Medizinstudium in Deutschland

Motivationsschreiben im Bewerbungsverfahren

Von Jana Detscher4 Min. Lesezeit
Bewerber schreibt Motivationsschreiben – Motivationsschreiben im Bewerbungsverfahren

Du willst Medizin studieren? Nicht bei allen Universitäten sind die Anforderungen dieselben. Und so sind einige überrascht, wenn es dann heißt: Motivationsschreiben. Was wird hier genau verlangt? Hier erfährst Du, wie Du ohne Floskeln auskommst und Deine Motivation überzeugend rüberbringst.

Auch im Medizinstudium reicht ein sehr guter Abischnitt nicht immer aus – besonders private Hochschulen verlangen fast immer ein Motivationsschreiben. Bei staatlichen Hochschulen kommen sie seltener zum Einsatz, aber auch hier gibt es Ausnahmen. Zum Beispiel die Universität Greifswald verlangt eines – und das sogar handschriftlich.

Was ist ein Motivationsschreiben?

Im Grunde handelt es sich bei dem Schreiben um Deine Chance, Dich ganz persönlich zu zeigen und andere von Deiner Eignung zu überzeugen. In der Regel hast Du eine bis anderthalb Seiten Platz, Dich von der Masse an Bewerbungen abzuheben und Deine Begeisterung für das Traumstudium darzustellen. Das heißt: Kreativität ist gefragt. Gleichzeitig sollte der Text dem Anliegen angemessen sein – hier geht es schließlich um was. Wichtig ist, Dir von vornherein klarzumachen, was Du rüberbringen willst.

Der richtige Aufbau

Ein guter Text steht und fällt mit der richtigen Struktur. Und so einfach es klingt: Einleitung – Hauptteil – Schluss ist hier immer noch das Mittel der Wahl.

Interesse wecken

Mit den ersten Worten wird die Grundeinstellung, mit der Leute Deinen Text lesen, gesetzt. Du kannst Dein Schreiben mit „Motivationsschreiben“ betiteln. Interessanter wird es, wenn Du mit der Überschrift direkt einen Köder auswirfst: „Was mich antreibt – meine Motivation für Medizin“ oder „Kein Zufall, sondern Ziel: Warum ich Medizin studieren will“ sind nur zwei Beispiele – hier kannst Du kreativ werden.

Auch für die Einleitung gilt: Direkt verhindern, dass jemand beim Lesen einschläft. Vermeiden solltest Du dagegen Standardsätze wie „Hiermit bewerbe ich mich …“. Überleg Dir einen persönlichen Einstieg. Gab es ein Schlüsselerlebnis, nach dem Du wusstest, dass Du Arzt werden willst? Ein spannender Gedanke oder eine Situation, die Dich darauf gebracht haben? Dann kannst Du diese kurz umreißen oder nur anteasern und Deine Leser damit neugierig machen.

Mit Persönlichkeit und Wissen überzeugen

Im Hauptteil muss die zentrale Frage geklärt werden, warum Du Dich nicht nur für das Medizinstudium im Allgemeinen, sondern auch für genau diese Hochschule entschieden hast. Dabei sollte durchkommen, dass Du Dich wirklich mit der Fakultät und ihren Schwerpunkten auseinandergesetzt hast. Was unterscheidet die Hochschule von anderen? Bereits vorhandenes Wissen strahlt Selbstsicherheit aus.

Außerdem geht es natürlich darum, Deine Stärken zu zeigen. Auch hier gilt: Floskeln vermeiden – auch wenn Du tatsächlich schon immer Menschen helfen wolltest, wird das nicht dafür sorgen, dass Deine Bewerbung hervorsticht. Nenne lieber konkrete Erlebnisse und Beispiele, die Deine Eignung unterstreichen. Was qualifiziert Dich besonders für das Medizinstudium? Absolvierte Praktika im medizinischen Bereich und besondere schulische Leistungen in den naturwissenschaftlichen Fächern sind Aspekte, auf die Du im Hauptteil Bezug nehmen kannst. Aber auch andere berufliche oder interkulturelle Erfahrungen, ein Ehrenamt oder langjährige Hobbies zeigen Engagement, Durchhaltefähigkeit und eine hohe Sozialkompetenz – also Fähigkeiten, die man im Medizinstudium braucht.

Selbstbewusst abrunden

Der Schlussteil wird von vielen vernachlässigt – aber auch hier kannst Du nochmal punkten. Denn die letzten Sätze bleiben im Kopf. Hier gilt: Confidence is key: Sei selbstbewusst! Schreib nicht im Konjunktiv, sondern beende Dein Schreiben positiv und klar. Mach deutlich, dass Dir die Herausforderungen bewusst sind – und bring in einer Art kurzem Resümee auf den Punkt, warum Du sie meistern wirst.

Vorlage oder kreativ?

Klar, man kann es sich einfach machen: Online wimmelt es nur so von Musterschreiben, bei denen Du theoretisch einfach persönliche Angaben austauschen könntest. Zur Inspiration einen Blick darauf zu werfen ist gar nicht schlecht – aber Du solltest unbedingt auf Individualität setzen. Generische, wenn auch elegant formulierte Texte werden schnell als Vorlagen auffliegen. Von Layout über Überschriften und Stil: Hier geht es darum, einen möglichst authentischen Eindruck zu vermitteln.

Und ganz wichtig: Die Kreativität hört bei der Rechtschreibung auf! Lass Dein Motivationsschreiben von Freunden und Familie gegenlesen, denn ein fehlerfreier Text ist ein absolutes Muss.

Deine Geschichte zählt

Im Motivationsschreiben geht es um Persönlichkeit und Überzeugung. Der erste Schritt kann immer sein, sich selbst noch einmal gründlich zu hinterfragen: Denn wenn Du selbst weißt, warum Du Medizin studieren willst, hast Du das Wichtigste schon erreicht. Es kann ein wenig dauern, das dann so klar und präzise zu formulieren. Nimm Dir Zeit für den Text, denn ein gutes Motivationsschreiben ist mehr als ein Pflichtschreiben – es ist Deine Chance, von Dir ganz persönlich zu überzeugen.

Über die Autorin

Jana Detscher

Jana studiert derzeit im Masterstudiengang "Theorien und Praktiken professionellen Schreibens" und widmet sich mit großer Leidenschaft dem präzisen und kreativen Umgang mit Sprache. Ob bei der Recherche oder beim zielgruppengerechten Schreiben – Jana bringt fundierte Erfahrung im redaktionellen Arbeiten mit, unter anderem durch Stationen beim Literaturhaus Köln und dem Dokumentationszentrum DOMiD e.V.

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