Wenn Du Dein Medizinstudium abgeschlossen hast, steht früher oder später eine entscheidende Frage im Raum: Soll ich im Krankenhaus bleiben oder mich mit einer eigenen Praxis niederlassen? Neben Arbeitszeit, Verantwortung und Karrierewegen spielt natürlich auch das Gehalt eine zentrale Rolle. Aber wo verdienst Du am meisten – im Krankenhaus oder in der Praxis?
Die Antwort ist nicht ganz einfach, denn beide Wege haben ihre eigenen Vor- und Nachteile. Während Du im Krankenhaus nach Tarifverträgen abgesichert bist und ein stabiles Einkommen erhältst, lockt die eigene Praxis mit der Aussicht auf sehr hohe Gewinne, allerdings auch mit entsprechendem Risiko.
Gehalt im Krankenhaus
Wenn Du als Arzt im Krankenhaus arbeitest, profitierst Du von Tarifverträgen, die zwischen Klinikverbänden und Ärztevertretern ausgehandelt werden. Das bedeutet: Dein Gehalt ist genau festgelegt und steigt mit den Jahren sowie Deinem Karriereschritt automatisch an.
Besonders am Anfang Deiner Laufbahn gibt Dir diese Sicherheit eine gute Planungsgrundlage.
Beispiele für Gehälter im Krankenhaus:
- Assistenzarzt: zwischen 5.100 und 7.000 Euro brutto im Monat
- Facharzt: zwischen 6.700 und 9.100 Euro brutto im Monat
- Oberarzt: zwischen 8.300 und 10.000 Euro brutto im Monat
- Leitender Oberarzt: 10.000 bis 10.500 Euro brutto im Monat, teilweise auch darüber hinaus
Das zeigt: Im Krankenhaus kannst Du mit zunehmender Berufserfahrung ein solides Einkommen erzielen. Zwar wirst Du selten Spitzenverdienste erreichen wie in einer erfolgreichen Praxis, dafür ist Dein Gehalt sicher, transparent und unabhängig von wirtschaftlichen Risiken.
Gehalt in der eigenen Praxis
Ganz anders sieht es aus, wenn Du Dich mit einer eigenen Praxis niederlässt. Hier gibt es keine festen Tarife, Dein Einkommen hängt direkt von Deiner Fachrichtung, Deinem Standort, der Größe der Praxis und dem Patientenaufkommen ab.
Das Statistische Bundesamt hat 2021 den durchschnittlichen Reinertrag (also das, was nach Abzug von Personal- und Betriebskosten übrig bleibt) auf etwa 336.000 Euro pro Jahr beziffert. Das entspricht knapp 28.000 Euro brutto pro Monat.
Doch die Unterschiede sind enorm:
- Radiologen erzielen im Schnitt einen Reinertrag von rund 92.000 Euro pro Monat.
- Augenärzte liegen mit etwa 45.000 Euro monatlich im Mittelfeld.
- Neurologen verdienen dagegen oft nur rund 19.000 Euro pro Monat.
Das heißt: Manche Fachrichtungen bieten ein extrem hohes Einkommen, andere sind vergleichsweise bescheiden.
Wichtig: Als Praxisinhaber musst Du von diesem Reinertrag noch Einkommenssteuer, Beiträge zu Versorgungswerken, Versicherungen und private Absicherungen zahlen. Außerdem trägst Du das Risiko: steigende Kosten für Personal, Energie oder medizinische Geräte können Deinen Gewinn verringern.
Fazit
Die Entscheidung hängt am Ende stark davon ab, welcher Typ Arzt Du bist.
- Wenn Du Sicherheit, klare Strukturen und eine planbare Karriere schätzt, bist Du im Krankenhaus besser aufgehoben. Dein Gehalt ist zwar begrenzt, dafür stabil und ohne Risiko.
- Wenn Du bereit bist, Verantwortung zu übernehmen, unternehmerisch zu denken und auch wirtschaftliche Risiken zu tragen, bietet Dir die eigene Praxis die Chance auf Top-Verdienste, die deutlich über den Krankenhausgehältern liegen können.
Egal, welchen Weg Du gehst: Beide Optionen haben ihre Stärken und es kommt darauf an, was für Dich persönlich im Vordergrund steht: Planbarkeit oder maximale Gewinnchance.

Daphne Morbach
Daphne Morbach hat ihren Bachelor in Regionalstudien Lateinamerika und Sozialwissenschaften an der Universität zu Köln abgeschlossen. Sie bringt journalistische Erfahrung, ein gutes Gespür für gesellschaftliche Themen und Freude am Schreiben mit. Besonders gern recherchiert und formuliert sie verständliche Inhalte zu komplexen Fragen rund um Bildung, Studium und internationale Perspektiven.
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