Primum non nocere – wie bitte?! Du willst Medizin studieren, weißt aber weder, was dieser Satz bedeutet, noch ob Du das wissen musst? Bundesweit entscheiden sich immer weniger Schüler dafür, Latein zu lernen. Ist die „tote Sprache“ also reine Zeitverschwendung? Oder braucht man sie sogar für das Medizinstudium?
Das Latinum ist ein offizieller Nachweis über Lateinkenntnisse. Ob großes oder kleines Latinum, grundsätzlich zeigst Du damit, dass Du Fachbegriffe einordnen und einfache Texte verstehen kannst. In der Regel erhält man es, wenn man die Sprache über mehrere Jahre in der Schule gelernt und mit einer bestimmten Note abgeschlossen hat. Während viele der Meinung sind, dass es viel sinnvoller ist, eine gesprochene Sprache zu erlernen, pochen andere darauf, dass das Latinum für den Erfolg in bestimmten Studiengängen unverzichtbar ist. Was stimmt denn nun?
Muss man als Medizinstudent Latein können?
Kurzum: Das Latinum ist in keinem Bundesland mehr Voraussetzung für das Medizinstudium. Primum non nocere – Zuerst einmal keinen Schaden anrichten – ist ein zentrales Prinzip medizinischer Ethik. Es gilt aber auch hier, denn schaden werden die Lateinkenntnisse sicher nicht. Du siehst schon: Ganz unnütz ist die Sprache in der Medizin nicht. Viele medizinische Fachbegriffe stammen aus dem Lateinischen und die Grundkenntnisse helfen Dir im Studium schneller einzuordnen, worum es etwa bei einer fractura femoris (Oberschenkelbruch) oder der mandibula (Unterkiefer) geht. Gerade in der internationalen Kommunikation ist die einheitliche Verwendung der lateinischen Begriffe sinnvoll und wichtig.
Terminologiekurs statt Latinum
Um sich in der medizinischen Fachsprache zurechtzufinden, war das Latinum früher Pflicht – mittlerweile wurde es durch einen medizinischen Terminologiekurs ersetzt. Dabei handelt es sich um eine Pflichtveranstaltung zu Beginn des Studiums, in der Dir die wichtigsten Begriffe aus dem Lateinischen und Griechischen vermittelt werden. An manchen Fakultäten werden die Gruppen nach Kenntnisstand eingeteilt, Du brauchst aber überhaupt keine Vorkenntnisse.
Tatsächlich besteht die medizinische Terminologie aus Tausenden von Fachausdrücken. Aber keine Angst: Es kommt kein jahrelanges Vokabelpauken auf Dich zu. Im Kurs geht es vielmehr darum, Dir die logische Systematik der Wortbildung zu vermitteln. Diese grundlegenden Sprachregeln gemeinsam mit einem Grundstamm an Vokabeln reichen aus, um sich in der Welt der Medizin mit der Zeit optimal zurechtzufinden.
Trotzdem das Non plus ultra?
Natürlich bringt das Latinum einen Vorteil im Verstehen und Anwenden medizinischer Begriffe. Und gerade zu Beginn des Studiums, wenn alles neu und auch etwas überfordernd ist, kommt einem die Reduktion des Lernstoffs zugute. Bei der Studienplatzvergabe spielen Lateinkenntnisse allerdings keine Rolle – Du hast hier also keinen Vorteil, wenn Du das Latinum in der Tasche hast.
Latein wählen – ja oder nein?
Wenn Du noch vor der Entscheidung stehst, ob Du Latein in der Schule wählen solltest, um im Medizinstudium bestehen zu können – mach Deine Wahl nicht nur davon abhängig. Zwar hilft es Dir, ein Gefühl für die Fachsprache zu entwickeln. Aber die Kenntnisse kannst Du ohne weiteres im Studium nachholen. Viel wichtiger als ein Latinum sind etwa gute Grundlagen in den Naturwissenschaften wie Physik und Biologie. Wenn Du also lieber eine andere oder gar keine dritte Sprache lernst, ist das völlig in Ordnung.
Also nota bene: Das Latinum ist ein Nice-to-have – aber definitiv kein Muss, um gut durchs Studium zu kommen.

Jana Detscher
Jana studiert derzeit im Masterstudiengang "Theorien und Praktiken professionellen Schreibens" und widmet sich mit großer Leidenschaft dem präzisen und kreativen Umgang mit Sprache. Ob bei der Recherche oder beim zielgruppengerechten Schreiben – Jana bringt fundierte Erfahrung im redaktionellen Arbeiten mit, unter anderem durch Stationen beim Literaturhaus Köln und dem Dokumentationszentrum DOMiD e.V.
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