Ein Artikel von Jasmine Lang
Vielen jungen Medizin Studierenden geht es ähnlich. Mit Blick auf das Ende ihrer Studienzeit und dem expliziten Übergang vom Medizinstudium in den ärztlichen Berufsalltag naht eine enorme Herausforderung. Plötzlich trägt man nicht nur Verantwortung für echte Patientinnen und Patienten, sondern muss sich auch in einem komplexen System aus Hierarchien, Zeitdruck und Bürokratie zurechtfinden. Fehler sind, wie Ihr zurecht befürchtet, in dieser Phase unausweichlich – doch wer sie kennt, kann sie vermeiden. Hier sind die häufigsten Fehler, die jungen Ärztinnen und Ärzten in den ersten Jahren ihrer Laufbahn unterlaufen.
1. Angst, um Hilfe zu bitten
Viele Berufsanfängerinnen und -anfänger haben Angst, ihre Vorgesetzten oder erfahrene Kolleginnen und Kollegen um Rat zu fragen – aus Sorge, inkompetent zu wirken. Schaut man sich die geballte bürokratische Kraft eines Krankenhauses oder einer Praxis an, ist das durchaus verständlich. Doch gerade in der Anfangszeit solltet Ihr euch klar machen, dass es essentiell ist, Unsicherheiten offen anzusprechen. Ein übertriebener Ehrgeiz, alles allein schaffen zu wollen, kann gefährlich sein – für die Patientinnen und Patienten genauso wie für die eigene Karriere¹.
Tipp: Lieber einmal zu viel nachfragen als einen folgenschweren Fehler begehen.
2. Mangelnde Selbstorganisation
Macht Euch nichts vor, der Alltag in der Medizin ist stressig. Man steht als Vermittler zwischen Wissenschaft, dem System und den Menschen und plötzlich prasseln auch noch unzählige Aufgaben auf einen ein: Visite, Dokumentation, Gespräche mit Angehörigen, Blutentnahmen, Konsile… Viele junge Ärztinnen und Ärzte verzetteln sich, weil sie keinen klaren Plan haben².
Tipp: To-Do-Listen und Priorisierungstechniken (z. B. Eisenhower-Matrix) helfen, den Überblick zu behalten.
3. Schlechte oder unvollständige Dokumentation
„Das schreibe ich später auf“ – einer der gefährlichsten Gedanken im Klinikalltag. Gerade junge Ärztinnen und Ärzte unterschätzen oft die Bedeutung der Dokumentation. Doch wenn wichtige Informationen fehlen oder unleserlich sind, kann das zu Missverständnissen führen und im schlimmsten Fall die Behandlung gefährden³.
Tipp: Alles sofort dokumentieren – knapp, aber vollständig.
4. Übersehen von Frühwarnzeichen bei Patientinnen und Patienten
Wer frisch in der Klinik arbeitet, hat oft noch wenig Gespür für klinische Verschlechterungen. Frühwarnzeichen wie subtile Bewusstseinsveränderungen, Tachykardien oder zunehmende Atemnot werden leicht übersehen – mit potenziell gravierenden Folgen⁴.
Tipp: Ein aufmerksamer Blick und regelmäßige Kontrolluntersuchungen können Komplikationen verhindern. Wenn das Bauchgefühl sagt, dass etwas nicht stimmt: Nachschauen und Senior- Ärztin oder -arzt hinzuziehen.
5. Fehlende Kommunikation mit dem Pflegepersonal
Das Pflegepersonal ist oft der beste Freund (oder schlimmste Feind) junger Ärztinnen und Ärzte. Macht euch stets bewusst, dass Ihr im Team und nicht gegeneinander arbeitet. Oft wird das Pflegepersonal, mangels Studium, abgefertigt oder belächelt, doch Ihr werdet schnell merken, die Praxiserfahrung der Schwestern und Brüder ist Gold wert. Wer auf die Erfahrung der Pflegekräfte nicht hört oder ihre Warnungen ignoriert, macht sich schnell unbeliebt – und gefährdet womöglich Patientinnen und Patienten⁵.
Tipp: Auf Augenhöhe kommunizieren, zuhören und Hinweise ernst nehmen.
6. Unsicherheiten im Umgang mit Medikamenten
Junge Ärztinnen und Ärzte verwechseln Dosierungen, verschreiben Medikamente falsch oder kennen Wechselwirkungen nicht gut genug. Gerade in der Hektik passieren hier leicht vermeidbare Fehler⁶. Auch hier solltet Ihr lieber fünf Mal nachhaken, als fahrlässig und auf falscher Selbstüberzeugung zu handeln.
Tipp: Im Zweifel immer nachschlagen, doppelt checken und die Apotheke oder erfahrene Kolleginnen und Kollegen fragen.
7. Angst vor Entscheidungen
Viele Berufsanfängerinnen und -anfänger sind unsicher, wenn sie eine Entscheidung treffen müssen – aus Angst vor Fehlern. Das führt zu unnötigen Verzögerungen oder vorschnellen Anfragen an Dritte, weil man sich nicht zutraut, selbst eine Einschätzung abzugeben⁷.
Tipp: Systematisches Vorgehen und Rücksprache mit Kolleginnen und Kollegen helfen, Sicherheit zu gewinnen.
8. Überarbeitung und Selbstvernachlässigung
Die Arbeitszeiten in der Klinik , aber auch in Praxen sind lang, der Stress hoch – und viele junge Ärztinnen und Ärzte vergessen, auf sich selbst zu achten. Sie schlafen zu wenig, essen unregelmäßig und gönnen sich keine Pausen. Das führt auf Dauer zu Erschöpfung und erhöht die Fehlerquote⁸.
Tipp: Selbstfürsorge ist kein Luxus, sondern essentiell für gute ärztliche Arbeit.
9. Mangelnde Empathie oder ungeschickte Kommunikation mit Patientinnen und
Patienten
In der Hektik des Alltags bleibt manchmal wenig Zeit für Gespräche. Dabei sind diese total wichtig für einen ganzheitlichen Anspruch, den Ihr in der Medizin verfolgen solltet. Schließlich sind Krankheitsbilder oft viel mehr als nur ihre Symptome und man sollte sich stets die Zeit nehmen, die Lebenslage der Patientinnen und Patienten abzufragen. Junge Ärztinnen und Ärzte neigen dazu, Diagnosen zu sachlich oder gar unpersönlich zu überbringen – was auch dem Vertrauen der Hilfesuchenden schädigen kann⁹.
Tipp: Empathie zeigen, auch wenn es stressig ist. Schon ein kurzer Moment für ein einfühlsames Gespräch kann einen großen Unterschied machen.
10. Fehler nicht offen zugeben
Macht euch klar, Fehler passieren – und in der Medizin können sie schwerwiegende Folgen haben. Doch anstatt offen darüber zu sprechen, fürchten viele junge Ärztinnen und Ärzte negative Konsequenzen und versuchen, Fehler zu vertuschen oder kleinzureden¹⁰. Das kann verheerende Folgen für euren beruflichen Werdegang haben, aber auch die Patientinnen und Patienten haben.
Tipp: Ehrlichkeit und Transparenz sind essenziell. Fehler offen ansprechen, daraus lernen und es beim nächsten Mal besser machen. Also macht euch bewusst, die ersten Jahre als Ärztin oder Arzt sind herausfordernd – aber Fehler gehören dazu. Wer sich die häufigsten Stolpersteine klar macht, kann sie gezielt vermeiden und sich schneller in den Klinikalltag einfinden. Mit der richtigen Mischung aus Neugier, Empathie und Lernbereitschaft wird aus einem unsicheren Berufsanfänger schnell eine kompetente Fachkraft.
Quellen
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Montgomery, A., & Panagopoulou, E. (2019). The transition from medical student to junior doctor: A critical review of psychological stressors and strategies. Medical Education, 53(5), 438-447.
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Riesenberg, L. A., Leisch, J., & Cunningham, J. M. (2010). Nursing and medical documentation errors. Joint Commission Journal on Quality and Patient Safety, 36(2), 84-92.
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Ludikhuize, J., Smits, M., & de Jonge, E. (2012). Early recognition of deteriorating patients on general wards. Critical Care, 16(1), 201.
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Manias, E. (2018). Effects of interdisciplinary communication interventions in hospitals. Journal of Clinical Nursing, 27(7-8), 1345-1361.
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Croskerry, P. (2002). The cognitive imperative: Thinking about how we think. Academic Emergency Medicine, 9(11), 1184-1204. 8. West, C. P., Dyrbye, L. N., & Shanafelt, T. D. (2018). Physician burnout: Contributors, consequences and solutions. Journal of Internal Medicine, 283(6), 516-529.
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Wu, A. W. (2000). Medical error: The second victim. BMJ, 320(7237), 726-727.

Jasmine Lang
Jasmine Lang studiert Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaften sowie Germanistik an der Universität zu Köln. Sie verbindet sprachliche Präzision mit einem ausgeprägten Interesse an gesellschaftlichen Themen und internationaler Bildung. Mit Erfahrung im Marketing, einem sicheren Gespür für Zielgruppen und einem klaren Schreibstil verfasst sie fundierte, gut strukturierte Inhalte rund um Studium, Medizin und Karriere.
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