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Physikum (Erster Abschnitt der Ärztlichen Prüfung) im Medizinstudium – Inhalte, Prüfungen & Bedeutung

Von Dr. rer. nat. Anne Schneider6 Min. Lesezeit
Medizinstudierende beim Physik-Praktikum – Physikum (Erster Abschnitt der Ärztlichen Prüfung) im Medizinstudium

Das Physikum, auch bekannt als „Erster Abschnitt der Ärztlichen Prüfung“ (M1), stellt einen großen Meilenstein im Medizinstudium dar. Es beendet die vorklinische Phase und ebnet den Weg in die Klinik. Die Anforderungen und der Druck sind sehr hoch, die Durchfallquoten aber mit rund 10 % relativ niedrig. Wer das Physikum besteht, hat nicht nur fachlich überzeugt, sondern auch unter Beweis gestellt, dass Er oder Sie unter Belastung leistungsfähig bleibt. In diesem Artikel bekommst Du einen umfassenden Überblick über die Inhalte, den Ablauf und die Bedeutung des Physikums, inklusive praxisnaher Tipps und Buchempfehlungen für Deine Vorbereitung.

Was ist das Physikum und Zulassungsvoraussetzungen?

Das 1. Examen (Physikum) wird in der Regel nach dem vierten Semester abgelegt und besteht aus einem schriftlichen sowie einem mündlich-praktischen Teil. Es ist das erste von insgesamt drei Staatsexamina im Medizinstudium und fragt viel Theorie aus den wichtigsten Fachgebieten der Vorklinik ab. Um zur Prüfung zugelassen zu werden, musst Du einige Voraussetzungen erfüllen. Dazu zählen der erfolgreiche Abschluss der ersten vier Semester (Vorklinik), der Erwerb aller benoteten und unbenoteten Scheine (inklusive eines Wahlfachs), ein 90-tägiges Krankenpflegepraktikum sowie der Nachweis über einen Erste-Hilfe-Kurs (8 Doppelstunden). Zudem benötigst Du für die Anmeldung Deinen Personalausweis, Deine Geburtsurkunde und Dein Abiturzeugnis. Nur wer diese Kriterien erfüllt und sich fristgerecht beim zuständigen Landesprüfungsamt anmeldet, darf an der Prüfung teilnehmen.

Inhalte der schriftlichen und mündlichen Prüfung

Die Prüfung umfasst zwei Teile: einen schriftlichen und einen praktischen Teil in mündlicher Form. Die schriftliche Prüfung findet bundeseinheitlich mit den gleichen Fragen an denselben zwei Tagen mit einer Dauer von jeweils 4 Stunden statt und besteht aus insgesamt 320 Multiple-Choice-Fragen. Somit bleiben zur Lösung einer Frage genau 90 Sekunden. Zweimal im Jahr hast Du die Möglichkeit, an der schriftlichen Prüfung teilzunehmen. Am ersten Tag werden Inhalte aus den Fächern Physik, Physiologie, Chemie und Biochemie abgefragt. Der zweite Tag widmet sich der Anatomie, Biologie, Psychologie und Soziologie. Die Verteilung der Fragen erfolgt wie folgt:

  • Anatomie und Biologie: 100 Fragen (umfangreichste und bedeutsamste Prüfungsteil)
  • Physik und Physiologie: 80 Fragen
  • Chemie und Biochemie: 80 Fragen
  • Psychologie und Soziologie: 60 Fragen

Die Prüfungsaufgaben stammen vom Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP). Nach einer zentralen Auswertung erhältst Du die Prüfungsergebnisse ungefähr einen Monat später nach Hause geschickt.

Der mündlich-praktische Teil findet in Gruppen von bis zu vier Studierenden vor einer Prüfungskommission von drei bis vier Dozenten der Universität statt und dauert pro Person etwa 45 bis 60 Minuten, die sich gleichmäßig auf die folgenden Prüfungsfächer verteilen:

  • Anatomie
  • Physiologie
  • Biochemie

Besonders herausfordernd sind die fächerübergreifenden Fallbeispiele sowie praktische Aufgaben wie das Mikroskopieren oder die grafische Auswertung von Befunden. Hierfür bekommst Du eine praktische Aufgabe, mit der Du Dich 30 Minuten lang auseinanderzusetzen hast.

Du hast die Prüfung bestanden, wenn Du im mündlichen Teil in allen drei Prüfungsfächern mindestens die Note „Ausreichend“ erhältst. Schriftlich müssen wenigstens 60 Prozent der Fragen fehlerfrei beantwortet sein. Die Ergebnisse der beiden Prüfungsteile gehen zu gleichen Teilen in die Prüfungsnote ein. Falls Du einen Teil nicht bestanden haben solltest, darf dieser Teil des Physikums bis zu zweimal wiederholt werden. Bestehst Du die Prüfung oder einen Teil davon dreimal nicht, musst Du das Studium beenden.

Warum das Physikum so wichtig ist

Das Physikum hat weitreichende Bedeutung. Es ist nicht nur Zulassungsvoraussetzung für den klinischen Abschnitt des Studiums, sondern die Note fließt auch mit einem Drittel in die Gesamtnote des Dritten Abschnitts der Ärztlichen Prüfung ein. Zudem ist es eine große Herausforderung für Dein Zeitmanagement, Deine Belastbarkeit und Deine Fähigkeit, komplexe medizinische Zusammenhänge zu durchdringen. Viele Studierende berichten rückblickend, dass das Physikum ein prägendes Erlebnis war und sie entscheidend für den weiteren Studienverlauf motiviert oder neu ausgerichtet hat.

Strategien zur erfolgreichen Vorbereitung

Die Vorbereitung auf das Physikum sollte gut durchdacht und frühzeitig beginnen, idealerweise mit dem Start des vierten Semesters. Eine bewährte Methode ist das systematische Bearbeiten von Altklausuren, insbesondere der sogenannten IMPP-Fragen. Dabei handelt es sich um Originalprüfungsfragen des Instituts für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP). Das sind genau jene Fragen, die entweder direkt in der schriftlichen Prüfung verwendet wurden oder ihrem Stil sehr nahekommen. Das gezielte Üben dieser Fragen ist besonders effektiv, weil es Dich nicht nur mit den typischen Fragestellungen vertraut macht, sondern Dir auch zeigt, welche Themen regelmäßig geprüft werden.

Viele digitale Lernplattformen wie Amboss oder MEDI-LEARN bieten einen umfassenden Fundus an IMPP-Fragen, die nach Fächern, Themen oder Prüfungsjahrgängen sortiert sind. Häufig sind die Fragen mit ausführlichen Kommentaren, didaktisch aufbereiteten Lösungen und praxisnahen Lernhinweisen versehen. Das ist ein unschätzbarer Vorteil für Deine Vorbereitung.

Ein individuell und realistisch gestalteter Lernplan hilft Dir, den Überblick über den Lernstoff zu behalten und strukturiert vorzugehen. Dabei solltest Du ausreichend Zeit für Wiederholungen einplanen und regelmäßige Selbsttests durchführen. Auch das Lesen von Prüfungsprotokollen kann sehr aufschlussreich sein, insbesondere für den mündlichen Teil der Prüfung. Sie liefern wertvolle Hinweise zu häufig gestellten Fragen, dem Prüfungsstil einzelner Prüferinnen und Prüfer sowie zum organisatorischen Ablauf.

Darüber hinaus kann Gruppenlernen sinnvoll sein, zum Beispiel um Verständnisfragen gemeinsam zu klären, sich gegenseitig zu motivieren und komplexe Themen zu diskutieren. Lass Dich aber nicht vom Lerntempo anderer Studierender beeinflussen, sondern geh Deinen eigenen Weg. Nicht zu unterschätzen ist außerdem die Bedeutung von Erholung. Gönne Dir bewusst Pausen, sorge für ausreichend Schlaf, bewege Dich regelmäßig und pflege soziale Kontakte. Diese Auszeiten sind keine Zeitverschwendung, sondern essenzielle Kraftquellen, um langfristig konzentriert und leistungsfähig zu bleiben.

Buchempfehlungen und digitale Lernplattformen zur Vorbereitung

Zur inhaltlichen Vorbereitung auf das Physikum sind verschiedene Fachbücher besonders empfehlenswert. Viele davon hast Du vermutlich bereits im Rahmen Deines vorklinischen Studiums genutzt oder Dir dafür angeschafft. Sie bieten Dir eine solide Grundlage zur Wiederholung und Vertiefung des prüfungsrelevanten Stoffes und sollten deshalb auch in der Physikumsvorbereitung einen festen Platz haben.

Anatomie

  • Schuenke, M., Schulte, E., Schumacher, U., Prometheus LernAtlas der Anatomie, Thieme Verlag
  • Kahle, W., Leonhardt, H., Platzer, W., Kurzlehrbuch Anatomie, Thieme Verlag

Physiologie

  • Despopoulos, A., Silbernagl, S., Physiologie, Thieme Verlag
  • Paulewicz, R. P., Physiologie, Springer Verlag

Biochemie

  • Horn, A., Liebich, H. G., Biochemie des Menschen, Thieme Verlag
  • Löffler, G., Petrides, P. E., Biochemie und Pathobiochemie, Springer Verlag

Psychologie & Soziologie

  • Buser, K., Kaul-Hecker, U., Kurzlehrbuch Medizinische Psychologie / Medizinische Soziologie, Elsevier Verlag
  • Kötter, T., Voltmer, E., Basiswissen Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie, Urban & Fischer Verlag

IMPP-nahe Lernplattformen

  • Amboss (Lernplattform, IMPP-Fragen, Lernpläne, Erklärungen)
  • MEDI-LEARN (Skripten, Altklausuren, Prüfungsprotokolle)
  • Meditricks (visuelles Lernen, Eselsbrücken)

Fazit zum Physikum

Das Physikum ist zweifellos eine der größten Herausforderungen im Medizinstudium und gleichzeitig ein gewaltiger Schritt nach vorn. Du zeigst damit nicht nur, dass Du die grundlegenden medizinisch-naturwissenschaftlichen Zusammenhänge verstanden hast, sondern auch, dass Du in der Lage bist, unter Druck strukturiert zu lernen, Prioritäten zu setzen und Wissen abrufbar zu halten. Die Prüfung verlangt Disziplin, Durchhaltevermögen und ein kluges Selbstmanagement. Fähigkeiten, die Dich auch im späteren Berufsleben als Ärztin oder Arzt begleiten werden. Du bist dieser Herausforderung nicht allein ausgeliefert. Mit einer systematischen Vorbereitung, passenden Lernmaterialien und dem Rückhalt durch Deine Kommilitoninnen und Kommilitonen, kannst Du diese Etappe meistern. Viele Studierende vor Dir haben genau das geschafft und Du wirst es auch.

Über die Autorin

Dr. rer. nat. Anne Schneider

Dr. Anne Theres Schneider ist promovierte Biologin und arbeitet an der Medizinischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Sie betreut medizinische und biologische Doktorand:innen und verfasst wissenschaftliche sowie allgemeinverständliche Texte mit besonderem Gespür für komplexe Inhalte. Durch ihre Nähe zur akademischen Ausbildung kennt sie die Herausforderungen des Medizinstudiums aus erster Hand.

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