Gehalt

Arztgehalt in der Schweiz

Von Dr. rer. nat. Anne Schneider3 Min. Lesezeit
Arztgehalt in der Schweiz

Ausgangslage

Der Ärztebedarf in der Schweiz ist nach wie vor hoch. Wie auch in Deutschland führt die Alterung der Bevölkerung und der Ärzteschaft zu einem steigenden Bedarf an Nachwuchsmedizinern. Besonders gefragt sind Hausärzte, doch auch Fach- und Chefärzte werden dringend benötigt. Die Nachfrage nach gut ausgebildeten Allgemeinmedizinern ist besonders groß und wird voraussichtlich weiter zunehmen. Zwei Drittel aller neu zugelassenen Ärzte in der Schweiz wurden im Ausland ausgebildet. Seit Jahrzehnten werden fehlende Mediziner aus dem nahen Ausland, vor allem aus Deutschland, Österreich und Italien, rekrutiert. Für Ärzte, die ins Ausland gehen möchten, bietet die Schweiz daher sehr gute Chancen für den Berufseinstieg im gewünschten Fachgebiet sowie für beruflichen Aufstieg.

Ein weiterer Vorteil für Interessierte aus dem deutschsprachigen Raum: Es gibt keine Sprachbarriere. Kultur, Sprache und Alltag sind Deutschland sehr ähnlich, weshalb der Schritt in die Schweiz oft nicht als großer Sprung ins Unbekannte empfunden wird.

Gehaltsvorteile in der Schweiz

Ein klarer Pluspunkt für eine Tätigkeit in der Schweiz ist der hohe Verdienst. Als frei praktizierender Arzt verdienst Du dort im Durchschnitt rund 200.000 Euro pro Jahr. Zum Vergleich: Als niedergelassener Arzt in Deutschland erzielst Du durchschnittlich etwa 150.000 Euro. Das entspricht einem Einkommensplus von rund 33 Prozent in der Schweiz.

Hinzu kommt ein deutlicher Steuervorteil. Während in Deutschland ab etwa 50.000 Euro ein Spitzensteuersatz von 42 Prozent greift, liegt die durchschnittliche Steuerbelastung in der Schweiz bei etwa 20 Prozent. Die Steuersätze variieren je nach Kanton, liegen aber im Mittel deutlich unter dem deutschen Niveau.

Rechnet man Gehalt und Steuervorteil zusammen, zeigt sich ein erheblicher Unterschied: In der Schweiz bleiben einem Arzt von 200.000 Euro Brutto rund 160.000 Euro Netto, in Deutschland von 150.000 Euro Brutto hingegen nur etwa 87.000 Euro. Ein Arzt in der Schweiz hat damit netto fast doppelt so viel zur Verfügung wie ein Arzt in Deutschland.

Gehälter für Assistenzärzte

Auch Assistenzärzte verdienen in der Schweiz deutlich mehr als in Deutschland. Laut dem Verband der schweizerischen Ärztinnen und Ärzte (FMH) liegt der durchschnittliche Monatslohn bei 8.416 Schweizer Franken, was umgerechnet etwa 7.650 Euro entspricht (Kurs 2019). In Deutschland liegt das Einstiegsgehalt für Assistenzärzte im ersten Jahr bei rund 4.500 Euro monatlich. Damit bietet die Schweiz auch in dieser Karrierestufe einen klaren Vorteil.

Arbeitsbedingungen und Lebensqualität

Die Arbeitsbedingungen für Ärzte in der Schweiz gelten allgemein als gut. Hausärzte haben mehr Zeit für ihre Patienten und müssen keine finanziellen Einbußen fürchten. Ärztliche Leistungen können ohne Budgetierung abgerechnet werden, und der administrative Aufwand ist insgesamt geringer als in vielen anderen Ländern.

Kritik gibt es jedoch an den Arbeitszeiten von Fachärzten. Rund 70 Prozent arbeiten zu viel und leisten teils mehr als 60 Wochenstunden sowie Einsätze über sieben Tage am Stück.

Die Schweiz bietet zudem eine sehr hohe Lebensqualität. Sei es die internationale Metropole Zürich, die ländliche Ostschweiz nahe Bodensee oder die Alpenregion im Süden – die Möglichkeiten zur Niederlassung sind vielfältig. Dieses hohe Lebensniveau hat jedoch seinen Preis. Die Lebenshaltungskosten liegen etwa 58 Prozent über dem EU-Durchschnitt und damit knapp hinter Norwegen. Deutschland befindet sich im Vergleich im EU-Mittel.

Fazit

Die Schweiz ist für Ärzte eine attraktive Option, wenn es um hohe Einkommen, geringere Steuerbelastung, weniger administrative Hürden und solide Aufstiegschancen geht. Die hohen Lebenshaltungskosten und teils lange Arbeitszeiten müssen jedoch in die persönliche Entscheidung einbezogen werden. Wenn Du mit dem Gedanken spielst auszuwandern, findest Du hier dennoch eine interessante berufliche Perspektive.

Über die Autorin

Dr. rer. nat. Anne Schneider

Dr. Anne Theres Schneider ist promovierte Biologin und arbeitet an der Medizinischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Sie betreut medizinische und biologische Doktorand:innen und verfasst wissenschaftliche sowie allgemeinverständliche Texte mit besonderem Gespür für komplexe Inhalte. Durch ihre Nähe zur akademischen Ausbildung kennt sie die Herausforderungen des Medizinstudiums aus erster Hand.

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