Hammerexamen (Zweiter Abschnitt der Ärztlichen Prüfung) im Medizinstudium – Inhalte, Prüfungen & Bedeutung

Was ist das Hammerexamen und welche Zulassungsvoraussetzungen gibt es?
Das Hammerexamen, offiziell der Zweite Abschnitt der Ärztlichen Prüfung, ist der große Abschluss des Medizinstudiums. Es besteht aus einem schriftlichen und einem mündlich-praktischen Teil und entscheidet darüber, ob Du die Approbation erhältst.
Früher fanden beide Teile direkt hintereinander statt, heute sind sie zeitlich getrennt:
- Schriftlicher Teil: vor dem Praktischen Jahr (PJ)
- Mündlich-praktischer Teil: nach dem PJ
Zwischen dem schriftlichen und mündlich-praktischen Teil liegen in der Regel 12–15 Monate, entsprechend der Dauer des PJ. Wichtig ist dabei, dass der mündlich-praktische Teil innerhalb von 12 Monaten nach Bestehen des schriftlichen Teils absolviert werden muss. Wird diese Frist überschritten, verfällt das Ergebnis der schriftlichen Prüfung und muss wiederholt werden. Deshalb sollten Studierende den Termin für den mündlich-praktischen Teil so planen, dass die 12-Monats-Frist eingehalten wird, selbst wenn das PJ verlängert wird.
Um zur Prüfung zugelassen zu werden, musst Du die folgenden Dinge nachweisen bzw. einhalten:
- Bestandenes Physikum
- Erfolgreicher Abschluss aller Leistungsnachweise im klinischen Abschnitt
- 120 Tage Famulatur
- Teilnahme an allen Pflichtkursen (inkl. Wahlfach)
- Für den mündliche-praktischen Teil: 48 Wochen PJ
- Fristgerechte Anmeldung beim Landesprüfungsamt (Stichtage: 10. Januar / 10. Juni)
Inhalte der schriftlichen und mündlichen Prüfung
Schriftlicher Teil:
- Dauer: 3 Tage à 5 Stunden
- Fragen: 320 Multiple Choice (ca. 160 klassische Fragen, 160 Fallstudienfragen)
- Inhalte: Schwerpunkte liegen in der Inneren Medizin (ca. 20 %) und in der Pharmakologie (ca. 10 %). Darüber hinaus werden Themen aus der Chirurgie, der Neurologie, den kleineren Fächern sowie fächerübergreifende Fragestellungen geprüft. Die Fallstudien umfassen mehrere Patientengeschichten pro Tag mit jeweils 10–15 Fragen. Hierbei wird geprüft, ob komplexe klinische Situationen analysiert und angemessen bewertet werden können.
- Ablauf: An allen drei Tage bekommst du eine Mischung aus allen prüfungsrelevanten Fächern. Die Schwerpunkte (ca. 20 % Innere Medizin, ca. 10 % Pharmakologie usw.) gelten für die Gesamtheit der 320 Fragen, nicht für einzelne Tage. Fallstudien tauchen ebenfalls an jedem Tag auf.
Mündlich-praktischer Teil:
- Dauer: 2 Tage
- Fächer und Inhalte:
- Innere Medizin: Klinisches Denken, Diagnostik und Therapieplanung, Patientenvorstellung mit Anamnese, Untersuchung und Dokumentation.
- Chirurgie: Praktische Fertigkeiten, Diagnostik und Therapieplanung, klinisches Denken in chirurgischen Fragestellungen.
- PJ-Wahlfach: Fächerübergreifende Anwendung von Wissen, patientenorientierte Fallanalyse, praktische Umsetzung und Darstellung von Therapiekonzepten.
- Zugelostes Fach: Fähigkeit, auch weniger vertraute Themen strukturiert zu bearbeiten. Hier stehen Teamfähigkeit, professionelles Auftreten und die Anwendung allgemeiner ärztlicher Kompetenzen im Vordergrund.
- Ablauf:
- Tag 1: Patientenvorstellung (Anamnese, Untersuchung, Dokumentation)
- Tag 2: Fachgespräch in einer Prüfungsgruppe (max. 4 Prüflinge)
- Bewertungskriterien: Klinisches Denken, Diagnostik & Therapieplanung, praktische Fertigkeiten, professionelles Auftreten, Teamfähigkeit
Bewertung:
Im schriftlichen Teil gilt als Faustregel, wer 60 % der Fragen richtig beantwortest oder nicht mehr als 22 % unter dem Durchschnitt aller Prüflinge liegt (falls der Gesamtdurchschnitt unter 60 % liegt), besteht. Alle Fragen haben dabei das gleiche Gewicht. Zudem gibt es keine Teilpunkte. Im mündlich-praktischen Teil wird jedes Prüfungsfach einzeln mit einer Note von „sehr gut“ bis „nicht ausreichend“ bewertet. Man muss in allen geprüften Fächern bestehen, um den Abschnitt zu bestehen. Die Gesamtnote des Hammerexamens setzt sich aus beiden Prüfungsteilen zusammen und erscheint später auf dem Zeugnis.
Jeder Abschnitt der Ärztlichen Prüfung darf maximal dreimal absolviert werden. Fällt man durch, erhält man einen schriftlichen Bescheid vom LPA. Die Wiederholung ist dann im nächsten Prüfungszeitraum möglich, also entweder im Frühjahr oder Herbst. Wer auch den dritten Versuch nicht besteht, verliert den Prüfungsanspruch und kann das Medizinstudium in Deutschland nicht mehr fortsetzen.
Warum ist das Hammerexamen so wichtig?
Viele Facharztbewerbungen, Stipendienprogramme und Fördermöglichkeiten berücksichtigen gute Examensleistungen ausdrücklich. Gleichzeitig hat das Hammerexamen auch eine inhaltliche Bedeutung. Es ist der Moment, in dem Du unter Beweis stellen musst, dass Du nicht nur theoretisches Wissen besitzt, sondern dieses auch in der praktischen Arbeit mit Patient:innen anwenden kannst. Die Fähigkeit, Theorie und Praxis sicher miteinander zu verbinden, ist eine der wichtigsten Kernkompetenzen im ärztlichen Berufsalltag. Genau diese Fähigkeit wird hier überprüft.
Nach Bestehen des Hammerexamens kann sofort die Approbation beim zuständigen LPA beantragt werden. Manche Kliniken vergeben bereits vor der mündlichen Prüfung Arbeitsverträge, wenn der schriftliche Teil erfolgreich absolviert wurde und die Prüfungsleistung im PJ überzeugt hat. Das Bestehen des Hammerexamens ist also nicht nur der formale Abschluss des Studiums, sondern oft auch der direkte Einstieg in die ärztliche Tätigkeit.
Strategien zur erfolgreichen Vorbereitung
Eine erfolgreiche Vorbereitung auf das Hammerexamen beginnt idealerweise frühzeitig. Viele Studierende starten etwa vier bis fünf Monate vor dem schriftlichen Teil intensiv mit dem Lernen. Besonders wichtig ist das regelmäßige Üben von Prüfungsfragen. Online-Plattformen wie AMBOSS, Thieme examen online oder andere Kreuzdatenbanken bieten dabei eine wertvolle Unterstützung, da sie Originalfragen, Fallstudien und Auswertungen zur eigenen Leistung enthalten.
Ein strukturierter Lernplan, wie beispielsweise der medi-learn 100-Tage-Plan, hilft, den Stoff systematisch zu wiederholen und gleichzeitig genügend Pausen einzuplanen. Dabei lohnt es sich, den „Mut zur Lücke“ zu bewahren. Seltene oder besonders komplexe Themen sollten nicht unverhältnismäßig viel Lernzeit beanspruchen.
Auch das Lernen in Gruppen kann sehr effektiv sein. Gegenseitiges Abfragen, gemeinsames Besprechen von Fällen oder das Üben von mündlichen Fragen steigern den Lerneffekt und bringen oft neue Perspektiven. Für den mündlich-praktischen Teil ist es sinnvoll, sich frühzeitig mit der eigenen Prüfungsgruppe abzusprechen, Prüfungsprotokolle zu nutzen und Patientenvorstellungen regelmäßig zu üben. Je besser man hier vorbereitet ist, desto besser ist auch die spätere Prüfungsangst zu bewältigen.
Neben dem reinen Fachwissen zählt in der Prüfung auch der Gesamteindruck. Freundlichkeit, strukturiertes Arbeiten und ein professionelles Auftreten sind genauso wichtig wie die korrekte Diagnostik oder Therapieplanung. Wer sich an diese Strategien hält und konsequent vorbereitet, hat nicht nur die besten Chancen, das Hammerexamen zu bestehen, sondern kann auch selbstbewusst und souverän in die Prüfung gehen.
Häufige Fehlerquellen
Im schriftlichen Teil ist eine der größten Gefahren, sich zu lange an besonders schweren Fragen festzubeißen. Hier ist es sinnvoller, Frage zu markieren, erstmal weiter zu machen und am Ende darauf zurück zu kommen. Im mündlich-praktischen Teil unterlaufen vielen Kandidat:innen zudem oft folgende Fehler:
- Patientenvorstellung ohne klare Struktur (fehlende Einleitung, unvollständige Untersuchungsschritte)
- Zu ausschweifende Antworten, die vom Thema ablenken
- Übersehen wichtiger Differentialdiagnosen oder Therapieoptionen. Ein klarer Aufbau mit Anamnese, Befunden, Verdachtsdiagnose, Differenzialdiagnosen und Therapieplan ist hier der Schlüssel.
Buchempfehlungen und digitale Lernplattformen zur Vorbereitung
Bücher:
- Hellmich, B., Fallbuch Innere Medizin, Verlag Thieme
- Eisoldt, S., Fallbuch Chirurgie, Verlag Thieme
Digitale Plattformen:
- AMBOSS: Kreuzdatenbank, Lernkarten, Statistiken
- Thieme examen online: Originalfragen, detaillierte Auswertung
- Medi-learn: Lernpläne, Foren, Videos
Fazit zum Hammerexamen
Das Hammerexamen ist die letzte große Hürde vor der Approbation, aber mit einer guten Vorbereitung absolut machbar. Es ist nicht nur ein Prüfungsformat, sondern ein wichtiger Meilenstein. Es bündelt das gesamte Wissen des Studiums, überprüft Deine klinische Denkweise und bereitet Dich direkt auf den Berufsstart vor. Nach dem Bestehen kannst Du sofort Deine Approbation beantragen. Viele Kliniken vergeben bereits Stellen nach erfolgreichem schriftlichem Teil, wenn das PJ überzeugt hat. Mit der richtigen Strategie und Disziplin lässt sich dieser „Endgegner“ bezwingen, um danach endlich als Ärztin oder Arzt durchzustarten.

Dr. rer. nat. Anne Schneider
Dr. Anne Theres Schneider ist promovierte Biologin und arbeitet an der Medizinischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Sie betreut medizinische und biologische Doktorand:innen und verfasst wissenschaftliche sowie allgemeinverständliche Texte mit besonderem Gespür für komplexe Inhalte. Durch ihre Nähe zur akademischen Ausbildung kennt sie die Herausforderungen des Medizinstudiums aus erster Hand.
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