Arztberuf & Karrierewege

Medizin in Kriegsgebieten – Arbeiten bei Ärzte ohne Grenzen

Von Jana Detscher4 Min. Lesezeit
Medizin in Kriegsgebieten – Arbeiten bei Ärzte ohne Grenzen

Wo Kriege und Krisen den Lebensalltag bestimmen, leiden Menschen, die auf Versorgung angewiesen sind, besonders stark. Die Organisation Ärzte ohne Grenzen hilft da, wo medizinische Betreuung ansonsten kaum mehr stattfindet.

Im Einsatz für das Wohl der Menschen vor Ort

Ärzte ohne Grenzen wurde 1971 von Ärzten und Journalisten gegründet, um die schnelle medizinische Versorgung von Menschen in Krisengebieten zu gewährleisten und gleichzeitig auf ihre Lage hinzuweisen. Mittlerweile ist ein internationales Netzwerk entstanden, das weltweit in 70 verschiedenen Projekten Nothilfe leistet. Einsätze erfolgen vor allem in Konfliktgebieten, bei Naturkatastrophen und zur Bekämpfung von Epidemien und Krankheiten – immer dort, wo die Hilfe am dringendsten gebraucht wird. Die Grundsätze dabei: Neutralität, Unabhängigkeit und Unparteilichkeit.

Idealismus ist hier Grundvoraussetzung

Die Arbeit ist mitnichten mit der in einem Krankenhaus oder einer Praxis zu vergleichen. Der Einsatz in Kriegs- und Krisengebieten bringt extreme Herausforderungen mit sich, denen man gewachsen sein muss. Die Arbeitsbedingungen sind erschwert, da es oft an medizinischem Equipment und Medikamenten mangelt und viel improvisiert werden muss. Du wirst im Einsatz mit schweren Krankheitsfällen, Verletzungen und Todesfällen konfrontiert sein, die sich nicht immer so schnell und effektiv behandeln lassen wie in einem voll ausgestatteten Krankenhaus. Auch der Mangel an Ressourcen wie sauberem Wasser und Elektrizität beeinträchtigt die Arbeit maßgeblich.

Die Arbeitszeiten sind schon für Ärzte in Deutschland oft herausfordernd. In einem Einsatz kommen extreme klimatische Bedingungen und einfache Unterkünfte hinzu, die die Erholung erschweren. Außerdem ist es nicht leicht, tagtäglich mit dem Leid von Menschen konfrontiert zu sein. Für einen Einsatz musst Du daher nicht nur eine hohe körperliche, sondern auch psychische Belastbarkeit mitbringen.

Der Weg in den Einsatz

Ärzte ohne Grenzen sucht laufend Allgemeinmediziner und Fachärzte aus den verschiedenen Bereichen, wie Chirurgie, Notfallmedizin, Epidemiologie und Anästhesie. Pharmazeuten und Fachkräfte aus den Bereichen Psychiatrie und Psychotherapie werden ebenso gebraucht. Du benötigst aber nicht unbedingt ein abgeschlossenes Medizinstudium, um in einem Einsatz tätig zu werden: Auch Pflegekräfte, Hebammen, Pharmazeuten sowie Fachkräfte aus nicht-medizinischen Bereichen wie Logistik, Finanzmanagement oder Personalentwicklung werden dringend gebraucht. Für die meisten Bereiche gilt, dass Du schon Berufserfahrung mitbringen solltest – die Arbeit ist schließlich sehr fordernd und alle Beteiligten tragen eine hohe Verantwortung für den Erfolg des Einsatzes.

Wenn du als Arzt tätig werden willst, ist es von Vorteil, wenn Du neben der Berufsausbildung auch Kenntnisse in der Tropen- und Notfallmedizin mitbringst. Um vor Ort mit den Patienten und dem Team kommunizieren zu können, solltest Du sehr gut Englisch sprechen, weitere Fremdsprachenkenntnisse sind von Vorteil. Für den Einsatz ist eine hohe Teamfähigkeit, interkulturelle Kompetenz und Belastbarkeit unabdingbar.

Übrigens bewirbst Du Dich nicht für einen spezifischen Einsatz oder ein bestimmtes Land, sondern für die Aufnahme in einen Pool. Erst dann wird eine passende Projektstelle für Dich gesucht. Ein Einsatz dauert in der Regel neun bis zwölf Monate – eine lange und fordernde Zeit, auf die die Organisation Dich bestmöglich versucht vorzubereiten: Vor dem Einsatz nimmst Du gemeinsam mit anderen an einem einwöchigen Vorbereitungskurs teil. In diesem wirst Du über die Arbeitsgrundlagen, interne Abläufe und Richtlinien von Ärzte ohne Grenzen informiert.

Natürlich wirst Du im Einsatz nicht einfach unvorbereitet ins kalte Wasser geworfen: Es wird sich viel Zeit genommen, über die Bedingungen vor Ort, die Sicherheitslage im Einsatzland und spezifische Verhaltensregeln aufzuklären. Im Einsatz selbst kannst Du Dich stets von Ansprechpartnern in Deutschland beraten lassen.

Was Ärzte ohne Grenzen bietet

Im Vergleich zu anderen Arbeitsmöglichkeiten ist die finanzielle Entlohnung für Ärzte eher gering. Das liegt vor auch daran, dass Ärzte ohne Grenzen größtenteils durch Spenden finanziert wird. Das ist elementarer Bestandteil der Organisation mit dem Ziel, eine Vermischung mit militärischen Interessen zu verhindern – geholfen werden soll schließlich jedem, der Hilfe benötigt.

Für Deinen Einsatz wirst Du mit einem befristeten Vertrag angestellt, das genaue Gehalt hängt dabei von Deiner bisherigen Berufserfahrung ab. Die Organisation zahlt zusätzlich zum Grundgehalt eine Tagespauschale für den täglichen Bedarf, mit jedem weiteren Einsatz steigt das Gehalt leicht an. Zudem erhalten Mitarbeitende einen umfassenden Versicherungsschutz; die Fürsorge gegenüber Mitarbeitern wird bei Ärzte ohne Grenzen besonders groß geschrieben. Neben der Unterstützung bei Visa- und Reiseformalitäten erhältst du psychosoziale Betreuung vor, während und nach dem Einsatz. Außerdem wird die Teilnahme an externen Schulungen und Weiterbildungen angeboten, die für Entwicklungsmöglichkeiten innerhalb der Organisation fördern.

Warum sich der Einsatz lohnt

Die Arbeit bei Ärzte ohne Grenzen wird von vielen als lebensverändernd beschrieben. Du hast die Möglichkeit, Menschen in größter Not direkt zu helfen und ihre Lebensbedingungen zu verbessern – Seite an Seite mit Menschen aus den unterschiedlichsten Fachbereichen, die alle dasselbe Ziel vor Augen haben. Nach einem Einsatz wirst Du sicherlich einen anderen Blick auf die Welt haben.

Über die Autorin

Jana Detscher

Jana studiert derzeit im Masterstudiengang "Theorien und Praktiken professionellen Schreibens" und widmet sich mit großer Leidenschaft dem präzisen und kreativen Umgang mit Sprache. Ob bei der Recherche oder beim zielgruppengerechten Schreiben – Jana bringt fundierte Erfahrung im redaktionellen Arbeiten mit, unter anderem durch Stationen beim Literaturhaus Köln und dem Dokumentationszentrum DOMiD e.V.

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