Medizinstudium im Ausland

Der MedAT Aufnahmetest für Medizinstudium in Österreich

Von Jana Detscher6 Min. Lesezeit
Aufnahmetest-Vorbereitung – Der MedAT Aufnahmetest für Medizinstudium in Österreich

Du willst in Österreich Medizin studieren? Dann kommst Du an einem Aufnahmetest nicht vorbei. Dieser bietet eine faire Chance für alle, deren Traum es ist, als Arzt zu arbeiten – geh her! Aber ist es wirklich so einfach? Hier erfährst Du, wie der Test aufgebaut ist und wie die Chancen stehen.

Neben Mozartkugeln und traumhafter Landschaft hat Österreich auch in puncto Medizinstudium einiges zu bieten: In Wien, Innsbruck, Graz und Linz lässt sich hier Humanmedizin studieren – und zwar ganz ohne NC. Allerdings sind insgesamt nur 1.900 Plätze zu vergeben. Klar, dass die Konkurrenz da hoch ist.

Warum in Österreich Medizin studieren?

In Deutschland benötigt man meistens ein sehr gutes Abitur, um Medizin zu studieren – eine für viele nur schwer überwindbare Hürde. Immer mehr junge Menschen schauen sich deshalb nach Alternativen um und eine durchaus interessante ist das Medizinstudium in Österreich: Denn hier spielt der NC überhaupt keine Rolle. Alle Plätze werden an diejenigen vergeben, die beim Aufnahmetest MedAT am besten abschneiden. Anders als in vielen anderen Ländern werden in Österreich außerdem keine Studiengebühren fällig – diese Kombination macht das Studium besonders attraktiv. Auch die fehlende Sprachbarriere zieht vor allem Bewerber aus Deutschland an – wobei Du auf den Wiener Grant gefasst sein solltest, wenn Du nicht weißt, was Paradeiser, Jause und Palatschinken sind.

Studienplatzvergabe in Österreich

Bewerberinnen und Bewerber schreiben den MedAT in einem großen Prüfungssaal

Zu schön wäre es aber, wenn wirklich alle die gleichen Chancen hätten – ganz so ist es nicht. Denn die Studienplatzvergabe läuft in Österreich über die Kontingentregelung. Die Einteilung in das entsprechende Kontingent wird bereits bei der Anmeldung zum MedAT vorgenommen. Wesentlich ist dabei, ob das Reifezeugnis in Österreich erworben wurde – unabhängig von der Staatsbürgerschaft.

Weil die Nachfrage nach Medizinstudienplätzen auch in Österreich sehr hoch ist, sind mindestens 75 Prozent denjenigen vorbehalten, die ein österreichisches Reifezeugnis besitzen. Gleichgestellt und entsprechend zum Österreich-Kontingent zählend sind etwa Inhaber eines Reifezeugnis Europäischer Schulen sowie Bewerber aus Luxemburg und Liechtenstein. Wichtig dabei zu beachten: Die Personengruppenverordnung regelt, welche Reifezeugnisse dem österreichischen gleichgestellt sind – dazu gehören etwa auch die Partner oder Kinder von in Österreich akkreditierten Auslandsjournalisten. Es gibt hier einige Regelungen, die man nicht unbedingt erwarten würde, reinlesen lohnt sich also.

Nur wenige Plätze für EU-Ausländer

Deutsche Bewerber, das heißt solche mit deutschem Abitur, fallen in das EU-Ausland-Kontingent. Darüber werden mindestens 20 Prozent der Plätze vergeben. Dabei konkurrieren auch Bewerber mit einem österreichischen Abschluss, die nicht über das AT-Kontingent zugelassen werden, mit allen anderen EU-Bewerbern. Entsprechend hoch ist der Konkurrenzdruck.

Am schwersten haben es aber Bewerber aus Nicht-EU: Höchstens fünf Prozent der Studienplätze stehen für sie zur Verfügung.

Die Teilnahme am MedAT: Pflichtprogramm

Das Aufnahmeverfahren an allen Universitäten beinhaltet die Teilnahme am MedAT-H – für Zahnmedizin gibt es einen separaten Test (MedAT-Z), dessen Inhalte sich größtenteils mit dem Aufnahmetest Humanmedizin decken. Für die Teilnahme selbst gibt es kaum Hürden – ob Du aus Deutschland, Österreich oder einem anderen EU-Land kommst, teilnehmen kannst Du auch schon, wenn Du gerade die letzte Schulstufe absolvierst.

Anders als es beim TMS der Fall ist, musst Du Dich bereits bei der Anmeldung zum MedAT für eine Universität entscheiden, bei der dann auch der Test absolviert wird. Der Test findet einmal im Jahr, meistens Anfang Juli, statt. Die Anmeldung erfolgt online einige Monate im Voraus und kostet 110 €.

Ein Vorteil: Du kannst es immer wieder versuchen, da die Teilnahme ist unbegrenzt oft möglich.

Testinhalte

Der Test besteht aus vier Testteilen. Ähnlich wie bei dem deutschen Eignungstest TMS geht es dabei weniger um Fachwissen als um kognitive Fähigkeiten. Dennoch ist er nicht wirklich mit einem Intelligenztest vergleichbar: Die Inhalte sind durchaus trainierbar.

Basiskenntnistest Medizinische Studien (BMS) – 75 Minuten

Der erste Teil fragt medizinrelevantes Grundwissen auf Abitur-/Matura-Niveau im Multiple-Choice-Format ab. Mit 40 Prozent geht er zu einem erheblichen Teil in die Gesamtbewertung ein. Dabei werden in vier Subtests die Fächer Biologie, Chemie, Physik und Mathematik geprüft. Für die einzelnen Teile steht wiederum eine begrenzte Zeit zur Verfügung – zu einem vorherigen Teil zurückspringen geht nicht. Entsprechend ist das Zeitmanagement, wie bei allen Testteilen, ein Faktor, der gut trainiert sein sollte.

Eine gute Vorbereitung ist für den BMS erfolgsversprechend – schließlich geht es um Wissen, das man sich gut aneignen kann.

Textverständnis (TV) – 35 Minuten

Dieser Untertest wird auch aufgrund dessen, dass er nur zu zehn Prozent in die Gesamtwertung eingeht, oftmals vernachlässigt. Mit ein wenig Training kannst Du hier aber die volle Punktzahl abräumen – und Du willst schließlich zu den Besten gehören, um die Chance auf einen Studienplatz zu erhöhen.

Beim Textverständnis musst Du insgesamt zwölf Fragen, die sich auf drei bis maximal sechs Texte beziehen, beantworten. Die Themen sind dabei vielfältig. Wichtig ist es herauszufinden, mit welcher Strategie Du die gefragten Informationen effizient herausfiltern kannst. Auch die Lesegeschwindigkeit lässt sich gut trainieren.

Kognitive Fähigkeiten und Fertigkeiten (KFF) – 88 Minuten

Nach der einstündigen Mittagspause geht es weiter mit dem dritten Testteil, für den Du all Deine Konzentration brauchst. Denn er ist nicht nur lang, sondern auch kognitiv anspruchsvoll und geht zu vierzig Prozent in die Bewertung ein. Der Testteil besteht aus fünf Subtests, die jeweils im Multiple-Choice-Format abgefragt werden. Er umfasst die Aufgabengruppen Figuren zusammensetzen, Gedächtnis- und Merkfähigkeit, Zahlenfolgen, Wortflüssigkeit und Implikationen erkennen.

Die abgefragten Fähigkeiten sind sowohl für das Medizinstudium als auch für die spätere Tätigkeit als Arzt von großer Bedeutung – sie sagen viel über die Wahrscheinlichkeit aus, mit der Du das Medizinstudium in Österreich abschließen wirst.

Aber auch, wenn hier die kognitiven Voraussetzungen gegeben sein müssen: Das Gedächtnis kann trainiert werden. Es gibt für alle Aufgabentypen verschiedene Lösungsstrategien. Das Einfinden in das Aufgabenprinzip und das Verstehen der Aufgabenstellung sind maßgeblich – und mit der Zeit wird es um einiges leichter.

Soziale-emotionale Kompetenzen (SEK) – 60 Minuten

Zum Arztberuf gehören ein hohes Maß an Empathiefähigkeit und Verantwortungsbewusstsein. Dieser Aspekt soll mit den drei Aufgabengruppen Emotionen regulieren (ER), Emotionen erkennen (EE) und Soziales Entscheiden (SE) geprüft werden. Der Testteil macht insgesamt zehn Prozent der Gesamtbewertung aus. Hier ist es fraglich, inwiefern sich diese Kompetenzen wirklich trainieren lassen – zum Lösen der Aufgaben gibt es aber auch hier bestimmte Strategien, wie das von der österreichischen Hochschulvertretung herausgegebene Skript MedAT zeigt.

Vorbereitung auf den MedAT

Konzentrierte Bearbeitung der papierbasierten Testaufgaben

Unterm Strich lässt sich sagen: Man kann sich bei den Aufgaben auf jeden Fall steigern. Die Teilnehmerzahlen liegen in der Regel zwischen 15.000 und 20.000 und sind damit um ein Vielfaches höher als die Anzahl der verfügbaren Studienplätze. Nur etwa zehn Prozent der Bewerber erhalten tatsächlich einen Studienplatz; aufgrund der Kontingent-Regelungen müssen besonders ausländische Bewerber beim MedAT alles geben.

Du solltest Dir also ausreichend Zeit, am besten mehrere Monate, für die Vorbereitung einplanen. Die Universitäten, die den MedAT organisieren und durchführen, raten dabei von kostenpflichtigen Vorbereitungskursen ab. Vorbereitungsunterlagen wie Übungstests werden auf dem Virtuellen Medizinischen Campus der Uni Graz zur Verfügung gestellt. Besonders für den Basiskenntnistest Medizinische Studien (BMS) eignen sich auch Schulbücher zum Lernen.

Fragenskripte und Testsimulationen findest Du außerdem auf der Seite der Österreichischen HochschülerInnenschaft Wien. Zeitdruck und Erschöpfung sind Faktoren, die einen wesentlichen Einfluss auf die Leistung haben können – daher sollten gerade Testsimulationen unter Realbedingungen ist ein elementarer Bestandteil der Vorbereitung sein.

Der MedAT: Eine echte Option mit Hürden

So einfach es erst einmal klingt – gerade die Details der Studienplatzvergabe machen den Weg zum Medizinstudium in Österreich für ausländische Bewerber zu einem ziemlich steinigen. Die besten Chancen auf einen Platz bieten sich übrigens in Linz, da hier die Konkurrenz am kleinsten ist.

Zur guten Ausrüstung gehören wie bei jeder Alpenüberquerung ein ordentliches Maß an Disziplin, Zeit und Wille. Toll, wenn es gleich beim ersten Mal klappt! Ansonsten gilt beim MedAT: Zwar ist nicht unbedingt der Weg das Ziel. Es im zweiten Anlauf zu erreichen, ist aber genauso gut.

Über die Autorin

Jana Detscher

Jana studiert derzeit im Masterstudiengang "Theorien und Praktiken professionellen Schreibens" und widmet sich mit großer Leidenschaft dem präzisen und kreativen Umgang mit Sprache. Ob bei der Recherche oder beim zielgruppengerechten Schreiben – Jana bringt fundierte Erfahrung im redaktionellen Arbeiten mit, unter anderem durch Stationen beim Literaturhaus Köln und dem Dokumentationszentrum DOMiD e.V.

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