Medizinstudium in Deutschland

Der EMS Aufnahmetest für das Medizinstudium in der Schweiz

Von Jana Detscher4 Min. Lesezeit
Teilnehmende beim EMS-Aufnahmetest – Der EMS Aufnahmetest für das Medizinstudium in der Schweiz

Den Zürichsee vor der Haustür, nach Feierabend einen Abstecher zum Skifahren oder in den Genfer Künstlervierteln flanieren: Unser kleines Nachbarland hat einiges zu bieten. Kein Wunder, dass die Schweiz ein beliebtes Auswanderungsziel darstellt. Dazu dann auch noch die Möglichkeit, ohne NC Medizin zu studieren – klingt doch nach den besten Voraussetzungen. Aber ist es wirklich so unkompliziert?

Wenn Du schon immer Arzt werden wolltest, aber kein 1,0-Abi in der Tasche hast, hast Du bestimmt schon mal überlegt, ob in anderen Ländern nicht vielleicht trotzdem Chancen bestehen, wie Du Deinen Traum verwirklichen kannst. Und ja, es ist möglich. Aber selten ganz einfach. So auch in der Schweiz: Zwar gibt es keinen NC, dafür aber einen Aufnahmetest, der es in sich hat.

Warum in der Schweiz studieren?

Kuhglocken läuten Dich morgens wach, ein Bergsee immer in der Nähe, Käse und Schokolade – schon allein die idyllischen Bilder, die einem in den Sinn kommen, machen Lust auf ein Leben in der Schweiz. Zudem ist das Land bekannt für die guten Gehälter. Und auch die medizinischen Fakultäten zählen zu den besten in Europa. Attraktiv sind für viele der Fokus auf praxisnahes Lernen und der frühe Patientenkontakt. Dazu noch die Möglichkeit, im Ausland, aber trotzdem auf Deutsch zu studieren und die Familie nur einen Katzensprung entfernt zu wissen – die Ausbildung in der Schweiz ist bei deutschen Studierenden beliebt.

Die schlechte Nachricht: Die Nachfrage nach Studienplätzen ist hoch – und nicht alle, die gerne wollen, schaffen es auch. Ausländische Bewerber haben nur in speziellen Fällen eine Chance, etwa wenn die Eltern seit mindestens fünf Jahren eine schweizerische Arbeitserlaubnis haben. Auch um einen frühzeitigen Umzug kommst Du nicht herum.

Der EMS-Aufnahmetest – ein Muss für das deutschsprachige Studium

Die Plätze in der Humanmedizin sind stark begrenzt. Deshalb gilt für die deutschsprachigen Universitäten: Ob aus dem Ausland oder nicht, wer hier Humanmedizin, Tiermedizin oder Zahnmedizin studieren will, muss den Eignungstest für das Medizinstudium in der Schweiz (EMS) absolvieren – und sollte ein möglichst gutes Ergebnis vorweisen können. Damit ist die Hürde auch in unserem schönen Nachbarland recht hoch. Und wer schon hellhörig geworden ist: Die Universitäten in Genf, Lausanne und Neuenburg, bei denen die Unterrichtssprache Französisch ist, nutzen das Verfahren nicht. In Genf ist das Medizinstudium tatsächlich zulassungsfrei, das bedeutet, Du kannst Dich einfach dafür anmelden – allerdings wird im ersten Studienjahr ganz schön ausgesiebt. Der EMS ist hier auch eine gute Gelegenheit, die eigenen Studierfähigkeiten einzuschätzen.

Aufbau und Inhalt

Der EMS ist ein Studierfähigkeitstest, der dem deutschen TMS stark ähnelt. Er testet kein Fachwissen, sondern grundlegende Fähigkeiten zu testen, die für das Medizinstudium wichtig sind. In neun Aufgabengruppen werden räumliches Denken, Merkfähigkeit, mathematisch-logisches Denken, Textverständnis mit naturwissenschaftlichem Fokus und Konzentrationsfähigkeit geprüft – meistens im Multiple-Choice-Format.

Insgesamt dauert der Test 235 Minuten, wobei für die verschiedenen Blöcke unterschiedlich viel Zeit zur Verfügung steht. Dabei nimmt die Schwierigkeit immer weiter zu. Du kannst Dir also vorstellen, dass schon das Testverfahren selbst einiges an Stressresistenz und Konzentration erfordert.

Testergebnis

Da es für jeden Block 18 Punkte gibt, kannst Du insgesamt 162 Punkte erreichen – allerdings kommt es nicht auf die genaue Punktzahl an, sondern auf Deine Leistung im Vergleich zu den Mitstreitern. Die Möglichkeiten, mit dem EMS eine Zulassung zu erhalten, variieren je nach Jahr, man kann aber davon ausgehen, dass etwa 35 Prozent der Teilnehmer einen Studienplatz erhalten. Als grobe Orientierung gilt: Mit mindestens 60 Prozent der Punkte bei jedem Untertest stehen die Chancen ganz gut.

Wie läuft die Anmeldung ab?

Die Teilnahme am Test geht in der Schweiz Hand in Hand mit der Verteilung der Studienplätze und wird über swissuniversities organisiert. Hier musst Du Dich bereits im Februar anmelden und Deine Hochschulpräferenzen angeben. Die Teilnahme am Test selbst muss spätestens im Mai separat angemeldet werden. Dazu brauchst Du eine anerkannte Hochschulzugangsberechtigung.

Nach Auswertung der Testergebnisse werden die Studienplätze verteilt – das heißt, Du bekommst direkt die Nachricht, ob Du einen Studienplatz erhalten hast oder nicht.

So klappt der Weg in die Schweiz

Auch wenn es an den meisten Universitäten keinen Numerus Clausus gibt, ist es nicht gerade einfach, an einen Studienplatz in der Schweiz zu kommen – aber schließlich studiert sich Medizin auch nicht von allein. Es gibt viele Bücher und sogar Kurse, mit denen Du Dich auf den Test vorbereiten kannst. Denn es geht nicht nur um die kognitiven Voraussetzungen: Viele Aufgaben sind mit Übung viel besser zu lösen und auch Zeitmanagement lässt sich trainieren.

Wenn Du grundsätzlich die Voraussetzungen für ein Medizinstudium in der Schweiz mitbringst und Dich reinhängst, kannst Du es schaffen. Und dann warten nicht nur traumhafte Landschaften und eine Top-Ausbildung, sondern auch tolle Berufsaussichten auf Dich!

Über die Autorin

Jana Detscher

Jana studiert derzeit im Masterstudiengang "Theorien und Praktiken professionellen Schreibens" und widmet sich mit großer Leidenschaft dem präzisen und kreativen Umgang mit Sprache. Ob bei der Recherche oder beim zielgruppengerechten Schreiben – Jana bringt fundierte Erfahrung im redaktionellen Arbeiten mit, unter anderem durch Stationen beim Literaturhaus Köln und dem Dokumentationszentrum DOMiD e.V.

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