Was macht ein...?

Was macht ein Fliegerarzt?

Von Julia Tech7 Min. Lesezeit
Fliegerarzt bei der Pilotenuntersuchung – Was macht ein Fliegerarzt?

Ein Flugmediziner, umgangssprachlich auch „Fliegerarzt“ genannt, hat sich auf die medizinische Betreuung im Bereich der Luft- und Raumfahrt spezialisiert. Sein Gebiet ist die Flugphysiologie: Er ist vertraut mit den Einflüssen, die beim Fliegen auf den Organismus einwirken und weiß, welche körperlichen Voraussetzungen in unterschiedlichen Flughöhen bis in den Weltraum hinaus gefordert sind.

Was zeichnet die Arbeit als Fliegerarzt aus?

Die Flugmedizin vereint unterschiedliche Fachgebiete, dazu zählen zum Beispiel die Allgemeinmedizin, Innere Medizin, Höhenmedizin, Psychologie und Notfallmedizin. Ein Fliegerarzt ist in verschiedenen Bereichen tätig, was die Arbeit abwechslungsreich gestaltet und mit immer neuen Herausforderungen verbindet.

Viele Flugmediziner sind global vernetzt und arbeiten mit internationalen Luftfahrtbehörden, Flughäfen oder Fluggesellschaften zusammen, was sie mit Fachleuten aus der ganzen Welt verbindet.

Hinzu kommt der technische Aspekt des Berufs: In der Flugmedizin wird mit innovativen Geräten und Verfahren gearbeitet, die speziell für den Einsatz in der Luftfahrt entwickelt wurden. Als Arzt mit Interesse an modernen Technologien ist man in diesem Beruf genau richtig.

Worin liegen die Aufgaben eines Fliegerarztes?

Die Hauptaufgabe eines Flugmediziners besteht in der Durchführung von flugmedizinischen Tauglichkeitsuntersuchungen, die sicherstellen, dass Piloten, Flugbegleiter und andere Besatzungsmitglieder körperlich für die Anforderungen des Fliegens geeignet sind. Flugmediziner sind spezialisiert auf die medizinische Betreuung aller Personen an Bord und können bei Notfällen konsultiert werden, um Ratschläge zu erteilen. In den meisten Fällen beraten sie vom Boden aus. Bei Flügen mit erhöhten gesundheitlichen Ansprüchen kommt es vor, dass sie für eine direkte medizinische Betreuung mit an Bord sind.

Wo arbeiten Fliegerärzte?

  • In der medizinischen Abteilung von Fluggesellschaften: Hier geht es vor allem um die Gesundheitsüberprüfung der Flugbesatzung in Form von medizinischen Untersuchungen und der Beurteilung der Flugtauglichkeit.
  • In staatlichen Luftfahrtbehörden, die für die Regulierung der Luftfahrtmedizin zuständig sind: Hier arbeitet man an der Entwicklung von Richtlinien für die medizinische Eignung von Flugpersonal mit. Es gibt zum Beispiel das Luftfahrt-Bundesamt (LBA) oder das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF). Auch in der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) kann ein Arbeitsplatz gefunden werden.
  • In medizinischen Einrichtungen an Flughäfen: Hier kümmert man sich um die Gesundheit von Passagieren und Besatzung und arbeitet sowohl in der Gesundheitsberatung als auch in der Notfallmedizin.
  • In der Luftwaffe des Militärs: Auch hier sind Piloten und Besatzungsmitglieder auf Tauglichkeitsuntersuchungen und medizinische Betreuung in luftigen Höhen angewiesen.
  • In Forschungseinrichtungen: Hier kann man an Forschungsprojekten mitarbeiten, die sich mit den Auswirkungen von Flügen auf die Gesundheit befassen, oder man beteiligt sich an der Entwicklung neuer medizinischer Standards für die Luftfahrt.
  • In internationalen Organisationen: Organisationen wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) oder das Rote Kreuz brauchen Flugmediziner für humanitäre Einsätze: Hier geht es um die medizinische Unterstützung in Krisengebieten.
  • In der Unternehmensberatung: Es gibt auch die Option, in die Wirtschaft einzusteigen und Unternehmen, die im Luftverkehr tätig sind, zu beraten: Hier entwickelt man beispielsweise Notfallpläne oder wirkt bei Personalschulungen mit.

Wie wird man Fliegerarzt?

Zum Fliegerarzt wird man, indem man eine flugmedizinische Weiterbildung absolviert. Die Zulassung erhält man, wenn man ein abgeschlossenes Medizinstudium mit Approbation als Arzt und eine anschließende Facharztausbildung in einem Gebiet mit unmittelbarer Patientenbetreuung vorweisen kann. Welche spezifische Facharztausbildung erforderlich ist, variiert je nach Bundesland. In der Weiterbildungsordnung für Ärzte in Rheinland-Pfalz ist beispielsweise eine Facharztanerkennung im Gebiet Innere Medizin, Allgemeinmedizin oder Arbeitsmedizin vorgeschrieben.

Die Weiterbildung besteht aus zwei Teilen:

  • 6 Monate Weiterbildung bei einem Weiterbildungsbefugten für Flugmedizin
  • 180 Stunden Kurs-Weiterbildung

Als Alternative zur 6-monatigen Weiterbildung können vom Leiter eines Luftfahrt-Bundesamts Gespräche mit Mitarbeitern organisiert werden, die alle zwei Wochen über einen Zeitraum von einem Jahr abgehalten werden.

Die 180 Kursstunden sind unterteilt in Grundkurs (60 x 60 Minuten), Aufbaukurs (60 x 60 Minuten) und Abschlusskurs (60 x 45 Minuten).

Die Kursinhalte sind breit gefächert und erstrecken sich von der Luft- und Raumfahrtphysiologie über psychologische Gesprächsführung in Krisensituationen bis hin zu fliegerischen Basiskenntnissen wie beispielsweise Aerodynamik oder Instrumentierung. Im Kursbuch „Flugmedizin“ der Bundesärztekammer findet man genauere Informationen zu den Kursbestandteilen. Allerdings ist zu beachten, dass die konkreten Inhalte von den Landesärztekammern bestimmt werden und je nach Bundesland variieren.

Nach erfolgreicher Absolvierung darf man sich als Flugmedizinischer Sachverständiger, kurz AME (Aeromedical Examiner) bezeichnen. Aktuell werden Kurse zur Erlangung der Zusatzbezeichnung Flugmedizin von der Deutschen Akademie für Flug- und Reisemedizin (DAF), einer Tochter der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrtmedizin (DGLRM), und vom Zentrum für Luft- und Raumfahrtmedizin der Luftwaffe (ZentrLuRMedLw) in Köln Lind in englischer Sprache angeboten.

Wie in der Facharztausbildung ist es auch hier wichtig, die erworbenen Weiterbildungsinhalte in seinem Ausbildungslogbuch zu dokumentieren, um sich bei der zuständigen Ärztekammer für die Prüfungen anmelden zu können.

Welche Fortbildungen und Spezialisierungen gibt es?

Zum Erhalt seiner fliegerärztlichen Lizenz muss man in 3 Jahren 30 Fortbildungsstunden nachweisen können.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, diese Fortbildungsstunden abzuleisten. Man kann die Jahrestagungen der DGLRM wahrnehmen, an der Fliegerärztetagung der Bundeswehr teilnehmen oder regionale Fortbildungsveranstaltungen wie die jährliche Bayerische Fliegerärztetagung besuchen. Das Zentrum für Luft- und Raumfahrtmedizin der Luftwaffe (ZentrLuRMedLw) in Köln-Lind bietet sogar webbasierte zertifizierte Fortbildungen an. Auch an Universitäten wie der Ludwig-Maximilians-Universität München oder der Charité Berlin kann man Kurse in Luftfahrtmedizin absolvieren.

Neben diesen Pflichtfortbildungen kann man sich zudem im Bereich Luftfahrtrecht weiterbilden, um sein Wissen in Bezug auf die rechtlichen Rahmenbedingungen für die medizinische Eignung von Piloten und Besatzungsmitgliedern zu erweitern.

Einige Flugmediziner entschließen sich, in der Forschung und Lehre tätig zu werden, um neue Erkenntnisse in der Luftfahrtmedizin zu gewinnen oder zukünftige Fachkräfte auszubilden.

Wie viel verdient ein Fliegerarzt?

Das Gehalt eines Fliegerarztes hängt von vielen Faktoren ab. Es kommt darauf an, wie viel Erfahrung man nachweisen kann und ob man in einer Klinik, eigenen Praxis oder bei einer Fluggesellschaft arbeitet. Zudem spielt das Bundesland eine Rolle, am meisten verdienen Fachärzte in Baden-Württemberg und Bayern.

Es gibt keine spezifische Statistik zum Einkommen in der Flugmedizin. Für die Schätzung des Gehalts kann sich am Verdienst eines Facharztes orientiert werden, da der Facharztstatus Voraussetzung für die flugmedizinische Weiterbildung ist.

Demnach beläuft sich das Gehaltsspektrum bei Flugmedizinern durchschnittlich auf circa 5.600 bis 10.000 Euro brutto pro Monat. Bei der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) kann man als frisch ausgebildeter Fliegerarzt mit 4.877,46 Euro netto starten. Die Gehälter der ESA sind von der nationalen Einkommenssteuer befreit. Ab 15 Jahre Berufserfahrung kann man mit 10.345,32 Euro netto rechnen.

Welche Zukunftsperspektiven hat die Flugmedizin?

Aktuell zählt man in Deutschland rund 700 berufstätige Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Flugmedizin. Angesichts des stetigen Wachstums der Luftfahrindustrie und der damit einhergehenden steigenden Anzahl an Piloten, Flugbegleitern und anderen Besatzungsmitgliedern, die sich regelmäßigen Tauglichkeitsuntersuchungen unterziehen und flugmedizinisch betreut werden müssen, wächst die Nachfrage nach Fliegerärzten. Zudem deuten sich für die Zukunft Entwicklungen im Bereich von Weltraumflügen an, die das Gebiet des Flugmediziners noch einmal erweitern werden.

Auch im Bereich Luftrettung wächst der Bedarf nach spezialisierten Flugmedizinern. Angesichts zunehmender Naturkatastrophen und geopolitischer Krisen steigt die Zahl medizinischer Evakuierungen.

Fazit – Lohnt sich der Weg zum Fliegerarzt?

Der Weg zum Flugmediziner kann sich lohnen. Die Weiterbildung nimmt zwischen ein bis zwei Jahre in Anspruch und verbindet moderne Medizin mit Luft- und Raumfahrt. Als Flugmediziner ist man ständig mit neuen Herausforderungen aus unterschiedlichen medizinischen Bereichen konfrontiert und beschäftigt sich täglich mit der spannenden Frage, wie sich der menschliche Organismus in einem eigentlich lebensfeindlichen Raum verhält. Der Beruf des Fliegerarztes ist gefragter denn je und wird in Zukunft an noch größerer Bedeutung gewinnen. Vor allem für Ärzte mit Interesse rund um Luft- und Raumfahrt ist diese Weiterbildung eine besondere Bereicherung.

FAQs

Was macht ein Fliegerarzt?

Ein Fliegerarzt kennt die körperlichen Einflüsse und Gefahren der Luft- und Raumfahrt. Seine Hauptaufgaben sind die Durchführung von Tauglichkeitsuntersuchungen, flugmedizinische Betreuung und die Entwicklung von Richtlinien für die medizinische Eignung von Flugpersonal.

Wie wird man Fliegerarzt?

Die Zusatzbezeichnung Flugmediziner erhält man, wenn man eine Zusatz-Weiterbildung im Bereich Flugmedizin absolviert hat. Voraussetzung ist eine abgeschlossene Facharztausbildung im Bereich der unmittelbaren Patientenbetreuung. Kurse zur Erlangung der Zusatzbezeichnung werden zum Beispiel von der Deutschen Akademie für Flug- und Reisemedizin (DAF) und vom Zentrum für Luft- und Raumfahrtmedizin der Luftwaffe (ZentrLuRMedLw) in Köln Lind in englischer Sprache angeboten.

Wie viel verdient ein Fliegerarzt?

Das Gehalt eines Flugmediziners kann je nach Erfahrung, Standort und Arbeitgeber variieren. Im Durchschnitt liegt das Bruttogehalt eines Flugmediziners in Deutschland zwischen 5.000 und 10.000 Euro pro Monat.

Wie lange dauert die Weiterbildung zum Fliegerarzt?

Die Weiterbildung zum Fliegerarzt dauert in der Regel etwa 1 bis 2 Jahre. Sie umfasst einen 180-stündigen Weiterbildungskurs und ungefähr 6 Monate praktische Erfahrung bei einem Weiterbildungsbefugten für Flugmedizin.

Über die Autorin

Julia Tech

Julia Tech hat Mehrsprachige Kommunikation mit dem Schwerpunkt Translation an der TH Köln studiert und 6 Monate davon an der Université Aix-Marseille im Süden Frankreichs verbracht. Französisch ist ihre Herzenssprache, aber auch im Deutschen ist sie sehr sprachgewandt. Neben ihrem feinen Gespür für zwischenmenschliche Kommunikation interessiert sie sich für Psychologie, Philosophie und Tauchen.

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