Ärztliche Karriere in Australien – Was muss ich beachten?
Unberührte Natur, belebte Metropolen und abenteuerliche Trips ins Outback? Der Gesundheitssektor in Australien wächst – erst einmal die ideale Voraussetzung, um hier als Arzt durchzustarten. Aber wie leicht ist der Weg dahin?
Überlastung durch Schichtdienste und lange Arbeitszeiten, bürokratische Hürden, kaum Möglichkeiten, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen – und dann auch noch der lange, dunkle Winter in Deutschland. Klar, dass viele Ärzte mit dem Gedanken spielen, in Länder mit besseren Arbeitsbedingungen und mehr Sonnenstrahlen auszuwandern.
Bessere Lebensqualität und gute Karrierechancen
Von der Frage, wo man seinen Lebensunterhalt verdienen möchte, hängt vieles ab – nicht zuletzt das persönliche Glück. Dass Australien mit seiner einzigartigen Natur für viele ein Traumziel darstellt, ist eine gute Grundlage. Aber es bieten sich auch Chancen auf eine gute Karriere, denn wie an vielen anderen Orten herrscht auch hier Ärztemangel, besonders auf dem Land.
Das Einstiegsgehalt unterscheidet sich nicht wesentlich von dem in Deutschland. Mit zunehmender Berufserfahrung fällt es allerdings noch deutlich besser aus. Finanziell kann sich der Schritt also auf jeden Fall lohnen.
Für viele stellen die Arbeitsbedingungen in Australien die noch größere Motivation dar: In der Regel steht mehr ärztliches Personal für die Patienten zur Verfügung als in Deutschland, was für ein entspannteres Arbeitsklima und weniger Belastung sorgt. Die relaxte Mentalität der „Aussies“ zeigt sich auch im kollegialen Umfeld, die Hierarchien sind flacher und es wird viel Wert auf eine gute Teamdynamik gelegt.
Welche Hürden kommen auf Dich zu?
Allerdings wird einem der Weg auf die andere Seite der Erdkugel nicht gerade einfach gemacht, besonders, wenn man sich eine langfristige Existenz aufbauen will.
Für Mediziner aus Deutschland kommen dabei zwei Wege infrage, die beide zur Registrierung bei der Medical Board of Australia führen. Spätesten hier musst Du mit dem Occupational English Test auch Deine Sprachkenntnisse nachweisen.
Wenn du bereits ausgebildeter Facharzt bist, kannst du dich über den Specialist Pathway direkt bei dem zuständigen Fachorganisation (Medical College) in Australien bewerben. Dieser überprüft, wie ähnlich Deine Ausbildung der australischen ist. Wenn er „Substantially Comparable“ ist, hast du gute Chancen, direkt oder mit wenig Zusatzaufwand eine begrenzte Zulassung zu erhalten. Sind die Übereinstimmungen geringer, musst Du noch Prüfungen absolvieren und/oder länger unter Aufsicht praktizieren. Alle ausländischen Ärzte müssen je nach Fach drei bis 24 Monate unter Aufsicht praktizieren, bevor sie die unbeschränkte ärztliche Zulassung erhalten.
Alternativ: der Standard Pathway
Komplizierter wird es, wenn Du noch kein ausgebildeter Facharzt bist. In diesem Fall erhältst Du die Berufszulassung erst, nachdem Du die Australian Medical Council (AMC) Examination bestanden hat. Diese umfasst zwei Prüfungen. Der erste Teil ist eine theoretische Prüfung im Multiple-Choice-Format. Hier stellst du unter Beweis, dass Dein medizinisches Fachwissen den australischen Standards entspricht. Die Anforderungen sind dabei hoch, deshalb sollte ausreichend Zeit für eine gründliche Vorbereitung eingeplant werden. Mit Bestehen dieser ersten Prüfung kannst Du Dich bereits auf Stellen bewerben – für die Zulassung musst Du allerdings auch den zweiten, praktischen Teil absolviert haben.
Dieser findet in Form einer „Objective Structured Clinical Examination“ **(**OSCE) als Prüfung statt oder kann jobbegleitend als “Workplace Based Assessment” (WBA) absolviert werden. Die OSCE Prüfung kann nur in speziellen Testzentren in Australien abgelegt werden. Das WBA kann nur an Krankenhäusern durchgeführt werden, die dieses Programm anbieten. Schließlich musst Du in Australien noch mindestens ein Jahr unter Aufsicht praktizieren, um die Zulassung zu erhalten – dafür brauchst Du natürlich ein konkretes Jobangebot.
Du siehst, das Verfahren ist ganz schön langatmig. Und die Bewerbungsprozesse in Krankenhäusern starten oft schon sechs bis zwölf Monate im Voraus, früh sein lohnt sich also.
Einreise nach Australien
Für die Einreise nach Australien benötigst Du natürlich ein Visum. Und auch hier ist das australische System komplex. Für ausländische Ärzte gibt es verschiedene Visa-Kategorien, die meisten basieren auf einer Sponsorship durch den Arbeitgeber. Ein Jobangebot ist zwingend notwendig. Da die Antragsverfahren zeitaufwändig sind, ist es ratsam, frühzeitig mit der Planung zu beginnen und sich über die aktuellen Anforderungen der australischen Einwanderungsbehörden zu informieren.
Lohnt sich der Aufwand?
Unterm Strich: ein ganz schöner Dschungel an Anforderungen und Papierkram, der auch einiges kostet. Die AMC-Prüfungen, die Beantragung der ärztlichen Zulassung, das Visum und der Flug können sehr teuer werden. Für den ganzen Prozess solltest Du mit einem finanziellen Aufwand von 8.000 bis 12.000 AUD rechnen.
Mal eben nach Australien vor den Anstrengungen des Arbeitsalltags flüchten – so einfach ist es leider nicht. Du musst schon einiges an Geduld und Disziplin mitbringen. Aber wer sich gut vorbereitet, auf den warten nette Kollegen, Karrieremöglichkeiten und eine gute Work-Life-Balance. Und wo könnte man das alles besser genießen als im sonnigen Down Under?

Jana Detscher
Jana studiert derzeit im Masterstudiengang "Theorien und Praktiken professionellen Schreibens" und widmet sich mit großer Leidenschaft dem präzisen und kreativen Umgang mit Sprache. Ob bei der Recherche oder beim zielgruppengerechten Schreiben – Jana bringt fundierte Erfahrung im redaktionellen Arbeiten mit, unter anderem durch Stationen beim Literaturhaus Köln und dem Dokumentationszentrum DOMiD e.V.
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