Medizinstudium in Deutschland

Medizinstudium in Deutschland mit GCE/A-Level

Von Jana Detscher5 Min. Lesezeit
Internationale Zeugnisse mit Uni-Broschüre – Medizinstudium in Deutschland mit GCE/A-Levels

Du willst in Deutschland Medizin studieren und weißt nicht, ob das mit Deinem Abschluss geht? Das GCE ist mit einem deutschen Fachabitur vergleichbar. Nur unter bestimmten Voraussetzungen wird es auch als Hochschulzugangsberechtigung für das begehrte Medizinstudium anerkannt. In diesem Artikel bringen wir Licht ins Dunkel.

Das Medizinstudium in Deutschland ist begehrt – bei deutschen wie bei internationalen Bewerbern. Ein Grund dafür sind auch die niedrigen Studiengebühren: Während ein Medizinstudium in England mehrere tausend Pfund im Jahr kostet, fallen hier zumindest an staatlichen Universitäten nur geringe Semestergebühren an. Allerdings ist das Studium nicht für jeden möglich: Dabei kommt es vor allem darauf an, welche für die Medizin relevanten Fähigkeiten durch das GCE geprüft wurden – und natürlich geht es auch um die Frage: Mit welchem Schnitt hat man überhaupt Chancen, einen Platz zu erhalten?

GCE/A-Levels – was bedeutet das überhaupt?

Das General Certificate of Education ist ein Schulabschluss, der in Großbritannien, aber auch an internationalen Schulen weltweit vergeben wird. Mit dem Zusatz Advanced Level (kurz GCE A-Level) gilt er in vielen Ländern als Hochschulzugangsberechtigung.

Ein A-Level-Programm besteht dabei aus dem AS-Level (Advanced Subsidiary) im ersten Jahr und dem A2-Level im zweiten Jahr. Da die Auswahl der A-Level-Fächer eine starke Spezialisierung beinhaltet, kann das GCE A-Level als fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung anerkannt werden.

Wichtig: Das AS-Level wird nicht mehr als Hochschulzugang bewertet – es müssen also die A2-Prüfungen abgeschlossen werden, um sich für das Medizinstudium zu qualifizieren.

Allgemeine Bestimmungen zur Bewertung des GCE/A-Level als fachgebundene HZB

Prinzipiell wird für die Bewertung ein mindestens 12-jähriger Schulbesuch vorausgesetzt. Außerdem muss das A-Level durch ein Zeugnis der offiziellen britischen Awarding Bodies nachgewiesen werden. Zu diesen anerkannten „Awarding Bodies“ zählen derzeit: AQA, Cambridge Assessment International Education (früher Cambridge International Examinations), CCEA, LRN (Learning Resource Network), OCR, Oxford AQA, Pearson (früher Edexcel), WJEC bzw. WJEC Eduqas.

Auch die zulässigen allgemeinbildenden und berufsbildenden A-Level-Fächer, die die Grundvoraussetzungen erfüllen, sind klar definiert:

  • Für die Anerkennung müssen drei allgemeinbildende, voneinander unabhängige Fächer im A-Level mindestens mit der Note C nachgewiesen werden.
  • Zwei dieser Fächer müssen aus den Bereichen Sprache, Geschichte, Geographie, Sozialkunde/Politik, Wirtschaft, Mathematik, Biologie, Chemie, Physik und Informatik gewählt werden. Die genaue Auflistung der zulässigen Fächer findest Du hier.
  • Als drittes Fach kann ein weiteres unabhängiges Fach aus der oberen Liste oder ein weiteres allgemeinbildendes Fach aus dieser Liste gewählt werden.

Voraussetzungen für das Medizinstudium

Sofern die allgemeinen Anforderungen erfüllt sind, kommt es nun auf die fachspezifischen Bestimmungen an. Da für das Medizinstudium besonders mathematisch-naturwissenschaftliche Grundlagen essenziell sind, benötigst Du drei A-Level aus den Bereichen Mathematik, Biologie, Chemie, Physik oder Informatik.

Allerdings sind die Anforderungen für ein Medizinstudium in Deutschland ziemlich hoch: Du brauchst ein sehr gutes A-Level-Zeugnis, um dem deutschen Numerus Clausus zu entsprechen. Die Berechnung erfolgt nach der sogenannten Bayerischen Formel – vereinfacht gesagt entspricht eine A* einer 1,0 im deutschen Notensystem. Das Zeugnis kannst Du bei einer zuständigen Zeugnisanerkennungsstelle des Bundeslandes prüfen und umrechnen lassen.

Wenn der Abschluss nicht ausreicht – das Studienkolleg als zweite Chance

Aber was, wenn eines der Kriterien nicht erfüllt ist und das GCE nicht als fachgebundene Hochschulzugangsberechtigung anerkannt wird?

Es gibt die Möglichkeit, nachzuweisen, dass Du die erforderlichen Grundlagen nachgeholt hast: Die Feststellungsprüfung im M-Kurs wurde speziell für Bewerber für biologische und medizinische Studiengänge konzipiert. Den Test kannst Du grundsätzlich auch als externer Teilnehmer ablegen. Viele besuchen jedoch zur Vorbereitung ein Studienkolleg, in welchem Du innerhalb von zwei Semestern Inhalte aus den Fächern Mathematik, Deutsch, Biologie, Chemie und Physik vermittelt bekommst. Die Bewerbungsnote setzt sich dann in der Regel im Verhältnis 50 zu 50 aus Deiner Abschlussnote und der FSP-Note zusammen.

Die Bewerbung mit anerkanntem GCE/A-Level

Damit steht Deiner Bewerbung über Hochschulstart nichts mehr im Wege. Wie das geht, kannst Du hier nachlesen.

Als EU-Staatsbürger wird Deine Bewerbung in der Regel der von einem Bewerber mit deutscher Hochschulzugangsberechtigung gleichgestellt. Weil auch ein sehr guter Schnitt kein Garant für einen Studienplatz ist, solltest Du darüber nachdenken, Deine Bewerbung mit einem Test für Medizinische Studiengänge (TMS) aufzuwerten: Mit dem medizinischen Eignungstest kannst Du zeigen, dass Du die nötigen Fähigkeiten hast, um das anspruchsvolle Studium auch durchzuziehen. Mittlerweile greifen viele Bewerber auf diese Möglichkeit zurück: Denn anders als viele denken, werden nur 30 Prozent der Studienplätze an die Bewerber mit dem besten Schnitt vergeben.

Neben dem TMS können auch Kriterien wie Berufserfahrung und Engagement eine Rolle spielen.

Auf die Quote kommt es an – Sonderregelungen für internationale Bewerber

Wirklich komplex wird es bei der Frage nach der Bewerberquote. Denn auch mit der Feststellungsprüfung giltst Du nicht automatisch als gleichgestellter Bewerber. Und über die Sonderquote für internationale Bewerber werden nur etwa fünf Prozent der Studienplätze vergeben.

Als EU-Bürger bist Du deutschen Bewerbern grundsätzlich gleichgestellt, sofern Du eine passende Hochschulzugangsberechtigung mitbringst.

Als Nicht-EU-Bürger fällst Du in der Regel unter die 5 Prozent-Quote – allerdings gibt es hier Sonderfälle, etwa wenn große Teile Deiner Schulbildung in Deutschland stattgefunden haben. Leider finden sich nicht zu allen Kombinationen der relevanten Faktoren verlässliche Informationen. Für Sonderfälle empfiehlt es sich, direkt bei Hochschulstart nachzufragen.

Sprachliche Voraussetzungen

Für alle Bewerber gilt: Sofern Du keine deutschsprachige Hochschulzugangsberechtigung mitbringst, musst Du Deine Sprachkenntnisse bei der Einschreibung an der Hochschule nachweisen. Außerdem müssen die Bewerbungsunterlagen in deutscher Sprache vorliegen – sollten sie das nicht sein, musst Du eine amtlich beglaubigte Übersetzung beilegen. Hochschulzugangsberechtigungen werden auch in englischer oder französischer Sprache akzeptiert.

Zusammengefasst: So klappt es mit dem Studium

Das Medizinstudium in Deutschland ist mit dem GCE/A-Level absolut realistisch, wenn Du sehr gute Noten mitbringst – allerdings kommt es auch auf die Details an. Wenn Du noch nicht mit der Schule fertig bist und schon weißt, dass Du Medizin studieren willst, lohnt es sich, die Fächerwahl anzupassen. Denn wenn die Anforderungen an das Zeugnis nicht erfüllt sind, wird es komplizierter.

Möglich ist es aber auch mit dem Besuch eines Studienkollegs. Dieses stellt auch eine gute Gelegenheit dar, die Sprache zu üben und sich einzufinden. Außerdem: Mit Leuten aus aller Welt auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten, kann eine bereichernde Erfahrung sein – das Studienkolleg ist also keine verlorene Zeit.

Über die Autorin

Jana Detscher

Jana studiert derzeit im Masterstudiengang "Theorien und Praktiken professionellen Schreibens" und widmet sich mit großer Leidenschaft dem präzisen und kreativen Umgang mit Sprache. Ob bei der Recherche oder beim zielgruppengerechten Schreiben – Jana bringt fundierte Erfahrung im redaktionellen Arbeiten mit, unter anderem durch Stationen beim Literaturhaus Köln und dem Dokumentationszentrum DOMiD e.V.

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