Medizinstudium im Ausland

Medizinstudium in Österreich

Von Jana Detscher8 Min. Lesezeit
Medizinstudium in Österreich – Universität und Land im Überblick

Das Medizinstudium lässt sich auch in Österreich realisieren – besonders attraktiv ist es für deutsche Bewerber, weil die Zulassung hier anders funktioniert. Einen Numerus Clausus gibt es in unserem bergigen Nachbarland nicht.

Während das Studium der Humanmedizin in Deutschland an 38 staatlichen Universitäten angeboten wird, gibt es in Österreich nur vier staatliche Studiengänge: In Linz, Graz, Wien und Innsbruck. Daneben wird es von einigen privaten Hochschulen angeboten.

Wie ist das Medizinstudium in Österreich aufgebaut?

Das Medizinstudium ist in Österreich anders aufgebaut als in Deutschland. In der Regel wird es als Diplomstudiengang, ebenfalls mit einer Dauer von 12 Semestern angeboten.

Anstatt in vorklinischen und klinischen Abschnitten ist das Studium dabei in drei Teile gegliedert. Der erste Abschnitt umfasst zwei Semester, der zweite Studienabschnitt sechs Semester und der dritte Studienabschnitt vier Semester.

An der Johannes Kepler-Universität Linz wird Medizin dagegen im Bachelor-Master-System gelehrt. Dabei umfassen Bachelor und Master jeweils sechs Semester.

In den letzten beiden Semestern findet an allen staatlichen Universitäten das Klinisch-Praktische Jahr statt. In diesem werden 48 Wochen praktische Erfahrung in den drei Pflichtmodulen Chirurgische Fächer, Allgemeinmedizin und Innere Medizin sowie in drei Wahlmodulen gesammelt. Abschließend verfasst Du eine Diplom- oder Masterarbeit und absolvierst eine mündliche Prüfung.

Unterschiede gibt es auch in Bezug auf die Prüfungen: In Österreich finden statt den Staatsexamina mehrere kleinere Prüfungen statt. Die wichtigsten sind die Summarierten Integrierten Prüfungen (SIPs). Die sogenannten Jahresprüfungen finden nach dem zweiten, vierten, sechsten, siebten und zehnten Semester statt. Daneben gibt es im dritten, fünften und neunten Semester Formative Integrierte Prüfungen (FIPs), die in erster Linie der Vorbereitung auf die SIPs dienen.

Die praktischen Anteile, also das Pflichtpraktikum, unterscheidet sich ebenfalls: In Österreich sind die Bereiche Innere Medizin, Primäre Versorgung und ein frei wählbares Gebiet vorgeschrieben. Jeweils vier Wochen müssen hier geleistet werden, wobei acht der zwölf Wochen innerhalb der ersten acht Semester absolviert werden.

Das Studium führt zum akademischen Titel Dr. med. univ – dieser entspricht jedoch nicht dem wissenschaftlichen Doktortitel.

Wie funktioniert die Bewerbung an den österreichischen Universitäten?

Die Bewerbung in Österreich funktioniert anders als in Deutschland. Hier musst Du dir eine Universität aussuchen. Die Voraussetzungen an den staatlichen Hochschulen sind bei allen gleich:

Neben Deutschkenntnissen auf C1-Niveau benötigst Du eine allgemeine Hochschulzugangsberechtigung und außerdem das Ergebnis des Studieneignungstests Med-AT. Da es in Österreich keinen NC gibt, ist er ausschlaggebend für die Zulassung zum Medizinstudium.

Der Med-AT

Der Aufbau des Eignungstests unterscheidet sich je nachdem, ob er für Human- oder Zahnmedizin abgelegt wird.

Der Med-AT-Humanmedizin besteht aus vier Testteilen:

  • 40% Basiskenntnistest Medizinische Studien (BMS) – 75 Minuten: 40 Fragen Biologie, 24 Fragen Chemie, 18 Fragen Physik, 12 Fragen Mathematik
  • 10% Textverständnis (TV) – 35 Minuten: 12 Fragen, die sich auf drei bis maximal sechs Texte beziehen
  • 40% Kognitive Fähigkeiten und Fertigkeiten (KFF) – 88 Minuten: 15 Aufgaben Figuren zusammensetzen, 25 Aufgaben Allergieausweise, 10 Aufgaben Zahlenfolgen, 10 Aufgaben Implikationen erkennen, 15 Aufgaben Wortflüssigkeit
  • 10% Soziale-emotionale Kompetenzen (SEK) – 60 Minuten: 10 Aufgaben Soziales Entscheiden, 10 Aufgaben Emotionen erkennen

Anstelle des Testteils Textverständnis werden beim Med-AT-Zahnmedizin manuelle Fähigkeiten überprüft. Hier setzt sich die Gewichtung so zusammen:

  • 30% Basiskenntnisse für medizinische Studien (BMS) 40 Fragen Biologie, 24 Fragen Chemie, 18 Fragen Physik, 12 Fragen Mathematik
  • 30% kognitive Fähigkeiten: 15 Aufgaben Figuren zusammensetzen, 25 Aufgaben Allergieausweise, 10 Aufgaben Zahlenfolgen, 10 Aufgaben Implikationen erkennen, 15 Aufgaben Wortflüssigkeit
  • 10% Sozial-emotionale Kompetenzen: 10 Aufgaben Soziales Entscheiden, 10 Aufgaben Emotionen erkennen
  • 30% manuelle Fähigkeiten: 3 Aufgaben Drahtbiegeprobe, 7 zeichnerische Aufgaben „Formen spiegeln“

Anmeldung zum Med-AT

Der Medizinische Aufnahmetest findet einmal jährlich statt und muss an der gewünschten Universität absolviert werden. Er gilt nur für ein Studienjahr. Sofern die Bewerbung nicht erfolgreich ist, kann man den Test aber im nächsten Jahr und unbegrenzt wiederholen. Für die Anmeldung wird eine Kostenbeteiligung von 110 € fällig.

Für das Studienjahr 2025/26 sind die Fristen bereits abgelaufen. Für das Wintersemester 2026/27 kann man sich ab Anfang März unter der Website medizinstudieren.at anmelden:

  • Bis 31. März.: Online-Anmeldung und Registrierung, Bezahlen der Prüfungsgebühr
  • Juli: MedAT Prüfungsteilnahme
  • Anfang August: Veröffentlichung der Testergebnisse
  • Oktober: Studienbeginn

Welches Ergebnis braucht man?

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass man auf mehr als 70% der Punkte im Test kommen sollte, um eine Chance zu haben. Mit 80 % hätte man im letzten Durchgang auch als EU-Bewerber an allen vier staatlichen Universitäten einen Platz erhalten.

Alle Fragen im Test richtig zu beantworten, ist utopisch – das Ziel sollte man sich trotzdem setzen. Ohne eine gründliche Vorbereitung lohnt sich die Bewerbung, kaum, wie die Zahlen zeigen.

Die Universitäten stellen offizielle Lernunterlagen für die Vorbereitung zur Verfügung.

Wie stehen die Chancen auf einen Medizinstudienplatz in Österreich?

Erstmal klingt es aufgrund des fehlenden NCs einfacher, in Österreich einen Studienplatz zu erhalten. Allerdings sind Bewerbern aus anderen EU-Staaten österreichischen Staatsbürgern nicht gleichgesetzt: Für sie stehen nur 20 % der verfügbaren Plätze zur Verfügung. Entsprechend herrscht hier ein hoher Konkurrenzkampf.

Etwas anders sieht es beim Zahnmedizinstudium aus: Hier gilt die Kontingentregelung nicht, die Plätze werden direkt an die Bewerber vergeben, die im Med-AT am besten abschneiden.

2025 gab es für Humanmedizin insgesamt 1756 und für Zahnmedizin 144. Am Aufnahmeverfahren MedAT nahmen ganze 12.394 Leute teil – hier zu den allerbesten zu gehören, erfordert einiges, insbesondere für nicht-österreichische Staatsangehörige. Etwa die Hälfte der Teilnehmer hat sich dabei für die MedUni Wien entschieden. Dort ist die Konkurrenz mit rund acht Bewerbern auf einen Studienplatz am größten, die besten Chancen hatte man an der JKU Linz. Jedoch kamen auch hier rund 5,2 Bewerber auf einen Platz – allerdings kommt es zusätzlich darauf an, an welchen Universitäten sich wie viele EU-Kandidaten bewerben: In den vergangenen Jahren war der Ansturm in Innsbruck hoch. Nach derzeitigem Stand hat man in Linz definitiv die besten Chancen.

Privates Medizinstudium in Österreich

An vier Standorten in Österreich kann das Medizinstudium privat absolviert werden:

Sigmund Freud Privatuniversität Wien

Das Besondere an einem Studium an der Sigmund Freud Privatuniversität Wien ist, dass der Bachelor die Fächer Zahn- und Humanmedizin kombiniert. Im Master werden die Gruppen dann getrennt.

Das Bewerbungsverfahren umfasst einen kognitiven Fähigkeitstest, eine Überprüfung von Kenntnissen aus dem Fach Biologie und ein Online-Bewerbungsgespräch. Für angehende Zahnmediziner kommt eine Überprüfung der praktischen Fähigkeiten hinzu. Das Bachelorstudium kostet hier 13.250 € pro Semester. Dasselbe gilt für den Masterstudiengang Humanmedizin, das Master-Studium Zahnmedizin ist mit 14.800 € pro Semester noch teurer.

Danube Private University Krems

Hier werden das Medizinstudium im Bachelor-Master-System sowie das Studium der Zahnmedizin als Diplomlehrgang angeboten.

Das Aufnahmeverfahren Humanmedizin umfasst einen schriftlichen Aufnahmetest und ggf. im zweiten Schritt ein Aufnahmegespräch. Ein Gremium entscheidet darüber, ob ein Studienplatz angeboten wird. Dabei werden diese Faktoren mit einbezogen:

  • Maturanote/ Note der Hochschulzugangsberechtigung
  • Lebenslauf und Motivationsschreiben
  • Naturwissenschaftliche Vorkenntnisse
  • Aufnahmegespräch

Für das Zahnmedizinstudium müssen vor Studienstart jeweils zweiwöchige Praktika in einer Zahnarztpraxis oder einem Dentallabor absolviert worden sein. Zudem müssen Lateinkenntnisse nachgewiesen werden – sofern die Sprache nicht in der Schule erlernt wurde, musst Du vor Studienbeginn an einem Kurs teilnehmen. Auch hier wird nach einem Aufnahmetest inklusive persönlichem Einzelinterview darüber entschieden, wer einen Platz erhält.

Sowohl im Bachelor- und Masterstudium Humanmedizin als auch im Diplomstudium Zahnmedizin betragen die Gebühren 14.175 € je Semester.

Karl Landsteiner Universität Krems

Hier wird ein Masterstudium Humanmedizin angeboten, welches nach dem Abschluss des Bachelorstudiums „Health Sciences“ absolviert werden kann.

Das Bachelorstudium findet komplett auf Englisch statt und ist breiter gefächert. Neben der Humanmedizin werden hier auch Inhalte aus der Medizintechnik und Gesundheitsökonomie gelehrt. Für die Bewerbung benötigst Du einen Englisch-Sprachnachweis auf dem Niveau B2.

Das Auswahlverfahren umfasst eine englischsprachige Eignungsprüfung, die etwa zwei Stunden dauert. Die besten Kandidaten werden zu einem persönlichen Interview eingeladen, das ebenfalls auf Englisch stattfindet. Dabei werden u.a. sechs kurze Szenarien dargestellt, zu denen Du Stellung beziehen sollst.

Das Masterstudium Humanmedizin dauert ebenfalls sechs Semester. Sofern das Bachelorstudium „Medical Science“ an der KL absolviert wurde, muss man hierfür kein erneutes Aufnahmeverfahren durchlaufen. Absolventen eines ähnlichen Bachelorstudiums können sich ebenso bewerben.

Bachelor- wie Masterstudiengang kosten 10.500 € pro Semester.

Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg

Auch hier wird das Medizinstudium im Bachelor-Master-System absolviert. Besonders ist an der PMU die verkürzte Studienzeit von insgesamt nur fünf Jahren: Der Master dauert nur vier Semester.

Zunächst bewirbt man sich schriftlich mit Motivationsschreiben, Lebenslauf und Abiturzeugnis, zusätzlich muss ein mindestens vierwöchiges Praktikum in einer medizinischen Einrichtung (Krankenhaus, Pflegeheim, Rettungsdienst) nachgewiesen werden. Sind die formalen Bedingungen erfüllt, findet ein anspruchsvoller Test statt, der neben den Bereichen Logik, Persönlichkeit und naturwissenschaftliches Wissen auch Englischsprachkenntnisse auf Abiturniveau prüft. Die besten Bewerber werden zu einem persönlichen Interview eingeladen, wobei das Abschneiden im Test zu 80%, und der Abiturschnitt zu 20% in die Bewertung einfließen.

Die Studiengebühren betragen im Bachelor- und Masterstudium 21.930 € jährlich.

Fazit

Zusammenfassend muss man sagen, dass es nicht unbedingt leichter ist, in Österreich an einen Studienplatz in Medizin zu kommen.

Wenn man allerdings weiß, worauf man sich einstellen muss, spricht aber nichts dagegen, es zu versuchen. Dann ist es wichtig, dass Du dir wirklich viel Zeit für die Vorbereitung des Med-AT nimmst. Eine Bewerbung an einer der privaten Hochschulen sollte man sich gut durch den Kopf gehen lassen – die Gebühren sind für die meisten kaum erschwinglich und die Aufnahmetests sind auch hier sehr anspruchsvoll. Zudem werden in der Regel schon für die Bewerbung mehrere hundert Euro verlangt.

Über die Autorin

Jana Detscher

Jana studiert derzeit im Masterstudiengang "Theorien und Praktiken professionellen Schreibens" und widmet sich mit großer Leidenschaft dem präzisen und kreativen Umgang mit Sprache. Ob bei der Recherche oder beim zielgruppengerechten Schreiben – Jana bringt fundierte Erfahrung im redaktionellen Arbeiten mit, unter anderem durch Stationen beim Literaturhaus Köln und dem Dokumentationszentrum DOMiD e.V.

Alle Artikel von Jana →