Du fängst bald an, Medizin zu studieren oder steckst schon mittendrin? Wenn Du jetzt über eine internationale Karriere nachdenkst, bist Du vielleicht schon mal die USMLE-Prüfung gestoßen. Hier erfährst Du, wann sie sinnvoll ist, wie sie abläuft – und worauf Du achten solltest.
Die Humanmedizin gilt in Deutschland als einer der anspruchsvollsten Studiengänge – da kann man davon ausgehen, dass man mit diesem auch international durchstarten kann, oder? Leider nicht unbedingt: Denn die Hürden, in anderen Ländern praktizieren zu können, sind unterschiedlich hoch. Gerade die USA sind ein beliebtes Ziel. Und gerade hier gelten Anforderungen, die nicht gerade leicht zu meistern sind. Der Prozess ist langwierig und mit viel Lernaufwand verbunden. Wenn Du schon immer davon geträumt hast, mit dem weißen Kittel im Land der unbegrenzten Möglichkeiten tätig zu sein, lohnt es sich also, früh anzufangen.
Wann ist die USMLE sinnvoll?
Zuerst einmal: Die United States Medical Licensing Examination (USMLE) ist das amerikanische Staatsexamen. Es besteht aus einer dreigliedrigen Prüfung, die alle Mediziner bestehen müssen, die in den Vereinigten Staaten praktizieren wollen – egal, ob sie in den USA studiert haben oder nicht. Die USMLE ist also zwingende Voraussetzung für den großen Schritt über den Atlantik.
Aber auch, wenn Du noch nicht weißt, wo Deine Reise hingeht: Die Prüfung öffnet Dir diverse Türen in die Welt der internationalen Medizin. Denn auch viele andere Länder, in denen Du mit dem deutschen Staatsexamen nicht so ohne Weiteres arbeiten darfst, erkennen die USMLE an.
Ablauf der USMLE
Step 1 – Fail or Pass
Voraussetzung für die Teilnahme an Step 1 ist das erste Staatsexamen – in Deutschland also das Physikum. Auch, wenn Du die Prüfung prinzipiell bereits nach dem vierten Semester schreiben kannst, empfehlen viele, sie erst nach dem sechsten Semester abzulegen – manche finden sogar, dass der beste Zeitpunkt erst nach dem zweiten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung ist. Step 1 ist eine eintägige schriftliche Prüfung im Multiple Choice Format, die neben den gesamten vorklinischen Grundlagen auch klinische Themen behandelt. Hier heißt es: Bestanden oder nicht Bestanden – die Punktzahl ist später nicht mehr einsehbar.
Step 2 CK und Step 3
In Step 2 CK (Clinical Knowledge) wird Deine Fähigkeit, medizinisches Wissen in konkreten Situationen anzuwenden, geprüft. Die Prüfung kann frühestens im letzten Jahr des Studiums abgelegt werden. In einer neunstündigen Sitzung musst Du in acht Blöcken Fragen beantworten, wobei der Fokus auf Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention liegt. Mit dem erfolgreichen Bestehen zeigst Du, dass Du unter Aufsicht als Mediziner praktizieren kannst. Wichtig zu wissen: Step 1 verfällt nach sieben Jahren, wenn bis dahin Step 2 CK nicht bestanden hast.
Step 3 zielt auf das praktische Können in einem klinischen Umfeld ab – dabei stellst Du unter Beweis, dass Du eigenständig die allgemeine medizinische Versorgung eines Patienten übernehmen kannst. Zur Praxis gehören auch die sprachlichen Fähigkeiten: Eine mühelose Kommunikation mit Patienten und Fachpersonal ist schließlich essenziell für die Tätigkeit als Arzt.
Sofern Du die Zulassungsbedingungen erfüllst, können Step 1 und Step 2 in beliebiger Reihenfolge auch in Deutschland absolviert werden. Step 3 ist nur nach Bestehen der beiden Prüfungen Step 1 und Step 2 in den USA möglich.
Vorbereitung und Anmeldung zur USMLE
Die Anmeldung und Organisation läuft über die ECFMG (Educational Commission for Foreign Medical Graduates). Sie prüft auch Deine zur Anmeldung notwendigen Dokumente und Abschlüsse. In der Regel bist Du zur Teilnahme berechtigt, wenn Deine Hochschule im World Directory of Medical Schools von der ECFMG anerkannt ist.
Die ECFMG-Zulassung, mit der Du Dich für eine Residency, die Fachausbildung, bewerben kannst, erhältst Du bereits mit Bestehen von Step 1 und Step 2. Wann Step 3 fällig wird, hängt von dem Bundesstaat ab, in dem Du arbeiten möchtest.
Die USMLE solltest Du nicht auf die leichte Schulter nehmen. Denn die Prüfungen sind definitiv kein Projekt für nebenbei: Viele empfinden sie sogar als härter als die deutschen Staatsexamina, Du solltest also unbedingt genug Zeit zum Üben einplanen. Auf der offiziellen Seite des USMLE stehen Lernmaterialien und Übungen zur Verfügung, mit denen Du Dich vorbereiten kannst.
Übrigens: Die Prüfungen können mehrmals wiederholt werden – aber das wird teuer. Die Teilnahme an einem einzelnen Test kostet um die 1000 US-Dollar. Hinzu kommen Kosten für Anmeldegebühren, Reisekosten und Lernmaterialien. Die USMLE ist also auch ein finanzielles Investment.
Die USMLE – mit Ausdauer ans Ziel
Große Träume erfordern klare Schritte. Das mehrstufige Prüfungsverfahren verlangt jungen Medizinern einiges ab, aber die Ausdauer lohnt sich. Auch zu einem frühen Zeitpunkt ist es sinnvoll, sich mit den beruflichen Perspektiven auseinanderzusetzen – und mit der USMLE erarbeitest Du Dir einen international anerkannten Nachweis, mit dem Dir die Türen zur globalen Arbeitswelt weit offenstehen. Ein Investment, das sich lohnt – (fast) egal, wo die Reise hingeht.

Jana Detscher
Jana studiert derzeit im Masterstudiengang "Theorien und Praktiken professionellen Schreibens" und widmet sich mit großer Leidenschaft dem präzisen und kreativen Umgang mit Sprache. Ob bei der Recherche oder beim zielgruppengerechten Schreiben – Jana bringt fundierte Erfahrung im redaktionellen Arbeiten mit, unter anderem durch Stationen beim Literaturhaus Köln und dem Dokumentationszentrum DOMiD e.V.
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