Arztberuf & Karrierewege

Arbeiten im Krankenhaus vs. in der Praxis – Was ist besser?

Von Jana Detscher4 Min. Lesezeit
Arzt zwischen Klinik und Praxis – Arbeiten im Krankenhaus vs. in der Praxis – Was ist besser?

Flotten Schrittes auf langen Klinikfluren unterwegs, ständig dramatische Notfälle und emotionale Achterbahnfahrten zwischen Leben und Tod – oder doch der gemütliche Wollpulli unter dem weißen Kittel in der Arztpraxis auf dem Land? Hier erfährst Du, was den Arbeitsalltag in der Praxis und im Krankenhaus wirklich ausmacht und was sich mehr lohnt.

Arbeitszeiten und Work-Life-Balance

Während der Arzt im Krankenhaus nach zehn Minuten Mittagspause noch eine ganze Nachtschicht vor sich hat, schließt die Hausarztpraxis um 15 Uhr – das heißt, es geht pünktlich in den Feierabend, oder?

Die Arbeitszeiten im Krankenhaus und in der Praxis stehen sich längst nicht so diametral gegenüber, wie manche glauben. Tatsächlich arbeiten auch niedergelassene Haus- und Fachärzte im Durchschnitt 53 Stunden pro Woche. Was von außen nicht sichtbar ist: Als niedergelassener Arzt findet ein wesentlicher Teil der Arbeit außerhalb der Öffnungszeiten statt. In dieser werden Hausbesuche durchgeführt, die oft viel Zeit in Anspruch nehmen. Zudem sind niedergelassene Ärzte verpflichtet, Bereitschafts- und Notdienste zu übernehmen, sodass auch Arbeitszeiten am Wochenende oder nachts vorkommen.

Dennoch steht es mit der Work-Life-Balance für Ärzte in einer Praxis besser. Klinikärzte machen nämlich noch deutlich mehr Überstunden, fast ein Fünftel arbeitet sogar 60 bis 80 Stunden. Zusätzlich ist die Belastung durch Schichtdienste besonders hoch. Dagegen können sich niedergelassene Ärzte ihre Arbeitszeiten (weitestgehend) selbst einteilen.

Selbstständigkeit bedeutet auch zusätzliche Verantwortung

Die Flexibilität, die mit einer Niederlassung einhergeht, fordert aber auch sehr viel Eigenverantwortung – zumindest, wenn Du eine eigene Praxis führen willst. Für die Praxisorganisation und Verwaltung können sich Ärzte zwar Hilfe holen, letztlich sind sie aber dafür verantwortlich. Und tragen so gegebenenfalls auch die Verantwortung für Mitarbeitende.

Wer diese organisatorische Last nicht allein stemmen will, kann sich aber auch erst einmal in einer Praxis anstellen lassen. Angestellte Ärzte sind dann nur für ihr Fachgebiet zuständig, während die administrativen Aufgaben beim Praxisinhaber liegen.

Für eine eigene Praxis sind die Einstiegshürden wesentlich höher als bei einer Anstellung im Krankenhaus. Damit eine Praxis gut läuft, muss zuerst ein fester Patientenstamm aufgebaut werden, bei einer Übernahme geht es darum, dass die Patienten erhalten bleiben. Weil es nach wie vor einen Ärztemangel gibt, ist die Nachfrage zwar hoch, aber eine positive Außenwahrnehmung ist trotzdem wichtig. Deshalb gehört etwa der Webauftritt zu den Aufgabenbereichen, mit dem Ärzte im Klinikalltag nicht in Kontakt kommen.

Die Arbeit in der Praxis ist oft geprägt von langfristigen Beziehungen zu den Patienten, was ein intensiveres Betreuungsverhältnis ermöglicht. Vor allem in einer Hausarztpraxis kommen Patienten regelmäßiger zu Kontrollterminen. Im Krankenhaus ist der Patientenkontakt oft kürzer und intensiver: Du behandelst Patienten häufig nur einmalig oder über einen kurzen Zeitraum. Aber auch in diesem Punkt sollte die Arbeit in der Praxis nicht romantisiert werden: Niedergelassene Ärzte treffen häufig auf 40 bis 50 Patienten am Tag, bei dieser Anzahl variiert der Grad der Beziehung natürlich stark.

Sicherheit vs. Unternehmerische Freiheit – was lohnt sich mehr?

Gerade zum Einstieg in den Beruf ist es für viele ein großes Plus, dass man bei einer Anstellung im Krankenhaus ein festes Gehalt ausgezahlt bekommt. Dieses wird nach Tarifvertrag festgelegt und erhöht sich damit nicht nur je nach Karrierelevel, sondern auch mit Dauer der Berufsausübung.

Auch bei der Anstellung in einer Praxis ist mit einem festen Gehalt zu rechnen. Dieses wird allerdings zwischen dem Inhaber und dem Angestellten verhandelt.

Will man direkt mit eigener Praxis in das Berufsleben starten, muss man ein gewisses Risiko eingehen und auf die Sicherheit verzichten. Sowohl für die Übernahme als auch die Neugründung braucht es ein ordentliches Startkapital. Der wirtschaftliche Erfolg hängt von den laufenden Kosten und den Leistungen ab, die direkt mit der Kassenärztlichen Vereinigung abgerechnet werden, daher sollte gerade zu Beginn gut kalkuliert werden. Läuft die Praxis erst einmal, kann mit einer Niederlassung in der Regel aber ein gutes Einkommen erzielt werden.

Fazit

Letztlich gibt es nicht das „bessere“ oder „schlechtere“ Arbeitsumfeld – sondern nur das, was besser zu Dir passt. Der Klinikalltag bietet eine finanzielle Sicherheit und ein sehr dynamisches Umfeld, während eine Niederlassung regelmäßigere Arbeitszeiten und langfristige Patientenbeziehungen ermöglicht. Wenn Du mit dem Gedanken spielst, eine eigene Praxis zu eröffnen, kann es auch sinnvoll sein, erst einmal in einem Anstellungsverhältnis zu arbeiten und den Wechsel in Ruhe vorzubereiten.

Und: Du musst Dich nicht sofort festlegen. Wichtig ist, dass Du Dir überlegst, was Deine Vorstellungen sind und so herausfindest, was Dich langfristig glücklich macht.

Über die Autorin

Jana Detscher

Jana studiert derzeit im Masterstudiengang "Theorien und Praktiken professionellen Schreibens" und widmet sich mit großer Leidenschaft dem präzisen und kreativen Umgang mit Sprache. Ob bei der Recherche oder beim zielgruppengerechten Schreiben – Jana bringt fundierte Erfahrung im redaktionellen Arbeiten mit, unter anderem durch Stationen beim Literaturhaus Köln und dem Dokumentationszentrum DOMiD e.V.

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