Wissenswertes

Pflegepraktikum für Medizinstudenten

Von Jana Detscher4 Min. Lesezeit
Pflegepraktikant hilft auf Station – Pflegepraktikum für Medizinstudenten

Der erste Schritt vom Hörsaal in die Praxis – bevor Du im Medizinstudium auch nur zu Übungszwecken ein Skalpell in die Hand bekommst, wirst Du einige Betten frisch bezogen, Patienten gewaschen und viele Händchen gehalten haben: Als Praktikant im Krankenpflegepraktikum.

Erfahrungen mit Patienten sind ein wichtiger Teil des Medizinstudiums und das schon zu einem frühen Zeitpunkt. Das Krankenpflegepraktikum muss vor dem Physikum absolviert werden und dauert insgesamt 90 Tage. Dieser Zeitraum kann auch in Blöcke von je mindestens 30 Tagen aufgeteilt und auf unterschiedlichen Stationen durchgeführt werden. Dabei ist es wichtig einiges zu beachten: Zum einen muss das Praktikum tatsächlich in einem Krankenhaus oder einer Reha-Einrichtung durchgeführt werden – also keine Arztpraxis, kein Rettungsdienst und auch keine andere Pflegeeinrichtung. Die Hauptaufgabe der Station muss dabei im pflegerischen Bereich liegen, OP-Saal und Notaufnahme sind damit keine Optionen. Es werden nur Bettenstationen in staatlichen oder staatlich anerkannten Einrichtungen mit ständiger ärztlicher Leitung und pflegerischer Hilfeleistung anerkannt.

Wozu das Ganze?

Wenn Du später einmal als Arzt arbeiten willst, kannst Du nicht früh genug in den Kontakt mit Patienten kommen. Denn auch wenn Deine Tätigkeit später einmal ein wenig anders aussehen wird, brauchst Du dieselben Skills wie in der Pflege: ein professioneller und empathischer Umgang mit Patienten im stressigen Umfeld des Krankenhauses, wertschätzende und effektive Kommunikation und Teamarbeit. Zu sehen, wie in der Pflege gearbeitet wird, verhilft vielen zu einem Perspektivwechsel, etwa wenn es darum geht zu verstehen, was das Pflegepersonal alles leistet. Da Du ganz normal im Schichtdienst eingesetzt wirst, bekommst Du auch einen guten Einblick in den Krankenhausalltag.

Das Praktikum ist außerdem ein guter Anlass, um Dir schon einmal Gedanken darüber zu machen, in welchen Arbeitskontexten Du Dich später siehst: Ist der Einsatz im Schichtbetrieb etwas für Dich? Freust Du Dich über den Kontakt mit Patienten oder merkst Du, dass Du Dich eigentlich doch zurück an den Schreibtisch sehnst? Sich mit diesen Fragen zu einem frühen Zeitpunkt im Studium auseinanderzusetzen ist sehr sinnvoll, da Du gegebenenfalls nach alternativen Berufsfeldern schauen kannst – schließlich kommen für Mediziner nicht nur Klinik oder Praxis als Arbeitsstellen infrage.

Der richtige Zeitpunkt für die Bewerbung

Dass gerade die ersten Semester für viele anstrengend sind, ist klar – in den Semesterferien auch noch ein Praktikum zu absolvieren stellt eine zusätzliche Belastung dar. Allerdings kannst Du das Praktikum auch schon vor Studienstart leisten: Die Zeit nach dem Abitur eignet sich dafür besonders gut. Auch Bundesfreiwilligendienste oder FSJ können anerkannt werden – dafür informierst Du Dich am besten beim zuständigen Landesprüfamt. Ein geleistetes Pflegepraktikum während der Schulzeit reicht dagegen nicht aus.

Falls Du bereits eine abgeschlossene Ausbildung in einem medizinischen Beruf hast und als Quereinsteiger in das Medizinstudium startest, können auch hier verschiedene Tätigkeiten als Pflegepraktikum angerechnet werden.

Wichtig ist wie immer: Genug Zeit einplanen, damit Du nicht kurz vor dem Physikum in Bedrängnis kommst. Die Bewerbung ist unkompliziert: Meistens genügt ein Anruf bei der Pflegedienstleitung mit der Nachfrage, ob und wann ein Praktikum absolviert werden kann. Das klassische Prozedere mit Lebenslauf und Zeugnissen kannst Du Dir hier also sparen.

Unbedingt drauf achten: Für den Antritt des Praktikums brauchst Du eine Hepatitis Impfung, die mindestens sechs Wochen alt ist!

Weder Kaffee kochen noch der Sprung ins kalte Wasser

Im Krankenpflegepraktikum sollst Du praktische medizinische Fähigkeiten und Alltagsaufgaben erlernen. Du wirst natürlich nur mit Aufgaben betraut, für die Du die notwendigen Kenntnisse mitbringst und stehst unter ärztlicher Aufsicht. Typische Aufgaben sind dabei die Blutentnahme, Temperatur- und Blutdruckmessungen, Hilfe bei der Körperpflege, das Austeilen und Anreichen von Essen. Außerdem gehören auch hauswirtschaftliche Tätigkeiten wie Betten wechseln dazu. Die Checkliste des Hartmann-Bundes bietet eine Übersicht über die Aufgabenbereiche.

Du wirst schnell feststellen, dass vieles beim ersten Mal eine Herausforderung ist, Du aber sehr viel in kürzester Zeit dazulernst und geübter wirst. Und vor allem: Viel über die Schulter schauen, zuhören und mithelfen, wo Du Dich einbringen kannst. Dabei lernst Du am meisten über den Umgang mit Menschen in verletzlichen Situationen und wirst sicherlich von vielen wertvollen Begegnungen profitieren.

Was bekomme ich dafür?

Mit dem Abschluss des Praktikums erhältst Du in erster Linie die Eintrittskarte zum ersten Staatsexamen. Vordrucke für die Bescheinigung findest Du bei dem zuständigen Landesprüfungsamt. Dabei solltest Du darauf achten, dass die Bescheinigung wirklich erst am letzten Tag des Praktikums ausgefüllt, von der Pflegedienstleitung unterschrieben und mit Klinikstempel versehen wird.

Bezüglich der Bezahlung gibt es keine festen Vorgaben. Oft bekommst Du für das Praktikum kein Geld, aber auch dann solltest Du es positiv sehen: Die Erfahrungen, die Du in dieser Zeit sammeln kannst, sind unbezahlbar.

Übrigens: Das Praktikum kann auch im Ausland absolviert werden. Wenn Du direkt noch ein neues Land kennenlernen willst, kannst Du die Zeit auch nutzen, um in ein Abenteuer der besonderen Art starten.

Über die Autorin

Jana Detscher

Jana studiert derzeit im Masterstudiengang "Theorien und Praktiken professionellen Schreibens" und widmet sich mit großer Leidenschaft dem präzisen und kreativen Umgang mit Sprache. Ob bei der Recherche oder beim zielgruppengerechten Schreiben – Jana bringt fundierte Erfahrung im redaktionellen Arbeiten mit, unter anderem durch Stationen beim Literaturhaus Köln und dem Dokumentationszentrum DOMiD e.V.

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