Wenn Du Dich für das Medizinstudium entscheidest, hast Du im Vergleich mit anderen Studiengängen eine besonders lange Ausbildungszeit vor Dir. Häufig sind Ärztinnen und Ärzte schon über 30, bis sie erstmals eigenverantwortlich arbeiten können. Viele möchten mit dem Kinderwunsch jedoch nicht so lange warten. Dieser Artikel zeigt Dir, welche Herausforderungen auf Medizinstudierende mit Kind zukommen, wo Du Unterstützung findest und welche Stärken das Studium mit Kind in Dir hervorrufen kann.
Herausforderungen im Medizinstudium mit Kind
Im Medizinstudium begegnest Du als Elternteil grossen Herausforderungen. Ein Studium ist sehr zeitintensiv und oftmals herrscht Präsenzpflicht in den Vorlesungen. Während des klinischen Abschnitts sind die Arbeitszeiten wenig flexibel.
Prüfungen, schriftliche Arbeiten und die erste Verantwortung im praktischen Jahr üben ohnehin viel Druck auf Dich aus. Hinzu kommen nicht barrierefreie Hörsäle, fehlende Kinderbetreuungsplätze und ungünstige Öffnungszeiten der Kindertagesstätten, welche die Vereinbarkeit von Familie und Studium erschweren.
Auch ein Selbststudium von zu Hause ist sehr schwierig. Studierende benennen Hürden wie unklar definierte Lernziele, nicht einheitlich gestaltete Vorlesungen und den Ausschluss zur Nachholung praktischer und präsenzpflichtiger Veranstaltungen.
Während die Ausgaben mit einem Kind steigen, bleibt Dir weniger Zeit, um einen Nebenjob auszuüben. Dies kann zu einer finanziellen Herausforderung werden.
Als studierender Elternteil läufst Du häufiger in Gefahr, Dich sozial zu isolieren. Dein Alltag und die Themen, welche Dich beschäftigen, unterscheiden sich sehr von denjenigen Deiner Mitstudierenden. Alleinerziehende sind besonders auf Unterstützung aus dem Umfeld angewiesen.
Gesetzliche Regelungen für Studierende mit Kind
Hierzu gibt es an deutschen Universitäten keine einheitlichen Regelungen. Jede Hochschule hat für Studierende mit Kind ihre individuellen Bestimmungen.
Seit 2018 gilt jedoch das Mutterschutzgesetz. Dadurch hast auch Du als Studierende einen Anspruch auf Elternzeit von bis zu drei Jahren. Du erhältst Elterngeld, auch wenn Du das Studium nicht unterbrichst. Während dieser Zeit kannst Du ein Urlaubssemester einlegen. Ausserdem darf für Dich kein Nachteil durch Prüfungsfristen entstehen. In einzelnen Fällen kann eine Anpassung seitens der Universität nötig sein.
Während des praktischen Jahrs sind bestimmte Arbeiten für schwangere oder stillende Mütter verboten: schwere körperliche Lasten zu heben, Nachtdienste zu leisten sowie Arbeit in Abteilungen mit Infektionskrankheiten oder elektromagnetischer Strahlung zu verrichten.
Als Studierende darfst Du auf den achtwöchigen Mutterschutz nach der Geburt verzichten. Du musst der Universität schriftlich mitteilen, dass Du an den Prüfungen teilnimmst und Dein Studium im regulären Rahmen fortsetzt.
Unterstützungsmöglichkeiten und Strategien
Zum Glück wird Dir Unterstützung angeboten. Beratungsstellen und Studierendenorganisationen bieten Informationen und stehen Dir bei der Finanzierung, Organisation und Betreuung zur Seite.
Immer mehr Universitäten bemühen sich, das Studium familienfreundlicher zu gestalten. Das Projekt audit familiengerechte hochschule zertifiziert Universitäten, welche besondere Massnahmen für Eltern ergreifen. Als sehr familienfreundlich gelten verschiedene Universitätskliniken sowie die Hochschulen in Hannover, Rostock und Stuttgart.
Einige Universitäten unterhalten eine eigene Kindertagesstätte mit tieferen Gebühren für Studierende. Zudem findest Du in jeder Stadt verschiedene Krippen oder KiTas. Auch eine Tagesmutter oder ein Tagesvater kann eine grosse Hilfe sein.
Die wichtigste Hilfe kommt jedoch meist aus dem Umfeld. Familie, Freunde, Mitstudierende oder andere Eltern, welche stundenweise die Betreuung Deines Kindes übernehmen können, sind eine grosse Entlastung.
Das praktische Jahr kannst Du aufgrund einer Schwangerschaft für bis zu zwei Jahre unterbrechen. Häufig sind auch Teilzeitlösungen möglich.
Wenn Du Unterstützung beim Erarbeiten der Studieninhalte benötigst, findest Du Hilfe bei einer Studierendenorganisation oder bei Deinen jeweiligen Professoren. Häufig gibt es an der Universität eine Beratungsstelle, welche Dir bei Fragen zum Studium mit Kind weiterhilft.
Auch finanziell kann ein Studium mit Kind herausfordernd sein. Du kannst jedoch staatliche Hilfsgelder beantragen. In den ersten Monaten nach der Geburt hast Du Anspruch auf Elterngeld, danach erhältst Du Kindergeld und allenfalls BAföG. Die Sozialleistung BAföG dient dazu, jeder und jedem – unabhängig von sozialen Verhältnissen – eine Ausbildung oder ein Studium zu ermöglichen. Weiter ist es möglich, dass Du Mutterschaftsgeld, einen Kinderzuschlag, Kinderbetreuungsgeld oder einen Unterhaltsvorschuss erhältst. Unterstützung für das Finanzieren der Studiengebühren findest Du bei der Bundesstiftung Mutter und Kind oder der Deutschen Studentenhilfe, welche Stipendien vergeben.
Tipps für das Medizinstudium mit Kind
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Lernen nicht aufschieben: Nutze die Zeit, die Du hast, auch wenn es teilweise nur kurze Abschnitte sind. Unterteile Dir die Inhalte in kleine Portionen, um stetig voranzukommen.
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Babysitter finden: Nutze Deine Kontakte, stöbere auf Plattformen oder frage Deine Mitstudierenden, ob sie regelmässig für einige Stunden die Betreuung Deines Kindes übernehmen können.
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Zeit für Dich: Nehme Dir bewusst Auszeiten. Plane im Voraus einen Nachmittag, an welchem Du etwas tust, was Dir guttut. Das hilft, um neue Motivation zu gewinnen.
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Urlaubssemester: Wenn Dir die Doppelbelastung mit Studium und Kind zu viel wird, kannst Du ein Urlaubssemester einlegen. Normalerweise sind Wiederholungsprüfungen auch während dieser Zeit möglich.
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Austausch: An einigen Universitäten gibt es Treffen für Studierende Eltern. Tausche Dich mit anderen aus, erzähle von Herausforderungen und knüpfe neue Kontakte.
Vorteile und Stärken studierender Eltern
Auch wenn Dir viele Herausforderungen begegnen, ist ein Kind eine grosse Bereicherung. Es lässt Dich wachsen und Du kannst besondere Stärken entwickeln.
Ein Kind benötigt viel Aufmerksamkeit und Zeit. Gleichzeitig schenkt es Dir aber auch Energie. Du wirst gebraucht und es zeigt Dir jeden Tag aufs Neue, wofür Du studierst, arbeitest und lernst. Ein Kind erinnert Dich an Dein Ziel, bringt eine gewisse Struktur in Dein Leben und zeigt neue Perspektiven auf.
Ein Kind kann viele Stärken in Dir hervorrufen. Eltern können häufig gut mit Verantwortung umgehen, sind emotional reif, haben ein gutes Zeitmanagement, sind anpassungsfähig und haben viel Durchhaltewillen.
Studierende profitieren von deutlich mehr Urlaub als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Jährlich hast Du rund vier Monate vorlesungsfreie Zeit, welche Du flexibel planen und mit Deinem Kind verbringen kannst.
Viele Universitäten werden flexibler in der Gestaltung der Stundenpläne. Du kannst auswählen, an welchen Vorlesungen Du teilnimmst und notfalls kannst Du die Studienzeit verlängern. Mit entsprechenden Gründen kannst Du beantragen, dass Deine Prüfungstermine verschoben werden. Dies entlastet Dich im Studienalltag.
Es ist ein Vorteil, wenn Dein Kind bei Deinem Einstieg ins Berufsleben schon etwas älter und selbständig ist oder sogar zur Schule geht. Es heisst, dass Du mehr Zeit in Deine Karriere investieren kannst als mit einem neugeborenen Baby. Somit können sich Deine Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöhen.
Fazit: Ein realistischer Blick nach vorn
Das Medizinstudium mit Kind ist ohne Zweifel sehr herausfordernd, aber es ist machbar. Und es lohnt sich.
Eine gute Organisation und ein stabiles Umfeld sind Voraussetzungen für das erfolgreiche Vereinbaren von Studium und Familie. Zudem ist es wichtig, dass Du Dich selbst dabei nicht vergisst und auf Dich schaust. Doch wenn Du Dich für diesen Weg entscheidest, wirst Du beruflich und vor allem menschlich daran wachsen. Es wird nicht immer einfach sein, aber mit viel Herz, Geduld und ein wenig Mut wirst Du es schaffen.

Aline Popp
Aline Popp ist gelernte Buchhändlerin und arbeitet heute als Copywriterin in der Schweiz. Mit einem feinen Gespür für Sprache und Wirkung schreibt sie Texte, die berühren, überzeugen und im Gedächtnis bleiben. Ihre Leidenschaft gilt Themen rund um Bildung, Medizin und internationale Studienwege.
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