Nierensteine in der Achterbahn behandeln und ein Leberkäse als bester Proband – es gibt wirklich unglaubliche Fakten in der Medizin, die mit noch unglaublicheren Studien herausgefunden wurden. Hier stellen wir einige vor, die so verrückt wie genial sind. Und bei manchen weiß man einfach nicht, ob man weinen oder lachen soll.
Ein Leberkäse mit gutem Gedächtnis
Manchmal stellen die absurdesten Objekte gute Probanden dar: Allergologen hatten sich in den Kopf gesetzt zu beweisen, dass Bioresonanz-Geräte Betrug sind. Diese Geräte sollen angeblich krankmachende Skalarwellen aus dem Körper reinigen und über Metallstäbe, die die Patienten in den Händen halten, zurück in den Körper leiten. Dort würden sie ihre Kräfte entfalten und das kranke Organe heilen. Außerdem sollen sie Diagnosen liefern können.
Um das festzustellen, wurden nicht nur schwerkranke und gesunde Menschen einer Studie unterzogen, auch eine Leiche, ein feuchter Lappen und ein Leberkäse waren mit von der Partie. Und siehe da: Nicht nur konnte kein medizinischer Handlungsbedarf bei den Schwerkranken festgestellt werden, sogar die Leiche war bei bester Gesundheit – und der Leberkäse beeindruckte mit einem guten Gedächtnis. Damit dürfte wohl bewiesen sein, dass die Bioresonanz-Geräte nichts als Humbug sind. Dass es dem Leberkäse gut geht, freut uns trotzdem! Obendrein hoffen wir, dass sich die erstaunliche Vitalität des Putzlappens gehalten hat.
Der ungewöhnliche Proband hat in diesem Fall auch symbolischen Charakter: Denn er enthält weder Leber noch Käse und kann, genau wie das Bioresonanz-Gerät, getrost als Etikettenschwindel bezeichnet werden.
Nierensteine weg in 3…2….1
Manchmal tun Mediziner gut daran, wenn sie auf ihre Patienten hören – so wie es bei einem Urologen der Michigan State University der Fall war. Nachdem er von mehreren Betroffenen gehört hatte, dass das Fahren einer Achterbahn ihnen beim Ausspülen kleiner Nierensteine geholfen hatte, beschloss er, der Sache auf den Grund zu gehen. Forscher der Michigan State University fuhren mit einem 3D-gedruckten Nierenmodell, das mit echten Nierensteinen gefüllt war, Achterbahn im Disneyland – und erstaunlich oft wurden die Steine während der Fahrt gelöst. Dabei gab es erhebliche Unterschiede je nach Achterbahn und Sitzreihe: Die Ausspülrate von kleinen Steinen lag bei 64 Prozent, wenn man in der letzten Reihe saß. Die ideale Bahn ist dabei schnell und beinhaltet Twists und Kurven, geht aber nicht über Kopf – ansonsten werden die Steine durch den Druck an die Niere gedrückt. Also Augen auf bei der Platzwahl!
I swear – der Schmerz wird gelindert
Ach, das Fluchen – wir versuchen oft, es zu verhindern, aber manchmal muss es einfach raus. Und tatsächlich hat es auch eine reale Wirkung, wenn es darum geht, unangenehme Situationen auszuhalten: Britische Forscher haben untersucht, wie sich Fluchen auf die Wahrnehmung und den Umgang mit Schmerzen auswirkt. 64 Probanden sollten ihre Hand so lange wie möglich in eine Wanne mit Eiswasser halten. Beim ersten Durchgang durften sie „nach eigenem Ermessen“ ein Schimpfwort nutzen – beim zweiten Mal wurde es durch einen neutralen Begriff ersetzt. Und tatsächlich half das Fluchen ihnen, den Schmerz länger zu ertragen. Auch die Herzfrequenz erhöhte sich. Das Befreiungsgefühl, das sich einstellt, ist also nicht nur subjektiv, sondern ruft eine physische Antwort des Körpers hervor.
Also keine Angst vor bösen Wörtern – im richtigen Kontext bitte!
Volle Blase macht vernünftig
Hier kann man sich nun wirklich fragen: Was soll das eine denn mit dem anderen zu tun haben? Die Zusammenhänge von Körper und Geist sind wirklich faszinierend, wie dieses Beispiel zeigt – und es zeigt sich, dass eine volle Blase auch Vorteile haben kann: Ein niederländisches Forschungsteam gab einer Testgruppe fast einen Liter Wasser zu trinken, einer anderen nur wenig. Nach 40 Minuten hätte die erste Gruppe gerne eine Toilette aufgesucht. Jedoch wurden sie daran gehindert und vorerst aufgefordert, Fragen zu beantworten – zuletzt sollten sie dann entscheiden: Jetzt 16 Dollar oder nach 35 Tagen 32 Dollar? Diejenigen, die dringend mal mussten, entschieden sich häufiger für die 32 Dollar – die Wahl, die vernünftiger ist und dem Druck der schnellen Bedürfnisbefriedigung entgegenhält.
Aber warum? Wenn man damit beschäftigt ist, seine körperlichen Bedürfnisse zu kontrollieren, scheint sich diese Fähigkeit auch auf kognitive Prozesse zu übertragen. Faszinierend, oder?
Vielleicht vor der nächsten Pokerrunde einfach mal einhalten und schauen, was passiert.
Aufhängen aus Neugier?
Manches muss man selbst erlebt haben, heißt es – als vernünftig kann das folgende Experiment sicher nicht betrachtet werden. Aber dem rumänischen Mediziner Nicolas Minovici war es Anfang des 20. Jahrhunderts ein so großes Anliegen zu wissen, wie es sich anfühlt, erhängt zu werden, dass er es selbst ausprobierte. Zuerst hängte er sich einige Male für ein paar Sekunden an einer Schlinge auf, die sich nicht zuzog. Dann ging er noch einen, oder besser gesagt zwölf Schritte weiter – denn so oft ließ er sich von seinem Assistenten in einer echten Schlinge aufknüpfen. Eine, wie er dabei feststellen musste, ungeheuer schmerzhafte Erfahrung. Durch seine Tests zeigte sich, dass das Erhängen zum Tod führt, weil das Gehirn kein Blut mehr erhält – nicht, wie oft angenommen, zum Tod durch Ersticken. Manche Wissenschaftler tun eben alles für ihre Berufung – gruselig.
Schatz, das Popcorn ist zu laut!
Hola die Waldfee, das knallt aber ordentlich! Das dachte sich wohl das HNO-Forscherteam an der University of Minnesota, das sich mit der Lärmbelästigung durch Alltagsgeräusche auseinandersetzte. Um herauszufinden, ob das Ploppen von Popcorn in der Mikrowelle das Gehör schädigen kann, maßen sie den Dezibelpegel an der Mikrowellentür. Gute Nachrichten: Laut, aber ungefährlich. Noch einmal Glück gehabt.
Mit Halluzinogenen zum Gottesglauben
Auch die Harvard University hat wilde Versuche vorzuweisen: 1962 wollten Walter Pahnke und Timothy Leary herausfinden, ob bestimmte halluzinogene Pilze Gefühle ähnlich derer, die Menschen in religiöser Trance erleben, auslösen. Und siehe da: Der Karfreitagsgottesdienst wurde zum mystischen Höhenflug: Die Studenten fühlten sich eins mit der Umwelt, fühlten sich beschwingt und glücklich, und hatten den Drang, die Botschaft Jesu weiterzuverbreiten. Aber: Bei den ekstatischen Zuständen blieb es nicht. In schlechteren Phasen wurden sie auch von Todesangst geplagt und befürchteten, verrückt zu werden.
Verrückt? Vielleicht – aber auf jeden Fall erkenntnisreich
Immer wieder betreten Wissenschaftler ungewöhnliche Pfade, um das Verständnis des menschlichen Körpers zu erweitern – und auch wenn manche dieser Studien auf den ersten Blick nicht nur kurios, sondern auch grenzwertig wirken, zeigen sie doch oft überraschende und durchaus praktische Erkenntnisse. Wissenschaft findet eben nicht immer im Labor statt – den Blick für Ethik und Sinnhaftigkeit sollt man dabei aber nicht verlieren.

Jana Detscher
Jana studiert derzeit im Masterstudiengang "Theorien und Praktiken professionellen Schreibens" und widmet sich mit großer Leidenschaft dem präzisen und kreativen Umgang mit Sprache. Ob bei der Recherche oder beim zielgruppengerechten Schreiben – Jana bringt fundierte Erfahrung im redaktionellen Arbeiten mit, unter anderem durch Stationen beim Literaturhaus Köln und dem Dokumentationszentrum DOMiD e.V.
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