Dass es schwer ist, einen Studienplatz in Medizin zu erhalten, ist kein Geheimnis. Wenn Du als nicht deutscher Staatsbürger in Deutschland studieren willst, musst Du bei der Bewerbung einiges beachten – besonders, wenn Du aus einem Nicht-EU-Land kommst. Aber wie viel schwieriger ist es wirklich? Hier erfährst Du, wie Deine Chancen stehen, als Arzt in Deutschland durchzustarten.
Im Vergleich zu vielen anderen Ländern ist das Studium in Deutschland ziemlich günstig: Bei den meisten Universitäten wird lediglich ein geringer Semesterbeitrag fällig. Außerdem wird das Medizinstudium in allen EU-Ländern anerkannt. Diese Vorteile machen das Studium in Deutschland besonders attraktiv für ausländische Studierende. Allerdings hat man es nicht leicht, wenn man diesen Weg gehen möchte.
Der Weg aus dem EU-Ausland
Hast Du Dein Abitur in einem EU-Land, Norwegen, Island oder Liechtenstein absolviert, ist das Zulassungsverfahren noch recht unkompliziert – es unterscheidet sich in der Regel nicht von dem für deutsche Absolventen. Auf der Seite des DAAD kannst Du überprüfen, ob Dein Zeugnis zur Aufnahme des Medizinstudiums berechtigt.
Auch wenn Du in einem anderen Land lebst, aber ein deutsches Abitur, zum Beispiel von einer deutschen Schule im Ausland hast, gelten für Dich keine Sonderregeln bei der Bewerbung auf Hochschulstart – egal, welche Staatsbürgerschaft Du hast.
Umrechnung der Zeugnisnote
Dein Zeugnis kannst Du bei der zuständigen Zeugnisanerkennungsstelle des Bundeslandes anerkennen und umrechnen lassen. Um selbst einschätzen zu können, wie Deine Chancen stehen, kannst Du die modifizierte bayerische Formel zur Umrechnung anwenden – z.B. auf der Seite der TU München.
Für IB-Zeugnisse gibt es eine eigene Umrechnungsformel.
Selbst wenn Du einen sehr guten Schnitt vorweisen kannst, solltest Du darüber nachdenken, Deine Bewerbung mit einem TMS-Ergebnis zu polieren. Denn sogar mit einem Top-Abi gibt es keine Garantie auf einen Studienplatz.
Bewerbung mit einem IB-Diploma
Das International Baccalaureate (IB) ist ein international anerkannter Schulabschluss, der auch in Deutschland zum Besuch einer Hochschule berechtigt – sofern einige Voraussetzungen erfüllt sind. Je nach Fächerwahl und Level besteht ein allgemeiner oder ein fachgebundener Hochschulzugang. Anerkannt wird der Abschluss nur, wenn er im Anschluss an den Besuch von zwölf Jahrgangsstufen an Schulen mit Vollzeitunterricht erworben wurde.
Wichtig: Für die Bewerbung muss die IB-Organisation Dir ein Zeugnis ausstellen, auf dem die Prüfungsfächer- und Noten aufgelistet sind. Auch der Nachweis sämtlicher Jahreszeugnisse (Term Reports / Semester Reports) ist erforderlich**.** Daraus muss hervorgehen, auf welchem Level die 6 IB-Fächer während des 2-jährigen IB-Programms belegt wurden.
Wenn die Voraussetzungen für einen allgemeinen Hochschulzugang nicht gegeben sind, kannst Du eine externe Feststellungsprüfung ablegen.
Bewerber aus Nicht-EU-Ländern
Ganz anders und wesentlich komplizierter ist es, wenn Du aus einem Nicht-EU-Land kommst. Da das Medizinstudium in Deutschland begehrt ist, stehen nur fünf Prozent der Plätze für internationale Studierende zur Verfügung – eine ziemlich geringe Quote. Die Konkurrenz ist entsprechend erhöht.
Anforderungen: GPA, TestAS und Deutschkenntnisse
Das Verfahren für internationale Bewerber hängt von den Hochschulen ab, auch wenn es teilweise über die Plattform uni-assist.de organisiert wird. Deshalb gibt es auch keine einheitlichen Vorgaben – allerdings ist ein sehr guter Notenschnitt (GPA) Grundvoraussetzung. Manche Hochschulen verwenden den Schnitt als einziges Kriterium, andere beziehen etwa eine Berufsausbildung im medizinischen Bereich oder Freiwilligendienste mit ein. Ein wichtiger Zusatz ist der Studierfähigkeitstest TestAS – nicht zu verwechseln mit dem TMS, der für deutsche Bewerber gedacht ist. Etwa an der RWTH Aachen ist ein Testergebnis sogar zwingend erforderlich. Informier Dich unbedingt direkt bei der Hochschule, welche Anforderungen für internationale Bewerber gelten.
Das Studienkolleg zum Medizinstudium
Eine weitere Hürde, auf die manche internationale Bewerber stoßen: Nicht alle Schulabschlüsse werden als gleichwertig zum deutschen Abitur anerkannt. Das liegt vor allem daran, dass die Schulzeit in einigen Ländern kürzer ist. Ob Dein Schulabschluss als Hochschulzugangsberechtigung gilt, kannst Du auf der Website des DAAD herausfinden.
Wenn Dein Abschluss nicht als gleichwertig anerkannt wird, musst Du nachweisen, dass Du die für das Medizinstudium erforderlichen Grundlagen nachgeholt hast. Dafür kannst Du für zwei Semester ein Studienkolleg besuchen, in welchem die Fächer Biologie, Chemie, Physik, Mathematik und Deutsch unterrichtet werden. Eine Übersicht über die verschiedenen Studienkollegs findest Du hier. Staatliche Studienkollegs verlangen lediglich einen Semesterbeitrag in Höhe von 100 bis 400 € pro Semester – da es dafür normalerweise aber keine Stipendien gibt, musst Du für Lebenshaltungskosten und Lernmaterialien selbst aufkommen.
Außerdem unterscheiden sich auch hier die Zulassungsverfahren. Das Wichtigste: Am Ende absolvierst Du eine Feststellungsprüfung (FSP) im M-Kurs, die speziell für Bewerber für biologische und medizinische Studiengänge konzipiert ist.
Lohnt sich der Besuch eines Studienkollegs?
Grundsätzlich ist es auch möglich, nur die Prüfung abzulegen und Dich selbstständig darauf vorzubereiten. Termine für die FSP inklusive Auskunft darüber, ob externe Bewerber zugelassen sind, findest Du hier. Wenn Du die Möglichkeit hast, ist es empfehlenswert, ein Studienkolleg zu besuchen, um Dich perfekt auf die Prüfung vorzubereiten. Und Gas geben lohnt sich: Denn die Bewerbungsnote setzt sich meistens im 50-50-Verhältnis aus Abiturnote und FSP-Note zusammen.
Um an einer deutschen Universität zu studieren, musst Du bereits gesetzlich krankenversichert sein und ein Studentenvisum vorweisen können – die Organisation des Unterfangens und das Ankommen in Deutschland kannst Du Dir mit einem Jahr Studienkolleg zumindest etwas entzerren. Auch kannst Du in dem Jahr bereits die Sprache erproben.
Sprachliche Voraussetzungen
Für alle Bewerber gilt: Sofern Du keine deutschsprachige Hochschulzugangsberechtigung mitbringst, musst Du Deine Sprachkenntnisse bei der Einschreibung an der Hochschule nachweisen. Außerdem müssen die Bewerbungsunterlagen in deutscher Sprache vorliegen – sollten sie das nicht sein, musst Du eine amtlich beglaubigte Übersetzung beilegen. Hochschulzugangsberechtigungen werden auch in englischer oder französischer Sprache akzeptiert.
Kein leichter Schritt – aber möglich
Für Bewerber aus Nicht-EU-Ländern ist es ziemlich schwer, an einen Studienplatz in Deutschland zu kommen. Zwar gibt es auch mit einem guten FSP-Ergebnis keine Garantie auf einen Studienplatz. Wenn Du aber einen sehr guten Schnitt mitbringst und bereit bist, Energie zu investieren, solltest Du Dein Glück versuchen.

Jana Detscher
Jana studiert derzeit im Masterstudiengang "Theorien und Praktiken professionellen Schreibens" und widmet sich mit großer Leidenschaft dem präzisen und kreativen Umgang mit Sprache. Ob bei der Recherche oder beim zielgruppengerechten Schreiben – Jana bringt fundierte Erfahrung im redaktionellen Arbeiten mit, unter anderem durch Stationen beim Literaturhaus Köln und dem Dokumentationszentrum DOMiD e.V.
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