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Berühmte Ärzte und ihre verrücktesten Fälle

Von Aline Popp7 Min. Lesezeit
Berühmte Ärzte & ihre verrücktesten Fälle

Hast Du schon einmal von einer Sterberate von 300 % bei einer Operation gehört? Wusstest Du, was das Ergebnis der ersten Herztransplantation war? Dass die US-amerikanische Ärztin Sandra Lee als «Dr. Pimple-Popper» viral ging? Dass ein Fake-Arzt 17 Jahre lang an unterschiedlichen Orten praktizierte und Chefarztstellen annahm? Oder dass es ein Mädchen gibt, dessen Körper seine Blutgruppe nach einer Transplantation wechselte?

Die Welt der Medizin ist voller verrückter Vorkommnisse und kurioser Fälle. Manche sind wundersam, manche verblüffend, wieder andere sind revolutionär oder unverständlich. Doch es hat sie gegeben und mit der Entwicklung der Medizin werden noch viele weitere verrückte Ereignisse hinzukommen.

Der ignorierte Arzt

Ignaz Semmelweis, geboren 1818 in Ungarn, war ein Mediziner und praktizierte als Gynäkologe und Geburtenhelfer in Österreich und Ungarn. Er erkannte, dass die mangelnde Hygiene in öffentlichen Krankenhäusern zu vielen Todesfällen führte. Unermüdlich setzte er sich für Hygienevorschriften ein. Er führte Vorschriften ein und stellte Desinfektionsmaterial bereit. Kurioserweise wurden seine Ideen jedoch nicht mit offenen Armen empfangen – im Gegenteil. Die Ärzte beschwerten sich darüber, dass die verwendete Chlorkalklösung unangenehm für die Haut und sowieso Zeitverschwendung war. In Wien wurde er von seinen Arbeitskollegen schikaniert und seine Ideen wurden als «spekulativer Unfug» abgetan. Ignaz Semmelweis sollte aus der Stadt vertrieben werden, was schlussendlich auch gelang.

Bis zu seinem frühen Tod erhielt er nicht die Anerkennung, die Ignaz Semmelweis verdiente. Erst zehn Jahre, nachdem der Arzt Wien verlassen hatte, erkannte man die Notwendigkeit von Hygiene. Heute wird Ignaz Semmelweis auch «Der Retter der Mütter» genannt.

Der schnellste Chirurg

Die Geschichte, welche man sich über den britischen Chirurgen Sir Robert Liston erzählt, ist nicht hundertprozentig belegt und die Authentizität kann deshalb angezweifelt werden. Kurios ist sie allemal.

Robert Liston lebte von 1794 bis 1847 und führte diverse Fortschritte in den Bereichen Amputation und Wundverbände ein. Zu seiner Zeit galt er als der schnellste Chirurg der Welt, wobei Operationen zur Zeit vor der Erfindung der Anästhesie generell schneller durchgeführt werden mussten. Robert Listons Rekord liegt jedoch bei nur 25 Sekunden für die Amputation eines Beines. Doch nicht nur der Patient überlebte diesen Eingriff nicht. Auch sein Assistent, welchem Robert Liston versehentlich zwei Finger abgeschnitten hat, und ein unbeteiligter älterer Zuschauer, bei welchem der Schock einen Herzinfarkt auslöste, kamen bei der Operation ums Leben. Die Sterblichkeitsrate von 300 % bei einer Amputation ist ein tragischer Rekord.

Die falsche Identität

Dr. James Barry war ein irischer Arzt, welcher sich im 19. Jahrhundert für eine Verbesserung der Bedingungen für verwundete Soldaten einsetzte. Unter anderem praktizierte er in Indien und Südafrika.

Zu seinem größten Erfolg zählt der erste erfolgreich durchgeführte Kaiserschnitt in Afrika. Mutter und Kind überlebten den Eingriff und der Junge wurde James Barry Munnik getauft. Das Verrückte an der Geschichte ist jedoch, dass James Barry als weibliche Margaret Ann Bulkley geboren wurde. Die Beweggründe zur Annahme des männlichen Geschlechts sind nicht vollständig geklärt. Sicher ist jedoch, dass James Barry als Frau zu dieser Zeit weder Medizin studieren noch als Ärztin hätte arbeiten dürfen.

Erst nach seinem Tod wurde seine biologische Identität festgestellt. Die Gesellschaft war mehr als überrascht, dass der hervorragende Arzt in Wahrheit eine Ärztin war.

Die Selbstoperation

Der 1861 geborene Evan O’Neill Kane war ein US-amerikanischer Arzt. Er arbeitete als Chefarzt der Chirurgie, verfasste diverse Publikationen und verbesserte die Arbeitsmedizin der Eisenbahner.

Ungewöhnlich war, dass der Arzt bei einigen seiner Patienten neben der Narbe eine kleine verschlüsselte Signatur mit Tine eingravierte. Doch bei weitem Kurioseste stellte Kane 1921 unter Beweis: Er war überzeugt, dass eine örtliche Betäubung bei vielen Operationen ausreichend wäre. Mithilfe von Spiegeln führte er eine Selbstoperation durch. So entfernte er sich unter Teilnarkose eigenhändig und erfolgreich den Blinddarm und erregte damit große Aufmerksamkeit. Bereits zwei Jahre zuvor hatte er sich selbst einen Finger amputiert. Und mehr als zehn Jahre später – da war Kane bereits 70 Jahre alt – wiederholte er die Prozedur der Selbstoperation und reparierte sich selbst einen Leistenbruch.

Die erste Herztransplantation

Christiaan Barnard, ein südafrikanischer Arzt, kam im Jahr 1922 zur Welt und war ein Wegbereiter auf dem Gebiet der Herzchirurgie.

Am 3. Dezember 1967 führte ein 31-köpfiges Team unter der Leitung von Christiaan Barnard die erste erfolgreiche Herztransplantation an einem Menschen durch. Die Operation dauerte fünf Stunden und war nur soweit erfolgreich, als dass der Patient sie überlebte. Nur 18 Tage nach dem Eingriff verstarb er an einer Lungenentzündung, welche sein stark geschwächtes Immunsystem nicht abwehren konnte. Trotzdem war die von Christiaan Barnard durchgeführte Herztransplantation ein wichtiger Meilenstein in der Medizin und wurde als großer Erfolg angesehen. Bis heute gilt der Arzt als Legende, und 2004 wurde er hinter Nelson Mandela gar zum zweitgrößten Südafrikaner aller Zeiten gewählt.

Der Fake-Arzt

In der Geschichte der Medizin gibt es mehrere Fälle, in welchen sich «falsche» Ärzte ohne entsprechenden Abschluss als Doktor ausgegeben haben. Der wohl berühmteste dieser Hochstapler ist Gert Postel aus Deutschland, geboren 1958.

Mehrmals bewarb sich der eigentliche Postbote mit gefälschten Dokumenten und Urkunden auf Arztstellen. Er eignete sich die Sprache mit Hilfe von Fachbüchern an und besuchte Vorlesungen und Seminare an der Universität, um sich auf die Arbeit vorzubereiten. Sein Schwindel wurde oft aufgedeckt und er musste vor Gericht erscheinen. Die Strafen blieben jedoch milde, und Gert Postel änderte seine Identität auf den Papieren immer wieder aufs Neue. Er übernahm hohe Postitionen, verordnete Medikamente und wies Patientinnen und Patienten in Krankenhäuser ein.

17 Jahre lang praktizierte Gert Postel mit gefälschten Dokumenten in unterschiedlichen Einrichtungen in ganz Deutschland. 1999 wurde er jedoch wegen mehrfachen Betruges, Urkundenfälschung, Täuschung und Missbrauchs zu einer vierjährigen Freiheitsstrafe verurteilt.

Der verleugnete Artikel

Bennet Omalu wurde 1968 geboren und ist ein US-amerikanischer Arzt. Er forschte im Bereich chronisch-traumatischer Enzephalopathie (CTE), welche bei ehemaligen American-Football-Spielern auftrat. Die Krankheit wird durch häufige Schläge auf den Kopf ausgelöst und von Symptomen wie Depressionen, Aggression, kognitiven Beeinträchtigungen oder motorischen Störungen begleitet.

CTE wurde bereits bei Boxern und anderen Sportlerinnen und Sportlern diagnostiziert. Als Bennet Omalu einen Artikel zum Vorkommen der Krankheit im American Football publizierte, stieß er überraschenderweise auf große Ablehnung in der Football-Szene. Er wurde von Sportärzten und der NFL massiv unter Druck gesetzt, seinen Artikel zurückzuziehen. Sie beschuldigten den Arzt, seine Informationen seien nicht faktenbasiert und er verbreite Fehlinformationen.

Später gründete Bennet Omalu gemeinsam mit einem Chirurgen, einem Anwalt und einem Ex-Wrestler ein eigenes Institut, um die Gehirne toter Sportlerinnen und Sportler zu untersuchen. Bennet Omalu kämpfte unermüdlich für eine Anerkennung von CTE im Football. Die Forschungsergebnisse wurden von der NFL jedoch erst 2009 anerkannt.

Eine Ärztin geht viral

Sandra Lee, geboren 1970 in den Vereinigten Staaten, ist besser bekannt unter dem Namen Dr. Pimple Popper. Sie gründete im Jahr 2010 einen YouTube-Kanal, auf welchem sie Videos über Gespräche mit ihren Patientinnen und Patienten teilte. Kurze Zeit später begann sie, das Ergebnis und einzelne Behandlungsschritte zu filmen und zu dokumentieren. Der Kanal diente zunächst einzig der Informationsvermittlung.

2015 hatte Sandra Lee ihren Durchbruch mit einem Video, bei welchem sie einer älteren Dame einen sehr großen Mitesser im Nacken entfernt. Ihr Content war längst nicht mehr nur informativ, sondern wurde von humorvollen Kommentaren der Ärztin aufgelockert. Sie erreichte ein Millionenpublikum. Dr. Pimple Popper wurde weltberühmt und als Serie verfilmt.

Das Mädchen mit den zwei Blutgruppen

Demi-Lee Brennan war neun Jahre alt, als sie im Jahr 2001 – schwer leberkrank – ein neues Organ implantiert bekam. Als Demi-Lees Arzt war Michael Stormon an der Transplantation beteiligt, welche in Sydney durchgeführt wurde.

Einige Monate nach der Operation trauten die Ärzte ihren Augen nicht: Mit dem neuen Organ nahm der Körper des Mädchens auch die Spender-Blutgruppe an. Ihre Blutgruppe lautete nun nicht mehr 0-negativ, sondern 0-positiv. Was ein medizinisches Wunder ist, rettete Demi-Lee das Leben. Dank der neuen Blutgruppe wurde das Organ von ihrem Körper nämlich nicht abgestoßen und sie konnte die bis dahin lebenserhaltenden Medikamente absetzen.

Lachen als Medizin

Eine Koryphäe auf dem Gebiet der alternativen Medizin ist der 1945 geborene US-Amerikaner Patch Adams. Er ist nicht nur Arzt, sondern auch Sozialaktivist, Profi-Clown, Darsteller und Autor.

Schon während seines Studiums war er überzeugt von einem Zusammenhang zwischen Gesundheit und Wohlbefinden. Er reiste als Clown um die Welt und besuchte Kriegs- und Katastrophengebiete, Flüchtlingslager, Waisenhäuser, Altersheime und Krankenhäuser. Diese Tätigkeit führte er auch fort, nachdem Patch Adams mit einigen Freunden eine eigene kostenlose Klinik gegründet hatte. In dieser Klinik wurden nebst der medizinischen Behandlung auch die Kreativität, die Verbindung mit der Natur, das Handwerk und die Entspannung großgeschrieben. Seine Methoden galten zunächst als unkonventionell und verrückt, später wurden Patch Adams und seine Ideen durch den gleichnamigen Film weltbekannt.

Noch lange nicht fertig

Die Welt der Medizin ist voller Widersprüche und Wunder. Und wer weiß, was die Zukunft noch bringt. Die neuen digitalen Technologien werden für ganz viel Fortschritt sorgen und das Gesundheitssystem verändern. Die Medizin wird schneller und digitaler, vielleicht auch ein bisschen verrückter. Sicher ist: An kuriosen Geschichten wird es auch in Zukunft nicht fehlen.

Über die Autorin

Aline Popp

Aline Popp ist gelernte Buchhändlerin und arbeitet heute als Copywriterin in der Schweiz. Mit einem feinen Gespür für Sprache und Wirkung schreibt sie Texte, die berühren, überzeugen und im Gedächtnis bleiben. Ihre Leidenschaft gilt Themen rund um Bildung, Medizin und internationale Studienwege.

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