Medizin studieren geht nur mit 1,0-Schnitt? Falsch! Mit dem TMS hast Du auch eine Chance, wenn Dein Abi ohne Sternchen daherkommt. Aber wie bereitet man sich am besten darauf vor? Und wie stehen die Chancen wirklich, mit ihm an einen Studienplatz zu kommen?
Dass die Abiturnote das einzige Kriterium für die Bewerbung auf ein Medizinstudium war, ist bereits eine Weile her. Mittlerweile berücksichtigen alle staatlichen Universitäten den Test für Medizinische Studiengänge – und über das Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH) werden immerhin 60 Prozent der Studienplätze vergeben.
Was ist der TMS?
Der Test für Medizinische Studiengänge () ist ein Eignungstest, der entwickelt wurde, um die für das Medizinstudium relevanten Fähigkeiten zu überprüfen. Da so viele Plätze über das vergeben werden, ist er ein wichtiges Instrument für die Hochschulen, um die Bewerber miteinander zu vergleichen. Und auch für die Zentrale Eignungsquote, über die zehn Prozent der Studienplätze vergeben werden, spielt das Ergebnis eine große Rolle. Wie hoch der TMS an den einzelnen medizinischen Fakultäten gewichtet wird, kannst Du bei Hochschulstart nachlesen.
Die Teilnahme am TMS ist keine Voraussetzung für die Bewerbung auf Hochschulstart. Aber gerade, wenn Du keinen 1,0-Schnitt mitbringst, kannst Du Deine Chancen mit einem guten Ergebnis erhöhen.
Dagegen wird bei den meisten privaten Hochschulen und Universitäten ein Eignungstest gefordert – oft ist das der TMS, teils werden auch eigene Tests angewandt.
Auch wenn Du Dich über die Landarztquote auf einen Studienplatz bewirbst, kann ein gutes Ergebnis die Chancen erhöhen – etwa in Sachsen ist der Test sogar Pflicht.
Inhalte des TMS
Im TMS wird kein medizinisches Fachwissen geprüft. Vielmehr geht es um Merkfähigkeit, logisches Denken, naturwissenschaftliches und mathematisches Grundverständnis sowie Konzentrationsfähigkeit – alles Fertigkeiten, die für das Medizinstudium unverzichtbar sind.
Der Test besteht aus acht Untertests und dauert etwas mehr als fünf Stunden. Für die jeweils 20 bis 24 Aufgaben stehen zwischen neun und 60 Minuten zur Verfügung. Am Vormittag werden die ersten vier Aufgabengruppen bearbeitet, nach einer Pause folgen die weiteren vier.
Muster zuordnen (30 Minuten)
In diesem ersten Unterbereich werden Dir je eine große Abbildung und fünf kleinere Bilder, die Teilausschnitte darstellen könnten, dargestellt. Deine Ausgabe ist es, den Bildausschnitt zu markieren, der fehlerfrei zu dem großen passt. Was am Anfang schwierig erscheint, lässt sich recht gut trainieren.
Medizinisch-naturwissenschaftliches ersten Grundverständnis (60 Minuten)
Hier wird Dir jeweils ein kurzer Text über einen naturwissenschaftlichen Sachverhalt sowie eine Verständnisfrage präsentiert. Dabei musst Du meistens entscheiden, ob genannte Aussagen aus dem Text heraus beantwortet werden können oder nicht – es geht also nicht um Fachkenntnisse, sondern um den Umgang mit komplexen naturwissenschaftlichen Sachverhalten. Dennoch hilft es für diesen Untertest, sich in ein paar Bereiche einzulesen: Etwa anatomische Lagebeschreibungen, enzymatische Reaktionen und hormonelle Regulation sind Themen, die immer wieder vorkommen.
Schlauchfiguren (15 Minuten)
In diesem Untertest wird das räumliche Denken geprüft. Dir werden geknickte Schläuche in einem durchsichtigen Würfel aus zwei Perspektiven gezeigt. Du musst entscheiden, aus welcher Ansicht das zweite Bild gezeigt wird. Viele empfinden die Schlauchfiguren als sehr anspruchsvoll. Aber bei guter Vorbereitung kannst Du Dich schnell verbessern: Denn das Verständnis für die Perspektiven und ein systematisches Vorgehen stellt sich mit der Zeit ein.
Quantitative und formale Probleme (60 Minuten)
In dem von vielen gefürchteten Teil geht es um mathematische Textaufgaben – aber keine Angst, hier ist kein Oberstufenniveau gefragt. Sich die Mathe-Basics aus der Mittelstufe wieder anzueignen und zu verinnerlichen, hilft dabei, den richtigen Lösungsansatz ausfindig zu machen.
Merkfähigkeit (aufgeteilt in Einpräge- und Reproduktionsphase, insgesamt 22 Minuten)
Das Einprägen von Fakten und Figuren ist für viele eine große Herausforderung: Du hast nur 4 Minuten Zeit, um Dir 20 unterschiedliche Figuren zu merken, und 6 Minuten, um je 6 Informationen zu 15 verschiedenen Personen zu verinnerlichen. Erst nach dem Textverständnisteil wird geprüft, wie viele Fakten Du Dir gemerkt hast. Um ein gutes Ergebnis zu erzielen, braucht es viel Übung. Außerdem solltest Du Dir systematisierende Erinnerungsmethoden aneignen: Gruppenbildung, Eselsbrücken, mentale Codierung und Loci-Technik – mit bloßem Durchlesen kommst Du hier nicht weit.
Textverständnis (60 Minuten)
Anders als im Teil Medizinisch-naturwissenschaftliches ersten Grundverständnis hast Du es hier mit vier längeren Texten zu tun, die sich ebenfalls mit medizinischen oder naturwissenschaftlichen Themen befassen. Zu jedem Text werden Dir dann sechs Aufgaben gestellt. Um Dein Ergebnis wirklich zu verbessern, solltest Du eine längere Vorbereitungszeit einplanen und dabei schauen, welche Strategie für Dich am besten funktioniert: Erst den Text lesen, dann die Aufgaben durcharbeiten, erst die Aufgaben lesen und dann den Text oder den Text überfliegen und dann die zur Beantwortung der Fragen notwendigen Schlüsselwörter ausfindig machen – alles ist möglich.
Diagramme und Tabellen (60 Minuten)
Im letzten Untertest wird die Fähigkeit, komplexe Informationen aus verschiedenen grafischen Darstellungen zu entnehmen, geprüft. Die Herausforderung besteht neben der richtigen Herangehensweise und erforderlichen Umgangsfertigkeit mit den verschiedenen Diagrammformen auch darin, dass es sich um den letzten Test handelt – zu diesem Zeitpunkt wirst Du mental bereits ziemlich erschöpft sein. Hier ist es deshalb besonders wichtig, auch dann zu üben, wenn Du etwa nach einem anstrengenden Tag nach Hause kommst, um den Testtag so gut wie möglich zu simulieren.
Die richtige Vorbereitung

Zeitmanagement
Neben der Komplexität der Aufgaben ist das Zeitmanagement ein wichtiger Faktor: Um die Aufgaben kennenzulernen, kannst Du auch ohne Begrenzung üben – aber später solltest Du unter Echtzeitbedingungen arbeiten, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie lange Du Dich an den einzelnen Aufgaben aufhalten kannst. Wenn Du feststeckst, geh lieber zur nächsten Aufgabe über, anstatt zu viel Zeit zu vergeuden.
Mehr als Glück und Können
Auch wenn kein Fachwissen abgefragt wird, solltest Du Dich gut auf den Test vorbereiten. Der TMS setzt hohe kognitive Fähigkeiten voraus – aber das Aufgabenprinzip wird mit der Übung vertrauter und ein Gefühl für Zeitmanagement stellt sich auch mit der richtigen Vorbereitung und Testsimulationen ein. Der TMS ist so konstruiert, dass die Aufgaben nicht vollständig zu schaffen sind. Und Du kannst es Dir wahrscheinlich schon denken: Auf die Chance, mit einem guten Testergebnis auch ohne Top-Abitur an einen Studienplatz zu kommen, haben es viele abgesehen. Über 30.000 Bewerber nehmen jährlich am TMS teil. Nimm die Vorbereitung daher nicht auf die leichte Schulter – schließlich willst Du zu den Besten gehören, um die Chancen auf einen Studienplatz zu erhöhen.
Vorbereitungsmaterial
Für die Vorbereitung eignen sich die zahlreichen Übungsbücher, die auch Testsimulationen beinhalten – diese sind besonders wichtig, da Erschöpfung, die sich nach einigen Stunden konzentrierten Arbeitens einstellt, und Zeitdruck zwei nicht zu unterschätzende Faktoren sind. Dabei solltest Du den Testtag zuhause unter möglichst realen Bedingungen simulieren: Inklusive Pausen, guter Verpflegung, Zeitdruck und Erschöpfung.
Auch Apps können eine gute Ergänzung sein.
Voraussetzungen und Kosten
Um am TMS teilnehmen zu können, musst Du Deine Hochschulzugangsberechtigung schon in der Tasche haben oder sie im laufenden oder darauffolgenden Schuljahr bekommen. Da schon der Test selbst aufgrund der Menge an Aufgaben eine hohe Konzentration erfordert, wird die Teilnahme zeitnah zum Abitur empfohlen – denn dann bist Du es schon gewöhnt, viele Stunden am Stück konzentriert zu arbeiten.
Der Test wird durch die TMS-Koordinationsstelle an der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg organisiert. Durchgeführt wird er jährlich im Mai sowie im November an Standorten in ganz Deutschland. Die Anmeldung kostet 100 € und findet einige Monate im Voraus statt – hier heißt es schnell sein, um einen Platz in Deiner Region zu bekommen. Dazu musst Du Dich auf dem TMS-Portal registrieren. Die entsprechenden Formulare werden mit Beginn der Anmeldefrist freigeschaltet.
Anmeldezeitraum
Es gibt drei Anmeldephasen: Diese laufen immer bis etwa bis etwa drei Monate vor dem Testtermin. Für den Frühjahrs-TMS 2026, der am 09. Und 10. Mai stattfindet, gelten die folgenden Anmeldephasen:
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– 31. Januar 2026: In der ersten, frühesten Phase können ist die Anmeldung nur für Erstteilnehmer oder solche, die nach einem Testabbruch kein Ergebnis erhalten haben, geöffnet.
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– 09. Februar 2025: Jetzt können sich „bevorzugt zuzulassende“ Wiederholer anmelden: Das sind Teilnehmer, die sich im vergangenen Durchlauf in Phase 3 angemeldet, aber keinen Platz erhalten haben oder Wiederholer, die sich mit Attest krankgemeldet hatten.
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– 18. Februar: In Phase 3 ist die Anmeldung für alle geöffnet, die den Test bereits einmal absolviert und ein Ergebnis erhalten haben.
Wichtig zu wissen: Die jeweiligen Phasen gelten ausschließlich für die genannte Personengruppen und haben keine zeitliche Überschneidung – das heißt, als Erstteilnehmer musst Du Dich wirklich in Phase 1 anmelden.
Bewertung und Ergebnis

Das Ergebnis erhältst Du in der Regel etwa sechs Wochen nach dem Testtermin – die Antwortbögen werden mehrmals gescannt und teilweise händisch überprüft. Du kannst das Ergebnis im TMS-Account abrufen.
Beim TMS geht es nicht um bestehen oder nicht bestehen – ob Du Deinen Schnitt mit dem Ergebnis aufpolieren kannst, hängt davon ab, wie viele Punkte Du holst. Für jede der 158 Aufgaben ist ein Punkt zu holen, allerdings lässt sich nicht per se sagen, wie viele es für ein gutes Ergebnis braucht. Denn letztlich zählt, wie Du im Vergleich zu den anderen Teilnehmern abgeschnitten hast. Ein Ergebnis von 90 Prozent bedeutet etwa: 10 Prozent der Teilnehmer haben ein höheres Ergebnis erzielt. Also gut angesehen wird ein Prozentrang von über 80.
Bis Du mit dem Ergebnis nicht zufrieden, dann kannst Du den Test innerhalb eines Jahres einmal wiederholen. Übrigens: Negativ kann sich Testergebnis bei der Bewerbung nicht auswirken. Bei einem guten Ergebnis kannst Du in der Rangliste vor Bewerber mit einem besseren Abischnitt rutschen, mit einem durchschnittlichen Prozentrang wirst Du aber auf keinen Fall schlechter dastehen als davor.
Lohnt sich der Aufwand?
Wenn Du Medizin studieren willst und kein absolutes Top-Abi mitbringst, solltest Du es unbedingt mit dem TMS versuchen. Oft ist ein gutes Ergebnis der absolute Gamechanger. Informier Dich am besten, zu welchem Anteil der Test an den unterschiedlichen Fakultäten gewichtet wird und priorisiere Deine Bewerbungen entsprechend – schaden kann Dir das Ergebnis nie, es kann Dich nur nach vorne bringen! Mit einer ordentlichen Portion Ehrgeiz stehen die Chancen dann nicht schlecht, Deinem Traum vom Arztberuf näher zu kommen.

Jana Detscher
Jana studiert derzeit im Masterstudiengang "Theorien und Praktiken professionellen Schreibens" und widmet sich mit großer Leidenschaft dem präzisen und kreativen Umgang mit Sprache. Ob bei der Recherche oder beim zielgruppengerechten Schreiben – Jana bringt fundierte Erfahrung im redaktionellen Arbeiten mit, unter anderem durch Stationen beim Literaturhaus Köln und dem Dokumentationszentrum DOMiD e.V.
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