Da war immer dieser Gedanke: Was wäre, wenn…? Vielleicht hat es nach dem Abi nicht direkt geklappt und Du hast bewusst einen anderen Weg eingeschlagen. Und jetzt fühlt es sich nach einem „Zu spät“ an – die verpasste Chance, Medizin zu studieren. Aber es gibt Möglichkeiten, Deinen Traum doch noch zu verwirklichen. Hier erfährst Du alles, was Du wissen musst.
Oft bereut man die Dinge, die man nicht getan hat – aber eine falsche Auswahl des Studienfachs kann sich wie ein Fehler anfühlen. Schließlich legt man damit den Grundbaustein für die berufliche Zukunft. Und wenn Du weißt, dass Du eigentlich als Arzt arbeiten willst, solltest Du dem nachgehen. Schritt für Schritt, ein Stein auf dem anderen – am Ende zählt das Ergebnis.
Was ist eigentlich ein Zweitstudium?
Wenig überraschend: Bei einem Zweitstudium geht es um ein weiteres grundständiges Studium, das nach dem ersten Hochschulabschluss aufgenommen wird. Ein konsekutiver Master, der auf einem Bachelorstudium aufbaut, zählt also nicht als Zweitstudium. Viele starten im jungen Alter in ein Studium und merken dann, dass sie in dem Berufsfeld doch nicht glücklich werden. Ein Zweitstudium ist dann ein wirklicher Neustart.
Kein einfacher Weg in der Medizin
Für viele Fächer gelten für das Zweitstudium dieselben Voraussetzungen wie für ein Erststudium. In der Humanmedizin ist das Verfahren allerdings deutlich komplizierter. Das liegt vor allem daran, dass längst nicht alle Bewerber einen Platz erhalten und die meisten Studienplätze für Erststudierende reserviert sind. Nur drei Prozent der Plätze stehen für diejenigen zur Verfügung, die bereits einen Abschluss mitbringen.
Bewerbung und Zulassung
Auch für ein Zweitstudium erfolgt die Bewerbung im Dialogorientierten Serviceverfahren (DoSV) auf Hochschulstart. Nach der Registrierung musst Du bei der Antragstellung mitteilen, dass Du Dich für ein Zweitstudium bewirbst. Die erforderlichen zusätzlichen Unterlagen musst Du dann per Post an Hochschulstart geschickt.
Um eine Rangfolge der Zweitbewerber festzulegen, werden maximal vier Punkte für die Abschlussnote des Erststudiums und bis zu elf Punkte für die Begründung des Zweitstudiums verteilt, die zu einer Messzahl zusammengerechnet werden – je höher die Punktzahl, desto größer Deine Chance. Realistische Chancen hast Du ab etwa zehn Punkten.
Der Wechsel muss schriftlich, auch einem separaten Blatt, begründet werden. Hochschulstart erkennt verschiedene Arten von Gründen an und verteilt unterschiedlich viele Punkte dafür: Zwingende, besondere oder sonstige berufliche Gründe (4, 7 oder 9 Punkte), Wissenschaftliche Gründe (7,9 oder 11 Punkte) und sonstige Gründe (1 Punkt). Dabei gilt: Es gibt nur Punkte für die jeweils günstigste Fallgruppe – also entweder für berufliche oder wissenschaftliche Gründe. Zusätzlich sind aber zwei Punkte für einen Wiedereingliederung oder einen Neueinstieg nach einer Familienphase möglich.
Berufliche Gründe
Wie viele Punkte Du erhältst, hängt also davon ab, wie gut Du Deinen Wechsel argumentieren kannst. Und dabei reicht Interesse längst nicht aus: Wichtig ist, dass die Verbindung von Erst- und Zweitstudium zu einem signifikanten Wettbewerbsvorteil führt. Alles, was argumentiert wird, solltest Du auch belegen können: Seien es Nachweise über eine Tätigkeit, die im Zusammenhang mit Erst- und Zweitstudium steht oder eine Bestätigung über erfolglose Bewerbungen durch die Agentur für Arbeit– Dir einfach etwas auszudenken wird nicht reichen. Aussagen ohne Nachweise werden nicht anerkannt.
Wissenschaftliche Gründe
Um Punkte für wissenschaftliche Gründe zu erhalten, musst Du anhand Deines Lebenslaufs Deinen gewünschten Forschungsschwerpunkt argumentieren können. Wichtig dabei: Warum ist ein zusätzliches Medizinstudium dafür notwendig? Auch hier gilt: Am besten gehst Du bereits einer wissenschaftlichen Tätigkeit nach oder kannst belegen, dass Du diese anstrebst. Dabei kannst Du alles auf den Tisch bringen, was das belegt: Mitarbeit in einem Forschungsprojekt oder Veröffentlichungen machen Deine Argumentation glaubhaft.
Für wissenschaftliche Gründe brauchst Du zudem ein Gutachten Deiner Wunschuni, das Du mindestens einen Monat vor Bewerbungsschluss beantragen solltest. Während Hochschulstart darüber entscheidet, ob es Punkte für berufliche Gründe gibt, vermerkt der Gutachter das Ergebnis hier selbst und leitet die Punktzahl an Hochschulstart weiter.
Die besten Voraussetzungen – und Alternativen
Ein kompletter Wechsel aus einem fachfremden Studiengang mit dem Zweitstudium in Medizin ist fast ausgeschlossen, da es dann kaum möglich ist, wissenschaftliche oder berufliche Gründe zu finden, die sich aus dem bisherigen Berufsweg ergeben.
Gute Chancen hast Du mit naturwissenschaftlichen Fächern wie Biologie, Chemie und Physik. Auch Fächer wie Psychologie können den passenden Bezug bieten. Sehr unproblematisch ist es in der Regel für gute Absolventen eines Zahnmedizinstudiums.
Den Traum vom Arztberuf über ein Zweitstudium zu verfolgen, führt bei einem unpassenden Erststudium wahrscheinlich zu Frustration. Anders verhält es sich damit aber, wenn ein Auslandsstudium für Dich eine Option ist. Hier spielt ein bereits vorhandener Abschluss in der Regel keine Rolle oder kann die Aufnahmechancen sogar erhöhen.
Und falls Du schon während dem Bachelor merkst, dass es Dich zur Medizin zieht: Versuch es so bald wie möglich – denn vor Abgabe Deiner Abschlussarbeit zählst Du noch als regulärer Bewerber.
Kein einfacher Weg – aber möglich
Über die Zweitbewerberquote zum Medizinstudium zu kommen ist kein leichter Weg. Der Versuch lohnt sich dann, wenn Du gute wissenschaftliche oder berufliche Gründe vorweisen kannst. Es ist nie zu spät einen neuen Weg einzuschlagen – und wenn Du flexibel bist, kannst Du Deinen Traum auch auf andere Art verwirklichen, zum Beispiel mit einem Studium im Ausland. Was zunächst als Umweg wirkt, entpuppt sich dabei oft als die erfahrungsreichste Zeit des Lebens.

Jana Detscher
Jana studiert derzeit im Masterstudiengang "Theorien und Praktiken professionellen Schreibens" und widmet sich mit großer Leidenschaft dem präzisen und kreativen Umgang mit Sprache. Ob bei der Recherche oder beim zielgruppengerechten Schreiben – Jana bringt fundierte Erfahrung im redaktionellen Arbeiten mit, unter anderem durch Stationen beim Literaturhaus Köln und dem Dokumentationszentrum DOMiD e.V.
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