Immer schneller, immer besser, immer effizienter. So lautet mittlerweile die Denkweise vieler Medizinstudenten. In einer Welt, in der die individuelle Selbstoptimierung im Fokus steht und der Erfolg anhand Produktivität gemessen wird, werden vermehrt „kleine“ Hilfsmittel eingesetzt. Sie werden als Mittel zum Zweck genutzt, entfalten jedoch eine große, unberechenbare Wirkung. Die Rede ist von „Doping“, auch bekannt als „Neuroenhancement“ oder „Hirndoping“. Bereits im Jahr 2013 kam eine Studie der Universität Mainz zu dem Ergebnis, dass jeder fünfte Student schon in Kontakt mit Hirndoping gekommen ist. Auslöser sind meistens die Belastung der Universität und der hohe Leistungsanspruch. Das deutsche Studentenwerk bestätigte, dass 59 Prozent der Studenten das Gefühl haben, gestresst oder nervös zu sein. Aus diesem Grund ist Doping insbesondere für Medizinstudenten schon längst kein Tabuthema mehr. Von Doping ist immer dann die Rede, wenn die Einnahme von Substanzen ohne eine medizinische Indikation erfolgt. Einziges Motiv ist hierbei die geistige Leistungssteigerung sowie die Stresskompensation. Dabei wird grundsätzlich zwischen drei Formen unterschieden. Das sogenannte Soft-Enhancement beschreibt die Einnahme freiverkäuflicher Substanzen. Hierzu gehören beispielsweise der Konsum von Kaffee oder Energy- Drinks. Obwohl man bei einem solchen normalisierten Konsum von Kaffee und Energy-Drinks nicht direkt an Doping denkt, ist das Risiko deutlich höher, später zu den härteren Substanzen zu greifen. Um die intensivere Wirkung von diesen härteren Substanzen zu verspüren, greifen Medizinstudenten bevorzugt zu illegalen oder verschreibungspflichtigen Substanzen, auch bekannt als pharmakologisches Neuroenhancement. Um das Medizinstudium erfolgreich zu überstehen, reichen 24 Stunden am Tag oft nicht mehr aus. Das Medizinstudium gilt berechtigterweise als einer der schwierigsten Studiengänge in Deutschland, geprägt von täglichen hohen Anforderungen, immer wieder kehrendem Leistungsdruck, Stress, Konkurrenzkampf und unzähligen Prüfungen. Das Durchhaltevermögen ist hierbei unerlässlich. Dabei kommt es gelegen, dass die meisten Medizinstudenten einen leichteren Zugang zu Doping- Substanzen haben als andere Studenten. Viele Medizinstudenten lernen durch ihr Studium Ärzte kennen oder lassen sich in Extremfällen selbst mit ADHS diagnostizieren, um entsprechende rezeptpflichtige Medikamente zu erhalten. Auch der Erwerb über Kommilitonen und Freunde stellt eine Gelegenheit dar, die sich bei den jungen Menschen heutzutage anbietet. OnlineBestellungen über illegale Plattformen oder aus dem Ausland bieten ebenfalls eine Lösung für viele Studenten an. Beliebte und häufig genutzte Stimulanzien wie Ritalin steigern die Konzentration und werden vor allem bei ADHS-Erkrankten eingesetzt. Bei Menschen mit dieser Erkrankung liegt primär ein Mangel an Dopamin im Gehirn vor. Dieser wichtige Botenstoff ist für die Informationsübertragung zwischen bestimmten Nervenzellen zuständig. Damit die Informationsübertragung wieder hergestellt wird, stimuliert Ritalin die dopaminhaltigen Nervenverbindungen. Dieser Vorgang wirkt beruhigend auf den Patienten und sorgt dafür, dass Betroffene sich besser konzentrieren können. Kein Wunder also, dass Medizinstudenten auch von dieser Wirkungen profitieren wollen. Je näher die Klausurenphase rückt, desto intensiver muss man sich als Medizinstudent mit der Prüfungsangst auseinandersetzen. Um hier gezielt entgegenzuwirken, werden Betarezeptorenblocker eingesetzt. Diese reduzieren nicht nur die Ängste, sondern senken auch nachweislich den Blutdruck. Als einer der bekanntesten Mittel gelten jedoch Antidepressiva und Beruhigungsmittel für den Stressabbau und die Schlafregulierung. Leider tragen diese Arzneimittel auch zu weitreichenden Risiken und Nebenwirkungen bei. Eine missbrauchende Einnahme von eigentlich gesunden Studenten kann schwerwiegende Folgen nach sich ziehen. Von kurzfristigen Nebenwirkungen wie Schlafstörungen oder Herzrasen bis hin zu langfristigen Folgen wie psychische Beeinträchtigungen oder Abhängigkeit zeigt sich, dass der scheinbar harmlose Nutzen doch einen erheblichen Eingriff in die körperliche und mentale Gesundheit darstellt. Um aus diesem Teufelskreis zu entkommen müssen sich Studenten gezielt mit Alternativen auseinandersetzen. Eine gesunde Lernstrategie ist hierbei unerlässlich. Als Medizinstudent wird man früher oder später merken, dass die Zeit sich als der größte Gegner herausstellt. Umso wichtiger ist es, ein gesundes Gefühl für das richtige Zeitmanagement zu entwickeln, genug Pausen einzuplanen, effektive Lernmethoden auszuprobieren und dem Studium eine gewisse Struktur zu verleihen. Lerntechniken wie die Pomodoro-Technik, die insbesondere auf Arbeitsintervalle setzt oder der Active Recall bilden eine hervorragende Alternative. Immer wieder belegen Studien, dass das proaktive Abrufen von Informationen aus dem Gedächtnis das Erinnerungsvermögen deutlich stärkt. Natürlich ist der menschliche Körper im Stande viel Stress auszuhalten, trotzdem müssen Grenzen gesetzt werden und Warnsignale des Körpers verstanden werden. Hierbei fördern ausreichender Schlaf, regelmäßige Pausen an der frischen Luft, Bewegung oder Meditation die natürliche Konzentration und die mentale Gesundheit. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung mit Omega-3-Fettsäuren und reichlich Antioxidantien fördert ebenfalls auf natürliche Weise die Konzentration. Wenn jedoch die eigene Stressbewältigung nicht funktioniert, können Studenten ebenfalls professionelle Hilfe in Form einer Psychotherapie in Anspruch nehmen. Vor allem wird heutzutage institutionelle Unterstützung angeboten. Viele Universitäten und medizinische Fakultäten bieten Anlaufstellen für Studierende an. Für die Zukunft stellt sich die Herausforderung, dass das Thema „Doping“ in der Gesellschaft fest verankert ist, verharmlost wird und mittlerweile zur Normalität geworden ist. In Werbungen wird die positive und atemberaubende Wirkung von Energy-Drinks betont, Menschen werden bei den kleinsten Beschwerden mit Ibuprofen versorgt, Kinder mit einem Aufmerksamkeitsdefizit bekommen Ritalin verschrieben und jetzt wird Ritalin ebenfalls von Studenten für das Überleben des Medizinstudiums genutzt. Lohnt es sich die eigene Gesundheit für die Steigung einer unnatürlichen Konzentrationsfähigkeit aufs Spiel zu setzen? Definitiv nicht. Als zukünftige Ärzte sollten gerade Medizinstudenten eine Vorbildfunktion verkörpern und im Rahmen des Studiums durch eigenes erlerntes Wissen die Konsequenzen und Risiken abschätzen. Denn nur mit dem richtigen Problembewusstsein kann man diesem gesellschaftlichen Problem entgegenwirken.

Michelle Sobisch
Michelle Sobisch hat einen Bachelor of Laws im Deutschen und Europäischen Wirtschaftsrecht abgeschlossen und studiert derzeit Rechtswissenschaften an der Universität zu Köln. Sie bringt fundierte juristische Kenntnisse, Organisationstalent und ausgeprägte kommunikative Fähigkeiten mit. Dank ihrer Erfahrung in Kanzleien und ihrer Leidenschaft für sorgfältige Recherche bereitet sie komplexe Inhalte klar und verständlich auf.
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