Stadtansicht von Neuruppin – Medizinstudium in Neuruppin
Neuruppin, Deutschland

Medizinische Hochschule Brandenburg (MHB)

Auf einen Blick

EinrichtungPrivat
SemesterbeginnWinter- & Sommersemester
Studiengebühreninsgesamt 118.000 Euro, zusätzlich 260€ pro Semester (stand Juli 2025)
Studienplätze69 (WS & SS)

Universität

Die Medizinische Hochschule Brandenburg (MHB) Theodor Fontane ist eine staatlich anerkannte, aber hauptsächlich nicht-staatlich finanzierte Universität in kommunaler und freigemeinnütziger Trägerschaft. Sie wurde 2014 mit dem Ziel gegründet, die gesundheitliche Versorgung besonders in ländlichen Regionen Brandenburgs zu verbessern. Bis dato gab es nämlich keine universitäre medizinische Ausbildung in dem gesamten Bundesland und auch heute gibt es dort keine staatlich finanzierte Medizinerausbildung.

Die Universität teilt sich in zwei Fakultäten, nämlich die Fakultät Medizin & Psychologie und die Fakultät für Gesundheitswissenschaften. Rund 740 Studierende sind an der Universität eingeschrieben, an der etwa 400 Mitarbeitende tätig sind. Der Unterricht findet an vier verschiedenen Campus-Standorten statt, nämlich in Bernau, in Brandenburg an der Havel, in Neuruppin und in Rüdersdorf. Die Forschung fokussiert sich auf die Bereiche Herz/Kreislauf, Entzündung/Tumorentstehung und Nerven/Psyche. Insgesamt hat die Universität drei Universitätskliniken und kooperiert mit 30 weiteren Krankenhäusern und mehr als 200 Lehrpraxen.

Medizinische Fakultät

Seit 2019 gibt es an der Universität eine Unterteilung in zwei Fakultäten, eine davon die Medizinische Fakultät. Dieser gehören neben dem Staatsexamensstudiengang Medizin auch der Staatsexamensstudiengang Zahnmedizin, der Bachelorstudiengang Psychologie und der Masterstudiengang Klinische Psychologie & Psychotherapie an. Die Masterstudiengänge Versorgungsforschung und Suchthilfe sind an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften angegliedert.

Die Fakultät besteht aus 12 Instituten und rund 34 Professoren. Ihre Forschung fokussiert sich grundlegend auf altersassoziierte Erkrankungen und potentielle Therapieoptionen. Dahingehend stehen translationale Forschung und eine optimale Patientenversorgung, besonders einer alternden Gesellschaft, im Vordergrund. Des Weiteren stellt die Fakultät eine Vernetzung von Grundlagenforschung, klinischer und ambulanter Versorgung in den Fokus.

Für die klinische Ausbildung sind die Universitätskliniken Ruppin-Brandenburg, Brandenburg an der Havel, Immanuel Klinikum Bernau und Immanuel Klinik Rüdersdorf verantwortlich. Das Universitätsklinikum Ruppin-Brandenburg besteht aus 22 Fachdisziplinen und unter anderem 14 Hochschulambulanzen. Jährlich versorgen hier die mehr als 2.400 Mitarbeitenden rund 26.000 stationäre Patienten. Am Universitätsklinikum Brandenburg an der Havel gibt es 16 Fachabteilungen. Es ist das größte Klinikum im westlichen Land Brandenburg und versorgt jährlich mehr als 25.000 stationäre und weitere 48.000 ambulante Patienten. Hierfür stehen rund 2.200 Mitarbeitende zur Verfügung. Das Universitätsklinikum Immanuel Klinikum Bernau ist gleichzeitig ein Krankenhaus der Grundversorgung sowie eines der führenden Herzzentren Deutschlands. In den neun Fachabteilungen werden jährlich etwa 40.000 Patienten stationär und ambulant behandelt. Das Herzzentrum führt zudem jährlich 1.500 Herz-OPs und über 6.400 weitere Eingriffe durch. Das Universitätsklinikum Immanuel Klinik Rüdersdorf besteht aus 10 Fachabteilungen und 456 Betten. Jährlich werden dort etwa 47.000 Patienten durch die 800 Mitarbeiter versorgt. Neben einer Klinik der Akut- und Regelversorgung sind zusätzliche psychiatrische Tageskliniken an das Klinikum angesiedelt.

Studium

Besonders am Medizinstudium an der MHB ist, dass es sich hierbei um ein staatlich anerkanntes Medizinstudium handelt, das der Approbationsordnung folgt, aber keinen NC hat. Bei der Bewerbung geht es also mehr um die Motivation als um Abiturnoten. Wie der Regelstudiengang hat das Studium eine Regelstudienzeit von sechs Jahren und drei Monaten, es gibt jedoch keine klassische Unterteilung in Vorklinik, Klinik und Praktisches Jahr. Stattdessen handelt es sich um einen Modellstudiengang, genauer gesagt den „Brandenburgischen Modellstudiengang Medizin“ (BMM), den es so seit 2015 gibt. Der Fokus liegt auf praxisorientierten und wissenschaftsbasierten Lernkonzepten, es gibt daher bereits ab dem ersten Semester einen bedeutenden Praxisanteil. Auch der erste Patientenkontakt findet frühzeitig statt. Zudem beschreibt sich der Studiengang als problemorientiert und studienzentriert und kann mit einem hervorragenden Betreuungsverhältnis, nämlich 1 Dozierender zu 14 Studierenden, glänzen.

Anstelle einer Trennung in Klinik und Vorklinik orientiert sich der Studiengang an einem integrierten und praxisorientierten Curriculum. Im ersten Studienabschnitt (1.-5. Semester) folgt die Lehre einem organsystembezogenen Aufbau, bei dem theoretische Grundlagen wie Biologie, Chemie und Physik nicht einzeln unterrichtet werden, sondern immer direkt auf die klinische Praxis und Fallbeispiele bezogen werden. Ab dem zweiten Semester finden außerdem bereits Praktika bei niedergelassenen Ärzten in Brandenburg statt. In kleinen POL-Gruppen (Problemorientiertes Lernen) mit nur acht Studierenden, einem zentralen und innovativen Lernformat der Universität, erarbeiten diese selbstständig verschiedenste und im Schwierigkeitsgrad ansteigende Fallbeispiele. Zusätzlich zu den semesterspezifischen Modulen durchziehen Längsschnittcurricula wie „Teamarbeit, Reflexion, Interaktion und Kommunikation“ mehrere Semester, da sie eine wichtige Bedeutung einnehmen. Sie vermitteln kommunikative Kompetenzen, was beispielsweise auch an Simulationspersonen geübt werden kann. Da die Trennung in Vorklinik und Klinik wegfällt, findet auch das Physikum, also der Erste Abschnitt der Ärztlichen Prüfung, nicht wie gewohnt nach dem vierten Semester statt. Stattdessen wird dieses als M1-Äquivalent im Studium absolviert, was die Bestehensquote im Vergleich zum traditionellen Medizinstudium deutlich erhöht. Vor Beendigung des ersten Abschnitts müssen Studierende außerdem ein dreimonatiges Pflegepraktikum und eine Ausbildung in Erster Hilfe nachweisen können. Beides kann auch schon vor Studienbeginn absolviert werden.

Der zweite Studienabschnitt geht vom 6. bis zum 10. Semester. Hier wird das Wissen in klinischen Fachbereichen anhand von interdisziplinären Modulen vertieft. Die Lehre folgt einer Art Lernspirale, wodurch weiterhin eine enge Verzahnung von Praxis und Theorie bestehen bleibt. Außerdem finden in diesem Zeitraum viele klinische Praktika statt und auch die viermonatige Famulatur fällt in diesen Abschnitt. Besonders für die MHB ist des Weiteren das Modul Gesundheitsforschung, in welchem der Fokus auf den Themengebieten Versorgungsforschung, Digitalisierung, Telemedizin, Prävention und Gesundheitswissenschaften liegt. In den universitären Skills Labs können Studierende zudem an Modellen, Simulationspatienten und Simulatoren nötige praktische Fähigkeiten und kommunikative Kompetenzen erlernen und verbessern. Beispiele hierfür sind Blutabnahmen, Ultraschalluntersuchungen, Notfallsituationen oder OP-Simulatoren. Der Studienabschnitt endet mit dem Zweiten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung, woraufhin das Praktische Jahr (PJ) folgt. Dieses unterteilt sich in drei Tertiale zu je 16 Wochen, die in den Gebieten Chirurgie, Innere Medizin und einem Wahlfach absolviert werden.

Stadt

Die theoretische Ausbildung des Medizinstudiums findet am Campus Neuruppin sowie am Campus Brandenburg an der Havel statt, wobei aktuell der Großteil der ersten vier Semester ausschließlich in Neuruppin stattfindet und lediglich Module aus dem 5.-7. Semester am Campus Brandenburg an der Havel.

Neuruppin liegt etwa 60 Kilometer nordwestlich von Berlin direkt am Ruppiner See und hat rund 32.000 Einwohner. Besonders bekannt ist die Stadt für den Schriftsteller Theodor Fontane, der dort geboren wurde und wodurch sie ihren Beinamen Fontanestadt erhielt. Außerdem wird sie oftmals als „preußischste aller preußischen Städte” betitelt, was aus einem Brand im Jahre 1787 hervorgeht. Dieser zerstörte rund zwei Drittel der gesamten Stadt, welche in den folgenden zwanzig Jahren wieder neu aufgebaut wurde und daher ihre frühklassizistische Stadtplanung erhielt.

Brandenburg an der Havel liegt im Westen Brandenburgs, rund 70 Kilometer von Berlin entfernt, und hat etwa 74.000 Einwohner. Sie gilt als historisches Herz und als Ursprung des Bundeslandes Brandenburg. Heute sticht besonders ihre Nähe zu Gewässern hervor. So durchziehen Wasserarme der Havel, Seen und Kanäle die gesamte Stadt. Diese ist des Weiteren bekannt für ihr mittelalterliches Stadtbild mit romanischen Kirchen oder auch dem gotischen Rathaus.

Studentenleben

Weder Neuruppin noch Brandenburg an der Havel würde man als klassische Universitätsstädte bezeichnen, dennoch punkten beide mit einem naturnahen Leben und der gleichzeitigen Nähe zur Metropole Berlin.

Beide Campusse befinden sich in der Nähe zur Altstadt und in der Nähe von Wasser und Seen. Die Lebenshaltungskosten und auch die Mietpreise sind in beiden Städten bisher vergleichsweise moderat und die Wohnungssuche ist (noch) lange nicht so angespannt wie in Berlin. Die meisten Studierenden wohnen in WG-Zimmern oder in kleineren Wohnungen, meistens in der Innenstadt oder am See. Durch die kleine Universitätsgröße ist die Atmosphäre an beiden Standorten sehr familiär und es wird viel miteinander unternommen. In Neuruppin ist die Fontane-Therme direkt am See eine absolute Empfehlung, wenn man nach dem Studienalltag nach ein bisschen Entspannung sucht. Möchte man den Abend eher aktiver ausklingen lassen, eignen sich hierfür beispielsweise die Bar am Minimax, die Luna Lounge oder der Uni & Irish Pub. Auch die Uferpromenade ist ein beliebter Treffpunkt. In Brandenburg an der Havel sind beliebte Ausgehziele der Altstadt Pub, der IQ-Studentenkeller oder das Ambrosius Pinte. Die Seen oder kostenlose Outdoorsportangebote in Parks & Co gehören genauso zum Alltag wie Wochenendausflüge nach Berlin. In Neuruppin und Brandenburg an der Havel hat man daher die perfekte Mischung aus einem entschleunigten und naturnahen Alltag, aus dem man aber gerne auch mit nur einer Zugfahrt entfliehen kann.

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