Let’s go international – wenn es in den Füßen juckt, Deutschland den Rücken zu kehren, ergreifen viele nach dem Abitur die Gelegenheit. Aber warum zum Studieren zurückkehren, wenn man später ohnehin im Ausland als Arzt arbeiten will? Voraussetzung für ein Medizinstudium in den USA oder Kanada ist der MCAT – hier erklären wir Dir alles, was Du darüber wissen musst.
Immer mehr junge Menschen entscheiden sich dafür, ihr Glück in anderen Ländern zu suchen – mehr als die Hälfte davon aus beruflichen Gründen. Und die Plätze für ein Medizinstudium in Deutschland sind umkämpft – klar, dass viele sich nach Alternativen im Ausland umsehen. Besonders begehrt sind Länder wie Ungarn und Tschechien, aber auch die Vereinigten Staaten und Kanada stehen hoch im Kurs. Nicht zuletzt, weil die medizinische Ausbildung als besonders gut gilt.
Warum das MCAT das Ticket in die zweite Runde ist
Der Medical College Admission Test (MCAT) ist ein standardisierter Test, der für die Aufnahme an den meisten medizinischen Hochschulen in den USA und Kanada verlangt wird.
Wichtig dabei: Das Ausbildungssystem in den USA ist ein völlig anderes als in Deutschland. Hier studiert man Medizin als Masterstudiengang – folglich brauchst Du bereits einen Hochschulabschluss, um überhaupt eine Chance zu haben. Viele absolvieren einen Pre-Med-Bachelor in den USA, der speziell auf das Medizinstudium vorbereitet. Aber auch mit anderen Bachelorabschlüssen kannst Du Dich bewerben. Deshalb ist der MCAT ein wichtiges Instrument für die Medical Schools, um die Eignung der Kandidaten festzustellen: Für das Studium brauchst Du eben bestimmte Grundkenntnisse, die Du Dir auch außerhalb der Uni aneignen kannst – einfacher ist es aber mit einem Pre-Med-Bachelor.
Ablauf des MCAT
Mit dem Testergebnis bewirbst Du Dich direkt bei Deiner Wunschuni: Je besser der Score, desto höher die Chancen – und viele medizinische Fakultäten von ausländischen Bewerbern besonders gute Leistungen erwarten. Der Test kann auch mehrmals im Jahr in Frankfurt absolviert werden. Organisiert wird er von der Association of American Medical Colleges (AAMC). Hier solltest Du Dich auch mindestens vier Wochen im Voraus anmelden – ansonsten steigen die Kosten.
Inhalt
Der MCAT ist ein Studierfähigkeitstest, der zwar in manchen Punkten den deutschen Eignungstests ähnelt – allerdings spielen naturwissenschaftliche Grundlagen eine wesentlich größere Rolle. Es geht hier also nicht nur um kognitive Fähigkeiten, sondern auch um handfestes Wissen.
In insgesamt etwa 7,5 Stunden werden vier Abschnitte geprüft: Die Abschnitte Biologische und biochemische Grundlagen lebender Systeme, Chemische und physikalische Grundlagen biologischer Systeme und Psychologische, soziale und biologische Grundlagen des Verhaltens bestehen aus jeweils 59 Multiple-Choice-Fragen, während die Fähigkeiten zur kritischen Analyse und Argumentation in 53 Multiple-Choice-Fragen unter Beweis gestellt werden müssen. Es wird also ein breites Spektrum an Wissen abgefragt. Darüber hinaus musst Du starke analytische Denkfähigkeiten mitbringen, um ein gutes Ergebnis zu erzielen.
Nicht gut gelaufen?
Abgesehen davon, dass eine Teilnahme am Test mindestens 365 US-Dollar kostet, ist das nicht unbedingt ein Problem: Der MCAT darf insgesamt siebenmal wiederholt werden, die Teilnahme ist auf drei Mal pro Jahr begrenzt. Und wenn Dein Gefühl Dich selten täuscht und Du sicher bist, dass Dein Testergebnis nicht gut wird, kannst Du sogar direkt nach der Prüfung annullieren – das heißt, die Teilnahme zählt nicht als Versuch.
Was ist ein guter MCAT-Wert?
Für jeden Abschnitt kannst Du zwischen 118 und 132 Punkte erreichen – insgesamt also höchstens 528. Da auch in den USA und Kanada die Nachfrage nach Studienplätzen hoch ist und inländische Bewerber meist bevorzugt werden, ist ein hoher Score essenziell. Als gut gelten die Chancen mit einem Wert von 515, ab 517 Punkten ist das Ergebnis schon herausragend – aber leider noch immer kein Garant für einen Studienplatz. Die Universitäten haben unterschiedliche Anforderungen: Bei erstklassigen medizinischen Fakultäten wie der Columbia Medical School oder der Harvard Medical School liegt das durchschnittliche Ergebnis bei 520 oder höher.
Aber auch wenn der MCAT-Wert wesentlicher Bestandteil der Bewerbung ist, ist das nicht der einzige Faktor: Gerade die begehrtesten Fakultäten verlangen neben einem hohen Ergebnis Empfehlungsschreiben, einen Top-Notendurchschnitt sowie besondere Leistungen wie ehrenamtliches Engagement. Umgekehrt gilt: Je nach Hochschule können diese Faktoren einen durchschnittlichen Score ausgleichen. Ob das gut oder schlecht ist – kommt ganz darauf an. Wichtig ist eine realistische Einschätzung, bei welcher Hochschule Du mit Deinem Profil die besten Chancen hast.
Die perfekte Vorbereitung
Auch mit einem Pre-Med-Bachelor investieren die meisten Bewerber noch viel Zeit und Energie in das Lernen: Mindestens drei Monate solltest Du einplanen.
Worauf Du den Fokus setzen solltest, findest Du am besten bei einem Probetest heraus. Solche Simulationen in einen Lernplan zu integrieren, ist auch sinnvoll, um Deine Fortschritte zu verfolgen und Schwächen ausfindig zu machen. Als sehr gut gelten dabei die AAMC-Lernhilfen – diese sind teilweise recht teuer. Viele Anbieter versprechen auch mit speziellen Vorbereitungskursen den großen Erfolg bei der Prüfung. Dabei sollte man sich im Vorhinein umfassend über die Zufriedenheit informieren. Im Zweifel kann es sich mehr lohnen, das Geld in umfassende Übungsmaterialien zu investieren.
Tatsache ist: Die eine Anleitung zur optimalen Vorbereitung gibt es hier nicht. Wichtig ist, dass Du Lernstrategien anwendest, mit denen Du zurechtkommst, und genügend Zeit einplanst. Dazu gehört auch die Zeit für einen möglichen zweiten Versuch.
Lohnt sich der Aufwand?
Der MCAT ist eine Hürde, die Du nehmen solltest, um Dir die Türen zu einem Medizinstudium in den USA zu sichern. Gerade als ausländischer Bewerber solltest Du mit Deiner Zeit nicht geizen, wenn es um die Vorbereitung geht – denn nur wenige Plätze werden an Nicht-Staatsbürger vergeben. Aber schließlich geht es um eine Top-Ausbildung und die internationale Karriere im Land Deiner Träume. Also go climb it: Auch wenn ein Sprungbrett von unten nur nach einem Hindernis aussieht – die Luft dort oben ist gut.

Jana Detscher
Jana studiert derzeit im Masterstudiengang "Theorien und Praktiken professionellen Schreibens" und widmet sich mit großer Leidenschaft dem präzisen und kreativen Umgang mit Sprache. Ob bei der Recherche oder beim zielgruppengerechten Schreiben – Jana bringt fundierte Erfahrung im redaktionellen Arbeiten mit, unter anderem durch Stationen beim Literaturhaus Köln und dem Dokumentationszentrum DOMiD e.V.
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