Arztberuf & Karrierewege

In Afrika als Arzt arbeiten – Humanitäre Einsätze & Entwicklungszusammenarbeit

Von Jana Detscher4 Min. Lesezeit
In Afrika als Arzt arbeiten – Humanitäre Einsätze & Entwicklungszusammenarbeit

In einigen afrikanischen Ländern fehlen notwendige Ressourcen, um die Gesundheitsversorgung der Menschen zu gewährleisten. Internationale Ärzte engagieren sich daher besonders in Regionen mit lückenhafter Versorgung. Vielleicht ist das auch etwas für Dich? Und welche Form der Unterstützung wirkt wirklich nachhaltig?

Die wirtschaftliche und politische Lage ist in vielen Regionen Afrikas angespannt. Das liegt auch daran, dass der europäische Kolonialismus die Länder bis heute prägt: Die Ausbeutung von Menschen und Rohstoffen führte zu zahlreichen Konflikten, die zum Teil nach wie vor andauern. Auch bestehende wirtschaftliche Abhängigkeiten sorgen für instabile finanzielle Verhältnisse. Zudem werden die Folgen der Klimakrise in Afrika besonders sichtbar: Durch Dürre und Überschwemmungen spitzen sich Ernährungskrisen zu und gefährden die Existenzgrundlage und Gesundheit der Menschen.

Humanitäre Einsätze – Schnelle Hilfe in Krisensituationen

Die Hilfsansätze sehen ganz unterschiedlich aus. Grob lassen sie sich in humanitäre Einsätze und Entwicklungszusammenarbeit einteilen.

Humanitäre Einsätze kommen in konkreten Krisensituationen zum Tragen. Dabei geht es um gezielte Maßnahmen, die die Menschen in einer Notlage direkt unterstützen sollen: zum Beispiel durch die Versorgung mit Lebensmitteln, Wasser oder medizinischer Versorgung.

Die Grundsätze der humanitären Hilfe sind Neutralität, Unparteilichkeit und Unabhängigkeit und Menschlichkeit. Die meisten Einsätze werden durch unabhängige, nicht-staatliche Organisationen geleistet und finden immer bedarfsorientiert und in klarer Abgrenzung zu politischen oder wirtschaftlichen Interessen statt.

Die bekanntesten Organisationen, die medizinische humanitäre Einsätze leisten, sind Ärzte ohne Grenzen, die Internationale Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung, aber auch UN-Organisationen wie der UNHCR, das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen.

Entwicklungszusammenarbeit – Langfristige Verbesserung und Gesundheitsförderung

Die Entwicklungszusammenarbeit zielt dagegen auf die langfristige Förderung der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung im Land. Die Lebensverhältnisse sollen dabei nachhaltig verbessert und Krisen verhindert werden, etwa durch die langfristige Bekämpfung von Infektionskrankheiten, die Ausbildung von medizinischem Personal vor Ort oder den Aufbau von Versorgungssystemen.

Die traditionelle Entwicklungshilfe wurde lange als Geber-Nehmer-Modell betrachtet und war oft hierarchisch organisiert. Dieses Modell wird zunehmend kritisiert, da dadurch nicht selten neue Abhängigkeiten von westlichen Nationen entstehen und langfristig keine Verbesserung erwirkt wird. Heute wird eher von Entwicklungszusammenarbeit gesprochen, da der Fokus dabei stärker auf Partnerschaft und der Befähigung zur Selbsthilfe geht.

Projekte der Entwicklungszusammenarbeit finden auf staatlicher wie nicht-staatlicher Ebene statt: Wichtige Akteure sind Organisationen wie die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GiZ), UN-Agenturen wie UNICEF und NGOs wie German Doctors.

Der Weg ins Projekt

Wenn man sich als Arzt in einem afrikanischen Land engagieren will, geht das am besten über eine Organisation. Dabei sollte man sich zuerst über die gewünschte Dauer des Aufenthalts Gedanken machen.

Für einen kürzeren Einsatz sind Organisationen, die im Bereich der humanitären Hilfe angesiedelt sind, in der Regel die richtigen Anlaufstellen. Aber es gibt große Unterschiede: Bei Ärzte ohne Grenzen dauert ein Einsatz meistens mindestens neun Monate, bei anderen Organisationen ist es möglich, nur für einige Wochen unterwegs zu sein. Für einen solchen Einsatz besteht die Möglichkeit, den Hauptberuf für mehrere Wochen im Jahr im Zuge der Nothilfe zu verlassen.

Langfristige Einsätze sind typischerweise in Projekten der Entwicklungszusammenarbeit zu finden. Aber auch Projekte der Entwicklungszusammenarbeit bieten Medizinern die Möglichkeit zu Kurzzeiteinsätzen – zum Beispiel die Organisation German Doctors.

Allerdings können Ärzte auch auf koordinativer oder beratender Ebene in der Entwicklungszusammenarbeit tätig werden. Oft bieten NGOs die Möglichkeit, sich durch Erfahrungen und gezielte Fortbildungen innerhalb der Organisation weiterzuentwickeln.

Die richtige Vorbereitung – das solltest Du mitbringen

Je nach Projekt sind einige Jahre Berufserfahrung gefragt. Gerade wenn es um die direkte medizinische Versorgung von Patienten geht, wirst Du oft mit Krankheitsbildern konfrontiert werden, die Dir in Deutschland selten begegnen. Gerade in der Nothilfe ist eine hohe Belastbarkeit gefragt. Die Tätigkeit ist mental und körperlich aufreibend. Wie genau die Lebens- und Arbeitsverhältnisse vor Ort sind, kommt sehr auf das jeweilige Projekt an.

Auch die Bezahlung variiert stark: Für manche Einsätze werden feste Gehälter gezahlt, andere laufen auf ehrenamtlicher Basis. Ehrenamtliche Einsätze bieten vor allem eine wertvolle Möglichkeit, erste internationale Erfahrungen zu sammeln.

Wenn Du schon weißt, dass Du längerfristig in Afrika als Arzt arbeiten willst, kann ein Master in International oder Global Health von Vorteil sein. Damit wirst Du explizit auf eine Karriere im Bereich der globalen medizinischen Versorgung vorbereitet.

Ob für einen kurz- oder langfristigen Aufenthalt: Du solltest bei der Auswahl an Einsatzmöglichkeiten die Herangehensweise der Organisationen im Auge behalten. Gerade wenn es um die Projekte der Entwicklungszusammenarbeit geht, gibt es einige Anhaltspunkte für wirklich nachhaltige Einsätze: Statt einem Ersatz steht die Zusammenarbeit mit lokalen Fachkräften im Fokus. Dazu gehört auch der Wissenstransfer in beide Richtungen, um langfristige Strukturen zu stärken. Ebenso sollte ein Bewusstsein für historische Zusammenhänge und bestehende globale Ungleichheiten bestehen.

Inwiefern lohnt sich der Einsatz?

Die Arbeit als Arzt in Afrika ist eine sinnvolle, aber komplexe Aufgabe. Wer sich engagieren möchte, sollte sich nicht nur auf die medizinische Arbeit konzentrieren, sondern auch die historischen, politischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge verstehen. Humanitäre Hilfe ist unverzichtbar, langfristig kann aber vor allem die nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit dazu beitragen, die Gesundheitssysteme so zu stärken, dass externe Hilfe irgendwann überflüssig wird.

Ganz gleich, in welcher Form Du Dich engagierst: Die Arbeit als Arzt in Afrika ist nicht nur eine medizinische Herausforderung, sondern auch eine Chance, einen echten Unterschied zu machen. Wer sich dafür entscheidet, wird nicht nur fachlich wachsen, sondern auch von unvergesslichen Erfahrungen und Wissen bereichert.

Über die Autorin

Jana Detscher

Jana studiert derzeit im Masterstudiengang "Theorien und Praktiken professionellen Schreibens" und widmet sich mit großer Leidenschaft dem präzisen und kreativen Umgang mit Sprache. Ob bei der Recherche oder beim zielgruppengerechten Schreiben – Jana bringt fundierte Erfahrung im redaktionellen Arbeiten mit, unter anderem durch Stationen beim Literaturhaus Köln und dem Dokumentationszentrum DOMiD e.V.

Alle Artikel von Jana →