Der Traum vom weißen Kittel rückt in greifbare Nähe, wenn man es geschafft hat, sich einen der begehrten Plätze zu sichern. Die Humanmedizin gilt als einer der härtesten Studiengänge überhaupt. Aber es kursieren einige Mythen, die so nicht unbedingt zutreffen – hier kommt ein Reality Check mit fünf Fakten, die Dich überraschen könnten.
Nur die Crème de la Crème schafft es zum Arztberuf – und die entwickelt sich im Laufe des Studiums zu einer Horde von Vampiren. Versunken in den Untiefen der Bibliotheken, wo man die Tage fristet, kommt schließlich kein Sonnenstrahl mehr an die Haut. Mit diesen Erzählungen wird vielen Angst gemacht, die sich für ein Medizinstudium entscheiden. Aber stimmt das wirklich? Mit diesen fünf Punkten nimmst Du Pessimisten den Wind aus den Segeln – denn das Studium hat noch ganz andere Facetten.
Die Durchfallquoten sind viel geringer als man denkt.
Ja, richtig – viele denken, die Prüfungen kaum zu schaffen sind. Dabei sind die Durchfall- und Abbruchquoten viel geringer als in den meisten anderen Studiengängen. Vor allem in den drei großen Examina ist das sogenannte erste „Hammerexamen“ mit einer Durchfallquote von zehn Prozent schon Spitzenreiter. Fast alle, die es geschafft haben, bringen das Studium auch zum Ende. Es wird zwar viel gefordert, aber wer kontinuierlich lernt und den Stoff ernst nimmt, besteht in der Regel auch. Das liegt auch daran, dass die Auswahl vor dem Studium sehr streng ist und der meist notwendige hohe NC die starke Lernbereitschaft der Studierenden widerspiegelt.
Du kannst auch ohne 1,0 Schnitt Arzt werden
Vielleicht bist Du im letzten Satz schon gestolpert. Die wenigsten wissen, dass man nicht unbedingt ein Top-Abi braucht, um es ins Medizinstudium zu schaffen. Über die zusätzliche Eignungsquote, eine vorherige medizinische Berufsausbildung oder ein Studium im Ausland lässt sich der Traum auch anders verwirklichen. Und in Ausnahmefällen kann man sogar ohne Abitur studieren – auch hier sind berufliche Qualifikationen und entsprechende Eignungsprüfungen der Schlüssel zum Erfolg.
Mediziner müssen keine Menschenfreunde sein
Die meisten denken bei einem Studium der Humanmedizin an eine Tätigkeit in der Praxis oder im Krankenhaus. Aber nicht jeder Mediziner muss in die direkte Patientenversorgung gehen: Es gibt viele alternative Karrierewege: Ob in der Forschung, in der Industrie oder im Gesundheitswesen, Mediziner werden in vielen Bereichen gebraucht. Zweitrangig ist der der Patientenkontakt auch im Bereich der Epidemiologie oder als medizinischer Berater in Unternehmen. Falls Du also im Laufe des Studiums feststellst, dass die tägliche Arbeit mit Menschen doch nichts für Dich ist – kein Problem. Deine medizinische Expertise ist auch in anderen Bereichen gefragt.
Im Studium die Welt sehen: leichter als gedacht
Viele glauben, das Medizinstudium sei für einen Auslandsaufenthalt viel zu eng getaktet. Dabei bieten gerade die Famulaturen –Pflichtpraktika in den Semesterferien – die perfekte Gelegenheit für einen Blick über den Tellerrand. Mit einer NGO nach Mexiko oder in einer Klinik in Nigeria: Du lernst neue Menschen und Länder kennen und erhältst gleichzeitig einen wertvollen Einblick in ein anderes Gesundheitssystem. Wer frühzeitig plant, kann hier unvergessliche Eindrücke sammeln – fachlicher und Natur.
Geheimtipp: Netzwerken
Lerngruppen, Mentoringprogramme, Fachschaftsarbeit und DocCheck: Der Erfolg im Studium hängt nicht nur davon ab, wie viel Du lernst. Ebenso entscheidend sind die richtigen Kontakte. Sei es zu Kommilitonen, Dozenten und Ärzten, ein starkes Netzwerk eröffnet Dir oft Chancen, von denen Du ansonsten nie erfahren hättest: Zu den besten Praktikumsplätzen, Forschungsprojekten und spätere Jobangeboten kommst Du mit dem richtigen Austausch. Und auch das Studium lässt sich viel besser bewältigen, wenn man sich gegenseitig unterstützt. Netzwerken ist im Medizinstudium kein Bonus, sondern ein Türöffner. Informier Dich deshalb am besten gleich zu Beginn über Mentoringprogramme, Fachschaft und such den Kontakt zu Deinen Kommilitonen. So legst Du das Fundament für ein erfolgreiches Studium und einen optimalen Karrierestart.
Fazit: Mehr Möglichkeiten, als man denkt
Das Studium ist anspruchsvoll, keine Frage – aber wer flexibel denkt und auch mal unkonventionelle Wege geht, wird feststellen: Auf den zweiten Blick bietet es sehr viel mehr Freiheiten. Die Humanmedizin ist längst nicht so starr und elitär, wie viele glauben. Ob im Ausland, in alternativen Berufsfeldern oder mit einem starken Netzwerk: Die Möglichkeiten sind vielfältig – was Du daraus machst, liegt ganz bei Dir.

Jana Detscher
Jana studiert derzeit im Masterstudiengang "Theorien und Praktiken professionellen Schreibens" und widmet sich mit großer Leidenschaft dem präzisen und kreativen Umgang mit Sprache. Ob bei der Recherche oder beim zielgruppengerechten Schreiben – Jana bringt fundierte Erfahrung im redaktionellen Arbeiten mit, unter anderem durch Stationen beim Literaturhaus Köln und dem Dokumentationszentrum DOMiD e.V.
Alle Artikel von Jana →




