Eine Auslandserfahrung gehört für viele zu einer erfüllten Studienzeit dazu. Aber Reisekosten, Unterkunft – und dann will man ja auch noch ein bisschen was vom Land sehen, in dem man ist – wie soll man das finanzieren, wenn man chronisch pleite ist? Mit der Erasmus-Förderung lässt sich der Traum vom Auslandsaufenthalt leichter realisieren. Hier erfährst Du, welche Möglichkeiten es gibt und was Du bei der Bewerbung beachten musst.
Neue Menschen und Kulturen kennenlernen, die Sprache sprechen und sehen, wie in anderen Ländern medizinisch gelehrt und gearbeitet wird: Einen Teil des Studiums im Ausland zu verbringen, kann Dich nicht nur persönlich, sondern auch fachlich weiterbringen – egal, ob Du für ein oder zwei Semester an einer Partneruniversität studieren oder ein medizinisches Praktikum machen willst.
Vorteile eines Auslandsaufenthalts mit Erasmus
Erasmus steht für European Community Action Scheme for the Mobility of University Students und ist ein europäisches Förderprogramm, an dem neben den 27 EU-Mitgliedstaaten auch die Türkei, Norwegen, Island, Liechtenstein und die Schweiz teilnehmen. Es ermöglicht die relativ einfache Anerkennung von Studienleistungen, die im Ausland erbracht wurden. Bei einem Erasmus-Aufenthalt verbringst Du mindestens zwei und maximal zwölf Monate im Ausland und erhältst je nach Land eine finanzielle Unterstützung von monatlich ca. 500 bis 600€ sowie einen Reisekostenzuschuss. Und: Erasmus kann zusätzlich zum Auslands-BAföG oder dem Deutschlandstipendium genutzt werden.
Außerdem profitierst Du im Gastland von Netzwerken, über die Du mit anderen Studierenden in Kontakt kommen und das Land erkunden kannst.
Der Ablauf bei einem Studienaufenthalt
Ein Studienaufenthalt bietet sich besonders in der klinischen Phase an. Am besten schaust Du auf der Website des International Office der Uni bzw. der Website Deiner medizinischen Fakultät nach, welche Partneruniversitäten infrage kommen. Wichtig für die Auswahl: Du musst die Landes- bzw. Unterrichtssprache beherrschen. An der Gastuniversität nimmst Du dann an Seminaren, Vorlesungen oder praktischen Kursen teil und bekommst ECTS-Punkte. Welche Kurse das sind, solltest Du mit dem Anerkennungsbeauftragten Deiner Fakultät absprechen, denn nicht alle Kurse werden als gleichwertig anerkannt.
Famulatur oder PJ
Du möchtest lieber praktische Erfahrungen im Ausland sammeln? Auch das geht mit Erasmus! Es bietet sich an, ein Pflichtpraktikum im europäischen Ausland zu absolvieren. Hier ist die Anerkennung in der Regel sogar noch unkomplizierter. Zwar musst Du Dir den Arbeitsplatz selbst suchen, oft kann Dir Deine Universität aber Tipps mit auf den Weg geben. Bei den meisten Dekanaten gibt es auch Listen mit Kliniken, in denen PJ-Auslandstertiale genehmigt wurden.
So läuft die Bewerbung ab
Du solltest Dich unbedingt frühzeitig, also ein Jahr vor der geplanten Ausreise, um die Bewerbung kümmern. Die erste Anlaufstelle ist das International Office Deiner Universität oder das Erasmus-Büro Deiner medizinischen Fakultät. Dort bekommst Du alle Infos zu den Bewerbungsfristen, den Partneruniversitäten und den Unterlagen, die Du einreichen musst. In der Regel gehören dazu ein tabellarischer Lebenslauf, ein Motivationsschreiben, ein Sprachnachweis und ein aktueller Notenspiegel. Wer jetzt zusammengezuckt ist: Keine Panik, bei der Erasmus-Förderung geht es nicht so streng zu – Du musst definitiv kein absoluter Überflieger sein, um davon zu profitieren. Mühe solltest Du Dir bei der Bewerbung aber auf jeden Fall geben!
Auch gut zu wissen: Du darfst mit Erasmus sogar mehrmals ins Ausland – warum also nicht gleich doppelt nutzen?
Reality-Check: Was Du noch beachten solltest
Wichtig ist, dass Du Dir eine Unterkunft selbst organisieren musst! Gerade in gefragten Städten kann das schwierig sein, noch dazu, wenn Du die Sprache nicht fließend beherrschst. Fang auch hier schon früh an zu suchen. Anlaufstellen können dabei die Wohnheime der Partnerunis und Erasmus-Plattformen sein. Vieles läuft auch über persönliche Kontakte, vielleicht kennst Du Erasmus-Studierende aus höheren Semestern, bei denen Du nachfragen kannst.
Außerdem kann es auch mit der Wahl der richtigen Veranstaltungen schwer sein, mit einem Erasmus ganz im Verlaufsplan zu bleiben – zum einen, weil Kurse möglicherweise nicht angeboten werden, zum anderen, weil es einige Zeit braucht, sich in der neuen Umgebung einzufinden. Und wenn Du Dir ein oder zwei Semester mehr leisten kannst, möchtest Du Dir während des Aufenthalts vielleicht auch einfach ein bisschen mehr Freizeit einräumen. Für die allermeisten lohnt sich die Erfahrung in jedem Fall!
Fazit
Ein Erasmus-Aufenthalt im Medizinstudium ist nicht nur eine Chance, Auslandsluft zu schnuppern, er bringt Dich sowohl fachlich als auch persönlich weiter. Wenn Du schon jetzt weißt, dass Du im Studium über den Tellerrand schauen willst, dann fang an, Dich zu informieren. Es lohnt sich auf jeden Fall!

Jana Detscher
Jana studiert derzeit im Masterstudiengang "Theorien und Praktiken professionellen Schreibens" und widmet sich mit großer Leidenschaft dem präzisen und kreativen Umgang mit Sprache. Ob bei der Recherche oder beim zielgruppengerechten Schreiben – Jana bringt fundierte Erfahrung im redaktionellen Arbeiten mit, unter anderem durch Stationen beim Literaturhaus Köln und dem Dokumentationszentrum DOMiD e.V.
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