Die MediMeisterschaften – kurz Medis – sind eine Sportveranstaltung, welche jeweils in Deutschland stattfindet. Europäische Medizinstudierende aus den Bereichen Human-, Zahn- und Tiermedizin messen sich während mehrerer Tage in sportlichen und musikalischen Wettkämpfen. Das Festival findet jeweils im Juni in Obermehler im Landkreis Thüringen statt. Unter dem Motto #NURLiebe wird gespielt, getanzt, gekickt, geworfen, gesungen, gelacht und gefeiert.
Geschichte der MediMeisterschaften
Zum ersten Mal fanden die MediMeisterschaften – kurz Medis – im Jahr 2002 in Bochum statt. Bereits 36 Mannschaften aus 22 deutschen Fakultäten nahmen an dem Anlass teil, der damals nur aus einem Fußballturnier bestand. Als Schlafstätte dienten mehrere Turnhallen.
Zwei Jahre später – an den Medis 2004 – spielten die ersten Frauen-Teams gegeneinander. Das Turnier wurde im selben Jahr auch für andere Unis aus ganz Deutschland geöffnet. In den folgenden Jahren entwickelten sich die MediMeisterschaften immer mehr zu dem Event, wie er heute stattfindet. Erste Videos mit eigenen Songs wurden von Universitäten gedreht, welche sich als Standort bewarben. Die Fans reisten ausgefallenen Mottos folgend mit bunten Verkleidungen und Spruchbannern an. 2016 stellte die Universität Hamburg die erste Bühne, welche aus einem Baugerüst bestand.
Anfangs fand das Festival an jährlich wechselnden Standorten statt. 2014 wurden die Medis erstmals in Obermehler veranstaltet. Nach weiteren Ortswechseln finden die Medis seit 2022 offiziell beim Flugplatz Obermehler-Schlotheim in Thüringen statt. Der Flugplatz liegt rund 30 Kilometer von einem der geografischen Mittelpunkte Deutschlands entfernt, was die Anreisewege zwischen den Universitäten fair verteilt.
Mit dem Festgelände wuchsen auch die Teilnehmerzahlen stetig. Waren es 2013 noch rund 5.000 Personen, hat sich die Zahl in den nächsten zehn Jahren vervielfacht. 2024 besuchten rund 30.000 Studierende aus ganz Europa die MediMeisterschaften.
Sport an den MediMeisterschaften
Traditionell bildet Fußball den Kern der Medis. Mit mehr als 180 Mannschaften, welche aus über 70 Universitäten anreisen, veranstalten die MediMeisterschaften das größte Amateur-Fußballturnier Europas. Es gibt jeweils ein Frauen- und ein Herrenturnier. Die Siegerinnen und Sieger des Fußballwettbewerbs sind die sogenannten «Medimeister».
Im Laufe der Jahre kamen weitere Sportarten hinzu, in welchen sich die Medizinstudierenden während der Wettkämpfe messen. Dazu gehören:
- Cheerleading
- Basketball
- Beachvolleyball
- Handball
- Spikeball
Daneben werden Yoga-Sessions und Workouts veranstaltet, die allen Teilnehmenden offenstehen. Auch Trinkspiele wie Flunkyball oder Beerpong finden ihren Platz im Zeitplan. Die Wettkämpfe werden draußen durchgeführt.
Musik an den MediMeisterschaften
Mittlerweile ist auch ein Songwettbewerb fest im Programm der MediMeisterschaften verankert. Dabei treten verschiedene medizinische Fakultäten in einem Wettbewerb gegeneinander an. Im Vorfeld reichen sie ihre Medi-Songs ein und es wird ein Ranking erstellt. Die besten zehn Bands dürfen auf der Hauptbühne, der sogenannten Medistage, performen. Auch Zusammenschlüsse verschiedener Universitäten und Fakultäten werden immer beliebter. Sie können mit sogenannten Bonussongs auftreten. Eine der wichtigsten Auszeichnungen, welche an den MediMeisterschaften vergeben wird, ist der Titel «Bestes Fanvideos». Er wird der Gruppe verliehen, welche den besten Song mit einem dazugehörigen Video produziert hat.
Auf diversen kleineren Bühnen findet ein vielfältiges musikalisches Programm statt. Medizinstudierende aus allen Universitäten treten dort als DJs und Bands auf und unterhalten so das Publikum und die Teilnehmenden.
Nebst den Auszeichnungen für die Sportwettkämpfe gibt es viele weitere Titel zu gewinnen. Darunter sind Ehrungen wie der «Beste Fanwagen», das «Beste Motto», die «Besten Fans», die «Beste Bühne» oder das «Beste Kostüm».
Nachhaltigkeit an den MediMeisterschaften
Zukünftiges Gesundheitspersonal wird sich täglich mit den Folgen der Klimakrise auf die Gesundheit der Menschen beschäftigen müssen. Aus diesem Grund sind Klimaschutz und Nachhaltigkeit ein großes Thema an den Medis. Das Festival bietet die Chance, zu lernen, wie umweltschonend und ressourcensparend gefeiert und gelebt werden kann. Um dieses Ziel zu erreichen, werden unterschiedliche Maßnahmen getroffen.
- Alle Teilnehmenden werden aufgefordert, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen, den Shuttle zu nutzen und Fahrgemeinschaften zu bilden. Viele Universitäten organisieren mittlerweile Fan-Busse für die gemeinsame Anreise.
- Die Essensstände an der Veranstaltung bieten eine breite Auswahl an vegetarischen und veganen Köstlichkeiten an, um für die fleischlose Ernährung zu werben. Umweltschonende sogenannte «Klimateller» werden mit Stickern gekennzeichnet.
- Unter dem Namen #NURPfand sammelt, sortiert und recycelt ein Team die benutzten Pfanddosen. Der Erlös wird an Organisationen wie beispielsweise UNICEF, Stiftung Deutsche Depressionshilfe, die Tafel, Medifonds, Growing Health und Herzergreifend gespendet. Über die Jahre sind durch diese Initiative schon mehr als 75.000 € zusammengekommen.
- Um die Menge an Restmüll zu reduzieren, wurden Recyclinghöfe gegründet und durch die Zusammenarbeit mit einem innovativen Berliner Start-up kann Biomüll getrennt werden. Die Teilnehmenden werden außerdem aufgefordert, so viel wie möglich wiederzuverwerten und den trotzdem anfallenden Müll fachgerecht zu trennen.
- Das Festival verbraucht sehr viel Strom. Um Energie zu sparen, wird mit unterschiedlichen Generatoren und Solarstrom experimentiert. Kreative Ideen für nachhaltige Wege, um erneuerbare Energie zu gewinnen und zu sparen, sind sehr willkommen.
- Die Herstellung von Flaschenwasser verursacht einen hohen CO₂-Ausstoß. Teilnehmende werden ermutigt, eigene Trinkflaschen mitzubringen und diese an Trinkwasserstellen auf dem Gelände nachzufüllen. In den sanitären Anlagen soll sparsam mit dem Wasser umgegangen werden
Auf ihrer Website liefern die MediMeisterschaften viele Hintergrundinformationen zum Umweltschutz am Festival. Außerdem gibt es Tipps für Teilnehmende, welche auch im Privaten umgesetzt werden können.
Die MediMeisterschaften und ihr Honig
Im Rahmen der Bestrebungen zu mehr Nachhaltigkeit am Festival kaufte das Organisationskomitee im Jahr 2018 fünf Bienenvölker. Sie sollen der Region Obermehler, welche das laute und sehr gut besuchte Festival jedes Jahr beherbergt, etwas für ihre Gastfreundschaft zurückgeben. Von den Bienen hängt ein Großteil der Ernährung ab und die Tierchen sind somit ein wunderschönes Geschenk. Sie tragen zur regionalen Landwirtschaft bei und befruchten fleißig die umliegenden Bäume, Pflanzen und Blumen. Gleichzeitig wird mit der Erhaltung der Bienenvölker ein wichtiger Beitrag zum Kampf gegen das Bienensterben geleistet.
Heute sind es sieben Völker, welche im Sommer bis zu 40.000 Bienen einschließen. Natürlich wird nicht alles geerntet und ein Teil der Erzeugnisse bleibt bei den Bienen. Aus dem Ertrag werden verschiedene Produkte wie Honig oder Lippenpflege hergestellt und verkauft.
Ein europäischer Treffpunkt für Medizinstudierende
Die MediMeisterschaften erfreuen sich stetig wachsender Beliebtheit. Was als Fußballturnier zwischen verschiedenen deutschen medizinischen Fakultäten begann, wuchs rasant und es kamen immer neue Sportarten und Veranstaltungen hinzu. Die MediMeisterschaften wurden über die Landesgrenzen hinweg bekannt und ziehen heute Medizinstudierende aus ganz Europa an. Und es scheint, als ob der Höhepunkt noch nicht erreicht wäre: mit jedem Jahr reisen noch mehr Studierende an und machen die Veranstaltung zu einem einzigartigen und lebhaften Treffpunkt.
Es ist ein Festival für Sport und Musik. Aber noch viel mehr stehen die Medis für Zusammenhalt, Fröhlichkeit, Spaß, Nachhaltigkeit und einfach #NURLiebe.

Aline Popp
Aline Popp ist gelernte Buchhändlerin und arbeitet heute als Copywriterin in der Schweiz. Mit einem feinen Gespür für Sprache und Wirkung schreibt sie Texte, die berühren, überzeugen und im Gedächtnis bleiben. Ihre Leidenschaft gilt Themen rund um Bildung, Medizin und internationale Studienwege.
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