Was ist Dermatologie, Venerologie im Medizinstudium?
Die Haut hat nicht nur eine Schutzfunktion. Unser größtes Organ erfüllt zahlreiche Aufgaben – als Sinnesorgan und Ausdruck unserer Gesundheit: Oft ist sie der erste Anhaltspunkt, wenn im Körperinneren etwas nicht stimmt.
Die Dermatologie ist das medizinische Fachgebiet für Erkrankungen der Haut, Nägel, Haare und Schleimhäute. Dazu gehören klassische Hautkrankheiten wie Akne oder Schuppenflechte, aber auch gefährliche Krankheiten wie das maligne Melanom (schwarzer Hautkrebs) oder virale und bakterielle Infektionen. Die Venerologie ist ein Teilgebiet, das sich mit sexuell übertragbaren Krankheiten (STI) beschäftigt – im Studium sind diese Bereiche zu einem gemeinsamen Fach zusammengefasst. Dabei geht es darum, Veränderungen an Haut und Schleimhaut zu erkennen, einzuordnen und zu therapieren – und nein, nicht immer ist die Antwort „Kortisoncreme“.
Das Fach beinhaltet ein breites fachliches Spektrum und hat interdisziplinäre Relevanz, da Erkrankungen auch sekundär systemisch bedingt sein können. Überschneidungen finden sich etwa mit den Fächern Innere Medizin, Infektiologie und Onkologie. Im Studium spielt es dennoch oft eine untergeordnete Rolle.
Wie schwer ist Dermatologie, Venerologie wirklich?
Das Fach wird von Studierenden oft als weniger lernintensiv wahrgenommen als andere Fächer. Die größte Hürde stellt für viele der Anblick von Hautveränderungen dar – vermutlich hat das Fach auch daher nicht den brillantesten Ruf. Da für die Befunde allerdings viele Blickdiagnosen erforderlich sind, sollte man hier versuchen, sich schnell daran zu gewöhnen. Das Fach ist besonders für Menschen mit gutem visuellem Gedächtnis gut zu meistern. In der Regel merkt man schnell Lernerfolge, da viele Erkrankungen typisch aussehen; mit ein wenig Übung erkennt man Ekzeme, Herpes und andere Hautveränderungen auf einen Blick. Der logische Aufbau und die im wahrsten Sinne des Wortes Anschaulichkeit sorgen dafür, sodass man den Lernaufwand recht geringhalten kann.
Bedeutung der Dermatologie, Venerologie für die ärztliche Praxis
Die Haut wird oft als Spiegel innerer Erkrankungen bezeichnet. Daher ist sie auch und gerade für die allgemeinmedizinische Versorgung von größter Bedeutung: Viele suchen mit einer Hautveränderung erst einmal den Hausarzt auf. Schilddrüsenerkrankungen, Infektionen, Autoimmunkrankheiten und Leberstörungen zeigen sich oft an Haut, Schleimhaut oder Nägeln. Daher sollten auch Ärzte anderer Fachrichtungen über ein solides dermatologisches Grundwissen verfügen Zwischen harmlosen Veränderungen wie Ekzem, Urtikaria und Anzeichen schwerer Erkrankungen (Melanom, systemischer Lupus erythematodes) unterscheiden zu können, ist für die ärztliche Praxis essenziell. Hautveränderungen können dermatologisch und systemisch bedingt sein, deshalb reicht das Fach weit in andere Bereiche hinein: Allergien, Autoimmunkrankheiten, Infektionen und auch Tumoren betreffen alle Aspekte der Medizin – etwa die Infektiologie und Immunologie. Ob Kinderarzt, Internist oder Onkologe: Durch das Fenster einen Blick in den gesamten Organismus werfen zu können und das Hautbild beurteilen zu können, ist für einen guten Arzt unerlässlich.
Die Venerologie ist zudem besonders für die Gynäkologie, aber auch die Gesundheitsprävention relevant. Typische STI-Symptome sollten von allen Ärzten unabhängig von ihrer Fachrichtung erkannt werden.
Eine Facharzt-Weiterbildung in Haut- und Geschlechtskrankheiten bietet vielversprechende Karrieremöglichkeiten – besonders mit einer Spezialisierung kann man von einer hohen Nachfrage ausgehen: Etwa im Bereich der operativen oder ästhetisch-kosmetischen Dermatologie.
Was lernst Du im Fach Dermatologie, Venerologie?
Gerade für die Dermatologie ist die visuelle Wahrnehmung von Hautveränderungen Hauptbestandteil der Lehre.
Dermatosen bilden sich aus einzelnen Effloreszenzen. Die meisten dieser Einzelelemente lassen sich mit bloßem Auge erkennen und können differentialdiagnostisch verwertet werden. Was besonders beeindruckend in der Dermatologie ist: Bis zu 70 Prozent der Hauterkrankungen lassen sich nur durch visuelle Inspektion einordnen. Dazu braucht natürlich genaue Kenntnisse der Anatomie und Physiologie der Haut und hautnahen Schleimhäuten, weshalb diese als erstes vermittelt werden. Um das Gesehene dann explizit und fachlich korrekt zu beschreiben, musst Du die sogenannte „Effloreszenzenlehre“ beherrschen: Das ist der Begriffskatalog zur Beschreibung einer Erkrankung an der Haut. Die Diagnose und Therapie von Haut- und Geschlechtskrankheiten wie Syphilis und Gonorrhoe gehören in den zentralen Aufgabenbereich.
Im Studium werden in der Regel die folgenden Krankheitsbilder gelehrt:
• Wichtige Infektionserkrankungen durch Staphylokokken, Streptokokken, Herpesviren, Dermatophyten, Hefen
• Tumore (Melanom, Basalzellkarzinom, spinozelluläres Karzinom)
• Allergietypen (I-IV nach Coombs und Gell), Heuschnupfen, atopisches Ekzem, allergisches Kontaktekzem, Urtikaria
• Autoimmunerkrankungen der Haut (Lupus erythematodes, Sklerodermie, Pemphigus, Pemphigoid)
• Psoriasis/Neurodermitis
Ablauf der Lehre – Vorlesungen, Seminare & Praktika
In der Regel wird Dermatologie, Venerologie ab dem 3. bzw. 4. klinischen Semester gelehrt. In der Vorlesung werden Grundlagen der Pathophysiologie sowie Krankheitsbilder von Infektionskrankheiten, Tumoren und STI vermittelt. Auch hier findet die Lehre bereits unter Anwendung vieler visueller Fallbeispiele statt. An vielen Universitäten gehört ein Praktikum mit zum Lehrplan. Hier werden dann typische Befunde demonstriert und Du hast die Möglichkeit, Patienten auf Stationen oder in der Ambulanz zu untersuchen. Am Ende solltest Du eine dermatologisch zielgerichtete Untersuchung durchführen und eine entsprechende Anamnese erheben können. In der Regel werden im Praktikum keine Ausfalltage akzeptiert.
Prüfungen & Leistungsnachweise im Fach Dermatologie, Venerologie
Die Vorlesungsinhalte werden meist durch eine Semesterabschlussklausur (SAK) geprüft. Auch im Praktikum werden oftmals Leistungen wie das Anfertigen von Epikrisen verlangt: Das sind Beurteilungen von Patienten, die Symptome und deren Ursprung bzw. Diagnose und Untersuchungsergebnisse (die den Befund begründen), sowie den Verlauf und wichtige therapeutische Maßnahmen umfassen. Diese können gemeinsam mit einer möglichen Praktikumsklausur in die Gesamtbewertung einfließen. Das Ablegen des Scheins ist notwendig, um zum zweiten Staatsexamen zugelassen zu werden. Im M2-Examen selbst kann man mit nur wenigen Fragen zu dem Fachbereich rechnen: Bei insgesamt 320 Fragen sollte man davon ausgehen, dass etwa zwei bis drei Prozent das Fach Dermatologie, Venerologie abdecken.
Buchempfehlungen für das Fach Dermatologie, Venerologie
- Fritsch, P.: Dermatologie & Venerologie für das Studium, Springer, Berlin
- Dirschka, T.; Oster-Schmidt, C.; Schmidt, L.: Klinikleitfaden Dermatologie, Elsevier, München
- Moll, I.: Duale Reihe Dermatologie, Thieme, Stuttgart
- Shimizu, H.: Shimizu’s Dermatology, Wiley, Hoboken
Fazit zum Fach Dermatologie, Venerologie
Dermatologie und Venerologie ist ein praxisrelevantes und unterschätztes Fachgebiet – denn von der Haut lassen sich viele Rückschlüsse auf die innere Gesundheit eines Menschen ziehen. Inhalte des Fachs werden Dir im späteren Berufsalltag öfter begegnen, als Du denkst – besonders in der Hausarztpraxis, der Inneren Medizin und Pädiatrie. Die Inhalte sind in der Regel logisch aufgebaut und dank der großen Rolle, die Blickdiagnosen spielen, von Anfang an anschaulich. Auch wenn genau das für einige erstmal schwer zu ertragen ist: Augen auf und durch – an die Bilder gewöhnst Du Dich schnell und wenn Du ein wenig Zeit in das Lernen der Fachbegriffe investierst, ist das Fach gut zu bewältigen.

Jana Detscher
Jana studiert derzeit im Masterstudiengang "Theorien und Praktiken professionellen Schreibens" und widmet sich mit großer Leidenschaft dem präzisen und kreativen Umgang mit Sprache. Ob bei der Recherche oder beim zielgruppengerechten Schreiben – Jana bringt fundierte Erfahrung im redaktionellen Arbeiten mit, unter anderem durch Stationen beim Literaturhaus Köln und dem Dokumentationszentrum DOMiD e.V.
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