Medizinstudium in Deutschland

Das AdH (Auswahlverfahren der Hochschulen)

Von Jana Detscher3 Min. Lesezeit
Auswahlkommission prüft Bewerbungen – Das AdH (Auswahlverfahren der Hochschulen)

Du willst Medizin studieren, aber bist Dir nicht sicher, ob der Abischnitt reicht? Anders als viele glauben, kommt es nicht nur darauf an. Mittlerweile gibt es noch mehr Möglichkeiten – und das nicht nur in Ausnahmefällen. Aber wie funktioniert das Auswahlverfahren denn jetzt genau? Wer hat Chancen und wer nicht?

Zum Arztberuf braucht es Bestnoten, ohne NC von 1,0 kann man den Traum vom weißen Kittel gleich an den Nagel hängen – das ist die Annahme, die nach wie vor bei vielen herrscht. Aber sie stimmt so schon lange nicht mehr. Tatsächlich ist die Abinote nur einer von mehreren Faktoren, die für die Vergabe der Studienplätze eine Rolle spielen.

Das AdH – die zusätzliche Chance?

Für bundesweit zulassungsbeschränkte Studiengänge wie Humanmedizin gelten andere Vergabeverfahren als für andere Fächer. Neben der Abiturbestenquote und der Zusätzlichen Eignungsquote werden rund 60 Prozent der Plätze über das universitätsspezifische Auswahlverfahren der Hochschulen vergeben – ganz schön viel. Dabei haben die Universitäten eigene Kriterien. Wenn Du Dich über Hochschulstart auf einen Studienplatz bewirbst, nimmst Du automatisch an allen drei Quoten teil.

Bestandteile des AdH – Wie wird gerechnet?

Das Auswahlverfahren der Hochschulen richtet sich immer nach der maximal erreichbaren Punktzahl von 100. Diese wird auf verschiedene Kriterien aufgeteilt. Ganz frei sind die Hochschulen in ihrer Auswahl nicht: Sie müssen einige Regeln einhalten, weshalb sich die Kriterien auch ähneln – die Gewichtung variiert dagegen von Uni zu Uni. Bevor Du Dich auf einen Studienplatz bewirbst, ist es sinnvoll zu schauen, zu welcher Uni Dein Profil passt – das erhöht die Erfolgschancen enorm.

Verbindliche Bestandteile des AdH

Ganz unerheblich ist die Abinote leider auch im AdH nicht: Sie bildet in der Regel einen wesentlichen Bestandteil. Außerdem müssen in der Humanmedizin aber mindestens zwei schulnotenunabhängige Eignungskriterien berücksichtigt werden – und zwar mit maßgeblichem Gewicht.

Fachspezifische Studieneignungstests wie der TMS sind ebenfalls ein verbindliches Kriterium, das die Hochschulen einbeziehen müssen. Konkret heißt das: Du kannst Deine Chancen damit erhöhen, bist aber nicht verpflichtet, einen solchen Test vorzuweisen.

Mögliche Bestandteile

Viele Hochschulen berücksichtigen praktische Erfahrungen in ihrem AdH. Berufsausbildung im medizinischen Bereich oder eine anerkannte Berufstätigkeit können Dir erhebliche Vorteile verschaffen. Diese sind aber genau festgelegt und können nur ab einer Dauer von mindestens 12 Monaten berücksichtigt werden. Auch ein Freiwilligendienst im fachlich einschlägigen Bereich kann ein Kriterium sein. Ein weiterer Pluspunkt dabei: Je nach Fachbereich können Dir diese Erfahrungen auch im Studium als Pflegepraktikum angerechnet werden.

Nur für die wenigsten relevant: Wenn Du Dich bereits durch besondere Leistungen in einem bildungsbezogenen Wettbewerb behauptet hast, kann das zu einem Vorteil führen. Die Bedingungen sind auch hier klar definiert. Die anerkannten Dienste, Berufsausbildungen und -tätigkeiten sowie anerkannte Preise findest Du auf Hochschulstart.

Manche Hochschulen führen auch Interviews durch. Während es für die Kriterien Berufsausbildung, Berufstätigkeit, Dienst und Preise eine feste, von der Uni definierte, Punktzahl gibt, kannst Du für abgeleistete Tests und Interviews individuell Punkte sammeln: Hier geht es um das genaue Bewertungsergebnis.

Die Chancen mit dem AdH verbessern

Die Quote verspricht vor allem denjenigen Chancen, deren NC allein vermutlich nicht reichen würde, aber dennoch gut ist. Schließlich zählt auch die Abinote zu den Kriterien. Wenn es im ersten Anlauf noch nicht klappt, nutze die Zeit, um an den möglichen Stellschrauben zu drehen: Wenn Dich optimal auf einen Eignungstest vorbereitest oder Erfahrung im medizinischen Bereich sammelst, werden es vielleicht immer noch keine 100 Punkte – aber eine andere Punktlandung reicht ja bekanntlich auch.

Über die Autorin

Jana Detscher

Jana studiert derzeit im Masterstudiengang "Theorien und Praktiken professionellen Schreibens" und widmet sich mit großer Leidenschaft dem präzisen und kreativen Umgang mit Sprache. Ob bei der Recherche oder beim zielgruppengerechten Schreiben – Jana bringt fundierte Erfahrung im redaktionellen Arbeiten mit, unter anderem durch Stationen beim Literaturhaus Köln und dem Dokumentationszentrum DOMiD e.V.

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