Arztberuf & Karrierewege

Schichtdienst, Überstunden, Stress: Wie anstrengend ist der Arztberuf?

Von Jana Detscher3 Min. Lesezeit
Müder Arzt im Nachtdienst – Schichtdienst, Überstunden, Stress: Wie anstrengend ist der Arztberuf?

Die letzte Nacht war viel zu kurz. Du bist erst spät vom Dienst gekommen und konntest dann nicht direkt einschlafen. Außerdem war die ganze Woche schon so anstrengend, weil Du für die kranke Kollegin einspringen musstest. Der Wecker klingelt viel zu früh, Du kommst also erschöpft zur Arbeit – und dann muss alles ganz schnell gehen. Im Zimmer von Patient 37 piepst es und Du musst eine Entscheidung treffen, an der alles hängt.

Klingt nach einem Albtraum? Nicht nur, sondern auch nach dem Alltag vieler Ärzte in deutschen Krankenhäusern. Und trotz Ärztemangel gilt der Beruf für viele nach wie vor als Traumjob, für den elf Jahre intensiver Ausbildung in Kauf genommen werden.

Mehr als nur ein bisschen länger bleiben

Flexible Arbeitszeiten, Homeoffice-Tage und Work-Life-Balance sind die Schlagworte des modernen Arbeitsmarkts. Schließlich haben Gesundheit und Lebensqualität immer Vorrang – aber ausgerechnet bei denen, die Menschen heilen, bleibt beides oft auf der Strecke. Besonders im Klinikalltag zeigt sich ein alarmierendes Bild.

Dass der Arztberuf belastend sein kann, ist angesichts der enormen Verantwortung, die für das Wohl anderer Menschen getragen wird, nicht verwunderlich. Tatsächlich ist der direkte Patientenkontakt aber nicht der Hauptgrund dafür, dass 80 Prozent der Ärzte sich durch ihren Beruf belastet fühlen. Vielmehr fühlen sie sich durch hohe Arbeitszeiten gestresst.

Ärzte arbeiten deutlich mehr als Vollzeit – und das unabhängig von ihrer genauen Position. Schichtdienste und wöchentliche Arbeitszeiten von bis zu 80 Stunden sorgen dafür, dass kaum noch Zeit für Erholung bleibt – von Freizeit ganz zu schweigen. Der Körper braucht der Zeit, um sich an Nachtdienste anzupassen. Bekommt er diese nicht, sind Schlafmangel und Erschöpfung die Folge.

Personalmangel trotz hoher Nachfrage nach Studienplätzen

Aber woran liegt das? In Krankenhäusern herrscht chronischer Personalmangel. Paradoxerweise ist die Nachfrage nach Studienplätzen hoch, es scheitert vielmehr an den Ausbildungskapazitäten.

Der Ärztemangel hängt auch mit dem demografischen Wandel zusammen: Während der Bedarf an medizinischer Versorgung steigt, gehen immer mehr Mediziner in Rente. Nachkommende Ärzte leiden umso mehr unter der Arbeitsbelastung.

Das Krankenhaus hat ein Imageproblem

Außerdem gilt die Bürokratie im Gesundheitswesen als erschwerender Faktor im Krankenhausbetrieb. Die Dokumentation nimmt viel Zeit in Anspruch, die wiederum für den Patienten fehlt. Und Zeit ist ein besonders kritischer Faktor, wenn es um die Sicherstellung der bestmöglichen Versorgung geht. Entscheidungen unter zeitlichem Druck treffen zu müssen, sorgt für enormen psychischen Stress.

Die Folge: Immer mehr Mediziner entscheiden sich für andere Karrierewege. In Praxen, aber auch in der Pharmaindustrie oder in der Unternehmensberatung sind die Arbeitsbedingungen oft besser und auch hier lässt sich ein lukratives Einkommen erwirtschaften. Gleichzeitig verschärft sich dadurch die Situation in den Krankenhäusern weiter.

Lohnt sich der Beruf trotzdem?

Aber: Das Problem ist mittlerweile in der Öffentlichkeit bekannt. Auch die Corona-Pandemie hat entscheidend zu einer Debatte über die Zustände auf den Stationen beigetragen. Bereits jetzt wird die Anzahl an Studienplätzen erhöht und über bessere Arbeitsbedingungen diskutiert. Immer mehr Ärzte arbeiten in Teilzeit.

Und trotz aller Herausforderungen sind viele mit dem Beruf zufrieden: Denn es gibt Momente, die alles aufwiegen. Der Arztberuf ist anstrengend und man sollte sich von Anfang an aktiv vor Überlastung schützen. Aber wenn Patient 37 nach Wochen endlich wieder nach Hause gehen kann, wird man merken: Es lohnt sich.

Über die Autorin

Jana Detscher

Jana studiert derzeit im Masterstudiengang "Theorien und Praktiken professionellen Schreibens" und widmet sich mit großer Leidenschaft dem präzisen und kreativen Umgang mit Sprache. Ob bei der Recherche oder beim zielgruppengerechten Schreiben – Jana bringt fundierte Erfahrung im redaktionellen Arbeiten mit, unter anderem durch Stationen beim Literaturhaus Köln und dem Dokumentationszentrum DOMiD e.V.

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