Was macht ein...?

Was macht ein Androloge?

Von Julia Tech9 Min. Lesezeit
Androloge in der Männergesundheits-Sprechstunde – Was macht ein Androloge?

Fachärzte für Andrologie haben aufbauend auf ihrer Facharztausbildung eine Zusatzweiterbildung in der Andrologie abgeschlossen und sind auf die männlichen Fortpflanzungsorgane spezialisiert. Was der Gynäkologe für die Frau ist, ist der Androloge für den Mann: er behandelt Fruchtbarkeitsstörungen, erektile Dysfunktionen, Ejakulations- und Kohabitationsprobleme, hormonelle Störungen, Gynäkomastie, sexuell übertragbare Krankheiten und berät bei Fragen zu Verhütung und Seneszenz.

Der Begriff der Andrologie leitet sich von den griechischen Begriffen andros (Mann) und logos (Lehre) ab. Wörtlich übersetzt bezeichnet die Andrologie also die Lehre vom Mann.

Was zeichnet die Arbeit als Androloge aus?

Bei Andrologen handelt es sich um Fachärzte für Urologie, Haut- und Geschlechtskrankheiten oder Internisten mit Schwerpunkt auf Endokrinologie und Diabetologie, die die Zusatzbezeichnung Andrologie erworben haben.

Die Andrologie ist ein Teilbereich der Urologie und befasst sich speziell mit den männlichen Fortpflanzungsorganen und ihren Störungen. Während sich die Urologie dem gesamten harnableitenden System von Männern und Frauen widmet, konzentriert sich die Andrologie auf den männlichen Harntrakt und die Geschlechtsorgane.

Andrologen haben sich einem sensiblen medizinischen Fachbereich verschrieben und betreuen Patienten, die zum Beispiel unter Erektions- oder Fruchtbarkeitsstörungen leiden. Der Beruf ist sehr patientennah und erfordert viel Einfühlungsvermögen und Feingefühl.

Worin liegen die Aufgaben eines Andrologen?

Andrologen werden zum Beispiel von Patienten besucht, die unter Problemen mit Unfruchtbarkeit leiden. Ursachen dafür finden sich in einer niedrigen Spermienzahl (Oligozoospermie), in der schlechten Beweglichkeit der Spermien (Asthenozoospermie), in einer abnormalen Morphologie oder hormonellen Störungen wie Testosteronmangel. Als mögliche Behandlungsmöglichkeiten kommen Hormontherapien, operative Eingriffe und assistierte Reproduktionstechniken wie die In-vitro-Fertilisation (IVF) in Frage.

Zudem sind Andrologen Ansprechpartner bei sexuellen Funktionsstörungen. Sie behandeln Erektionsstörungen (Impotenz), Libidoverlust, Ejaculatio praecox (vorzeitiger Samenerguss), verzögerte Ejakulation mit medikamentösen Therapien, hormonellen Behandlungen oder psychosexueller Beratung.

Andrologen kümmern sich um Erkrankungen der Geschlechtsorgane wie Hodenfunktionsstörungen, Krampfadern im Hodenbereich (Varikozele), Hodentumore oder Prostataleiden (z. B. gutartige Prostatavergrößerung oder Prostatakrebs). Sie verschreiben entweder Medikamente oder stellen die Indikation eines chirurgischen Eingriffs.

Als Androloge behandelt man zudem angeborene Fehlbildungen der Geschlechtsorgane und Entwicklungsstörungen. Man nimmt zum Beispiel operative Korrekturen bei Hodenhochständen vor und unterstützt die vollständige Entwicklung der Geschlechtsorgane mit Hormontherapien.

Auch hormonelle Ungleichgewichte fallen ins Fachgebiet der Andrologie. Mithilfe von Bluttests bestimmen Andrologen die Werte von Testosteron, Östrogen oder SHBG (Sexualhormon-bindendes Globulin) und besprechen mit ihren Patienten Behandlungsmöglichkeiten wie Testosteronersatztherapie, Hormonblocker oder Lebensstiländerungen.

In der Tat gehören Testosteronprobleme zu den häufigsten Problemen bei Männern jungen oder mittleren Alters. Ist das Testosteronlevel zu niedrig, treten schnell Symptome wie verminderte Libido, erektile Dysfunktionen, Energielosigkeit, verminderte Körperbehaarung, Muskelschwund, Reizbarkeit, Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, erhöhtes Körperfett, Depressionen, oder sogar Knochenbrüchigkeit auf.

Wo arbeiten Andrologen?

Im Jahr 2023 zählte die Bundesärztekammer im Rahmen ihrer Ärztestatistik 428.474 berufstätige Ärzte, darunter 1.477 Fachärzte mit der Zusatzbezeichnung Andrologie. Sie arbeiten:

  • Ambulant: 1.033 unter ihnen sind ambulant tätig, 883 haben sich in eigener Praxis niedergelassen. Viele Andrologen sind von Haus aus Urologen und arbeiten in urologischen Fachpraxen. Auch Dermatologen entscheiden sich für die Zusatzweiterbildung, da viele dermatologische Erkrankungen auch andrologische Aspekte haben (z. B. sexuell übertragbare Infektionen). Zudem gibt es spezialisierte Zentren für Männergesundheit wie das Männer-Gesundheitszentrum MGZ in Berlin, das sich ausschließlich auf typische Erkrankungen und Sexualmedizin bei Männern konzentriert.

  • Stationär: 387 Andrologen arbeiten in urologischen Klinikabteilungen, in denen komplexe Fälle behandelt und Operationen wie Hodentumorentfernungen oder Vasektomien durchgeführt werden. Zudem haben neben Urologen und Dermatologen auch Internisten mit dem Schwerpunkt Endokrinologie und Diabetologie die Zusatzweiterbildung erworben, von denen ca. die Hälfte stationär arbeitet.

Die Endokrinologie ist spezialisiert auf die Diagnose und Behandlung von Störungen der hormonproduzierenden Drüsen, wie zum Beispiel der Schilddrüse, Nebennieren oder der Hypophyse. Viele hormonelle Störungen, die in den Zuständigkeitsbereich der Endokrinologie fallen, können sich auf die männliche Fruchtbarkeit und Sexualfunktion auswirken. Zum Beispiel können eine Schilddrüsenüberfunktion oder -unterfunktion, Diabetes oder andere hormonelle Ungleichgewichte die Samenqualität, die Erektionsfähigkeit oder andere Aspekte der männlichen Sexualfunktion beeinträchtigen.

Wie wird man Androloge?

Die Weiterbildung zum Andrologen ist eine Zusatzweiterbildung – Man kann sich zum Andrologen weiterbilden, wenn man ein abgeschlossenes Humanmedizinstudium inklusive Approbation als Arzt und eine abgeschlossene Facharztausbildung in der Urologie, eine Facharztanerkennung für Haut- und Geschlechtskrankheiten oder eine Facharztanerkennung in der Inneren Medizin und Endokrinologie und Diabetologie nachweisen kann. Die exakten Weiterbildungsregelungen variieren je nach Bundesland und müssen gegebenenfalls bei der zuständigen Landesärztekammer erfragt werden.

Gemäß der Weiterbildungsordnung der Ärztekammer Nordrhein umfasst die Weiterbildung 12 Monate Andrologie unter Befugnis an Weiterbildungsstätten. Sie kann in Weiterbildungsstätten absolviert werden, die von der jeweiligen Ärztekammer befugt sind. Dazu zählen hauptsächlich Universitätskliniken und Fachpraxen für Urologie.

Auf den Webseiten der Landesärztekammern findet man Suchportale, die zur Weiterbildung befugte Krankenhäuser und Praxen anzeigen.

Welche Fortbildungen und Spezialisierungen gibt es?

Im Januar 2004 wurde im Rahmen des GKV-Modernisierungsgesetzes festgelegt, dass sich Fachärzte stetig fortbilden müssen, um ihre Facharztanerkennung und Zusatzbezeichnungen behalten zu dürfen. Innerhalb von 5 Jahren sind 250 CME-Punkte (CME = Continuing Medical Education) zu sammeln: Für den Besuch von Vorträgen und Diskussionen erhält man beispielsweise einen Punkt, mehrtägige Kongresse bringen drei Punkte. Zehn Punkte kann man pro Jahr ohne Nachweise für das Selbststudium mittels Fachliteratur angerechnet bekommen.

Das Fachgebiet der Andrologie ist vielseitig und ermöglicht eine Spezialisierung in folgenden Bereichen:

  • Hormonelle Störungen bei Männern: Zum Beispiel Diagnostik und Therapie von Testosteronmangel (Hypogonadismus)
  • Reproduktionsmedizin und Fruchtbarkeit: Behandlung von männlicher Unfruchtbarkeit, assistierte Reproduktionstechniken (z. B. IVF, ICSI) sowie Spermiengewinnung und -aufbereitung
  • Erektile Dysfunktion und Sexualstörungen: Diagnostik und Therapie von Erektionsstörungen, Libidoverlust oder vorzeitiger Ejakulation
  • Prostatale Erkrankungen: Zum Beispiel Prostatavergrößerung (BPH), Prostatakrebs und Entzündungen
  • Chirurgische Verfahren: Zum Beispiel Operationen an Hoden, Nebenhoden, Samenleiter, Prostata mit minimal-invasiven Techniken und neuen operativen Methoden
  • Regenerative Medizin und Zelltherapien: Einsatz von Stammzellen bei Hodenschäden oder Impotenz sowie innovative Therapien zur Geweberegeneration
  • Onkologische Andrologie: Früherkennung, Behandlung und Nachsorge bei Hodenkrebs, Prostatakrebs
  • Psychosoziale Aspekte der männlichen Gesundheit: Beratung bei sexuellen Problemen, Partnerschaftsfragen, psychischer Belastung
  • Genetik und molekulare Diagnostik: Erkennung genetischer Ursachen für Unfruchtbarkeit oder hormonelle Störungen
  • Prävention und Gesundheitsförderung: Aufklärung über Lebensstilfaktoren und Risikofaktoren für Erkrankungen

Die Deutsche Fachgesellschaft für Andrologie e.V. (DGA) organisiert regelmäßig Veranstaltungen und Jahrestagungen, die man besuchen kann, um auf dem neusten Stand des Wissens zu bleiben. Für das Selbststudium eignet sich die wissenschaftliche Fachzeitschrift Die Andrologie.

Wie viel verdient ein Androloge?

Das konkrete Gehalt eines Andrologen ist davon abhängig, wo er arbeitet und wie viel Erfahrung er vorweisen kann. Der Tarifvertrag für Ärzte in kommunalen Krankenhäusern (TV-Ärzte/VKA) und der Tarifvertrag für Ärzte in Universitätskliniken (TV-Ärzte TdL) ähneln sich in ihren Angaben, in Universitätskliniken fällt die monatliche Vergütung etwas höher aus. Im ersten Jahr der Facharztausbildung verdient man in einer Uniklinik ein Einstiegsgehalt von 5.626,91 Euro brutto monatlich, das mit jedem Jahr Erfahrung um eine Stufe steigt.

Tarifverträge für Krankenhäuser machen keinen Unterschied in Bezug auf Facharztausbildungen oder Spezialisierungen, sodass die meisten stationär angestellten Fachärzte den gleichen Satz verdienen. Lediglich die hierarchische Ebene – Assistenzarzt, Facharzt, Chefarzt oder Oberarzt – sowie die Berufserfahrung haben Einfluss auf die Höhe des Einkommens. Ist man als Facharzt in einer Uniklinik angestellt, verdient man im ersten Jahr 7.426,63 Euro brutto monatlich, nach 9 Jahren Berufserfahrung beläuft sich das Gehalt auf 8.903,30 Euro. Mit Schichtarbeit kann man seinen monatlichen Verdienst zusätzlich anheben.

Im ambulanten Bereich unterscheiden sich die Einnahmen je nach Facharztbereich stark. Zudem unterliegen ambulante Praxen keinem Tarifvertrag und verfügen somit über einen gewissen Verhandlungsspielraum. Einige Praxisinhaber bieten angestellten Ärzten eine lukrative Umsatzbeteiligung an. Dafür ist der Gewinn einer privaten Praxis von Schwankungen geprägt und von diversen Faktoren wie Praxisstandort, Patientenanzahl, Vergütungsform der Behandlungen (gesetzlich oder privat versicherte Patienten), Anzahl der IGeL-Leistungen (individuelle Gesundheitsleistungen) sowie der allgemeinen Effizienz der Praxis abhängig.

Ob in eigener Praxis niedergelassen oder in einer Gemeinschaftspraxis angestellt – mit einer Zusatz-Weiterbildung kann man zusätzliche abrechnungsfähige Leistungen anbieten und spricht eine größere Patientengruppe an.

Welche Zukunftsperspektiven hat die Andrologie?

Die Gesellschaft öffnet sich zunehmend für Themen wie Sexualität, Fruchtbarkeit und hormonelle Gesundheit. Das zeigt sich an der steigenden Anzahl von Präventionsprogrammen und Aufklärungskampagnen. Demnach entscheiden sich immer mehr Vertreter des männlichen Geschlechts, Probleme in Bezug auf Sexualität und Fertilität mit einem Andrologen zu besprechen. Zudem wird die Bevölkerung immer älter und mit dem Älterwerden sinkt bei Männern oft die Produktion von Testosteron, was zu Symptomen wie Energieverlust, Libidoverlust, Erektionsstörungen und Muskelabbau führen kann. Es treten häufiger Erkrankungen wie Prostatavergrößerungen, erektile Dysfunktionen oder hormonelle Störungen auf, die eine andrologische Behandlung erfordern. Die Nachfrage ist also groß und die Karrierechancen positiv.

Zudem geht die Entwicklung hin zur personalisierten Medizin. Mithilfe von genetischen Analysen und molekularer Diagnostik können Behandlungen immer individueller auf den Patienten abgestimmt werden. Ziel ist eine effektivere Therapie bei hormonellen Störungen, Unfruchtbarkeit und Sexualstörungen.

Darüber hinaus gibt es Fortschritte in der Reproduktionsmedizin. Verbesserte Techniken wie die Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) ermöglichen Paaren mit eingeschränkter Fruchtbarkeit des Mannes bessere Chancen auf eine Schwangerschaft.

Für die Behandlung von Hodenschäden oder -funktionsstörungen sollen zukünftig Stammzelltherapien und regenerative Verfahren eingesetzt werden, um das geschädigte Gewebe zu reparieren, die Spermienproduktion zu fördern und die hormonelle Funktion wiederherzustellen.

Wie in den meisten anderen Fachbereichen geht auch in der Andrologie der Trend hin zur interdisziplinären Kollaboration. Für eine ganzheitlichere und individuellere Behandlung wird die Bedeutung der Zusammenarbeit mit Endokrinologen, Psychologen, Urologen und Reproduktionsmedizinern unterstrichen.

Fazit – Lohnt sich der Weg zum Andrologen?

Der Weg zum Urologen kann sich lohnen. Wenn man das nötige Feingefühl und ein Interesse für die männliche Sexualität mitbringt, kann die Zusatzweiterbildung eine Bereicherung sein. Sie nimmt nur ein Jahr in Anspruch und erweitert das Kompetenzspektrum eines Urologen, Dermatologen oder Endokrinologen in den Bereichen Sexualmedizin, Unfruchtbarkeit und Hormonstörungen. Der Erwerb der Zusatzbezeichnung eröffnet die Möglichkeit, zusätzlich zur regulären Facharztpraxis andrologische Leistungen anzubieten und Paaren auf dem Weg zu einem erfüllenden Liebes- und sogar Familienleben zu begleiten.

FAQs

Was macht ein Androloge?

Fachärzte für Andrologie haben aufbauend auf ihrer Facharztausbildung eine Zusatzweiterbildung in der Andrologie abgeschlossen und sind auf die männlichen Fortpflanzungsorgane spezialisiert. Was der Gynäkologe für die Frau ist, ist der Androloge für den Mann: er behandelt Fruchtbarkeitsstörungen, erektile Dysfunktionen, Ejakulations- und Kohabitationsprobleme, hormonelle Störungen, Gynäkomastie, sexuell übertragbare Krankheiten und berät bei Fragen zu Verhütung und Seneszenz.

Wie wird man Androloge?

Die Weiterbildung zum Andrologen ist eine Zusatzweiterbildung – Man kann sich zum Andrologen weiterbilden, wenn man ein abgeschlossenes Humanmedizinstudium inklusive Approbation als Arzt und eine abgeschlossene Facharztausbildung in der Urologie, in Haut- und Geschlechtskrankheiten oder eine Facharztanerkennung als Internist mit Schwerpunkt Endokrinologie und Diabetologie nachweisen kann. Gemäß der Weiterbildungsordnung der Ärztekammer Nordrhein umfasst die Weiterbildung 12 Monate. Sie kann in Weiterbildungsstätten absolviert werden, die von der jeweiligen Ärztekammer befugt sind, dazu zählen hauptsächlich Universitätskliniken und Fachpraxen für Urologie.

Wie viel verdient ein Androloge?

Im ersten Jahr der Facharztausbildung verdient man in einer Uniklinik ein Einstiegsgehalt von 5.626,91 Euro brutto monatlich, das mit jedem Jahr Erfahrung um eine Stufe steigt. Nach Abschluss der Ausbildung erhält man zu Beginn 7.426,63 Euro brutto monatlich, nach 9 Jahren Berufserfahrung beläuft sich das Gehalt auf 8.903,30 Euro. Der Verdienst im ambulanten Bereich ist je nach Facharztbereich unterschiedlich. Generell gilt: Ob in eigener Praxis niedergelassen oder in einer Gemeinschaftspraxis angestellt – mit einer Zusatz-Weiterbildung kann man zusätzliche abrechnungsfähige Leistungen anbieten und spricht eine größere Patientengruppe an.

Wie lange dauert die Ausbildung zum Andrologen?

Die Zusatzweiterbildung im Bereich Andrologie nimmt im Durchschnitt etwa 1 Jahr in Anspruch.

Über die Autorin

Julia Tech

Julia Tech hat Mehrsprachige Kommunikation mit dem Schwerpunkt Translation an der TH Köln studiert und 6 Monate davon an der Université Aix-Marseille im Süden Frankreichs verbracht. Französisch ist ihre Herzenssprache, aber auch im Deutschen ist sie sehr sprachgewandt. Neben ihrem feinen Gespür für zwischenmenschliche Kommunikation interessiert sie sich für Psychologie, Philosophie und Tauchen.

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