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Wie finanziere ich mein Medizinstudium ?

Von Michelle Sobisch8 Min. Lesezeit
Studierende plant Studienfinanzierung – Wie finanziere ich mein Medizinstudium?

Es ist schon lange kein Geheimnis mehr, dass das Medizinstudium mit sehr viel Zeit, Energie und Durchhaltevermögen verbunden ist. Es ist geistig anspruchsvoll und stellt viele Medizinstudenten vor eine existenzielle Frage: Wie soll ich mir das Medizinstudium überhaupt finanzieren?

Kosten im Medizinstudium

Wenn Du Dich für ein Medizinstudium entscheidest, musst Du zunächst einen Überblick über alle anfallenden Kosten verschaffen. Zunächst einmal sind für jedes Semester die Semesterbeiträge an Deiner Universität fällig. Hinzu kommen Lebenshaltungskosten wie Miete, Lebensmittel, Bücher oder Beiträge zur Krankenversicherung. Speziell im Medizinstudium fallen auch eventuelle Ausgaben für Famulaturen, Praktika oder Auslandseinsätze an. Famulaturen stellen einen verpflichtenden Bestandteil des Medizinstudiums dar. Es handelt sich um eine praktische Ausbildung in einer medizinischen Einrichtung, bei der Studierende erste praktische Erfahrungen im Klinikund Praxisalltag sammeln. In der Regel erhalten Medizinstudenten keine Vergütung oder nur eine geringe Aufwandsentschädigung. Dadurch entsteht besonders in dieser Phase des Studiums eine finanzielle Herausforderung für viele Studenten. Aber keine Panik. Natürlich gibt es verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten, die Dich sicher durch das Medizinstudium bringen.

BAföG

Zu den wohl bekanntesten Finanzierungsmöglichkeiten eines Studiums gehört das BAföG. Um BAföG beantragen zu können, musst Du die Deutsche Staatsangehörigkeit besitzen und Dich in einem Erststudium befinden. Ein Zweitstudium oder ein Studiengangswechsel ist nur unter bestimmten Bedingungen förderfähig. Zudem musst Du an einer förderfähigen Hochschule (staatlich oder staatlich anerkannt) eingeschrieben sein. Zusätzlich müssen Leistungsnachweise ab dem fünften Fachsemester im Medizinstudium erbracht werden. Hierbei wird sichergestellt, dass Du Dein Studium ordnungsgemäß betreibst. BAföG ist außerdem elternabhängig, was bedeutet, dass das Einkommen und Vermögen Deiner Eltern geprüft und berücksichtigt wird. Auch Dein Einkommen und Vermögen als Medizinstudent wirkt sich auf die BAföG-Förderung aus. Jedoch gelten Vermögensfreibeträge (ca. 15.000 €, unter 30 Jahre). Um eine entsprechende Förderung geltend zu machen, musst Du zunächst einen Antrag beim Amt für Ausbildungsförderung stellen. BAföG wird in der Regel für zwölf Monate bewilligt. Im Anschluss muss ein neuer Antrag gestellt werden. Nachweise und Unterlagen, wie die Einkommensnachweise der Eltern oder die Studienbescheinigung, müssen ebenfalls eingereicht werden. Da das Medizinstudium ein Langzeitstudium ist, ist eine BAföGFörderung bis zum zwölften Fachsemester möglich. Das Praktische Jahr sowie Famulaturen im Ausland können ebenfalls gefördert werden. Hier gelten jedoch andere Voraussetzungen und höhere Fördersätze. Allgemein kann eine BAföG-Förderung nicht pauschal festgelegt werden. Die individuelle Förderung hängt von mehreren Faktoren ab. Es spielt eine große Rolle, ob Du bei Deinen Eltern lebst oder nicht, wie hoch die Einkünfte Deiner Eltern sind und ob Du selber kranken-und pflegeversichert bist. Wenn Du beispielsweise unter 25 Jahre und familienversichert bist, kannst Du für das Sommersemester 2025 maximal 855 Euro im Monat erhalten. Der BAföG-Höchstsatz liegt aktuell bei 992 Euro im Monat. Der BAföG-Rechner kann Dir dabei helfen, Deine individuelle Förderung besser einzuschätzen. Grundsätzlich handelt es sich beim BAföG um ein zinsloses Darlehen, von dem nur 50 Prozent der Förderung rückzahlungspflichtig sind. Außerdem müssen maximal 10.010 Euro zurückgezahlt werden, auch wenn Du vielleicht mehr BAföG erhalten hast. Fünf Jahre nach Ende der Regelstudienzeit wirst Du vom Bundesverwaltungsamt dazu aufgefordert eine Rückzahlung vorzunehmen. Wer schneller zurückzahlen kann, profitiert außerdem von Ermäßigungen. BAföG bringt aber nicht nur Vorteile mit sich. Es ist elternabhängig und mit einem bürokratischen Aufwand verbunden, da Du viele Formulare, Fristen, Nachweise und jährlich einen neuen Antrag stellen musst. Außerdem muss man später einen Leistungsnachweis erbringen. Wer also im Studium hinterher hängt, riskiert, dass er kein BAföG mehr bekommt.

Stipendien

Stipendien richten sich meistens an Studierende mit guten Noten, engagierte Persönlichkeiten, Menschen mit besonderen Lebenslagen wie einem Migrationshintergrund oder an Studierende mit einem klaren Berufsziel oder Motivation. Es gibt jedoch auch leistungsunabhängige Stipendien. Je nach Stipendium brauchst Du ein Motivationsschreiben, einen Lebenslauf, Zeugnisse, Gutachten von Professoren oder Lehrern sowie Nachweise für Dein Engagement. Meistens kann man sich ein bis zwei Mal im Jahr für ein Stipendium bewerben. Vor allem im Medizinstudium kann das LandarztStipendium für Dich in Betracht kommen, wen Du später auf dem Land arbeiten möchtest. Einige Bundesländer bieten monatlich eine Förderung an und im Gegenzug verpflichtest Du Dich später für mehrere Jahre in einem unterversorgten Gebiet zu arbeiten. Stipendien lohnen sich, bieten eine finanzielle Unterstützung und fordern keine Rückzahlung.

Studienkredite

Wenn BAföG oder Stipendien nicht ausreichen oder Du keine Förderung auf diesem Weg erhältst, können Studienkredite helfen, finanzielle Engpässe im Medizinstudium zu überbrücken. Jedoch sind Studienkredite mit echten Schulden verbunden, die mit Zinsen zurückgezahlt werden müssen. Wer sich ausreichend informiert, vergleicht und realistisch plant, kann einen solchen Kredit sinnvoll während dem Studium nutzen. Idealerweise sollte ein Studienkredit Deine letzte Option und nicht Deine erste Wahl darstellen, wenn es um die Finanzierung Deines Medizinstudiums geht. Ein Studienkredit ist vor allem ohne eine elternabhängige Prüfung möglich, kann unkompliziert bei vielen Anbietern beantragt werden und ist teilweise zinsgünstiger als normale Bankkredite. Jedoch zahlst Du zum Schluss mehr zurück, als Du bekommst und Du bist einem Verschuldungsrisiko ausgesetzt. Besonders bei längerer Studiendauer oder niedrigem Einkommen sollte dieses Risiko so gering wie möglich gehalten werden. Außerdem handelt es sich nicht um eine richtige Förderung. Es ist vielmehr ein echter Kredit verbunden mit einer Rückzahlungspflicht.

Nebenjobs

Neben dem Studium kannst Du Dich außerdem für eine Erwerbstätigkeit entscheiden. Du kannst Dir beispielsweise einen Minijob oder einen Werkstudentenjob im medizinischen oder auch in einem anderen Bereich suchen. Wenn Du den Hauptfokus auf Dein Studium legen möchtest, kannst Du Dir zunächst einmal eine HomeOffice-Stelle suchen und sparst Dir somit schonmal den Weg zu Deiner Arbeitsstelle oder Du kannst am Wochenende auf die Kinder in Deiner Nachbarschaft aufpassen. Wenn Du Dir jedoch zutraust neben Deinem Medizinstudium mehr zu arbeiten, solltest Du Dir zunächst eine Erwerbstätigkeit im medizinischen Bereich suchen. Du erhältst dadurch automatisch einen Anschluss an die Praxis und erhältst spannende Einblicke in die Tätigkeiten der Mediziner. Durch einen solchen Job erhältst Du nicht nur ein geregeltes monatliches Einkommen, sondern erwirbst wichtige Kenntnisse und sammelst wertvolle Erfahrungen, die Dich insbesondere während Deinem Medizinstudium weiterbringen. Außerdem kannst Du so Kontakte pflegen und Dich vernetzen. Es ist definitiv eine Investition für Dich selbst. Hierbei kannst Du mit Deinem Arbeitgeber eine Arbeitszeit vereinbaren, die für Dich realistisch erscheint und mit Deinem Studium vereinbar ist. Als Werkstudent beispielsweise darfst du maximal 20 Stunden pro Woche während des Semesters arbeiten. In den Semesterferien kannst Du Deine wöchentliche Arbeitszeit erhöhen. Achte hierbei auf Einkommensgrenzen bei BAföG, Steuern und bei der Krankenversicherung. Der Werkstudentenstatus bietet viele Vorteile. Es erfordert jedoch eine gute Planung, damit Dein Studium nicht leidet.

Studienfonds

Ein Studienfonds finanziert Dein Studium im voraus und Du zahlst später einkommensabhängig einen Teil Deines Gehalts zurück. Es ist kein fester Kredit, sondern eine Art private Studienbeteiligung. Einen Studienfonds nennt man oft auch “umgekehrter Generationenvertrag” oder “Einkommensabhängiges Finanzierungsmodell”. Je nach Einkommen kann ein Studienfonds am Ende teurer sein als BAföG oder ein Studienkredit. Trotzdem bietet ein Studienfonds eine finanzielle Unterstützung ohne den klassischen Kredit in Anspruch zu nehmen und Du gerätst nicht in einen Schuldenstress.

Spartipps für Medizinstudenten

Um Deine Kosten während des Studiums so gering wie möglich zu halten, solltest Du zunächst einmal Deine Wohnkosten senken, indem Du beispielsweise in einer WG oder in Studentenwohnheimen lebst. Zudem solltest Du auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen. Meistens sind diese Kosten schon mit Deinem Semesterticket gedeckt. Um Dir Wissen anzueignen, benötigst Du auch keine teuren Lehrbücher. Oft kannst Du gebrauchtes Studienmaterial kaufen oder auf kostenlose Lernressourcen zurückgreifen. In Deiner Freizeit solltest Du vielleicht auch verstärkt auf Studentenermäßigungen achten und solche auch wahrnehmen. Somit sparst Du zusätzlich Geld.

Besonderheit im Medizinstudium: Finanzierung im Praktischen Jahr und während

Famulaturen Besondere finanzielle Schwierigkeiten können während dem PJ oder Famulaturen auf Dich zukommen. Nebenjobs während der Famulatur oder dem Praktischem Jahr sind prinzipiell möglich, aber in der Praxis oft schwer umsetzbar. Famulaturen sind kurz, aber sehr intensiv und im PJ arbeitest Du praktisch Vollzeit. Wenn überhaupt, sind kleine Nebenverdienste an Wochenenden oder an den wenigen freien Tagen realistisch. Besser ist es, während dieser Zeit auf Rücklagen, Stipendien oder die PJ-Vergütung zurückzugreifen. Für diesen Teil des Studiums solltest Du Dir im besten Fall ein bisschen Geld zur Seite legen und das Praktische Jahr und die Famulaturen schon frühzeitig im Hinterkopf behalten.

Langfristige Perspektive und Planung

Um das Medizinstudium auch finanziell gut überstehen zu können, lohnt es sich frühzeitig eine gut strukturierte Finanzplanung aufzustellen. Es erfordert vor allem viel Disziplin und man muss lernen Prioritäten richtig setzen zu können. Außerdem solltest Du lernen, Dinge richtig und vor allem realistisch in Deinen Alltag einzuplanen und einzubeziehen. Nur so kannst Du Deinen Plan auch vernünftig umsetzen. Des Weiteren solltest Du unbedingt eine Überschuldung vermeiden. Wenn Du BAföG oder Kredite in Anspruch nimmst, solltest Du Dir von Anfang an eine Rückzahlungsstrategie nach Deinem Medizinstudium überlegen. Mit der richtigen Planung wird Dein Medizinstudium nicht nur finanzierbar, sondern auch selbstbestimmter und erfolgreicher. Es reicht, wenn Du früh beginnst, Dich informierst und die finanziellen Möglichkeiten, die Dir zur Verfügung stehen, nutzt und ausprobierst.

Fazit

Die Finanzierung des Medizinstudiums ist sehr individuell. Oftmals können auch Kombinationen aus verschiedenen Finanzierungsmöglichkeiten möglich und sinnvoll erscheinen. Wichtig ist es, sich rechtzeitig über alle in Frage kommenden Möglichkeiten zu informieren und dann in Ruhe abzuwägen. Anlaufstellen wie das Studierendenwerk oder Beratungsstellen werden Dir gerne helfen. Es gibt viele Wege, ein Medizinstudium zu finanzieren. Wichtig ist, dass du Dir frühzeitig einen Überblick verschaffst, Deine Optionen vergleichst und klug kombinierst, was zu Dir passt. Vielleicht bekommst Du kein BAföG, aber dafür ein Stipendium. Oder Du nutzt einen Studienfonds und arbeitest nebenbei in einer Praxis und sammelst wertvolle Erfahrungen. Du musst kein Vermögen haben, um Arzt zu werden. Was Du brauchst, ist ein klarer Plan, etwas Eigeninitiative und Mut, Hilfe anzunehmen. Wer in seine Zukunft investiert, investiert gleichzeitig in sich selbst.

Über die Autorin

Michelle Sobisch

Michelle Sobisch hat einen Bachelor of Laws im Deutschen und Europäischen Wirtschaftsrecht abgeschlossen und studiert derzeit Rechtswissenschaften an der Universität zu Köln. Sie bringt fundierte juristische Kenntnisse, Organisationstalent und ausgeprägte kommunikative Fähigkeiten mit. Dank ihrer Erfahrung in Kanzleien und ihrer Leidenschaft für sorgfältige Recherche bereitet sie komplexe Inhalte klar und verständlich auf.

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