Wenn Plan A schon immer das Medizinstudium war, ist die Enttäuschung oft groß, wenn es nicht auf Anhieb klappt. Gut, wenn man einen Plan B hat – aber manchmal entpuppt sich dieser dann doch als Plan D, und da ist wieder dieses „Was wäre, wenn…?“ Ein Leben im Konjunktiv muss nicht sein. Hier erfährst Du, wann es sich lohnt, auf Plan A zurückzugreifen und welche Möglichkeiten es dafür gibt.
Der Traum vom Medizinstudium – oft scheint er erst einmal gescheitert, wenn klar ist: Der Abischnitt reicht nicht. Denn die Zulassungsbedingungen sind nach wie vor streng und das, obwohl in Deutschland Ärztemangel herrscht. Aber: Auch ohne Bestnoten im Abitur gibt es Wege, sich den Traum vom Arztberuf doch noch zu erfüllen. Dazu kann ein Quereinstieg eine echte Option sein.
Quereinstieg – was bedeutet das?
Grundsätzlich versteht man unter Quereinstieg den Wechsel aus einem verwandten Studienfach in das Studium der Humanmedizin. Je nachdem, welche Leistungen im dem ersten Studiengang bereits erbracht wurden, ist es möglich, direkt in ein höheres Fachsemester einzusteigen. Dadurch verkürzt sich die Studienzeit entsprechend.
Auch wenn Du im Ausland ein Medizinstudium begonnen hast und dann an eine deutsche Uni wechseln möchtest, zählst Du als Quereinsteiger.
Wechsel aus einem verwandten Fach
Es gibt einige medizinnahe Studienfächer, die keine Zulassungsbeschränkung haben. Wenn Du in einem solchen eingeschrieben bist, kannst Du nach einigen Semestern einen Antrag auf Quereinstieg stellen. Die Bewerbung läuft dabei direkt über die Universitäten. Leistungen werden dabei ausschließlich aus den Studiengängen Zahnmedizin, Pharmazie, Biologie, Biochemie, Molekularmedizin und Chemie anerkannt. Es reicht nicht, einfach nur in einem dieser Fächer eingeschrieben zu sein: Entscheidend ist die Anerkennung von erworbenen Scheinen.
Dabei sieht die Rechnung folgendermaßen aus: Du benötigst in der Regel zwei große und zwei kleine Scheine, um Dir ein Semester anrechnen zu lassen. Manchmal können auch drei oder vier große Scheine für ein Semester angerechnet werden. Die genaue Bewertung erfolgt gemäß der Approbationsordnung. Welche Kurse und Veranstaltungen dabei als Schein angerechnet werden, hängt natürlich von dem Fach ab. Für die Bewerbung benötigst Du den Anrechnungsbescheid, der vom zuständigen Prüfungsamt ausgestellt wird.
In den letzten Jahren ist dieses Vorgehen beliebter geworden, wodurch sich leider auch die Chancen auf Erfolg verringert haben. Einige versuchen bei einem abgelehnten Antrag, sich in einen Studienplatz einzuklagen. Das geht allerdings mit einem finanziellen Risiko einher – selbst bei einem Gewinn müssen die Kläger oft einen Großteil der Kosten tragen. Daher sollte eine Klage immer die letzte Option sein.
Wechsel aus dem Ausland
In vielen Ländern gibt es die Möglichkeit, ohne NC ein Medizinstudium aufzunehmen. Wenn Du bereits im Ausland Medizin studierst und nun doch wieder nach Deutschland wechseln willst, hast Du bessere Chancen, mit einem Quereinstieg erfolgreich zu sein. Empfehlenswert ist ein Wechsel in der vorklinischen Phase, also vor dem Physikum. Meistens kannst Du nach einem Jahr wechseln, weil viele Prüfungen erst am Ende des zweiten Semesters stattfinden.
Auch hier bewirbst Du Dich direkt an der Hochschule. Für den Anrechnungsbescheid des Landesprüfungsamts werden die bereits erbrachten Studienleistungen auf ihre Entsprechung mit dem deutschen Curriculum überprüft. Zusätzlich spielt der Abischnitt in der Bewerbung für die vorklinischen Fachsemester weiterhin eine Rolle: Die Wechselwahrscheinlichkeit ist bei einem Schnitt von 1,6 sehr viel höher als bei einem niedrigeren Wert.
Auch hier ist es als letzte Option möglich, eine Studienplatzklage einzureichen.
Immer ein Pluspunkt: Berufserfahrung
Wenn Du bereits eine Berufsausbildung in einem medizinischen Bereich hast, erhöht das Deine Chancen bei der Bewerbung deutlich – das gilt bei der Bewerbung für das erste Fachsemester, aber auch bei einem späteren Einstieg. Von Berufserfahrungen im Gesundheitswesen kannst Du zum einen während des Studiums profitieren, zum anderen sehen die Universitäten, dass Du bereits Kenntnisse mitbringst. Damit kannst Du im Zweifel auch einen schlechteren Abischnitt ausgleichen. Daher kann es auch sehr sinnvoll sein, sich diesen Weg durch den Kopf gehen zu lassen: Gerade im Vergleich zum Einstieg in ein alternatives Studium, mit dem die Chancen trotzdem gering stehen, ist eine Ausbildung oft die strategisch bessere Entscheidung.
Ankommen ist auch über Umwege möglich
Der Quereinstieg ins Medizinstudium verlangt Durchhaltevermögen, gute Planung und auch etwas Glück. Aber er ist machbar und eröffnet auch ohne NC echte Chancen, zum Medizinstudium zu kommen. Wenn es schon immer Dein Traum war, als Arzt in Deutschland zu arbeiten, solltest Du gut durchdenken, welcher Weg für Dich den größten Erfolg verspricht. Dann gilt: Keine Angst vor Umwegen! Plan A ist der richtige, auch wenn Du dafür einen Abstecher zu B oder C machen musst. Und oft sind die im Nachhinein kein Problem, sondern stecken voller überraschender und hilfreicher Erfahrungen.

Jana Detscher
Jana studiert derzeit im Masterstudiengang "Theorien und Praktiken professionellen Schreibens" und widmet sich mit großer Leidenschaft dem präzisen und kreativen Umgang mit Sprache. Ob bei der Recherche oder beim zielgruppengerechten Schreiben – Jana bringt fundierte Erfahrung im redaktionellen Arbeiten mit, unter anderem durch Stationen beim Literaturhaus Köln und dem Dokumentationszentrum DOMiD e.V.
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