch recht „junges“ Fach. Der Fachbereich umfasst die vier Säulen Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerzmedizin. Das Wort Anästhesie bedeutet „ohne Empfindung“ oder „empfindungslos“: Denn die Schmerzfreiheit bei Operationen zählt zu den wesentlichen Aufgabenbereichen von Anästhesisten. Dank Voll- und Regionalnarkose, bei der nur einzelne Körperregionen betäubt werden, sind heute Eingriffe möglich, die früher undenkbar gewesen wären. Und auch kleinere Operationen sind dank der Anästhesie heute keine Tortur mehr, sondern ein Klacks. Aber es geht bei der Anästhesiologie um viel mehr als das Betäuben von Patienten. Auch die Überwachung und Aufrechterhaltung der Vitalfunktionen und die Betreuung von Patienten vor und nach dem Eingriff gehören zum Fach.

Ob es um kleine Standardeingriffe oder komplexe Operationen geht: Die individuelle Abstimmung der Narkose auf den einzelnen Patienten liegt ebenfalls in den Händen der Anästhesisten – dafür braucht es umfassendes Fachwissen.

Wie schwer ist Anästhesiologie wirklich?

Das Fach wird von Studierenden oft unterschätzt. Denn hier geht es um sehr viel mehr als die Verabreichung von Substanz zum „Schlafenlegen“ des Patienten. Die Anästhesiologie ist eines der Fächer, die stark auf vorklinisches Grundlagenwissen abzielen: Besonders die Anatomie, Biologie und Physiologie sind für das Fach relevant. Etwa wenn es um die lokale Betäubung geht, ist die genaue Kenntnis des Körpers von größter Bedeutung. Ebenso bildet pharmakologisches Wissen eine wichtige Grundlage zur Durchführung von Narkosen. Auch die Funktionsweise von Kreislauf und Atmung sind für die intensivmedizinische Betreuung essenziell. Hier hast Du es auf jeden Fall leichter, wenn die Grundlagen gut sitzen.

Bedeutung der Anästhesiologie für die ärztliche Praxis

Die anästhesiologische Praxis ragt in viele Fachbereiche der Medizin hinein. Beatmungsmanagement, Schmerztherapie und Pharmakologie sind essenziell für die Intensiv- und Notfallmedizin. Sei es bei einer Reanimation, einem anaphylaktischen Schock oder einem Polytrauma, die Anästhesiologie spielt immer eine Schlüsselrolle. Dabei arbeiten Anästhesisten oft in interdisziplinären Teams und haben eine tragende Position inne, wenn es um schnelle Entscheidungen geht. In der Durchführung von Eingriffen spielt auch die präoperative Anamneseerhebung eine wesentliche Rolle, wobei der Fokus auf den Atemwegen und anderen Organsystemen liegt, die ein Risiko für anästhesiologische Komplikationen bergen. Je nach Operation und Art der Anästhesieverfahren sind Fragen nach Herzfunktion, Bluthochdruck, Asthmaerkrankungen, Diabeteserkrankungen, Allergien und Dauermedikation für die richtige Einstufung des Patienten relevant: Nach der ASA-Klassifikation (American Society of Anesthesiologists) wird dieser einer der fünf möglichen Gruppen zugeordnet: von ASA-1, eine gesunde Person mit keinerlei Vorerkrankungen abgesehen vom aktuellen chirurgischen Problem, bis ASA-5, ein moribunder Patient, welcher ohne Intervention die nächsten 24h wahrscheinlich nicht überleben wird. Entsprechend hängt der Erfolg von Eingriffen und das Leben von Patienten maßgeblich von der anästhesiologischen Praxis ab.

Kaum verwunderlich also, dass Anästhesisten sehr gefragt sind. Wen im Praktikum die Faszination für dieses verantwortungsvolle Arbeitsfeld gepackt hat, sollte über eine Facharztausbildung in der Anästhesiologie nachdenken. Ein Vorteil: Da die Klinikabläufe für Anästhesisten vergleichsweise gut planbar sind, sind Teilzeitstellen in diesem Bereich meist gut umsetzbar.

Was lernst Du im Fach Anästhesiologie?

In der Anästhesiologie erhältst Du Einblicke in die intensivmedizinische Betreuung inklusive Narkoseführung und Schmerztherapie. Dabei umfasst die Praxis der Anästhesiologie weit mehr als man denken könnte: Die umfassende Vorsorge und Einstellung der Medikamente, die Beobachtung des Patienten während und nach Eingriffen und die Narkoseausleitung erfordern unter anderem Kenntnisse der Inhalte:

  • Allgemeine und regionale Anästhesieverfahren: Unterschiede zwischen Vollnarkose, Regional- sowie Lokalanästhesie
  • Atemwegsmanagement: Intubation, Umgang mit Beatmungsgeräten
  • Pharmakologie: Wirkungen und Wechselwirkungen von Medikamenten
  • Notfallmedizinische Aspekte: Reanimation, Schockmanagement, Krisenintervention, etwa bei akuten Kreislaufstörungen
  • Schmerztherapie: Konzepte der postoperativen Schmerzbehandlung und chronische Schmerzsyndrome
  • Intensivmedizin: Sedierung, Beatmung und Kreislaufmanagement auf der Intensivstation

In der Praxis sind das Legen intravenöser Zugänge und die Intubation bzw. das Atemwegsmanagement zwei Fertigkeiten, die Du Dir aneignen wirst. Während des Eingriffs ist das Monitoring Aufgabe des Anästhesisten. Es beinhaltet in der Regel Pulsoximeter, Blutdruckmessung (NIBP) und Elektrokardiogramm (EKG), teils auch kompliziertere Überwachungsverfahren, die das Legen von arteriellen oder zentralvenösen Zugängen erfordern. Zu der Erfahrung im OP gehört auch, den Verlauf des Eingriffs selbst im Auge zu behalten. Denn Anästhesisten müssen etwa bei plötzlich auftretendem Blutverlust oder einer Veränderung der Patientenlagerung durch Bewegungen des OP-Tisches blitzschnell reagieren. Das Lesen von Geräten und dem Zustand des Patienten gehört daher zur zentralen Praxiserfahrung.

Ablauf der Lehre – Vorlesungen, Seminare & Praktika

Die Anästhesiologie zählt zu den klinischen Hauptfächern gemäß Approbationsordnung und wird meistens im 2. bzw. 3. klinischen Semester gelehrt. Wenn man es genau nimmt, sind auch Notfalltrainings wie der Erste-Hilfe-Kurs und das BLS-Training, die oft in der Vorklinik zum Pflichtcurriculum gehören, Teil der Anästhesiologie.

Das Fach ist allerdings oft nicht eigenständig ausgewiesen, sondern in Modulen wie der Notfall- und Intensivmedizin zu finden. An manchen Universitäten wie der Universität Heidelberg ist die Anästhesiologie auch in den Chirurgischen Block integriert. Neben Vorlesungen, in welchen die Grundlagen des Fachs vermittelt werden, sind Seminare, Übungen und oft auch einwöchige Praktika in der Anästhesiologie vorgesehen. Bei diesem besteht eine 100-prozentige Anwesenheitspflicht. In die Praxis eingeführt wird oft durch ein eintägiges Seminar, bei dem die Studierenden pharmakologische Grundlagen der für die Anästhesie erforderlichen Medikamente und Möglichkeiten der Patientenüberwachung kennenlernen. Schwerpunkte sind dabei praktische Übungen zur endotrachealen Intubation, die Anwendung der Larynxmaske und venöse Zugänge. Nach einigen Tagen im OP sollen die Prinzipien der Atemwegssicherungen sowie das Prozedere der Narkosedurchführung vertraut sein.

Prüfungen & Leistungsnachweise im Fach Anästhesiologie

Die Erfolgskontrolle erfolgt meist über eine fächerübergreifende Semesterabschlussklausur (SAK). In der Regel besteht diese aus Multiple-Choice-Fragen aus Inhalten des Fächerkanons des jeweiligen Semesters. Das Praktikum setzt oft nur die regelmäßige Teilnahme voraus, an manchen Universitäten werden aber auch mündliche oder praktische Prüfungen wie die OSCE als Leistungsnachweis eingesetzt: Dabei handelt es sich um kurze mündliche-praktische Prüfungen, die etwa die Untersuchung eines Patienten oder die Durchführung einer diagnostischen Maßnahme umfassen. Oft kommen Schauspielpatienten zum Einsatz – der Umgang mit realitätsnahen medizinischen Situationen steht hier im Fokus.

Im medizinischen Staatsexamen ist die Anästhesie in etwa vier Prozent der Fragen vertreten – da das Fach allerdings auch in viele Bereiche wie die Chirurgie, auf die immerhin zehn Prozent der Fragen entfallen, hineinragt, kannst Du von einem größeren Fragenumfang ausgehen.

Buchempfehlungen für das Fach Anästhesiologie

  • Heck, M; Fresenius, M.; Busch, C.: Klinikmanual Anästhesie, Springer, Berlin
  • Beckers, S.; Rossaint, R.: Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie in 5 Tagen, Springer, Berlin
  • Hübler, M.; Koch, T.: Komplikationen in der Anästhesie, Springer, Berlin
  • Töpfer, L.; Vater, J.: BASICS Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie, Urban & Fischer / Elsevier, München

Fazit zum Fach Anästhesiologie

Als wichtiges interdisziplinäres und lebenssicherndes Fach bietet die Anästhesie eine einzigartige Mischung aus Technik, Pharmakologie und Notfallmanagement. Dabei wird das Vorwissen aus den ersten Studienjahren wieder greifbar. Das Praktikum in der Anästhesie schult das klinische Denken, bei dem oft schnelle Entscheidungen getroffen werden müssen, und im Umgang mit technischen Hilfsgeräten. Die Praxiserfahrung bietet einen intensiven Einblick, der zu einem echten Aha-Moment führen kann – denn kaum einer ahnt, wie viel hinter dem Fach steckt.

Über die Autorin

Jana Detscher

Jana studiert derzeit im Masterstudiengang "Theorien und Praktiken professionellen Schreibens" und widmet sich mit großer Leidenschaft dem präzisen und kreativen Umgang mit Sprache. Ob bei der Recherche oder beim zielgruppengerechten Schreiben – Jana bringt fundierte Erfahrung im redaktionellen Arbeiten mit, unter anderem durch Stationen beim Literaturhaus Köln und dem Dokumentationszentrum DOMiD e.V.

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