Einige Allgemeinmediziner, Internisten, HNO-Ärzte oder auch Dermatologen haben ergänzend zu ihrer Facharztausbildung eine Zusatzweiterbildung in der Allergologie absolviert. Diese umfasst die Vorbeugung, Erkennung und Behandlung von Erkrankungen bestimmter Organsysteme, die durch Allergene und Pseudoallergene (nicht immunologisch bedingte Reaktion, keine Antikörperbildung) ausgelöst werden.
Was zeichnet die Arbeit als Allergologe aus?
Allergologen beschäftigen sich mit fehlgeleiteten Immunreaktionen auf eigentlich harmlose Stoffe, die bei Patienten unterschiedliche Beschwerdebilder verursachen können. Man könnte sie als die Detektive unter den Ärzten beschreiben, denn herauszufinden, gegen welchen Stoff genau das Immunsystem rebelliert, kann mit der Suche nach der Nadel im Heuhaufen verglichen werden.
Allergologen sind Teamworker, die Arbeit mit anderen Fachärzten wie Dermatologen, Pneumologen, HNO-Ärzten, Immunologen oder Umweltmedizinern ist wichtig, um eine umfassende Diagnose und Behandlung gewährleisten zu können. Nach Absprache mit den Kollegen entwickeln die Allergie-Profis maßgeschneiderte Behandlungspläne, die von Allergenvermeidung über medikamentöse Therapien bis hin zu Immuntherapien wie zum Beispiel Hyposensibilisierungen reichen.
Worin liegen die Aufgaben eines Allergologen?
Auf der Suche nach den Auslösern der allergischen Reaktionen stehen Allergologen diverse Tests zur Verfügung. Dazu gehört zum Beispiel der Pricktest, bei dem der Unterarm mit einem Stift in mehrere Abschnitte unterteilt wird und verschiedene Allergenlösungen auf die unterschiedlichen Felder getröpfelt werden. Anschließend wird die Haut an diesen Stellen mit einer Lanzette angepiekst. Nach ungefähr 15 Minuten sind die allergischen Reaktionen auf der Haut ablesbar.
Beim sogenannten Epikutantest (Läppchentest) wird ein Pflaster mit einer Vielzahl von Allergenen auf den Rücken aufgeklebt. Für diesen Test muss der Patient mehrmals in die Praxis kommen. Beim ersten Besuch wird das Pflaster aufgeklebt, nach 48 Stunden gibt es eine Erstablesung, die Zweitablesung erfolgt nach 72 Stunden. Mit diesem Langzeit-Test können Kontaktallergien gegen Kosmetika, Konservierungsstoffe oder Pflegeprodukte festgestellt werden. Im Falle von negativen Ergebnissen gibt es die Möglichkeit, die Allergene im Rahmen eines Intrakutantest (Intradermaler Test) direkt in die Haut zu injizieren, um auch minimale Reaktionen erkennen zu können.
Mithilfe von Provokationstests wird das vermutete Allergen in kontrollierter Umgebung direkt in Nase, Auge oder Lunge appliziert oder oral verabreicht, damit vermutete Diagnosen bestätigt oder widersprüchliche Testergebnisse aufgeklärt werden können.
In manchen Fällen entnimmt der Allergologe Blutproben, um das Vorhandensein spezifischer Antikörper gegen bestimmte Allergene nachzuweisen.
Allergologen behandeln häufig folgende Erkrankungen:
- Heuschnupfen (allergische Rhinitis)
- Allergisches Asthma bronchiale
- Pollen-, Hausstaubmilben- oder Tierhaarallergien
- Nahrungsmittelallergien, die von leichten Hautreaktionen bis zu schweren anaphylaktischen Reaktionen reichen können
- Kontaktallergien, die sich über Hautreaktionen bei Kontakt mit allergenen Substanzen wie Nickel, Duftstoffen oder Konservierungsstoffen zeigen
- Neurodermitis – eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die häufig mit anderen genetisch bedingten Erkrankungen wie Heuschnupfen oder Asthma verbunden ist
- Urtikaria (Nesselsucht), die sich durch plötzliche Quaddelbildung auf der Haut zeigt
- Insektengiftallergien – Reaktionen auf Bienen-, Wespen- oder Hornissenstiche, die im schlimmsten Fall zu lebensbedrohlichen Anaphylaxien führen können
- Berufsbedingte Allergien, die durch berufliche Exposition gegenüber Chemikalien, Staub oder anderen Allergenquellen ausgelöst wurden
Wo arbeiten Allergologen?
Im Jahr 2024 zählte die Bundesärztekammer im Rahmen ihrer Ärztestatistik 10.228 Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Allergologie, 6.900 von ihnen waren berufstätig. Der größte Teil der Allergologen (5.102) arbeitet im ambulanten Bereich, 3.953 unter ihnen niedergelassen. 1.212 Allergologen waren 2024 in einer Klinik angestellt.
Voraussetzung für die Zusatzweiterbildung ist der Besitz einer Facharztanerkennung in einem der folgenden Bereiche: Allgemeinmedizin, Arbeitsmedizin, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Haut- und Geschlechtskrankheiten, Innere Medizin oder Kinder- und Jugendmedizin. Es sind vor allem HNO-Ärzte und Allgemeinmediziner, die die Zusatzbezeichnung erworben haben und in ihrer Praxis zusätzlich Tests und Behandlungen bei Allergien anbieten.
Wie wird man Allergologe?
Mit einem bestandenen Humanmedizinstudium inklusive Approbation als Arzt und einer abgeschlossenen Facharztausbildung in einem der oben genannten medizinischen Fachgebiete ist man qualifiziert für die Zusatzweiterbildung zum Allergologen. Die Weiterbildungsinhalte orientieren sich daran, aus welchem Fachbereich man stammt und welches Know-How man bereits mitbringt. Abgeschlossen wird die Zusatzweiterbildung mit einer Prüfung.
In der Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer (WBO) sind alle zu erwerbenden Kompetenzen festgehalten. Die Lernerfolge müssen im elektronischen Ausbildungs-Logbuch dokumentiert werden. Seit 2018 ist für die Zusatzweiterbildung keine Mindestweiterbildungszeit mehr vorgeschrieben. Durchschnittlich nimmt der Erwerb aller in der WBO vorgeschriebenen Weiterbildungsinhalte 18 Monate in Anspruch. Die meisten Fachärzte machen die Ausbildung jedoch berufsbegleitend in Teilzeit, wodurch sich die Ausbildungszeit natürlich verlängert. Die exakten Weiterbildungsregelungen können je nach Bundesland variieren.
Auf den Webseiten der Landesärztekammern findet man Suchportale, die zur Weiterbildung befugte Krankenhäuser und Praxen anzeigen.
Wie viel verdient ein Allergologe?
Das konkrete Gehalt eines Facharztes mit der Zusatzbezeichnung Allergologie ist davon abhängig, wo er arbeitet und wie viel Erfahrung er vorweisen kann. Der Tarifvertrag für Ärzte in kommunalen Krankenhäusern (TV-Ärzte/VKA) und der Tarifvertrag für Ärzte in Universitätskliniken (TV-Ärzte TdL) ähneln sich in ihren Angaben, in Universitätskliniken fällt die monatliche Vergütung etwas höher aus. Im ersten Jahr der Facharztausbildung verdient man in einer Uniklinik ein Einstiegsgehalt von 5.626,91 Euro brutto monatlich, das mit jedem Jahr Erfahrung um eine Stufe steigt.
Tarifverträge für Krankenhäuser machen keinen Unterschied in Bezug auf Facharztausbildungen oder Spezialisierungen, sodass die meisten stationär angestellten Fachärzte den gleichen Satz verdienen. Lediglich die hierarchische Ebene – Assistenzarzt, Facharzt, Chefarzt oder Oberarzt – sowie die Berufserfahrung haben Einfluss auf die Höhe des Einkommens. Ist man als Facharzt in einer Uniklinik angestellt, verdient man im ersten Jahr 7.426,63 Euro brutto monatlich, nach 9 Jahren Berufserfahrung beläuft sich das Gehalt auf 8.903,30 Euro. Mit Schichtarbeit kann man seinen monatlichen Verdienst zusätzlich anheben.
Im ambulanten Bereich unterscheiden sich die Einnahmen je nach Facharztbereich stark. Zudem unterliegen ambulante Praxen keinem Tarifvertrag und verfügen somit über einen gewissen Verhandlungsspielraum. Einige Praxisinhaber bieten angestellten Ärzten eine lukrative Umsatzbeteiligung an. Dafür ist der Gewinn einer privaten Praxis von Schwankungen geprägt und von diversen Faktoren wie Praxisstandort, Patientenanzahl, Vergütungsform der Behandlungen (gesetzlich oder privat versicherte Patienten), Anzahl der IGeL-Leistungen (individuelle Gesundheitsleistungen) sowie der allgemeinen Effizienz der Praxis abhängig.
Ob in eigener Praxis niedergelassen oder in einer Gemeinschaftspraxis angestellt – mit einer Zusatz-Weiterbildung kann man zusätzliche abrechnungsfähige Leistungen anbieten und spricht eine größere Patientengruppe an.
Welche Zukunftsperspektiven hat die Allergologie?
Die Zukunftsperspektiven der Allergologe sind vielversprechend. Die Anzahl der Allergiker steigt stetig. Aufgrund dieses zunehmenden Bedarfs an allergologischer Versorgung ist es wahrscheinlich, dass die Krankenkassen in Zukunft mehr Leistungen für Allergiker übernehmen und entsprechende Behandlungen stärker fördern werden.
In der Allergologie kommen zunehmend Biologika zum Einsatz, das sind Medikamente, die auf besonderen Molekülen im Körper basieren (sogenannte monoklonale Antikörper), ein Beispiel ist Omalizumab. Diese Medikamente können bei schweren Krankheiten wie Asthma oder Hautproblemen helfen, wenn andere Behandlungen nicht ausreichen. Zudem werden in der Forschung aktuell DNA- und mRNA-basierte Ansätze entwickelt, die das Ziel haben, neue Impfstoffe und Therapien gegen Allergene zu schaffen. Diese Innovationen versprechen eine noch gezieltere und effektivere Behandlung von Allergien in Zukunft.
Wie alle anderen medizinischen Fachgebiete wird auch die Allergologie zunehmend von digitalen Technologien wie der Künstlichen Intelligenz (KI) und der Telemedizin unterstützt. Die KI hilft dabei, Krankengeschichten übersichtlich darzustellen und medizinisches Wissen zu nutzen, damit Behandlungsentscheidungen genauer und einfacher getroffen werden können. Telemedizin-Plattformen wie Doctolib haben die Terminbuchung digitalisiert und ermöglichen ortsungebundene Besprechungen der Befunde via Online-Meeting, was sowohl Ärzten als auch Patienten zugutekommt.
Fazit – Lohnt sich der Weg zum Allergologen?
Die Zusatzweiterbildung zum Allergologen nimmt berufsbegleitend etwa 2 Jahre in Anspruch. Sie ermöglicht es Ärzten aus ausgewählten Fachgebieten wie der Allgemeinmedizin, der HNO-Heilkunde oder der Arbeitsmedizin zusätzliche Behandlungen und Therapien für allergische Patienten anzubieten, was den Patientenkreis vergrößert und sich positiv auf das Gehalt auswirkt. Die Allergologie ist ein wachsendes Fachgebiet. Für Fachärzte, die Interesse am Fachbereich haben und Menschen mit allergischen Erkrankungen das Leben erleichtern wollen, ist die Zusatzweiterbildung die richtige Entscheidung.
FAQs
Was macht ein Allergologe?
Einige Fachärzte wie Allgemeinmediziner, Internisten, HNO-Ärzte oder auch Dermatologen haben eine Zusatzweiterbildung in der Allergologie absolviert. Sie beschäftigen sich mit Allergien: Fehlgeleitete Immunreaktionen auf eigentlich harmlose Stoffe, die bei Patienten Beschwerdebilder verursachen. Allergologen führen Tests durch, um die Allergene zu identifizieren, die für allergische Reaktionen verantwortlich sind und entwerfen maßgeschneiderte Behandlungspläne, die von Allergenvermeidung über medikamentöse Therapien bis hin zu Immuntherapien wie Hyposensibilisierungen reichen.
Wie wird man Allergologe?
Um Allergologe zu werden, muss man ein Humanmedizinstudium inklusive Approbation als Arzt und eine Facharztanerkennung in Allgemeinmedizin, Arbeitsmedizin, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Haut- und Geschlechtskrankheiten, Innere Medizin oder Kinder- und Jugendmedizin nachweisen können. Danach kann man eine Zusatzweiterbildung in der Allergologie anschließen. Die Weiterbildungsinhalte sind in der Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer festgehalten. Abgeschlossen wird die Zusatzweiterbildung mit einer Prüfung. Auf den Webseiten der Landesärztekammern findet man Suchportale, um sich zur Weiterbildung befugte Krankenhäuser und Praxen anzeigen zu lassen.
Wie viel verdient ein Allergologe?
Im ersten Jahr der Facharztausbildung verdient man in einer Uniklinik ein Einstiegsgehalt von 5.626,91 Euro brutto monatlich, das mit jedem Jahr Erfahrung um eine Stufe steigt. Nach Abschluss der Ausbildung erhält man zu Beginn 7.426,63 Euro brutto monatlich, nach 9 Jahren Berufserfahrung beläuft sich das Gehalt auf 8.903,30 Euro. Der Verdienst im ambulanten Bereich ist je nach Facharztbereich unterschiedlich. Generell gilt: Ob in eigener Praxis niedergelassen oder in einer Gemeinschaftspraxis angestellt – mit einer Zusatz-Weiterbildung kann man zusätzliche abrechnungsfähige Leistungen anbieten und spricht eine größere Patientengruppe an.
Wie lange dauert die Weiterbildung zum Allergologen?
Die Zusatzweiterbildung zum Allergologen nimmt in Vollzeit etwa 1,5 Jahre in Anspruch. Die meisten Fachärzte machen die Weiterbildung jedoch berufsbegleitend, was länger dauert.

Julia Tech
Julia Tech hat Mehrsprachige Kommunikation mit dem Schwerpunkt Translation an der TH Köln studiert und 6 Monate davon an der Université Aix-Marseille im Süden Frankreichs verbracht. Französisch ist ihre Herzenssprache, aber auch im Deutschen ist sie sehr sprachgewandt. Neben ihrem feinen Gespür für zwischenmenschliche Kommunikation interessiert sie sich für Psychologie, Philosophie und Tauchen.
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