Ein Studienplatz in Medizin zu ergattern, ist für viele ein Traum. Aber was, wenn es nicht so ohne Weiteres möglich ist, für das Studium dem Wohnort zu wechseln? Oder beruflich gebunden ist und sich die Lernzeit flexibler gestalten möchte? Viele Fächer können mittlerweile problemlos auch an einer Fernuni studiert werden – wie ist das in der Medizin?
Die Vorteile des Fernstudiums
Wenn Du Kinder betreust, bereits selbst für Deinen Lebensunterhalt aufkommst oder einfach nicht für das Studium umziehen möchtest, scheint ein Fernstudium die Lösung der Probleme zu sein. Denn im Gegensatz zu einem Vollzeit-Studium vor Ort kannst Du Dir die Zeit im Fernstudium deutlich flexibler einteilen. Dadurch kannst Du Dir das erforderliche Wissen zum Abschluss auch neben Beruf und Care-Arbeit aneignen.
Das Problem dabei: Leider gibt es keine Möglichkeit, ein vollständiges Medizinstudium inklusive Staatsexamen von zuhause zu absolvieren. Das bedeutet aber nicht, dass Du den Traum von der medizinischen Qualifikation ganz aufgeben musst, wenn ein vollständiges Studium in Präsenz keine Option für Dich ist.
Denn auch wenn Du mit keinem Fernstudium zur Berufsbezeichnung „Arzt“ kommen wirst: Es gibt viele Möglichkeiten für eine berufliche Zukunft im Gesundheitswesen, die ohne das klassische Medizinstudium möglich sind. Und viele davon haben auch deutlich niedrigere Zugangshürden.
Warum gibt es kein Fernstudium Humanmedizin?
Den Esstisch kurzerhand zum Seziertisch umfunktionieren, Mamas Husten diagnostizieren und vielleicht nachfragen, ob man die nächste Blutabnahme beim Hausarzt nicht mal selbst durchführen könnte. Gut, vielleicht gäbe es auch andere Optionen – aber letztendlich lebt das Medizinstudium von der praktischen Arbeit am Menschen, die sich nicht einfach in den eigenen vier Wänden üben lässt. Praktika, Famulaturen und das Praktische Jahr sind elementarer Bestandteil der ärztlichen Ausbildung – und das ist auch gut so. In dieser Zeit wirst Du in Vollzeit eingesetzt und kannst nebenher keiner weiteren Beschäftigung nachgehen. Dazu kommt etwa ein mehrmonatiger Präparierkurs, in dem Du viel über die Anatomie des Körpers lernst – und die lässt sich nicht über den Bildschirm vermitteln. Aber auch die theoretische Ausbildung ist zum einen zeitintensiv und zum anderen komplex; Schließlich trägst Du als Arzt die Verantwortung für Menschenleben. Daher macht es schon Sinn, dass der Präsenzunterricht unverzichtbarer Bestandteil des Medizinstudiums ist.
Alternative Studiengänge im Fernformat
Aber nicht verzagen: Wenn der medizinische Bereich einfach Dein Ding ist, gibt es viele spannende Alternativen. Denn es gibt zahlreiche Fernstudiengänge, in denen ebenfalls umfangreiches Wissen aus den Bereichen Medizin und Gesundheit vermittelt wird und zu anderen interessanten Karrierewegen führt. Die Branche hat mittlerweile deutlich mehr zu bieten als nur die Pflegeausbildung und das klassische Medizinstudium. Schon mal von Medizinpädagogik gehört? Wie sieht es mit Digitaler Forensik aus? Auch ein Studium zum Arztassistenten ist eine Gelegenheit, durch ein Fernstudium in einen patientennahen Beruf einzusteigen. Der Vorteil: Diese Studiengänge sind stärker spezialisiert als das klassische Medizinstudium – je nachdem, wo Deine Interessen liegen, bringst Du damit die Top-Voraussetzungen für eine berufliche Sparte mit: ob in der Forschung, im Management oder direkt im Patientenkontakt, es gibt viele attraktive Bereiche, in denen Dir auch leitende Positionen offenstehen.
Viele Studiengänge werden dabei als Bachelor oder Master komplett online oder mit nur wenigen Präsenzphasen angeboten.
Schon ausgebildet? Berufsbegleitende Studiengänge und Weiterbildungen
Weitere Optionen ergeben sich, wenn Du bereits eine Ausbildung im medizinischen Bereich absolviert hast und Dein medizinisches Wissen noch weiter ausbauen willst: Der interdisziplinäre Bachelor-Studiengang Medizinalfachberufe lässt sich auch berufsbegleitend absolvieren und vermittelt fachübergreifende Kompetenzen für die medizinische Karriere. Auch wenn Du noch keine Ausbildung hast, könnte das eine Überlegung wert sein: Denn je nach Ausbildung bekommst Du – im Gegensatz zum Medizinstudium – ein festes Gehalt, sodass sie für viele leichter zu finanzieren ist.
Anerkennung und Finanzierung
Während für das klassische Studium an staatlichen Hochschulen in der Regel nur ein geringer Semesterbeitrag anfällt, muss man für ein Fernstudium etwas tiefer in die Tasche greifen. Je nach Hochschule variieren die Kosten dabei stark – meistens bewegen sie sich zwischen 10.000€ und 15.000€. Dabei muss allerdings beachtet werden, dass man die Möglichkeit hat, nebenher zu arbeiten, was bei einem Vollzeitstudium nicht immer möglich ist und die Finanzierung vereinfacht.
Aber ist ein Studienabschluss von einer Fernuni wirklich genauso viel wert? Keine Sorge, Bachelor bleibt Bachelor und Master bleibt Master. Der Begriff „Fernstudium“ ist allerdings nicht geschützt, daher solltest Du bei der Auswahl darauf achten, dass es sich tatsächlich um einen akkreditierten Studiengang handelt und die Hochschule staatlich anerkannt ist.
Medizin und Fernstudium: (K)eine Traumkombination
Wenn Du unbedingt Arzt werden willst, dann war dieser Artikel vielleicht ernüchternd für Dich – aber dass ein vollwertiges Medizinstudium aus der Ferne in Deutschland nicht möglich ist, hat gute Gründe. Falls Du aber offen für alternative Berufsfelder im Gesundheitswesen bist, zeigt sich: In den letzten Jahren hat sich eine Bandbreite an Möglichkeiten entwickelt, mit denen Du auch von zuhause aus Deinen Weg ins Gesundheitswesen starten kannst.

Jana Detscher
Jana studiert derzeit im Masterstudiengang "Theorien und Praktiken professionellen Schreibens" und widmet sich mit großer Leidenschaft dem präzisen und kreativen Umgang mit Sprache. Ob bei der Recherche oder beim zielgruppengerechten Schreiben – Jana bringt fundierte Erfahrung im redaktionellen Arbeiten mit, unter anderem durch Stationen beim Literaturhaus Köln und dem Dokumentationszentrum DOMiD e.V.
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