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Die 10 ältesten Medizin-Unis der Welt

Von Aline Popp5 Min. Lesezeit
Die 10 ältesten Medizin-Unis der Welt

Die Geschichte der Medizin ist eng mit der Entwicklung der Universitäten verbunden. Ihre Gründung markierte einen enormen Fortschritt in der Heilkunst: In Universitäten wurde geforscht, Wissen bewahrt und weitergegeben.

In diesem Artikel stellen wir die zehn ältesten medizinischen Universitäten der Welt vor, ihre historischen Wurzeln und ihre heutige Bedeutung.

1. Salerno

Die wohl älteste medizinische Ausbildungsstätte der Welt befand sich in Salerno, Süditalien. Sie entstand aus einem Kloster, das im 9. Jahrhundert ein Krankenhaus für seine Mönche gründete. Bald darauf legten Kreuzfahrtschiffe in Salerno an, um dort ihre Kranken behandeln zu lassen. Die sogenannten Heilkundigen begannen zunehmend, ihr Wissen weiterzugeben.

Erstmals erwähnt wurde die Medizinschule von Salerno um 990. Ihr offizieller Status als Universität ist jedoch umstritten. Der erste Lehrplan wurde vom Kaiser herausgegeben, war auf das Jahr 1241 datiert und beinhaltete drei Jahre Logik, fünf Jahre Medizin sowie ein Praxisjahr bei einem Arzt .

Ihre Blütezeit erreichte die Schule im 12. Jahrhundert, als sie zu einer der bedeutendsten medizinischen Ausbildungsstätten des Mittelalters wurde. Sie existierte bis 1812, verlor jedoch über die Jahrhunderte an Einfluss.

Heute gibt es die Universität Salerno mit ihrer Fakultät für Medizin und Chirurgie wieder. Sie wurde 1968 neu gegründet und zählt zu den jüngeren Universitäten Italiens.

2. Bologna

Die Universität Bologna beschreibt sich selbst als die älteste Universität der Welt und gehörte zu den ersten mit einer medizinischen Fakultät. Das Gründungsjahr kann jedoch nicht exakt bestimmt werden. Historiker legten im Nachhinein das Jahr 1088 fest, da eine Schule nachweislich gegen Ende des 11. Jahrhunderts existiert hatte. Neuere Forschungen datieren die Gründung jedoch auf 1130–1140.

Bologna war ein Zentrum der mittelalterlichen Heilkunde, insbesondere durch die Verwendung anatomischer Studien. Die Universität existiert noch heute und ist nach Rom und Neapel die drittgrösste Uni Italiens.

3. Neapel

Die Universität Neapel wurde am 5. Juni 1224 von Kaiser Friedrich II. gegründet, der sich – entgegen dem Willen der Kirche – für eine unabhängige naturwissenschaftliche Forschung einsetzte. Sie war die erste Universität Europas, die nicht unter kirchlicher Kontrolle stand, was zu Spannungen zwischen staatlichen und kirchlichen Hochschulen führte, die noch lange anhalten sollten. Der wohl bekannteste Student und spätere Dozent war Thomas von Aquin.

Mit ungefähr 75’000 Studierenden und 5300 Mitarbeitenden ist die Universität Neapel Federico II heute eine der grössten italienischen Universitäten. Sie ist für ihre vielfältigen akademischen Programme und ihre Spitzenforschung bekannt.

4. Padua

Die italienische Universität Padua entstand ersten Gründungspapieren zufolge im Jahr 1222. Verschiedene Aspekte trugen dazu bei, dass diese sich schnell etablierte und wuchs. Zum einen wurde Studenten aus Bologna eine Zuflucht geboten, welche ihre ursprüngliche Uni aufgrund von Differenzen verlassen mussten. Hinzu kam die Schliessung der Universität Vicenza, was zu einem neuen Strom von Studenten führte.

Im 15. Und 16. Jahrhundert entwickelte sich die Padua zu einem führenden Zentrum der Medizin. Die Universität stellte ein bedeutendes Forschungszentrum dar und zog bekannte Wissenschaftler an, darunter William Harvey und Johann Georg Wirsung.

Heute zählt die Universität Padua zu den renommiertesten Italiens. Sie ist ein Treffpunkt für Studenten aus aller Welt und auch die Deutsche Community ist bis heute tief verwurzelt.

5. Paris

Die Universität von Paris wurde im Jahr 1200 gegründet und später während der Französischen Revolution 1793 wieder aufgelöst. Die daraufhin entstandenen einzelnen Fakultäten wurden erst hundert Jahre später wieder zur Universität von Paris vereint.

Bereits vor ihrer offiziellen Gründung existierten in Paris renommierte Schulen, darunter private medizinische Lehranstalten. Die Vereinigung dieser kirchlichen und privaten Schulen wurde 1200 vom König anerkannt und somit als Universität betrachtet.

Aufgrund der Studentenunruhen im Jahr 1968 wurde die Universität in 13 eigenständige Einrichtungen aufgeteilt, von denen mehrere medizinische Fakultäten unterhalten. Sie verteilen sich über das ganze Stadtgebiet.

6. Montpellier

Bereits 1137 existierten in Montpellier erste medizinische Schulen. Nach dem Vorbild des italienischen Salernos entwickelte sich die südfranzösischen Stadt zu einem Zentrum der Heilkunde. Die medizinische Fakultät wurde im Jahr 1220 gegründet und war somit die erste in Frankreich.

Ihre Blütezeit hatte die Universität im 14. Jahrhundert. Trotz der Schwächung durch Religionskriege blieb die medizinische Fakultät führend. Viele königliche Ärzte wurden hier ausgebildet.

Heute ist Montpellier weiterhin ein angesehener Standort für Medizinstudien – nicht zuletzt dank seiner erstklassigen medizinischen Infrastruktur.

7. Oxford

Die Universität von Oxford ist die älteste englischsprachige Universität und wurde im Jahr 1096 gegründet. Sie wuchs im Jahr 1167 schlagartig, als der König dem englischen Volk verbot, in Paris zu studieren. Eine medizinische Fakultät wurde im 13. Jahrhundert eingerichtet und erzielte frühe Fortschritte in Anatomie und Physiologie.

Heute zählt Oxfords medizinische Fakultät zu den besten der Welt. Sie ist führend in Forschung zu Neurowissenschaften, Onkologie und kardiovaskulärer Medizin. Besonders bekannt wurde sie durch die Entwicklung des Oxford-AstraZeneca-Impfstoffs. Die Universität kombiniert akademische Exzellenz mit praxisnaher Ausbildung in renommierten Krankenhäusern und zieht Studierende aus aller Welt an.

8. Cambridge

Die Universität Cambridge wurde 1209 gegründet und zählt zu den angesehendsten Universitäten weltweit. Die Gründung der Uni geht auf mehrere Oxforder Gelehrte zurück, die aufgrund der in Oxford herrschenden Gewalt nach Cambridge zogen. Unzählige Nobelpreisträger waren Mitglied der Uni oder haben ihren Abschluss in Cambridge absolviert.

Zur Universität gehören heute 31 weitgehend selbständige Colleges. Das erste College – Penthouse – wurde 1284 gegründet. Der Zugang zu einem College ist nach wie vor Voraussetzung für das Studium.

Cambridge ist international stark vernetzt und zählt Studierende aus 142 verschiedenen Ländern.

9. Salamanca

Die älteste Universität Spaniens wurde 1218 gegründet und war einst ein Zentrum arabischer und jüdischer Medizin. Medizinische Fächer wurden ab dem 13. Jahrhundert unterrichtet.

Ihren Höhepunkt erreichte die medizinische Fakultät während des Goldenen Zeitalter Spaniens im 16. Jahrhundert. Kurd darauf sanken das Ansehen und die Bedeutung der Universität, da sich neue wissenschaftliche Zentren in Madrid und anderen europäischen Städten entwickelten.

Die medizinische Fakultät wurde im 20. Jahrhundert modernisiert und zählt heute zu den angesehensten Spaniens. Dank eines speziellen Abkommens ist es Absolventen aus Salamanca möglich, in den USA und Kanada zu praktizieren. Derzeit investiert die Universität in die Erweiterung und Modernisierung der Universitätskliniken, was ihre Position als führende Institution im medizinischen Bereich weiter ausbauen wird.

10. Coimbra

Die älteste Universität Portugals wurde 1290 in Lissabon gegründet und wechselte mehrmals den Standort zwischen Lissabon und Coimbra, bis sie 1537 endgültig in Coimbra angesiedelt wurde.

Im Mittelalter beinhaltete das Lehre hauptsächlich theoretische Studien, da die Kirche praktische Anatomie stark einschränkte. Zu ihrer Blütezeit im 16. Jahrhundert revolutionierte die Universität die medizinische Lehre durch Sezierungen und anatomische Studien.

Heute gehört die Faculdade de Medicina da Universidade de Coimbra zu den führenden medizinischen Fakultäten Portugals. Sie ist bekannt für Spitzenforschung in den Bereichen Neurowissenschaften, Onkologie, Kardiologie und regenerativer Medizin. Auch das angeschlossene Krankenhaus geniesst einen hervorragenden Ruf.

Über die Autorin

Aline Popp

Aline Popp ist gelernte Buchhändlerin und arbeitet heute als Copywriterin in der Schweiz. Mit einem feinen Gespür für Sprache und Wirkung schreibt sie Texte, die berühren, überzeugen und im Gedächtnis bleiben. Ihre Leidenschaft gilt Themen rund um Bildung, Medizin und internationale Studienwege.

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