Wenn man mit noch mehr als einem abgeschlossenen Medizinstudium beeindrucken will, ist es Zeit, sich mit dem Doktortitel auseinanderzusetzen. Und ja – es gibt Kontexte, in denen dieser sich auch wirklich lohnt. Aber anders als früher ist es mit den Doktortiteln heute keine klare Sache mehr: Immer häufiger trifft man auch auf den im angelsächsischen Raum anerkannten PhD (Doctor of Philosophy). Aber was ist was? Und wie entscheidest Du, was für Dich mehr Sinn ergibt?
Zuerst einmal: Du brauchst weder Dr.med. noch PhD, um in Deutschland als Arzt praktizieren zu können. Die Approbation erhältst Du mit dem Abschluss der ärztlichen Ausbildung, die Berufsbezeichnung hast Du Dir also bereits mit dem Studium verdient. Wer aber denkt, der Doktortitel ist einfach nur schmuck zu tragen, liegt falsch – gerade im wissenschaftlichen Bereich und für leitende Positionen öffnet er oft Tor und Tür. Und auch finanziell kann es sich lohnen..
Der traditionelle Weg: Dr.med.
Obwohl Ph.D. und Dr.med. im Alltag oft synonym verwendet werden, gibt es einige wesentliche Unterschiede: An den meisten Arztpraxen kann man neben dem Namen den Dr.med. lesen – der traditionelle Grad für Ärzte ist in Deutschland noch weit verbreitet. Anders als in anderen Ländern handelt es sich hier nicht um ein sogenanntes Berufsdoktorat, was bedeutet, dass der Titel mit dem Abschluss des Medizinstudiums verliehen wird; in Deutschland ist eine Promotion notwendig. Die medizinische Doktorarbeit ist allerdings leichter zu bewerkstelligen und weniger umfangreich als in anderen Fächern. Ein klassischer Doktortitel ist vor allem dann von Vorteil, wenn Du in Deutschland als Arzt praktizieren willst – vor allem als Angestellter verdienst Du damit mehr und wirst bei begehrten Stellen oft bevorzugt. Das kommt aber ganz auf den Bereich an, in dem Du arbeiten möchtest, denn auch ohne Titel kannst Du als Arzt erfolgreich sein. Für eine akademische Laufbahn in Deutschland bist Du mit dem Dr. med. auch gut aufgestellt.
Going international – mit dem PhD
Anders sieht es aus, wenn Du nach internationalem Erfolg strebst: Der PhD ist ein Forschungsdoktorgrad, der in der internationalen wissenschaftlichen Community ein höheres Ansehen genießt als der Dr.med. Auch wenn Du bei internationalen Unternehmen wie Pharmafirmen arbeiten willst, bist Du damit meistens besser aufgestellt. Bei in Deutschland praktizierenden Ärzten ist er dagegen noch nicht so geläufig. Der Wissenschaftsrat plädiert allerdings für die Angleichung an das internationale System: Demnach würde ein Berufsdoktorat eingeführt werden, im Anschluss könnte dann standardmäßig mit der PhD erworben werden. Wenn das kommen sollte, würde der PhD auch unter deutschen Medizinern geläufiger wird: Dann würde sich im Vergleich zum Dr.med. auch hierzulande der qualitativ höherwertige Abschluss mehr lohnen.
Die Wege zum Titel – unterschiedlich anstrengend
Viele wählen für den Dr.med. bereits die Studienzeit nach dem Physikum. Dadurch spart man sich Zeit, setzt sich allerdings auch einem Mehraufwand aus. Andere nutzen die Zeit der Facharztausbildung als Möglichkeit, mit einer bezahlten Doktorandenstelle Berufsalltag und Promotion unter einen Hut zu bringen.
Zu welchem Zeitpunkt auch immer: Wichtig ist die Wahl des richtigen Themas. Grob kann hier zwischen statistischen Themen, klinischen Studien, experimentellen sowie theoretischen Arbeiten unterschieden werden. Gerade Promotionen, die sich mit statistischen Themen beschäftigen, sind in der Regel recht schnell abschließbar – unterschätzt werden sollte sie dennoch nicht: Schließlich sind Studium und Facharztausbildung schon für sich genommen sehr zeitintensiv. Außerdem ist das wissenschaftliche Arbeiten kein wesentlicher Bestandteil des Studiums und für viele daher eine neue Herausforderung.
Aber: Die Anstrengung, die es zur klassischen Doktorarbeit braucht, ist mitnichten mit der vergleichbar, die Du für das Erlangen des PhD aufwenden musst.
Beim PhD handelt es sich um eine eigenständige Forschungsausbildung. Dabei gibt es unterschiedliche Programme, die in der Regel drei bis fünf Jahre dauern. In dieser Zeit arbeitest Du an einem Forschungsinstitut oder einer Universität und besuchst auch Seminare und Veranstaltungen. Der PhD ist sehr viel forschungsorientierter und es geht wirklich darum, neue Erkenntnisse zu gewinnen. Am Ende steht das Verfassen einer umfangreichen Dissertation. Arbeitsaufwand und Anspruch sind hier wesentlich höher als bei der klassischen Doktorarbeit – als Nebenbei-Projekt absolut ungeeignet. Du solltest also ein großes Interesse am wissenschaftlichen Arbeiten und am besten auch klare berufliche Vorstellungen mitbringen, wenn Du diesen Weg gehen willst.
Zwei Wege, ein Ziel
Kein Abschluss ersetzt Leidenschaft, Empathie und fachliche Kompetenz. Aber mit einem Titel stehst Du sicher nicht schlechter da – sowohl finanziell als auch persönlich.
Während der Dr. med. besonders im deutschen Klinikalltag Vorteile bringt, eröffnet der PhD internationale Perspektiven. Letztlich zählt weniger der Titel als das Ziel, das Du damit verfolgst – und ob der Weg dorthin zu Dir passt.

Jana Detscher
Jana studiert derzeit im Masterstudiengang "Theorien und Praktiken professionellen Schreibens" und widmet sich mit großer Leidenschaft dem präzisen und kreativen Umgang mit Sprache. Ob bei der Recherche oder beim zielgruppengerechten Schreiben – Jana bringt fundierte Erfahrung im redaktionellen Arbeiten mit, unter anderem durch Stationen beim Literaturhaus Köln und dem Dokumentationszentrum DOMiD e.V.
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