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Vorklinische Studienfächer im Medizinstudium

Von Dr. rer. nat. Anne Schneider3 Min. Lesezeit
Studierende lernen mit Anatomiemodellen – Vorklinische Studienfächer im Medizinstudium im Medizinstudium

Die Vorklinik stellt den ersten Abschnitt der ärztlichen Ausbildung dar, die sich vom ersten bis vierten Semester erstreckt. Diese Phase wird häufig als eher trocken und theorielastig empfunden, da hier der Fokus überwiegend naturwissenschaftlich geprägt ist und die spannende Welt der klinischen Medizin noch weit entfernt scheint. In diesem wichtigen Abschnitt des Studiums werden Dir aber viele wichtige und notwendige Grundlagen vermittelt, die zum Verständnis der Medizin und des hochkomplexen menschlichen Organismus beitragen und Dir später in verschiedenen Fächern von Nutzen sein werden. Insgesamt bereitet Dich dieser Abschnitt auf die erste ärztliche Zwischenprüfung (Staatsexamen), auch Physikum genannt, vor, welche die erste wesentliche Hürde des Studiums darstellt.

Vorklinische Studienfächer:

  • Biologie für Mediziner
  • Chemie für Mediziner
  • Physik für Mediziner
  • Mikroskopische Anatomie
  • Makroskopische Anatomie
  • Biochemie/Molekularbiologie
  • Physiologie
  • Medizinische Psychologie und Soziologie
  • Praktikum zur Berufsfelderkennung
  • Medizinische Terminologie
  • Einführung in die klinische Medizin
  • Wahlfach
  • Erste-Hilfe-Kurs
  • Krankenpflegepraktikum (3 Monate)

Der Schwerpunkt der Vorklinik liegt auf Fächern, in denen Dir grundlegendes Wissen in Anatomie, Biochemie, Physiologie und Psychologie vermittelt wird. Dies ermöglicht es Dir, biochemische Zusammenhänge besser zu verstehen und ein fundiertes Verständnis über die Lage und Funktion der Organe zu erlangen, was zweifelsohne für jeden Arzt oder Ärztin von grundlegender Bedeutung ist. Besonders interessant und herausfordernd ist hier der Präparierkurs, vielfach kurz als „Präpkurs“ bezeichnet, der es Dir im Rahmen der makroskopischen Anatomie ermöglicht, Dein erlerntes theoretisches Wissen in der Praxis durch die Präparation von Körperspendern als Lehrobjekt zu vertiefen. Darüber hinaus bilden die Fächer Chemie, Biologie und Physik eine wesentliche Grundlage für die aufbauenden Fächer Biochemie und Physiologie. Insgesamt sind die Fächer der Vorklinik noch recht überschaubar. Sie sind systematisch und strukturiert in Seminare, Kurse und Pflichtpraktika (z.B. Chemie-, Biologie-, Physik- und Biochemiepraktikum) organisiert, wobei thematisch zusammenhängende Fächer im gleichen Semester angeboten werden. Der Umfang der Veranstaltungen ist oft tagesfüllend und der Lernaufwand der Vorklinik hoch.

Die Fächer werden durch ein „Praktikum zur Berufsfelderkundung” ergänzt, das Dir die Möglichkeit bietet, verschiedene Berufsfelder außerhalb der Praxis oder Klinik wie dem Gesundheitsamt, der Krankenkasse, der Suchtberatung oder einem Pharmakonzern kennenzulernen. Zudem belegst Du ein Praktikum zur Vermittlung medizinischer Terminologie, das dir dabei hilft, die komplexen klinischen Fachbegriffe besser zu verstehen. Im Praktikum „Einführung in die klinische Medizin“ erhältst Du, als Ergänzung zur vielen Theorie, einen ersten Einblick in den klinischen Alltag, wobei der Fokus auf konkreten Krankheitsbildern, Untersuchungstechniken und Therapiemethoden liegt. Durch die weitere Ergänzung eines Wahlfaches, dass Du nach Deinen persönlichen Interessen aussuchen kannst, erhältst Du zudem die Möglichkeit, die hochgradig „verschulte“ Vorklinik ein wenig zu individualisieren und Dein Wissen in Bereichen wie Medizingeschichte, landärztliche Praxis oder Homöopathie zu vertiefen. Darüber hinaus wird von Dir die Teilnahme an einem Erste-Hilfe-Kurs und einem dreimonatigen Krankenpflegepraktikum verlangt, welches in den Semesterferien oder auch schon vor Beginn des Studiums abgeleistet werden kann. Diese praktische Erfahrung erlaubt es Dir, „endlich mal anzupacken“ und die Arbeitsabläufe im Krankenhaus aus der Perspektive der Pflege kennenzulernen. Das Krankenpflegepraktikum kann dabei auf drei Teile zu je einem Monat gesplittet werden.

In der Vorklinik musst Du insgesamt 16 Leistungsnachweise, sogenannte Scheine, sowie das Wahlfach erfolgreich absolvieren, wobei hier zwischen „großen“ und „kleinen“ Scheinen unterschieden wird. Wenn alle Leistungsnachweise erbracht wurden, ist eine Zulassung zum Physikum möglich.

Große Scheine:

  • Praktikum der Physik für Mediziner
  • Praktikum der Chemie für Mediziner
  • Praktikum der Biologie für Mediziner
  • Praktikum der Physiologie
  • Praktikum der Biochemie/Molekularbiologie
  • Kursus der makroskopischen Anatomie
  • Kursus der mikroskopischen Anatomie
  • Kursus der Medizinischen Psychologie und Medizinischen Soziologie

Kleine Scheine:

  • Seminar Physiologie
  • Seminar Biochemie/Molekularbiologie
  • Seminar Anatomie
  • Seminar der Medizinischen Psychologie und Medizinischen Soziologie
  • Praktikum zur Einführung in die Klinische Medizin (mit Patientenvorstellung)
  • Praktikum der Berufsfelderkundung
  • Praktikum der medizinischen Terminologie
  • Seminare mit klinischem Bezug und integrierte Seminare (bestehend aus mehreren Teilbescheinigungen)
  • Wahlfach (benotet)
Über die Autorin

Dr. rer. nat. Anne Schneider

Dr. Anne Theres Schneider ist promovierte Biologin und arbeitet an der Medizinischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Sie betreut medizinische und biologische Doktorand:innen und verfasst wissenschaftliche sowie allgemeinverständliche Texte mit besonderem Gespür für komplexe Inhalte. Durch ihre Nähe zur akademischen Ausbildung kennt sie die Herausforderungen des Medizinstudiums aus erster Hand.

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