Dass in Deutschland Ärztemangel herrscht, ist mittlerweile bekannt. Besonders schlecht ist die Versorgungssituation in ländlichen Gebieten. Hier soll die sogenannte Landarztquote Abhilfe schaffen. In vielen Bundesländern bietet sie besonders Bewerbern ohne Einser-Schnitt eine Chance, doch noch an einen Studienplatz zu kommen. Aber sollte man diesen Schritt wirklich gehen? Und wie einfach ist das?
In manchen Regionen zeichnet sich jetzt schon ein alarmierendes Bild: verlassene Praxen, drohende Schließungen ganzer Kliniken und lange Anfahrtswege zum nächsten Facharzt. Das alles wird zunehmend besonders für alte Menschen, die auf Versorgung angewiesen sind, zum Problem. Grund dafür ist nicht nur, dass es junge Leute naturgemäß oft in die Stadt zieht – der Beruf des Landarztes gilt auch als weniger prestigeträchtig. Hinzu kommen hohe Kosten für die Neugründung oder Übernahme einer Praxis. Und: Es ist zu befürchten, dass der Ärztemangel sich durch den demografischen Wandel weiter verschärft.
Die Antwort der Politik auf den Ärztemangel
Dass dieser Entwicklung entgegengewirkt werden muss, liegt auf der Hand. Deshalb versuchen Politik und Kommunen Maßnahmen zu ergreifen, die Medizinabsolventen in ländliche Gebiete locken. Neben finanziellen Anreizen wie Investitionszuschüsse und Stipendien stellt die sogenannte Landarztquote eine wirkungsvolle Maßnahme dar. Das Besondere daran: Hier geht es nicht um nette Gimmicks, sondern um die eine Chance: Ein Platz im Medizinstudium, für den die Noten ansonsten nicht reichen würden – im Gegenzug zur Verpflichtung, nach dem Studium als Landarzt tätig zu werden.
Wie funktioniert die Landarztquote?
Aktuell gibt es die Landarztquote in elf Bundesländern. In Berlin, Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein und Brandenburg wird sie bislang noch nicht angewendet. Je nach Bundesland steht eine bestimmte Anzahl von Medizinstudienplätzen für die Quote zur Verfügung. In Bayern kann man auf einen der 115 Plätze hoffen, während etwa in Rheinland-Pfalz nur 14 Plätze verfügbar sind.
Das Auswahlverfahren liegt in den Händen der Länder und Du ahnst es sicher schon: Die Studienplätze sind begehrt – daher werden auch hier bestimmte Anforderungen gestellt.
Das Verfahren ist in der Regel zweistufig: In einem ersten Schritt wird eine Vorauswahl getroffen, bei der sich die Kriterien stark unterscheiden. Während der Abiturdurchschnitt in Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg keine Rolle spielt, fließt dieser in anderen Bundesländern mit maximal 30 Prozent in die Gesamtbewertung mit ein. Essenzieller Bestandteil ist überall Berufserfahrung, in vielen Ländern werden Punkte für eine abgeschlossene Ausbildung im medizinischen Bereich vergeben. Auch das Ergebnis eines Tests für medizinische Studiengänge (TMS) fließt überall als Bewertungskriterium mit ein. Ein Freiwilligendienst oder ehrenamtliches Engagement kann die Chancen erhöhen. Die Kriterien der einzelnen Bundesländer findest Du in dieser Übersicht. Die Angaben zur Punktvergabe lassen sich auf den Webseiten der jeweiligen Länder nachlesen.
Bringt man es über diese Auswahlkriterien auf genügend Punkte, wartet in fast allen Bundesländern ein persönliches Auswahlgespräch. Dabei stehen meist soziale, kommunikative und Problemlösekompetenzen um Vordergrund. Medizinisches Fachwissen wird nicht vorausgesetzt.
Worauf lässt man sich ein?
Es ist also keinesfalls leicht, über die Landarztquote an einen Studienplatz zu kommen – und wenn man ausgewählt wird, hat man seinen Teil des Deals noch nicht eingelöst. Und dabei geht es um eine handfeste Verpflichtung, die man gut durchdenken sollte:
Vor der Aufnahme des Studiums muss man einen Vertrag unterzeichnen, in dem man sich zu einer Weiterbildung als Facharzt für Allgemeinmedizin bzw. Innere Medizin verpflichtet. Außerdem macht man das Versprechen, nach Abschluss der Ausbildung für mindestens zehn Jahre als Landarzt zu arbeiten, auch rechtlich verbindlich. Dabei kannst Du Dir den Einsatzort nicht frei aussuchen. Damit die Quote ihren Sinn erfüllt, muss dieser in einem unterversorgten Gebiet liegen.
Es sich während des Studiums anders zu überlegen, geht nicht – andernfalls drohen hohe Vertragsstrafen.
Für wen macht die Landarztquote Sinn?
Die Landarztquote bedeutet ein langfristiges Commitment, das man nicht leichtfertig eingehen sollte. Es über die Landarztquote zu versuchen, ist dann sinnvoll, wenn Du sowieso gerne auf dem Land praktizieren willst. Außerdem solltest Du in dem Bundesland bleiben wollen, in dem Du Dich bewirbst – dort wirst Du eingesetzt werden.
Das Auswahlverfahren ähnelt in vielen Bundesländern dem der Zusätzlichen Eignungsquote (ZEQ) und gerade wenn der Abischnitt noch als Kriterium einbezogen wird, auch dem Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH). Wenn Du etwa ein gutes TMS-Ergebnis sowie Berufserfahrung mitbringst, solltest Du Dir gut überlegen, ob die zusätzliche Bewerbung über die Landarztquote wirklich sinnvoll ist.
Ein innovativer Ansatz, der gut überlegt sein sollte
Die Landarztquote setzt auf Berufsethos und Erfahrung anstatt nur auf schulische Leistungen – und sie ist ein guter Ansatz, um dem Ärztemangel auf dem Land entgegenzuwirken. Eine so langfristige Entscheidung sollte aber gründlich durchdacht werden. Gerade in jungen Jahren ändern sich die Lebenspläne noch oft und wenn Du über die Quote einen Studienplatz erhalten hast, ist ein Ausstieg kaum möglich. Wer sich aber voller Überzeugung dafür entscheidet, mit der Landarztquote ins Studium zu starten, leistet einen wertvollen Beitrag mit gesellschaftlichem Mehrwert.

Jana Detscher
Jana studiert derzeit im Masterstudiengang "Theorien und Praktiken professionellen Schreibens" und widmet sich mit großer Leidenschaft dem präzisen und kreativen Umgang mit Sprache. Ob bei der Recherche oder beim zielgruppengerechten Schreiben – Jana bringt fundierte Erfahrung im redaktionellen Arbeiten mit, unter anderem durch Stationen beim Literaturhaus Köln und dem Dokumentationszentrum DOMiD e.V.
Alle Artikel von Jana →



