Studieninhalte

Klinische Studienfächer im Medizinstudium

Von Dr. rer. nat. Anne Schneider6 Min. Lesezeit
Studierende im Uniklinikum – Klinische Studienfächer im Medizinstudium im Medizinstudium

Was erwartet Dich in der klinischen Phase des Medizinstudiums?

Herzlichen Glückwunsch, Du hast die vorklinischen Semester erfolgreich gemeistert und das Physikum bestanden. Damit liegt der erste große Meilenstein Deines Medizinstudiums hinter Dir, und Du darfst zu Recht stolz auf Dich sein. Jetzt beginnt ein neuer spannender Abschnitt: die klinische Phase. Sie startet ab dem fünften Semester und begleitet Dich über die nächsten drei Studienjahre. In dieser Zeit wirst Du endlich lernen, was es wirklich heißt, Ärztin oder Arzt zu sein.

Im Gegensatz zur oft als theoretisch und trocken empfundenen Vorklinik, in der naturwissenschaftliche Grundlagen im Mittelpunkt standen, erwartet Dich nun ein praxisnaher und patientenorientierter Studienalltag. Du lernst reale Krankheitsbilder kennen, stellst Diagnosen, planst Therapien und verstehst präventive Maßnahmen. Ziel dieser Phase ist es, Dich nach und nach auf die ärztliche Tätigkeit vorzubereiten. Besonderes Augenmerk liegt auf der Entwicklung praktischer Fähigkeiten und klinischen Denkens. Du wirst lernen, Patient:innen zu untersuchen, medizinische Befunde zu interpretieren und therapeutische Entscheidungen zu treffen. Dabei geht es nicht nur um medizinisches Wissen, sondern auch um den Umgang mit Menschen. Unter Anleitung führst Du Anamnesegespräche, schulst Deine kommunikativen Fähigkeiten und übst Dich in Empathie. Ob im OP, auf der Station oder in der Notaufnahme, Du bist hautnah dabei, begleitest Untersuchungen und Behandlungen und erhältst so ein realistisches Bild vom Klinikalltag. Gleichzeitig entwickelst Du Schlüsselkompetenzen, wie Teamfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein und einen professionellen Umgang mit schwierigen Situationen. Auch das wissenschaftliche Arbeiten steht hier im Fokus. Du lernst, medizinische Literatur kritisch zu lesen und Studien zu bewerten, um später wissenschaftlich basierte Entscheidungen treffen zu können.

Wie Du vermutlich schon gemerkt hast, ist die klinische Phase zwar herausfordernd, aber gleichzeitig unglaublich spannend und bereichernd. Viele Studierende freuen sich besonders auf diesen Abschnitt, weil er das zuvor theoretisch Erlernte endlich mit der praktischen Anwendung verbindet. Es gibt viel zu lernen, doch mit guter Organisation, Neugier und echtem Interesse wirst Du auch die klinische Ausbildung erfolgreich meistern.

Die klinischen Studienfächer im Überblick

Die klinische Phase ist so aufgebaut, dass Du die gesamte Bandbreite der Medizin, von den theoretischen Grundlagen über die Diagnostik bis hin zur konkreten Therapie und Patientenversorgung, kennenlernst. Dabei erhältst Du Einblicke in alle ärztlichen Fachrichtungen, die Du später im Rahmen Deiner Facharztweiterbildung vertiefen kannst.

Die klinische Phase gliedert sich in zwei große Abschnitte, die jeweils einen eigenen Schwerpunkt haben:

1. Klinischer Studienabschnitt (Semester 5–6)

Direkt nach dem Physikum tauchst Du in die klinisch-theoretischen Fächer ein, die Dir das nötige Wissen vermitteln, um Krankheiten zu verstehen, zu erkennen und einzuordnen. Du beschäftigst Dich mit der Krankheitsentstehung (z. B. in Pathologie, Mikrobiologie oder Humangenetik), mit diagnostischen Verfahren (z. B. Klinische Chemie und Laboratoriumsdiagnostik) und mit den Grundlagen der Therapie (z. B. Pharmakologie). Auch erste praktische Elemente wie Anamneseübungen, körperliche Untersuchungskurse und erste Patientenkontakte stehen auf dem Programm. Dieser Abschnitt bildet die Brücke zwischen Vorklinik und Praxis und hilft Dir dabei, theoretisches Wissen in klinische Zusammenhänge einzuordnen.

Typische Fächer in diesem Abschnitt sind:

  • Humangenetik
  • Hygiene, Mikrobiologie und Virologie
  • Pathologie
  • Klinische Chemie und Laboratoriumsdiagnostik
  • Pharmakologie und Toxikologie
  • Rechtsmedizin
  • Arbeitsmedizin und Sozialmedizin

2. Klinischer Studienabschnitt (Semester 7–10)

Im zweiten Abschnitt rückt die praktische Anwendung in den Vordergrund. Du wirst in den „klassischen“ klinischen Fächern unterrichtet, etwa in der Inneren Medizin, Chirurgie, Pädiatrie oder Gynäkologie. Hier begleitest Du echte Patientenfälle, nimmst an Visiten teil, übst klinisches Entscheiden und bereitest Dich intensiv auf den Berufsalltag vor. Praktische Übungen, Famulaturen, Blockpraktika und der enge Kontakt mit Patient:innen prägen diese Zeit.

Typische Fächer in diesem Abschnitt sind:

  • Allgemeinmedizin
  • Anästhesiologie
  • Augenheilkunde
  • Chirurgie
  • Dermatologie und Venerologie
  • Frauenheilkunde und Geburtshilfe
  • Hals-Nasen-Ohrenheilkunde
  • Innere Medizin
  • Kinderheilkunde (Pädiatrie)
  • Neurologie
  • Orthopädie
  • Psychiatrie und Psychotherapie
  • Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
  • Urologie
  • Wahlfach (individuell wählbar, meist in diesem Abschnitt)

Neben den fachspezifischen Inhalten spielen die Querschnittsbereiche eine wichtige Rolle. Diese Themenfelder behandeln viele Fachdisziplinen und vermitteln Dir übergeordnete medizinische Kompetenzen, die Du unabhängig von einem bestimmten Fachgebiet brauchst. Dazu gehören zum Beispiel Kenntnisse der Notfallmedizin, der Palliativmedizin, der Infektiologie oder der Epidemiologie. Auch Themen wie ethische Fragen, medizinische Statistik, Kommunikation oder der Umgang mit alternden Patient:innen gehören dazu.

Querschnittsbereiche

  • Epidemiologie, medizinische Biometrie und medizinische Informatik
  • Geschichte, Theorie, Ethik der Medizin
  • Gesundheitsökonomie, Gesundheitssystem, Öffentliches Gesundheitswesen
  • Infektiologie, Immunologie
  • Klinisch-pathologische Konferenz
  • Klinische Umweltmedizin
  • Medizin des Alterns und des alten Menschen
  • Notfallmedizin
  • Klinische Pharmakologie/Pharmakotherapie
  • Prävention, Gesundheitsförderung
  • Bildgebende Verfahren, Strahlenbehandlung, Strahlenschutz
  • Rehabilitation, Physikalische Medizin, Naturheilverfahren
  • Palliativmedizin
  • Schmerzmedizin

Wie läuft die klinische Ausbildung ab?

Während der klinischen Phase erwarten Dich vielfältige Lernformate. Je nach Fach besuchst Du Vorlesungen, nimmst an Seminaren und praktischen Übungen teil, diskutierst echte Patientenfälle und absolvierst klinische Praktika in Krankenhäusern und Praxen.

Besonders wichtig sind die sogenannten Blockpraktika. Dabei verbringst Du mehrere Wochen am Stück in einem bestimmten Fachgebiet, arbeitest aktiv im Team mit und vertiefst so Deine praktischen Fähigkeiten direkt am Patienten. Die Blockpraktika sind verpflichtend in den Fächern Innere Medizin, Chirurgie, Kinderheilkunde, Gynäkologie und Allgemeinmedizin vorgesehen.

Daneben sind Famulaturen ein zentraler Bestandteil Deiner praktischen Ausbildung. Famulaturen sind klinische Praktika, bei denen Du das Ärzteteam unterstützt, aber noch keine eigenständigen Behandlungsentscheidungen triffst. Insgesamt musst Du bis zum Beginn des Praktischen Jahres (PJ) vier Famulaturen absolvieren. Jede dauert mindestens 30 Tage und findet in der vorlesungsfreien Zeit statt. Dabei sollen zwei Famulaturen in Krankenhäusern mit stationärer Versorgung erfolgen, eine weitere in einer ambulanten Einrichtung und das vierte Praktikum in der hausärztlichen Versorgung. So sammelst Du vielseitige Erfahrungen und bekommst einen umfassenden Einblick in die verschiedenen Bereiche der Patientenversorgung.

Ein weiterer wichtiger Punkt, den Du frühzeitig planen solltest, ist die Doktorarbeit. Zwar ist die Promotion zum Dr. med. keine Pflicht im Medizinstudium, doch ein Doktortitel wird in Bewerbungen und im späteren Berufsleben geschätzt. Für viele klinische Karrieren, etwa als Oberarzt, ist er sogar Voraussetzung. Viele Studierende beginnen ihre Doktorarbeit nach dem Physikum oder im Verlauf der klinischen Semester. Die Art und der Umfang der Arbeit hängen stark vom gewählten Thema und vom betreuenden Institut ab. In der Regel bewegen sich die Themen in den Bereichen der experimentellen Forschung, meist mit aufwändiger Laborarbeit, oder der klinischen Forschung, bei der Patientendaten erhoben und ausgewertet werden. Auch literaturbasierte Arbeiten ohne eigene Datenerhebung sind möglich, wobei diese oft einen geringeren wissenschaftlichen Anspruch haben und nicht überall gleichermaßen anerkannt sind.

Die klinische Phase endet mit dem zweiten Staatsexamen, das auch zweite Ärztliche Prüfung oder Hammerexamen genannt wird. Dieses Examen besteht aus schriftlichen, mündlichen und praktischen Prüfungen und überprüft Dein Wissen sowie Deine Fähigkeit, medizinische Probleme ganzheitlich zu erfassen und zu lösen. Im Anschluss daran kannst Du direkt in den dritten Abschnitt der ärztlichen Ausbildung starten: das Praktische Jahr.

Über die Autorin

Dr. rer. nat. Anne Schneider

Dr. Anne Theres Schneider ist promovierte Biologin und arbeitet an der Medizinischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Sie betreut medizinische und biologische Doktorand:innen und verfasst wissenschaftliche sowie allgemeinverständliche Texte mit besonderem Gespür für komplexe Inhalte. Durch ihre Nähe zur akademischen Ausbildung kennt sie die Herausforderungen des Medizinstudiums aus erster Hand.

Alle Artikel von Anne →