Medizinstudium im Ausland

Medizinstudium in der Schweiz

Von Jana Detscher6 Min. Lesezeit
Medizinstudium in der Schweiz – Universität und Land im Überblick

Unser kleines Nachbarland ist neben seiner schönen Naturlandschaft, Käse und Schokolade auch für die besonders hohen Gehälter bekannt – klar, dass die Schweiz ein beliebtes Auswanderungsziel darstellt. Auch wenn man darüber nachdenkt, hier Medizin zu studieren, gibt es einige Gründe, die dafürsprechen: Der Abiturschnitt spielt bei der Zulassung keine Rolle. Einfach ist es dennoch nicht, einen Platz zu erhalten. Besonders als Nicht-Staatsbürger der Schweiz hat man nur unter bestimmten Voraussetzungen Chancen. Hier erfährst Du alles, was Du zum Medizinstudium in der Schweiz wissen musst.

Die Schweizer Hochschulen zählen zu den besten in Europa. Ein Medizinstudium kann an diesen Hochschulen absolviert werden:

  • Universität Basel
  • Universität Bern
  • Universität Freiburg
  • Universität Genf
  • Universität Lausanne
  • Universität Neuenburg
  • Universität Zürich

Die Unterrichtssprache ist in Basel, Bern und Zürich Deutsch, in Genf, Lausanne und Neuenburg wird auf Französisch unterrichtet. Das Studium in Freiburg ist bilingual.

Wie ist das Medizinstudium in der Schweiz aufgebaut?

Das Studium wird hier in Bachelor und Master unterteilt, wobei beide Programme drei Jahre dauern.

Im Bachelorstudium lernst Du die Grundlagen der Medizin, einschließlich der naturwissenschaftlichen Fächer. Erste praktische Erfahrungen sammelst Du in Hausarztpraktika. Dabei ist das Curriculum je nach Universität unterschiedlich organisiert. Im Allgemeinen wird viel Wert auf die Verknüpfung von Theorie und Praxis und das Lernen in Kleingruppen gelegt. Mit dem erfolgreichen Abschluss des Bachelorstudiums hast Du dabei das Anrecht auf einen Platz im Masterstudiengang, allerdings nicht immer an derselben Universität.

In diesem stehen die klinischen Fächer inklusive intensiver Praxiserfahrung im Vordergrund.

Der Master endet mit dem Verfassen einer Masterarbeit – danach steht die Eidgenössische Prüfung Humanmedizin an. Erst mit dem Bestehen kannst Du als Assistenzarzt praktizieren und in die Facharztausbildung gehen.

Zahnmedizin in der Schweiz studieren

An den Universitäten Basel, Bern, Genf und Zürich kann das Studium der Zahnmedizin absolviert werden. Außer in Genf wird dabei ein ausreichendes Testergebnis des Eignungstests vorausgesetzt. Auch das Zahnmedizinstudium wird im Bachelor-Master-System durchgeführt. In der Regel bekommt man den Master-Studienplatz an derselben Hochschule, an der auch der Bachelor abgeschlossen wurde.

Zugangsvoraussetzungen zum Medizinstudium in der Schweiz.

Leider ist es für alle ohne schweizerische oder liechtensteinische Staatsangehörigkeit nur unter ganz spezifischen Voraussetzungen möglich, in der Schweiz Medizin zu studieren.

Zugang zum Studium in der Schweiz haben dann nur:

  • In der Schweiz oder in Liechtenstein niedergelassene Ausländer;
  • Staatsangehörige eines Mitgliedstaates der Europäischen Union, von Island und Norwegen, die in der Schweiz eine Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA mit dem Vermerk «Erwerbstätigkeit» besitzen und eine berufliche Tätigkeit nachweisen können, die in engem Zusammenhang mit dem Medizinstudium steht. Zudem wird eine mindestens einjährige Erwerbstätigkeit im entsprechenden Beruf in der Schweiz vorausgesetzt;
  • Kinder, ungeachtet ihrer Staatsangehörigkeit, von Staatsangehörigen eines Mitgliedstaates der Europäischen Union, von Island, Norwegen und Liechtenstein, wenn sie in der Schweiz eine Aufenthaltsbewilligung mit dem Vermerk „Familiennachzug“ als Familienmitglied eines Bürgers oder einer Bürgerin der EU/EFTA besitzen;
  • Ausländer mit Wohnsitz in der Schweiz, deren Eltern in der Schweiz niedergelassen sind;
  • Ausländer mit Wohnsitz in der Schweiz, die mit einem Schweizer verheiratet sind, beziehungsweise deren Ehegatten entweder seit mindestens fünf Jahren in der Schweiz niedergelassen oder seit mindestens fünf Jahren im Besitze einer schweizerischen Arbeitsbewilligung (= tatsächliche Aufnahme einer Erwerbstätigkeit vom Stichtag zurück ununterbrochen seit fünf Jahren) sind;
  • Ausländer mit Wohnsitz in der Schweiz, die seit mindestens fünf Jahren im Besitze einer schweizerischen Arbeitsbewilligung (= tatsächliche Aufnahme einer Erwerbstätigkeit vom Stichtag zurück ununterbrochen seit fünf Jahren) sind, beziehungsweise Ausländerinnen und Ausländer mit Wohnsitz in der Schweiz, deren Eltern seit mindestens fünf Jahren im Besitze einer schweizerischen Arbeitsbewilligung (= tatsächliche Aufnahme einer Erwerbstätigkeit vom Stichtag zurück ununterbrochen seit fünf Jahren) sind;
  • Ausländer mit Wohnsitz in der Schweiz, die einen schweizerischen oder kantonalen, schweizerisch anerkannten Maturitätsausweis oder einen eidgenössischen Berufsmaturitätsausweis haben;
  • Kinder, deren Eltern in der Schweiz Diplomatenstatus genießen;
  • von der Schweiz anerkannte Flüchtlinge.

Ohne Bezug zur Schweiz ist eine Zulassung kaum möglich.

Ist man laut diesen Regelungen grundsätzlich berechtigt, muss man in jedem Fall eine Hochschulzugangsberechtigung mitbringen. An den meisten Universitäten wird der Eignungstest für das Medizinstudium (EMS) angewendet – offiziell nur, sofern die Bewerbung die Kapazitäten um 20% übersteigen. Da dies jedoch in der Regel der Fall ist, sollte man sich unbedingt gründlich vorbereiten.

Für die französischsprachigen Studiengänge sind Französischkenntnisse auf Niveau B2 vorzuweisen.

Anders sieht an der Universität Neuenburg aus. Hier kann man sich zum ersten Semester auch ohne EMS einschreiben. Um weiter zu studieren, muss man allerdings die Prüfungen erfolgreich absolvieren, um den Studienplatz zu behalten.

Der Eignungstest für das Medizinstudium (EMS)

Wie viele andere Länder hat auch die Schweiz einen „eigenen“ Eignungstest für medizinische Studiengänge entwickelt. Er gilt – sofern die formalen Voraussetzungen erfüllt sind – als einziges Zulassungskriterium.

Die französischsprachigen Universitäten Genf, Lausanne und Neuenburg wenden den EMS nicht an. Stattdessen wird am hier am Ende des ersten Jahres stark selektiert. An allen anderen schweizerischen Universitäten ist er, anders als der TMS in Deutschland, Pflicht für alle Bewerber.

Aufbau des EMS

Der EMS prüft die kognitiven Fähigkeiten in verschiedenen Aufgabengruppen, für die jeweils maximal 18 Punkte vergeben werden:

  • Muster zuordnen (16 Minuten)
  • Medizinisch-naturwissenschaftliches Grundverständnis (45 Minuten)
  • Objekte im Raum (10 Minuten)
  • Quantitative und formale Probleme (45 Minuten)
  • Einprägephase: Figuren Lernen (4 Minuten) & Fakten Lernen (6 Minuten)
  • Textverständnis (45 Minuten)
  • Reproduktionsphase Figuren (5 Minuten) und Fakten (6 Minuten)
  • Diagramme und Tabellen (45 Minuten)
  • Konzentriertes und sorgfältiges Arbeiten (8 Minuten)

Insgesamt dauert der Test also rund 235 Minuten. Bis auf den letzten Testteil werden alle Bereiche im Multiple-Choice-Format geprüft. Die Schwierigkeit nimmt in jedem Block zu.

Welches Ergebnis muss erzielt werden?

Wie beim TMS kommt es nicht exakt darauf an, wie viele Punkte Du im Test gesammelt hast, sondern darauf, wie die Konkurrenz war: Der entscheidende Testprozentrang gibt an, welcher Anteil der Teilnehmenden ein gleiches oder schlechteres Ergebnis erzielt hat.

Die Zulassungsgrenzen zum Medizinstudium waren in den letzten Jahren auf einem ähnlich hohen Niveau: Im Jahr 2024 brauchte man einen Prozentrang von mindestens 65. Für die Zulassung zum Studium der Zahnmedizin musste man einen Testprozentrang von 41 erreichen.

Wie funktioniert die Anmeldung?

Wer an einer der Universitäten Medizin studieren will, muss sich bis zum 15. Februar bei swissuniversities anmelden. Dabei kann man eine Hochschule priorisieren. Da der Test offiziell nur stattfindet, wenn nicht genügend Studienplätze zur Verfügung stehen, muss auf die Empfehlung des Hochschulrats zur Einführung einer Zulassungsbeschränkung gewartet werden. Diese wird in der Regel im März ausgesprochen, bis Mitte/Ende Mai können sich Bewerber dann bei swissuniversities für die Teilnahme anmelden – spätestens dann solltest Du Dir überlegt haben,

Der Test findet jedes Jahr am Freitag der Kalenderwoche 27 statt. 2025 war das der 4. Juli.

Das Testergebnis wird Dir Anfang August von der Hochschule, für die Du Dich angemeldet hast, übermittelt. Die Studienplätze werden von swissuniversities verteilt – dabei werden Deine Priorisierung, der Wohnsitz und das Testergebnis berücksichtigt.

Das Resultat gilt ein Jahr und kann entsprechend für zwei Bewerbungsrunden verwendet werden.

Wichtig zu beachten: Wer in Zürich studieren will, muss sich zwischen 1. Januar und 31. März zusätzlich online bei der UZH bewerben!

Kosten des Medizinstudiums in der Schweiz

Die Studiengebühren sind in der Schweiz etwas höher als in Deutschland. Je Semester fallen an den Universitäten diese Kosten an:

  • Genf: CHF 500
  • Lausanne: CHF 580
  • Neuchatel: CHF 790
  • Fribourg: CHF 835-985
  • Basel CHF 850
  • Bern: CHF 750
  • Zürich: CHF 720

Auch für die Lebenshaltungskosten muss ein höheres Budget eingeplant werden. Nach dieser Rechnung sollte man von etwa CHF 2050 monatlich ausgehen:

  • Freizeit und Essen: CHF 850
  • Wohnen: CHF 700-900
  • Versicherung: CHF 150-300
  • Bücher und Material: CHF 100-150
Über die Autorin

Jana Detscher

Jana studiert derzeit im Masterstudiengang "Theorien und Praktiken professionellen Schreibens" und widmet sich mit großer Leidenschaft dem präzisen und kreativen Umgang mit Sprache. Ob bei der Recherche oder beim zielgruppengerechten Schreiben – Jana bringt fundierte Erfahrung im redaktionellen Arbeiten mit, unter anderem durch Stationen beim Literaturhaus Köln und dem Dokumentationszentrum DOMiD e.V.

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