Du willst Medizin studieren? Bestimmt hast Du schon viel über die Hürden nachgedacht, die damit verbunden sind – schließlich sind die Plätze begehrt. Aber nicht nur ein super Abischnitt kann entscheidend sein: Auch in der Humanmedizin setzen einige Hochschulen auf persönliche Gespräche, um sich von der Eignung der Kandidaten zu überzeugen. Hier erfährst Du, worum es dabei geht – und wie Du Dich vorbereiten kannst.
Ein Gespräch kann über die berufliche Zukunft entscheiden – klingt drastisch, ist aber so. Aber das bedeutet auch: Ein Auswahlgespräch ist Deine Chance, mit Deiner Persönlichkeit zu glänzen. Denn hier geht es weniger um Fachwissen, als um Deine Motivation, Arzt zu werden.
Wo werden Auswahlgespräche eingesetzt?
Ein persönliches Gespräch ist kein Teil des Standard-Bewerbungsprozesses an staatlichen Universitäten. Dabei bestätigen Ausnahmen die Regel: Denn das Auswahlverfahren der Hochschulen, über das 60 Prozent der Studienplätze vergeben werden, stellt den Universitäten frei, welche Kriterien sie bei ihrer Bewertung anwenden. Ein persönliches Gespräch gehört an der Universität Greifswald und beim Modellstudiengang der TU Dresden dazu.
Anders sieht es bei privaten Hochschulen aus: Hier sind Auswahlgespräche ein häufig eingesetztes Mittel, um sich von der Eignung der Bewerber zu überzeugen. Oft kommen diese erst in einem zweiten Schritt zum Tragen. Deine persönliche Eignung und Motivation hast Du im Regelfall bereits in einem Motivationsschreiben dargelegt. Manche Hochschulen wie die Medical School Berlin (MSB) laden alle Bewerber, die die formalen Voraussetzungen erfüllen, zum persönlichen Gespräch ein, bei anderen gehörst Du bereits zum engeren Kreis, wenn ein Auswahlgespräch ansteht.
Auch wenn Du zum Beispiel über die Landarztquote an einen Studienplatz kommen willst, kann es gut sein, dass Du zum Auswahlgespräch eingeladen wirst.
Wie läuft ein Auswahlgespräch ab?
Die genaue Ausgestaltung der Gespräche unterscheidet sich je nach Hochschule. In der Regel werden die Gespräche mit mehreren Personen geführt und dauern mindestens 20 Minuten. Inhaltlich stehen Deine Motivation und Persönlichkeit im Vordergrund. Oft findest Du auf den Webseiten der Fakultäten Angaben zum genauen Inhalt – grundsätzlich solltest Du aber auf eine große Bandbreite an Fragen vorbereitet sein.
Auch Fallsimulationen und Rollenspiele können Teil des Gesprächs sein – gerade letztere werden in der Regel aber angekündigt. Dabei geht es häufig darum zu sehen, wie Du in Konfliktsituationen oder unter Stress reagierst und mit anderen kommuniziert: Denn als Arzt solltest Du empathisch, stressresistent und konfliktfähig sein.
Solche Rollenspiele kannst Du üben – auch wenn Du im tatsächlichen Auswahlgespräch mit anderen Fragen konfrontiert wirst. Allein dadurch, dass sich die Situation bereits weniger ungewohnt anfühlt.
Persönliche Fragen: Wer bist Du?
Ziemlich sicher wirst Du Fragen gestellt bekommen, mit denen Deine Gesprächspartner einen Einblick in Deine Persönlichkeit bekommen wollen. Hier kann es um Stärken und Schwächen, Interessen und den Werdegang gehen.
Deine Motivation: Was treibt Dich an?
Im Auswahlgespräch will Dein Gegenüber wissen, dass Du Dich gründlich mit der Wahl des Studiengangs auseinandergesetzt hast und weißt, was Du willst. Dabei kannst Du auf besondere Erlebnisse und Interessen eingehen, aber auch auf langfristige Ziele. Und: Nicht nur die Entscheidung für Medizin im Allgemeinen kann relevant sein. Wenn Du benennen kannst, warum genau diese Hochschule die richtige für Dich ist, ist das ein Pluspunkt.
Vorkenntnisse und Erfahrungen: Was bringst Du mit?
Hast Du bereits ein Praktikum oder einen Freiwilligendienst im medizinischen Bereich absolviert? Dann solltest Du im Auswahlgespräch darüber sprechen. Wichtig ist zu zeigen, dass Du Deine Erfahrungen intensiv reflektiert hast.
In dem Gespräch kommen unter Umständen auch gesundheitspolitische Debatten zur Sprache. Hier solltest Du wissen, welche Themen derzeit relevant sind. Dabei geht es nicht unbedingt um genaues Fachwissen, sondern um ethische Fragestellungen und die Verantwortung, die mit dem Arztberuf einhergeht. Etwa beim Thema Pränataldiagnostik ist es nicht notwendig, das genaue Vorgehen erklären zu können – aber über wichtige Punkte der Debatte, wie das Gendiagnostikgesetz, Bescheid zu wissen, zeigt Involviertheit. Eine eigene Meinung zu Themen formulieren zu können, ist oft ein Bewertungskriterium.
Die richtige Vorbereitung
Im persönlichen Gespräch ist es wichtig, einen ehrlichen und authentischen Eindruck von Dir zu vermitteln. Du solltest Dich daher noch einmal intensiv mit Deiner Entscheidung für das Studium und Deinen Zielen befassen. Selbstreflektiert über mögliche Fragen nachdenken und Antworten überlegen, die ehrlich, aber auch interessant sind, ist die beste Vorbereitung. Vermeiden solltest Du dabei Floskeln oder Selbstüberschätzung. Ein Bewusstsein über die Herausforderungen von Berufsalltag und Studium zeugt nicht etwa von Schwäche, sondern zeigt, dass Du Dich ernsthaft mit dem Fach auseinandergesetzt hast.
Am besten übst Du mit Deiner Familie oder anderen Personen in simulierten Gesprächen.
Häufige Fehler im Auswahlgespräch
Nervosität kann einem schnell einen Strich durch die Rechnung machen, wenn man sich nicht gezielt vorbereitet. Besonders bei unerwarteten Fragen heißt es erst einmal Ruhe bewahren. Denn auch das kann ein Teil des Verfahrens sein: Sehen, wie Du in stressigen Situationen reagierst. Leg Dir am besten einen Satz zurecht, den Du sagen kannst, wenn Du einen Moment über die Frage nachdenken musst. Auch wenn Du eine Frage nicht verstehst, frag ruhig nochmal nach – auch das ist ein Zeichen, dass Du einen kühlen Kopf bewahren kannst und präzise Antworten geben willst.
Last but not least noch ein paar Klassiker: Unpünktlichkeit gehört ebenso wie unvollständige Bewerbungsunterlagen zu den No-Gos. Auch die Körpersprache und Stimme sind nicht zu unterschätzende Aspekte, die man auch trainieren kann. Mit ihnen kannst Du Selbstbewusstsein und Souveränität ausstrahlen und andere so von Dir überzeugen.
Fazit
Auswahlgespräche können mitunter auch an staatlichen Universitäten ein Kriterium sein. Mit der richtigen Vorbereitung solltest Du sie nicht als Hindernis, sondern als Chance sehen. Setz Dich also tiefgreifend mit möglichen Fragen auseinander: Was hat Dich dazu bewogen, Dich für das Studium zu bewerben? Wie stellst Du Dir die Arbeit vor? Durch welche Erfahrungen, Interessen und Stärken bist Du überzeugt, dass Du das Studium auch meistern wirst? Bleib authentisch und selbstbewusst – dann hast Du die besten Chancen, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.
Wichtig ist aber auch: Das souveränste Auftreten und die höchsten Sympathiepunkte allein werden nicht dafür sorgen, dass Du an einen Studienplatz kommst. Deine Eignung solltest Du auf die eine oder andere Weise nachweisen können. Dabei gibt es einige Schräubchen, an denen Du drehen kannst: Eignungstests wie der TMS, Praktika oder Berufserfahrung können einen eher mittelmäßigen Abischnitt unter Umständen ausgleichen.

Jana Detscher
Jana studiert derzeit im Masterstudiengang "Theorien und Praktiken professionellen Schreibens" und widmet sich mit großer Leidenschaft dem präzisen und kreativen Umgang mit Sprache. Ob bei der Recherche oder beim zielgruppengerechten Schreiben – Jana bringt fundierte Erfahrung im redaktionellen Arbeiten mit, unter anderem durch Stationen beim Literaturhaus Köln und dem Dokumentationszentrum DOMiD e.V.
Alle Artikel von Jana →



