Wissenswertes

Stipendien für Medizinstudium

Von Jana Detscher5 Min. Lesezeit
Studierende mit Stipendiumsunterlagen – Stipendien für Medizinstudium

Ohne Geldsorgen durch das Studium – klingt für viele nach reiner Utopie. Ein Medizinstudium ist nicht nur anspruchsvoll, sondern auch teuer. Hohe Lebenshaltungskosten, dabei viel Lernzeit und wenig Zeit, um Geld zu verdienen: Das stellt viele Studierende vor finanzielle Hürden. Aber Stipendien gibt’s doch nur für Hochbegabte, oder? Falsch! Hier zeigen wir Dir Möglichkeiten, sorgenfrei durchs Studium zu kommen und später schuldenfrei ins Berufsleben zu starten.

Dass es für Medizinstudierende oft schwer ist, sich die lange Ausbildungszeit zu finanzieren, liegt auf der Hand, zumindest, wenn sie nicht ausreichend von ihren Eltern unterstützt werden können. Schließlich ist das Studium fordernd und zeitaufwändig. Vor allem, wenn BAföG keine Option darstellt oder nicht ausreicht, solltest Du dann unbedingt über ein Stipendium nachdenken. Denn oft stehen die Chancen besser, als man denkt. Der große Pluspunkt: Anders als bei Studienkrediten musst Du keinen Cent zurückzahlen – und erhältst außerdem oft tolle Bildungsangebote und Netzwerk-Möglichkeiten.

Welche Arten von Stipendien gibt es?

Für Mediziner stehen viele Stipendien zu Verfügung. Am bekanntesten sind solche, bei denen herausragende Leistungen im Vordergrund stehen. Die Annahme, dass man nur Chancen auf Förderung hat, wenn man zu den Hochbegabten zählt, ist aber falsch – und sorgt dafür, dass viele Plätze leer bleiben. Bei anderen Programmen wird Wert auf soziales Engagement gelegt, manchmal erhöhen sich die Chancen, wenn Du etwa finanziell benachteiligt bist. Oder willst Du einfach gerne Landarzt werden? Auch dann gibt es gute Angebote.

StipendiumPlus – ideelle Förderung durch Begabtenförderwerke

Das Netzwerk Stipendium Plus umfasst 13 Förderungswerke, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert werden. Hier geht es um die Förderung von jungen Menschen mit starker Leistungsmotivation und ehrenamtlichen Ambitionen. Das Ziel ist es, in der Meinungspluralität Polarisierungstendenzen entgegenzuwirken und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Entsprechend haben die einzelnen Werke unterschiedliche Schwerpunkte und verschiedene politische und wirtschaftliche Orientierungen – das Motto von allen: Vielfalt in Einheit. Zu den bekanntesten Werken zählen die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung, die sozialdemokratisch geprägte Friedrich-Ebert-Stiftung und die links geprägte Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Die Fördergelder sind bei allen Werken gleich. Sie orientieren sich am BAföG-Satz und bieten zusätzlich eine monatliche Pauschale für Studienkosten und evtl. Kinderbetreuung. Damit ermöglichen sie alle die vollständige Finanzierung des Studiums. Außerdem erhältst Du Unterstützung durch Mitarbeiter der Werke und wirst in Workshops, Konferenzen und Ferienakademien beim aktiven Einbringen Deiner Ideen gefördert.

Die Werke haben unterschiedliche Anforderungen an Stipendiaten, welches davon zu Dir passt, kommt auf Deine persönlichen Präferenzen an.

Wenn Du leistungs- und gesellschaftsorientiert bist, stellen alle Begabtenförderwerke eine tolle Möglichkeit dar, nicht nur finanziell abgesichert zu sein, sondern auch in anderen Bereichen zu wachsen.

Wo nicht nur die Noten zählen – das Deutschlandstipendium

Ebenfalls staatlich gefördert wird das Deutschlandstipendium – hier zählen zwar auch die Noten, aber nur als ein Kriterium. Wichtiger sind oft der persönliche Lebenslauf und die Motivation. Das Deutschlandstipendium kann ergänzend genutzt werden, es wird durch die Hochschulen vergeben und unterstützt Dich mit 300€ für mindestens ein Jahr.

Raus aufs Land?

Auf dem Land ist der Ärztemangel bekanntlich besonders groß. Kassenärztliche Vereinigungen und Länder versuchen hier mit verschiedenen Förderprogrammen gegenzusteuern.

Der Deal: Du wirst während Deines Studiums finanziell unterstützt und verpflichtest Dich dafür, nach dem Studium in einer unterversorgten Region als Arzt zu arbeiten – meist für fünf bis zehn Jahre. Vorrangig richten sich die Programme an Hausärzte, aber auch zukünftige Fachärzte haben bei vielen Kassenärztlichen Vereinigungen Chancen.

Die Höhe der Förderung ist dabei je nach Bundesland unterschiedlich, viele bieten monatlich zwischen 500€ und 1.000€ für die gesamte Regelstudienzeit. Am besten ist es, sich durchzuklicken, denn es kommt nicht immer nur das Bundesland in Frage, in dem Du studierst: Etwa die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt vergibt auch allgemeine Stipendien für Studierende an allen deutschen Universitäten.

Natürlich solltest Du Dir bewusst sein, dass mit einem Landarzt-Stipendium eine richtige Verpflichtung eingegangen wird. Anders als bei einem vorzeitigen Austritt aus dem Landarztquoten-Vertrag musst Du hier allerdings nicht mit hohen Strafen rechnen. In der Regel musst Du das Geld, manchmal zzgl. Zinsen, zurückzahlen.

Es gibt auch einige Vorteile, wenn man als Arzt auf dem Land arbeitet – falls Du die Ruhe dem Trubel vorziehst und Deinen Patientenstamm gerne wirklich kennen willst, solltest Du Dir diese Möglichkeit auf jeden Fall durch den Kopf gehen lassen.

Ab ins Ausland – spezifische Fördermöglichkeiten

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) ist die größte Austauschorganisation Deutschlands. Auch Mediziner, die während Famulaturen, Forschungsprojekten oder dem PJ interkulturelle Erfahrungen sammeln wollen, können z.B. mit dem Jahresstipendium die passende finanzielle Unterstützung finden. Die Förderdauer beträgt mindestens sechs Monate. Je nach Zielland variiert die Höhe der Zahlungen, Du solltest damit aber gut über die Runden kommen. Außerdem finanziert werden ein Reisekostenzuschuss und ein Versicherungspaket.

Voraussetzung ist, dass Du den ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung bestanden und das erste klinische Jahr absolviert hast. Abgesehen davon sollten Deine Noten zwar solide sein, Du brauchst aber keinen 1,0 Schnitt – wichtig ist auch das Potenzial des Aufenthalts für die weitere berufliche Entwicklung und Deine persönliche Motivation.

Wenn Du nicht gleich so lange bleiben willst und punktuell finanzielle Unterstützung gebrauchen kannst, ist die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) eine gute Anlaufstelle. Hier sind die Noten zweitrangig, vergeben werden Stipendien für von Studierenden organisierte Austauschprogramme. Mit vielen Partnerorganisationen wird das Ziel verfolgt, allen Medizinern die Möglichkeit zum Austausch zu geben. Für einen kleinen Betrag von 150€ inkl. 70€ Kaution wird eine Unterkunft für einen Monat und eine Mahlzeit am Tag gestellt.

Viele kleine Fördertöpfe – Hauptsache trauen!

Schon jetzt hast Du gemerkt: Stipendien sind nicht nur für Überflieger da. Und das waren nur die größten Stipendien, die es derzeit gibt – zusätzlich gibt es unzählige kleine Fördertöpfe, die zwar nicht über Jahre hohe Beträge auszahlen können, aber in finanziellen Notlagen oder bei speziellen Anliegen einspringen können. Und oft sind es ein kaputter Laptop, die Fahrt zum Kongress oder der Wunsch nach einem Auslandsaufenthalt, die einem einen Strich durch die Rechnung machen. Um diese konkreten Bedarfe zu decken, findest Du die geeigneten Programme in der Stipendiendatenbank des DAAD oder auf Plattformen wie myStipendium. Auch Deine Fachschaft weiß oft gute Anlaufstellen und hilft Dir gerne weiter.

Trau Dich – es gibt da draußen auch Dein Stipendium!

Über die Autorin

Jana Detscher

Jana studiert derzeit im Masterstudiengang "Theorien und Praktiken professionellen Schreibens" und widmet sich mit großer Leidenschaft dem präzisen und kreativen Umgang mit Sprache. Ob bei der Recherche oder beim zielgruppengerechten Schreiben – Jana bringt fundierte Erfahrung im redaktionellen Arbeiten mit, unter anderem durch Stationen beim Literaturhaus Köln und dem Dokumentationszentrum DOMiD e.V.

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