Wissenswertes

Erasmus im Zahnmedizinstudium

Von Jana Detscher5 Min. Lesezeit
Zahnmedizin-Austauschstudentin auf Campus – Erasmus im Zahnmedizinstudium

Für viele gehört ein Auslandsaufenthalt zu einer gelungenen Studienzeit dazu – das Fach einmal von einer anderen Seite entdecken, die Fremdsprachenkenntnisse auffrischen und einfach ein anderes Land kennenlernen. In der Zahnmedizin ist so ein Blick über den Tellerrand noch nicht so üblich wie in anderen Fächern – dabei lässt er sich auch hier realisieren. Das Erasmus-Programm bietet dabei nicht nur organisatorische, sondern auch finanzielle Erleichterungen. Hier erfährst Du, wie Du Deine Auslandserfahrung am besten planst.

Auslandserfahrungen machen sich nicht nur gut im Lebenslauf – vor allem ermöglichen sie die Horizonterweiterung in alle Richtungen. Fachlich erhältst Du möglicherweise Einblicke in andere Behandlungsstandards und Lernmethoden. Interkulturelle und sprachliche Skills werden in unserer globalisierten Welt immer wichtiger. Persönlich wächst Du bestimmt daran, Dich in ein neues System in einem fremden Land einzufinden. Also raus aus der Bubble, rein ins Abenteuer!

Was ist Erasmus überhaupt?

Erasmus steht für European Community Action Scheme for the Mobility of University Students. An dem europäischen Förderprogramm nehmen neben den 27 EU-Mitgliedstaaten auch Norwegen, Island, Liechtenstein, die Türkei, Nordmazedonien und Serbien teil. Kernidee ist die erleichterte Anerkennung von im Ausland erbrachten Studienleistungen, sodass die Auslandserfahrung im Studium zugänglicher und für mehr Menschen realisierbar wird. Für einen Zeitraum von zwei bis maximal zwölf Monate studierst Du also im Ausland. Während Deiner Studienzeit kannst Du insgesamt sogar bis zu 24 Monate mit Erasmus die Welt entdecken. Das Beste daran: Während dieser Zeit erhältst Du eine finanzielle monatliche Unterstützung.

Wie sieht die Förderung aus?

Wie hoch der Zuschuss ist, hängt von den Lebenshaltungskosten im Zielland ab: Je nach Ländergruppe beträgt der Fördersatz aktuell zwischen 540 € und 600 € monatlich – allerdings obliegt es der Hochschule zu entscheiden, aus welchen Projektmitteln der Aufenthalt gefördert wird. Entsprechend kann die Förderrate auch geringer ausfallen. Außerdem sind Zusatzförderungen, etwa für Erstakademiker oder Studierende mit Behinderung, möglich. Auch ein Reisekostenzuschuss kann gezahlt werden. Die finanzielle Förderung kann zusätzlich zum Auslands-BAföG oder dem Deutschlandstipendium genutzt werden.

Einen Auslandsaufenthalt zu planen, kann ganz schön nervenaufreibend und überfordernd sein. Allerdings erhältst Du Unterstützung bei der Vorbereitung und Durchführung des Aufenthalts – sei es in organisatorischen Fragen oder bei kulturellen Besonderheiten im Zielland, in der Regel helfen die Erasmus-Büros der Universitäten gerne.

Erasmus und Zahnmedizin – passt das?

Grundsätzlich ist ein Erasmus-Semester in der Zahnmedizin etwas schwerer umzusetzen als in anderen Fächern. Der Hauptgrund: Das Curriculum ist eher unflexibel gestaltet – und die Kursabfolgen und -inhalte sehen an ausländischen Universitäten oft anders aus. Entsprechend ist es nicht immer möglich, einfach ein Semester „auszutauschen“.

Nicht alle Universitäten bieten Plätze für Zahnmediziner. Ob und wann ein Studienaufenthalt mit Erasmus möglich ist, erfährst Du auf der Website des International Office oder direkt bei Deiner Fakultät.

Ein Auslandsaufenthalt ist vor allem im klinischen Abschnitt möglich – an manchen Universitäten auch nur zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt: Die Heinrich Heine Universität Düsseldorf erlaubt den Aufenthalt etwa nur im neunten Fachsemester.

Tatsächlich kann es durch einen Auslandsaufenthalt schwieriger werden, in der Regelstudienzeit zu bleiben. Wenn Du es Dir leisten kannst: Mach es trotzdem – ein Auslandsaufenthalt ist keine verlorene Zeit!

Ablauf eines Studienaufenthalts

Ein essenzieller Bestandteil und Voraussetzung für das Erasmus ist ein Learning Agreement: Hier legst Du gemeinsam mit Deinem Erasmus-Koordinator fest, welche Veranstaltungen Du an der Partneruni besuchst. Das Agreement muss vor Beginn des Aufenthalts erstellt und von Dir, Deinem Fachbereich sowie Deiner Gastinstitution unterzeichnet werden. Dann können die eingetragenen Kurse nach der Rückkehr anerkannt werden.

Da Du an Seminaren und Vorlesungen teilnimmst, ist es wichtig, die Landes- bzw. Unterrichtssprache zu beherrschen. Oft reicht zum Zeitpunkt der Bewerbung ein niedrigeres Sprachniveau. Das final geforderte Niveau (meistens B1 oder B2) ist in der Regel drei bis fünf Monate vor Beginn des Aufenthalts nachzuweisen. Die genauen sprachlichen Anforderungen gibt die Partneruniversität vor.

Die Alternative: Erasmus Placement

Eine weitere Möglichkeit, die in der Regel einfacher zu realisieren ist, ist ein Praktikumsaufenthalt, der ebenfalls mit Erasmus gefördert werden kann. Hier kannst Du Zahnmedizin ganz praktisch aus einem anderen Blickwinkel erleben. Deinen Arbeitsplatz musst Du Dir in der Regel selbst suchen, oft kann die Uni aber gute Tipps geben. Das Wichtigste ist, die Anforderungen an das Praktikum mit der Arbeitsstelle abzugleichen.

Um die finanzielle Förderung zu erhalten, muss es sich in der Regel um ein Vollzeitpraktikum handeln. Auch hier gilt: Für Studierende muss der Aufenthalt mindestens zwei Monate dauern. Die Förderungshöchstdauer beträgt 24 Monate, wobei diese auch aufgeteilt werden können – das heißt, im Studienverlauf sind auch mehrere Praktika im Ausland möglich.

Bewerbung und Vorbereitung

Neben den sprachlichen Fähigkeiten solltest Du vor allem früh anfangen, Dich um die Organisation des Aufenthalts zu kümmern – denn die Bewerbungsfristen liegen oft schon zwölf Monate vor der Ausreise.

Die Bewerbung erfolgt meist über die medizinische Fakultät. Dazu gehören neben dem Bewerbungsformular in der Regel ein tabellarischer Lebenslauf, ein Motivationsschreiben, und ein aktueller Notenspiegel. Das heißt allerdings nicht, dass Du nur mit Top-Leistungen von Erasmus profitieren kannst. Sofern die notwendigen Kriterien erfüllt und ausreichend Plätze vorhanden sind, erhältst Du weitere Informationen von der Partneruniversität. Je nach Land ist etwa ein spezieller Impfschutz erforderlich.

Um das Leben vor Ort musst Du Dich dabei selbst kümmern – zu Themen wie Wohnen, Sprachkurse und Versicherungen findest Du oft auch im Erasmus-Büro Deiner Zieluniversität Informationen.

Erasmus lohnt sich auch in der Zahnmedizin

Auch wenn es in der Zahnmedizin noch nicht ganz so üblich ist wie in anderen Fächern: Ein Auslandsaufenthalt bietet eine tolle Gelegenheit, fachliches Wissen und persönliches Wachstum unter einen Hut zu bringen. Informier Dich früh genug bei Deiner Universität, was geht und was nicht: Wer rechtzeitig plant und etwas flexibel ist, kann mit einem Erasmus-Aufenthalt alles aus der Studienzeit rausholen.

Über die Autorin

Jana Detscher

Jana studiert derzeit im Masterstudiengang "Theorien und Praktiken professionellen Schreibens" und widmet sich mit großer Leidenschaft dem präzisen und kreativen Umgang mit Sprache. Ob bei der Recherche oder beim zielgruppengerechten Schreiben – Jana bringt fundierte Erfahrung im redaktionellen Arbeiten mit, unter anderem durch Stationen beim Literaturhaus Köln und dem Dokumentationszentrum DOMiD e.V.

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