Alternativen

Dein Job-Check: Augenoptiker:in

Von Dr. rer. nat. Anne Schneider6 Min. Lesezeit
Optiker passt Brille an – Optiker als Alternative zum Medizinstudium

Warum Augenoptiker:innen so wichtig sind

Über 60% aller Menschen in Deutschland brauchen irgendwann eine Sehhilfe. Als Augenoptiker:in sorgst Du dafür, dass Deine Kund:innen nicht nur besser sehen, sondern sich mit ihrer Brille oder ihren Kontaktlinsen auch wohlfühlen. Du verbindest Handwerk, Technik, Optik und Mode, von der Sehschärfenbestimmung über das Schleifen der Gläser bis hin zur typgerechten Beratung für das passende Gestell.

Ohne Augenoptiker:innen gäbe es zwar Rezepte vom Augenarzt, aber keine alltagstauglichen Brillen, die wirklich passen, gut aussehen und einwandfrei funktionieren. Du bist also die Person, die aus Zahlen und Messwerten eine Brille macht, die den Alltag Deiner Kund:innen verändert, im Job, beim Sport, beim Lesen oder einfach im Straßenverkehr.

So sieht Dein Alltag als Augenoptiker:in aus

Als Augenoptiker:in arbeitest Du nah am Menschen und gleichzeitig sehr technisch-handwerklich. Typische Aufgaben in Deinem Alltag:

  • Du führst Sehtests durch und bestimmst Kurz- oder Weitsichtigkeit sowie ggf. Hornhautverkrümmung.
  • Du berätst Deine Kund:innen, ob Brille oder Kontaktlinsen besser zu ihrem Alltag passen.
  • Du hilfst bei der Wahl von Form, Farbe und Material des Gestells, passend zu Gesicht, Haarfarbe, Stil und Beruf.
  • Du erklärst Unterschiede zwischen Glas- und Kunststoffgläsern, Entspiegelung, Blaulichtfilter, Tönung etc.
  • Du misst Augen- und Scheitelabstände und legst fest, wo die optischen Mittelpunkte im Glas sitzen müssen.
  • Du schleifst Gläser, passt sie in die Fassung ein und kontrollierst die fertige Brille.
  • Du passt Brillen anatomisch an, z. B. durch Erwärmen und gezieltes Biegen der Bügel oder des Nasenstegs.
  • Du zeigst Kund:innen, wie Kontaktlinsen eingesetzt, herausgenommen und gepflegt werden.
  • Du reparierst verbogene oder beschädigte Brillen und kümmerst Dich um Reklamationen.
  • Du erledigst kaufmännische Aufgaben wie Auftragsbearbeitung, Bestellungen und einfache Buchhaltung.

Dein Job ist damit eine Mischung aus Beratung, Handwerk, Optik, Technik und Verkauf.

Die wichtigsten Einsatzbereiche für Augenoptiker:innen

  • Sehberatung & Verkauf: typgerechte Brillenberatung, Kontaktlinsen, Sonnenbrillen, Low-Vision-Hilfen
  • Werkstatt & Fertigung: Gläser bearbeiten, fassen, Brillen reparieren und anpassen
  • Sehtests & Messungen: Refraktionsbestimmung, Augenabstände, spezielle Sehanforderungen
  • Mode & Design: Einschätzen von Trends, Präsentation von Fassungen, Schaufenstergestaltung
  • Kaufmännische Aufgaben: Auftragsabwicklung, Kalkulation, Kundenverwaltung

Wo kannst Du als Augenoptiker:in arbeiten?

  • Optiker-Fachgeschäfte (Filialketten und inhabergeführte Betriebe)
  • Optikerabteilungen in Kaufhäusern oder Gesundheitszentren
  • Kontaktlinsenstudios
  • Betriebe der Brillen- oder Glasindustrie
  • Reha- und Low-Vision-Beratungsstellen
  • ggf. später: eigener Betrieb als Augenoptikermeister:in

Im Alltag bist Du meist in Verkaufsräumen, der Werkstatt und im Büro unterwegs. Kundenkontakt und Werkbank wechseln sich ab.

Das solltest Du für den Beruf mitbringen

  • Freude am Umgang mit Menschen: Du bist viel im direkten Kundenkontakt.
  • Beratungs- und Verkaufstalent: Du erklärst, überzeugst und findest Lösungen.
  • Sinn für Design & Ästhetik: Du solltest einschätzen können, welche Brille zu welchem Typ passt.
  • Feinmotorisches und handwerkliches Geschick: Du arbeitest präzise mit kleinen Schrauben, Gläsern und Werkzeugen.
  • Interesse an Physik, Mathe und Biologie: insbesondere an Lichtbrechung, optischen Systemen und dem Aufbau des Auges.
  • Technikaffinität: moderne Messgeräte, Schleifautomaten, 3D-Scanner und digitale Systeme gehören dazu.

Dein Weg in den Beruf - Ausbildung

Die Ausbildung zur Augenoptikerin/zum Augenoptiker ist eine klassische duale Ausbildung im Handwerk.

  • Dauer: 3 Jahre
  • Ausbildungsart: dual (Betrieb + Berufsschule)
  • Ausbildungsbeginn: meist 1. August oder 1. September
  • Abschluss: Gesellenprüfung im Augenoptikerhandwerk

Voraussetzungen:

  • offiziell kein bestimmter Abschluss vorgeschrieben,
  • in der Praxis meist mittlerer Schulabschluss, oft auch (Fach-)Abi,
  • guter Hauptschulabschluss ist möglich, wenn der Betrieb überzeugt ist,
  • Interesse an Optik, Technik, Mode und Beratung.

Was lernst Du in der Berufsschule?

  • Fehlsichtigkeiten und deren Korrektur
  • Brillengläser bearbeiten und einfassen (Schleifen, Facetten, Zentrierung)
  • Brillen modifizieren und instand setzen
  • Brillen optisch und anatomisch anpassen (Sitz, Neigung, Bügellänge)
  • Kontaktlinsen und Unterschiede zur Brille
  • kundenspezifische Sehanforderungen erkennen (z. B. Bildschirmarbeit, Sport)
  • Grundlagen zu Strabismus, Anisometropie & Co.
  • allgemeinbildende Fächer (Deutsch, Wirtschaftskunde, Mathe)

Praxis im Betrieb

  • Anpassung von Brillen an Gesichts- und Kopfform
  • Sehtests durchführen (unter Anleitung und später selbstständiger)
  • Schleifen und Einsetzen von Gläsern
  • Brillenreparatur und -instandsetzung
  • Beratung von Kund:innen mit leichten und später auch stärkeren Sehbeeinträchtigungen
  • Kundenkommunikation, Verkauf, Auftragsbearbeitung

Studium im Bereich Optik & Gesundheitswesen

Wenn Du nach der Ausbildung noch weitergehen möchtest, gibt es verschiedene Wege:

  • Augenoptik/Optometrie (Bachelor) → Vertiefung in Optik, Sehfehler, Kontaktlinsen, Screening von Augenkrankheiten, Forschung
  • Optometrie-Fortbildungen nach dem Meister → z. B. medizinisch orientierte Optometrie
  • Gesundheitsmanagement / Gesundheitsökonomie → für alle, die mehr in Organisation, Leitung oder betriebswirtschaftliche Themen einsteigen wollen

Mit Meistertitel oder (Fach-)Hochschulreife sind diese Wege gut erreichbar und öffnen Dir Türen in Lehre, Industrie, Management oder Forschung.

Arbeitszeiten und Arbeitskleidung als Augenoptiker:in

Als Augenoptiker:in arbeitest Du in einem Umfeld, das sich stark am Einzelhandel orientiert. Dadurch hast Du in der Regel eine 40-Stunden-Woche mit festen, planbaren Arbeitszeiten. Du bist vor allem werktags im Einsatz, allerdings gehört der Samstag meist regulär dazu. Dafür bekommst Du an einem anderen Wochentag frei. Abenddienste können vorkommen, wenn Dein Geschäft länger geöffnet hat, sind aber eher die Ausnahme. Klassische Nacht-, Wochenend- oder Feiertagsdienste, wie man sie aus medizinischen Berufen kennt, gibt es im Optikerhandwerk so gut wie nie. Das macht die Arbeitszeiten insgesamt gut vereinbar mit Freizeit und Familienleben.

Eine feste „Optiker-Uniform“ gibt es nicht. In den meisten Betrieben trägst Du gepflegte Alltags- oder Business-Casual-Kleidung, oft etwas schicker, da Du im direkten Kundenkontakt stehst, zum Beispiel Hemd oder Bluse, Stoffhose und dezente Schuhe. Häufig wird auch ein Namensschild getragen, damit Kund:innen Dich sofort ansprechen können. In der Werkstatt kann es hingegen praktischer werden. Bei Schleifmaschinen oder feinmechanischen Arbeiten kommen je nach Betrieb auch Kittel oder Schutzbrillen zum Einsatz, damit Du sicher und sauber arbeiten kannst.

Gehalt und Karrierechancen als Augenoptiker:in

Gehalt in der Ausbildung

  • 1. Jahr: ca. 682–800 € brutto/Monat
  • 2. Jahr: ca. 805–950 €
  • 3. Jahr: ca. 921–1.100 €

Gehalt nach der Ausbildung

  • Einstieg: ca. 2.100–2.300 € brutto/Monat
  • mit Erfahrung und Verantwortung: bis ca. 2.400–2.600 €
  • als Meister:in, in Leitungsfunktionen oder als Filialleiter:in deutlich darüber

Deine Entwicklungsmöglichkeiten als Augenoptiker:in

  • Augenoptikermeister:in (Bachelor Professional): ermöglicht Dir die Leitung eines Betriebs oder einer Filiale, Verantwortung für Personal und das Ausbilden von Lehrlingen. Außerdem ist es Dein Weg in die Selbstständigkeit.
  • Staatlich geprüfte:r Augenoptiker:in: zweijährige technische Fortbildung, mit der Du in Werkstattleitung, Qualitätsmanagement oder der Brillenindustrie arbeiten kannst.
  • Optometrie-Fortbildungen: vertiefen medizinisch-optische Kenntnisse wie erweiterte Sehprüfungen oder das Screening von Augenerkrankungen. Ideal für Tätigkeiten in spezialisierten Augenpraxen.
  • Bachelorstudium Augenoptik/Optometrie: wissenschaftliche Vertiefung in Optik, Diagnostik und Forschung. Eröffnet Wege in Lehre, Industrie und medizinische Spezialisierungen.
  • Studium Gesundheitsmanagement/Gesundheitsökonomie: qualifiziert Dich für organisatorische und leitende Tätigkeiten, z. B. Filialleitung, Management oder Unternehmenssteuerung.
  • Betriebswirt:in (Handwerk): bereitet Dich auf höhere betriebswirtschaftliche Verantwortung vor – bis hin zur Geschäftsführung.

Fun Facts

  • Brillen sind längst nicht mehr nur Sehhilfe, sondern Accessoire. Viele Menschen besitzen mehrere Brillen für verschiedene Outfits.
  • In modernen Geschäften kannst Du Brillen teilweise schon per 3D-Scan und Augmented Reality virtuell anprobieren.
  • Gute Augenoptiker:innen werden oft zu „Vertrauensmenschen“. Manche Kund:innen kommen seit Jahren immer wieder zu „ihrem“ Optiker oder „ihrer“ Optikerin, egal wohin sie umziehen.

Fazit

Als Augenoptiker:in kombinierst Du Optik, Handwerk, Technik, Mode und Beratung in einem Beruf. Du hilfst Menschen, wieder klar zu sehen, findest Brillen, die zu ihrem Gesicht und ihrem Leben passen, und arbeitest mit modernen Messgeräten, Schleiftechnik und digitalen Systemen.

Wenn Du gerne mit Menschen arbeitest, ein Auge für Design hast, keine Angst vor Zahlen, Technik und feinen handwerklichen Tätigkeiten hast, ist die Ausbildung zum/zur Augenoptiker:in eine praxisnahe, kreative und zukunftssichere Alternative zum Medizinstudium, mit vielen Möglichkeiten zur Spezialisierung, Selbstständigkeit oder Weiterentwicklung Richtung Optometrie oder Management.

Über die Autorin

Dr. rer. nat. Anne Schneider

Dr. Anne Theres Schneider ist promovierte Biologin und arbeitet an der Medizinischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Sie betreut medizinische und biologische Doktorand:innen und verfasst wissenschaftliche sowie allgemeinverständliche Texte mit besonderem Gespür für komplexe Inhalte. Durch ihre Nähe zur akademischen Ausbildung kennt sie die Herausforderungen des Medizinstudiums aus erster Hand.

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