Der Weg zum Arzt ist bekanntlich lang: Ganze sechs Jahre dauert das Studium, und fertig ist man damit noch lange nicht. Schließlich folgt noch die Facharztausbildung – weitere vier bis sechs Jahre, bis man ihn endlich hat: Den Titel, mit dem man bereit ist für die Niederlassung als Hausarzt. Und dann gäbe es noch die Zusatzbezeichnungen. Aber braucht man die denn überhaupt? Und welche bringen einen wirklich weiter?
Kommt darauf an – aber zwingend benötigt wird keine Zusatzbezeichnung. Als Hausarzt hast Du in der Regel die Facharztausbildung in Allgemeinmedizin oder Innerer Medizin absolviert. Allerdings sind Zusatzbezeichnungen ein Aspekt des Hausarztberufs, den viele während des Studiums unterschätzen.
Wozu Zusatzbezeichnungen?
Als Hausarzt bist Du oft die erste Ansprechperson für gesundheitliche Fragen aller Art. Willst Du Dich dennoch in einem bestimmten Bereich spezialisieren, kannst Du Zusatzbezeichnungen erwerben, die oft auch auf Praxisschildern zu lesen sind. Damit verschaffst Du Dir vor allem einen Wettbewerbsvorteil – denn Du kannst Dich von anderen abheben und die Patienten können Dich gezielt für spezifischere Anliegen auswählen. Gerade wenn Du Dich für einen bestimmten Bereich besonders interessierst, kannst Du Dir so einen Patientenstamm aufbauen, der zu Dir passt.
Übrigens: Die Zusatzbezeichnungen sind Ländersache – die Ärztekammern der jeweiligen Bundesländer sind also für Aufbau und Prüfungen zuständig. Eine Orientierung bietet die Musterweiterbildungsordnung, genaue Informationen zu Voraussetzungen, Inhalten, Kosten und Dauer der Zusatz-Weiterbildungen findest Du direkt bei der jeweiligen Ärztekammer.
Beliebte Bezeichnungen für Hausärzte
Zusatzbezeichnung Geriatrie
Welche Zusatzbezeichnungen zu Dir passen, hängt von Deinen Interessen ab – aber gerade als Hausarzt gibt es auch einige, die einfach Sinn ergeben. Dazu gehört die Spezialisierung auf die Behandlung von älteren Menschen. Denn gerade die sind vermehrt auf gesundheitliche Betreuung angewiesen – und aufgrund des demografischen Wandels wird die Nachfrage in den nächsten Jahren weiter steigen. Eine Weiterbildung in der Geriatrie lohnt sich also: Die medizinischen Möglichkeiten entwickeln sich auch im Bereich der Therapien für ältere Menschen kontinuierlich weiter. Durch die Zusatz-Weiterbildung bietest Du der Personengruppe, die einen wesentlichen Bestandteil Deiner Patienten ausmacht, die bestmögliche Behandlung.
Zusatzbezeichnung Notfallmedizin
Auch wenn Du nicht im Rettungsdienst, sondern in der Praxis arbeiten willst, ist eine Weiterbildung in der Notfallmedizin in vielerlei Hinsicht von Vorteil – vor allem in ländlichen Gebieten sind Hausärzte hier oft die ersten Ansprechpartner. Außerdem muss jeder approbierte Arzt am kassenärztlichen Bereitschaftsdienst teilnehmen, der 365 Tage im Jahr rund um die Uhr erreichbar ist. In der Weiterbildung wirst Du geschult, mit akut lebensgefährlichen Situationen umzugehen, die Vitalfunktionen wiederherzustellen und aufrechtzuerhalten. Mit der Zusatzbezeichnung kannst Du auch freiberuflich auf Honorarbasis im Rettungsdienst arbeiten.
Zusatzbezeichnung Sportmedizin
Sportbegeisterte Hausärzte können ihr Hobby durch diese Zusatzqualifikation in den Beruf einbringen – sie gehört zu den Top 5 der beliebtesten ärztlichen Zusatzausbildungen. Hier geht es nicht nur um die Betreuung von Menschen mit Sportverletzungen, sondern auch um Trainingsberatung, Prävention und Leistungscheck. In der Betreuung von Profisportlern arbeitest Du auch eng mit Trainern und Physiotherapeuten zusammen. Du erschließt Dir also ein weites Feld und kannst Dir den Arbeitsalltag als Hausarzt abwechslungsreicher gestalten.
Zusatzbezeichnung Naturheilverfahren
Die Nachfrage nach alternativer Medizin wächst stetig – und so gehört auch die Zusatz-Weiterbildung Naturheilverfahren zu den beliebtesten. Dabei umfasst die Bezeichnung verschiedenste Bereiche und Anwendungen. Grundlage ist ein ganzheitliches Verständnis des Körpers. Intensive Anamnesegespräche und Achtsamkeitsberatung sind ebenso Teil davon wie Massagen, Ernährungstherapie und Verfahren wie die Homöopathie, deren Wirksamkeit über den Placebo-Effekt hinaus nicht belegt ist. Die Kombination von konventionellen Ansätzen mit Naturheilverfahren wird von vielen als umfassendere Behandlung wahrgenommen, weshalb Du Dir mit der Zusatzbezeichnung einen zuverlässigen Patientenstamm aufbauen kannst.
Zusatzbezeichnung Psychotherapie
Was viele nicht wissen: Um psychotherapeutisch arbeiten zu können, braucht es nicht unbedingt ein abgeschlossenes Psychologiestudium. Auch mit Facharzttitel kannst Du Dich nach der Zusatzweiterbildung „Ärztlicher Psychotherapeut“ nennen. Der große Vorteil: Du kannst Patienten wirklich umfassend begleiten, indem Du körperliche Ursachen für Erkrankungen mit einbeziehst und Medikamente verschreiben kannst.
Das Berufsleben ideal gestalten – mit der richtigen Zusatzbezeichnung
Ob Du am liebsten Fußballtalente auf dem Behandlungstisch hast, Menschen in psychischen Notlagen unterstützen willst oder Dir viel Zeit für ein ganzheitliches Verfahren wichtig ist – mit einer Zusatzbezeichnung kannst Du Dir Deinen Berufsalltag individueller gestalten. Die fachliche Spezialisierung kommt also nicht nur Deinen Patienten, sondern auch Dir selbst zugute. Wenn Du schon weißt, dass Du einmal als Hausarzt arbeiten willst, gibt es viele Möglichkeiten, wie Du Dein Profil schärfen und einen Patientenstamm aufbauen kannst, der zu Dir passt.

Jana Detscher
Jana studiert derzeit im Masterstudiengang "Theorien und Praktiken professionellen Schreibens" und widmet sich mit großer Leidenschaft dem präzisen und kreativen Umgang mit Sprache. Ob bei der Recherche oder beim zielgruppengerechten Schreiben – Jana bringt fundierte Erfahrung im redaktionellen Arbeiten mit, unter anderem durch Stationen beim Literaturhaus Köln und dem Dokumentationszentrum DOMiD e.V.
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